Die Twitch Rundfunklizenz: Das musst du wissen!

Zu Zeiten, als man Twitch lediglich als Begleitmedium zum Chatten für Online-Games verwendete, hatte sich niemand Gedanken über rundfunkrechtliche Belange gemacht. Doch die Zeiten haben sich geändert: Immer mehr Influencer, Journalisten und Leute, die einfach nur etwas zu erzählen haben, nutzen Twitch.tv als Streamingplattform. Nach unserem großen Beitrag „Wie du einen Livestream auf Twitch zum Laufen bringst“ erhielten wir sehr viele Fragen zum Thema Rundfunklizenz. Braucht man so etwas wirklich? Wo und wie erhalte ich eine Rundfunklizenz für meinen Twitch-Stream und was kostet das? Alle wichtigen Infos dazu erhältst du in diesem Beitrag.

Was ist eine Rundfunklizenz?

Beim Begriff „Rundfunk“ denkt man zunächst an einen Radiosender, der auf klassischem Wege per Funkwellen (UKW/FM) sendet, und wer dafür keine Lizenz besitzt, ist ein „Schwarzsender“ oder „Piratensender“. Doch heute leben wir in einer veränderten Medienwelt, in der Onlinemedien wie Podcasts oder Videostreaming eine immer größere Rolle spielen.

Nach aktuell geltendem Recht müssen private Betreiber, die Inhalte in Form von Bewegtbild und Ton senden möchten – unabhängig davon, ob es sich um eine Funk- oder Internetverbreitung handelt -, eine spezielle Zulassung beantragen. Dies trifft auch auf viele Anbieter zu, die mehr oder weniger regelmäßig ihre Video-Livesendungen per Twitch verbreiten.

Laut Rundfunkstaatsvertrag (RStV) ist eine Rundfunklizenz immer dann erforderlich, wenn folgende Punkte auf das Angebot zutreffen:

  • Mindestens 500 Nutzer können den Livestream gleichzeitig sehen (unabhängig von der tatsächlichen Zuschauerzahl). Das ist bei Twitch.tv technisch gegeben, dort können nahezu beliebig viele Zuschauer live dabei sein.

  • Die Sendungen sind live und starten zu mehr oder weniger festgelegten Zeitpunkten. Auch dies ist bei Twitch.tv der Fall, zumal der Anbieter die Sendungen seiner User in einer Übersicht ankündigt und auch die User selbst in Blogs, Foren usw. ihre Programme bewerben – sie wollen ja gesehen werden. Wann eine Sendung als „regelmäßig“ bewertet wird, wird im Einzelfall entschieden. Wer nur hin und wieder ungeplant streamt, unterliegt grundsätzlich keiner Rundfunklizenz-Pflicht.

  • Die Sendungen stehen nach der Live-Ausstrahlung weiterhin zum Abruf bereit. Die Sendungen werden gespeichert und stehen als Video On Demand (VOD) weiterhin zur Verfügung.

  • Die Livestream-Sendungen sind journalistisch-redaktionell gestaltet. Hierbei ist nicht nur die professionelle Arbeit einer Fernsehredaktion gemeint. Jeder – auch im Hobbybereich -, der etwas Aktuelles aus seinem Leben oder zu einem Thema erzählt, produziert einen journalistischen Beitrag; hierzu ist keine