Twitch Stream Setup

Twitch ist aus dem Leben vieler Menschen gar nicht mehr wegzudenken. Die Plattform ist schon lange nicht mehr nur etwas für Gamer. Spätestens unser Interview mit dem Commercial Director Europe von Twitch, Burkhard Leimbrock hat uns das klar gemacht. Vielleicht hast auch du schon einmal daran gedacht, selbst einen Stream zu übertragen. Wir haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und beantworten dir alle Fragen zum Thema, wie du einen Livestream auf Twitch zum Laufen bringst.

Die technische Grundlage

Um mit einem Livestream anzufangen, musst du als allererstes das nötige Equipment zuhause stehen haben. Keine Sorge, du brauchst keinen NASA-Rechner, der dich zum Mond schießt, um einen Livestream auf Twitch zu starten. Selbst der Beispielrechner aus unserem letzen PC-Bau-Guide ist eigentlich schon überqualifiziert.

Das wichtigste an deiner Videoübertragung ist, dass du eine Webcam hast. Eine Webcam gibt deinen Zuschauern ein Bild von dir (buchstäblich) und lässt deinen Stream professioneller erscheinen. Nur die Stimme aus dem Off wirkt sich auf Dauer nicht positiv auf dein Wachstum aus.

Die beiden wichtigsten Features bei einer Webcam sind eine Full-HD (1080) Auflösung und eine 60fps Bildrate. Kaufe dir am besten ein Licht mit dazu, mit dem du dein Gesicht bestrahlst. Eine 50 € Webcam und ein 50 € Licht in Kombination sehen besser aus als eine 1000 € Kamera komplett ohne Licht.

Viel wichtiger als das Bild ist allerdings der Sound. Ein gutes Mikrofon muss nicht 200 € kosten. Das Samson Go Mic beispielsweise kostet auf Amazon im Moment 44 € und bietet dir eine Qualität, die nicht viele Streamer zum Beginn ihrer Karriere hatten. Ein Mikrofon-Arm für weitere 20 € ist ebenfalls eine sehr gute Überlegung wert. Somit steht das Mic nicht direkt auf dem Tisch und befindet sich näher an deinem Mund.

Ein zweiter Bildschirm ist wahres Gold wert. So kannst du deine Streaming-Software oder den Twitch-Chat auf dem Seitenbildschirm laufen lassen. Überblick ist ein wichtiger Faktor, um eine gewisse Produktionsqualität zu wahren.

Die Uploadrate

Eine gute Internetleitung ist ein Muss. Deine genaue Uploadgeschwindigkeit kannst du mit der App „Network Speed Test“ aus dem Windows Store herausfinden. Du solltest nicht mehr als 75% deiner Uploadkapazität für den Twitch-Stream benutzen, weil du auch noch etwas für das Spiel und eventuell Discord benötigst. Jetzt gehen wir etwas näher ins Detail.

Twitch erlaubt eine maximale Übertragungsrate von 6000 Mbit die Sekunde. Das bedeutet aber nicht, dass du auch mit 6000 Mbit die Sekunde übertragen solltest. Bei großen Streamern kannst du einstellen, in welcher Qualität du den Stream wiedergeben möchtest. Twitch überträgt den Stream quasi in mehreren Versionen.

Als kleiner Streamer bist du allerdings an eine Qualität gebunden, weil Twitch deinen Stream zu Beginn nur mit deiner eingestellten Bitrate überträgt. User, deren Internetleitung keine 6000 Mbit die Sekunde downloaden kann, werden deinen Stream also nicht anschauen können, weil mehr Pakete übertragen werden, als der Zuschauer empfangen kann.

Deshalb ist es empfehlenswert, mit einer niedrigeren Übertragungsrate zu beginnen. Es ist gar nicht so schlimm, deinen Stream in normalem 720p laufen zu lassen. Ein knackiger 720p-Stream mit 60 fps sieht wesentlich besser aus als ein ausgewaschenes Full-HD-Bild mit 30 fps.

Stream-Software

Das Programm, welches ein Großteil der Streamer nutzt, heißt „Open Broadcast Software“, kurz OBS. Genauer gesagt nutzen sie die Stream Elements-Variante von OBS. Es gibt noch andere Programme, mit denen du live übertragen kannst, aber Stream Elements für OBS ist aktuell ganz einfach das beste. Momentan gibt es dazu keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Ein sehr gutes Tutorial zu Stream Elements für OBS hat der YouTube-Kanal Gaming Careers hochgeladen. Darin wird in sportlichen 16 Minuten ganz einfach und klar erklärt, wie du die Software bedienst und Szenen anlegst und bearbeitest. Das Tutorial anzuschauen ist effektiver, als alles was wir hier in Textform abliefern könnten.

Das von uns zuvor vorgestellte Twitch Studio bietet zwar einige schöne Ideen, ist allerdings noch nicht so weit ausgereift, dass wir es OBS vorziehen würden. Auch die Software XSplit ist in seinem Komplettpaket nicht so überzeugend wie Stream Elements für OBS.

Das Stream-Layout

Große Streamer wie Dr.Lupo, TimTheTatman oder auch Shroud, der kürzlich zu Mixer gewechselt ist, verwenden Stream-Layouts, die den Live-Stream nach einer richtig professionellen Übertragung aussehen lassen. Jetzt ist die große Frage, wie du an ein solches Layout überhaupt rankommst.

Eine Variante ist es, das Layout selbst zu erstellen. Die Adobe Creative Cloud bietet dir dafür alle technischen Voraussetzungen. Für den wahrscheinlichen Fall, dass du kein gelernter Grafikdesigner bist, kannst du dir auch ein Layout kaufen. Das muss gar nicht viel kosten. Auf Fiverr gibt es grundlegende Layouts für angehende Twitch-Streamer bereits ab 15 €. Etwas Anspruchsvolles kannst du dir kaufen, wenn dein Stream erst einmal Geld abwirft.

Die wichtigste Eigenschaft deines Layouts ist ein animierter „Stinger“-Übergang. So ein Stinger wird zwischen dem Wechsel von zwei Szenen abgespielt und verschleiert den eigentlichen Übergang. Das hast du mit Sicherheit schon einmal bei einem großen Streamer gesehen.

Später kannst du dir dann noch Gedanken über ein saisonales Layout machen, das sich Feiertagen oder anderen Ereignissen anpasst. Das ist für dich allerdings noch Zukunftsmusik.

Du bist der wichtigste Faktor

Warum gucken sich so viele Leute Profifußball an? Weil es ein Unterhaltungsprogramm der obersten Klasse ist. Ganz genau so muss dein Twitch-Stream auch sein. Personen, die auf eine Übertragung klicken und nicht sofort unterhalten werden, gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort wieder weg.

Als allererstes musst du aber erst einmal überhaupt gefunden werden. Das schaffst du garantiert nicht, wenn du damit anfängst, gesättigte Spiele zu streamen. Was meinen wir mit „gesättigten“ Spielen? Nehmen wir League of Legends als Beispiel. Jeden Tag steht das Spiel in den Top 3 der meistgeschauten Übertragungen auf Twitch. Es ist keine Seltenheit, dass gut und gerne über 3000 Leute zur gleichen Zeit nur LOL streamen. Deine Chance gefunden zu werden, ist also gleich Null, denn kein Schwein scrollt bis ganz nach unten, nur um deinen Stream zu finden.

Es geht also darum, ein Spiel zu streamen, das nicht zu sehr von anderen Streamern übertragen wird, allerdings noch genügend Relevanz bietet, damit du überhaupt eine Viewership aufbauen kannst.

Der zweite Punkt auf der Liste wäre dann deine Fähigkeit, deine Zuschauer bei der Stange zu halten. Eine richtige Live-Übertragung ist etwas anderes als ein YouTube-Video. Du kannst keine Versprecher wegschneiden, musst quasi ununterbrochen reden und immer „On The Spot“ den richtigen Spruch parat haben. Das ist für sehr viele angehende Streamer das Schwerste. Selbst mit null Viewern solltest du immer reden. Einfach, damit du Übung in deinen Redeflow bekommst.

Damit aber nicht genug. Neben den ersten beiden Faktoren solltest du nach Möglichkeit auch noch verdammt gut in dem Spiel sein, welches du überträgst. Das ist aber nicht unbedingt ein Muss. Nicht jeder Spieler kann ein mechanischer Gott sein. Es wird dir aber auch jeden Fall helfen, Zuschauer heranzuziehen, weil viele Leute in den Spielen, die sie auf Twitch anschauen, besser werden möchten. Kennst du dich gut aus in einem beliebten Spiel? Dann gib den Zuschauern Tipps und erkläre, was du dir bei deinen Aktionen denkst.

Social Media

Twitch ist die schwerste Plattform, um Follower aufzubauen. Das ist ganz einfach ein Fakt. Du hast immer zur selben Zeit eine fünfstellige Anzahl an Wettbewerbern, die um die Gunst deiner Zuschauerschaft buhlen. Deshalb ist es wie auf keiner anderen Plattform sonst so wichtig, dass du deine anderen Social-Media-Kanäle pflegst und aktiv betreibst.

YouTube, Twitter, Instagram, Facebook und Discord sind Pflichtprogramme für dich. Lade hier jedoch nicht einfach nur Stream-Highlights hoch, sondern erstelle etwas Kreatives. Während des Streams kannst du mit OBS das Gameplay regulär aufnehmen und dann später in Originalqualität wiedergeben. Somit hast du in deinen YouTube-Videos immer die bestmögliche Qualität.

Twitter, Instagram und Facebook erklären sich von selbst. Dort postest du Statusmeldungen und sorgst dafür, dass du auf diesen Plattformen gefunden werden kannst. Discord ist nach YouTube das interessanteste Medium. Dort kannst du dich mit anderen Creatorn verbinden, auseinandersetzen, nach Tipps fragen und dir einen kleinen Namen in der Community machen. Bleibe aber in deinem ungefähren Viewerbereich. Leute, die regelmäßig 5000 Zuschauer versammeln, werden keine Kollaborationen mit dir machen wollen.

Suche dir eine kleine Gruppe zusammen und bewerbt euch gegenseitig in euren Streams. Spielt zusammen und baut euch euer eigenes kleines Netzwerk auf. Für dich ist es wichtig, dass Leute deinen Content sehen und Lust auf mehr bekommen. Das funktioniert am besten, mit anderen Leuten zusammen.

Rundfunklizenz

Was wären wir ohne unser geliebtes Deutschland. Große Streamer, die ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben, benötigen eine Rundfunklizenz, um überhaupt streamen zu dürfen. Der Kanal Pietsmiet ist wohl das bekannteste Beispiel. So eine Lizenz kann zwischen 1.000 und 10.000 € kosten.

Die Kriterien, um als Rundfunk eingestuft zu werden, liegen leider sehr niedrig. Sie sehen wie folgt aus:

  • Der Beitrag ist live oder wird über einen Sendeplan veröffentlicht. Auf Twitch ist das aus technischen Gründen immer der Fall. Ein Sendeplan ist bereits gegeben, wenn du einmal die Woche an unterschiedlichen Tagen streamst.
  • Mindestens 500 Leute können deinen Stream zur selben Zeit anschauen. Auf Twitch ist das aus technischen Gründen immer der Fall.
  • Das Angebot ist journalistisch-redaktionell gestaltet. Hier reicht schon eine Stimme, die das Geschehen kommentiert.
  • Das Angebot steht regelmäßig bzw. dauerhaft zur Verfügung.

Du musst jetzt aber keine Angst haben. Bei kleinen Streamern, die im Amateur- und Hobbybereich agieren, macht die Landesmedienanstalt in der Regel Ausnahmen. Sollte dein Kanal von jemandem gemeldet werden, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber dazu verpflichtet, deinen Kanal zu überprüfen.

Musik

Die technischen Möglichkeiten, um Musik auf Twitch zu übertragen, hat theoretisch jeder. Aber nur, weil du ein Spotify-Abo hast, darfst du nicht automatisch alles übertragen. Die Stream-Aufzeichnungen werden im Nachhinein stummgeschaltet, sollte das System einen urheberrechtlich geschützten Song im Hintergrund erkennen.

Die Band Maroon 5 hat in der Vergangenheit sogar schon Streamer für die Nutzung der Musik gestriked. Anders als bei YouTube bleibt ein Twitch Strike für immer auf deinem Profil. Deshalb ist es empfehlenswert, nur Copyright-freie Musik in deinen Streams zu verwenden.

Musik-Bibliotheken wie „Epidemic Sounds“ bieten für einen schmalen Taler eine große Auswahl an Tracks, die du in deinem Stream abspielen kannst, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Alternativ gibt es auch YouTube-Kanäle, die ausschließlich Musik hochladen, die einer freien Lizenz unterliegt. „NoCopyrightSounds“ ist eine gute erste Anlaufstelle. Du solltest Musik in deinem Stream ohnehin nicht allzu laut laufen lassen. Der Zuschauer sollte sie auf jeden Fall mitbekommen, aber du und das Spiel sind immer noch der Mittelpunkt des Streams.

 
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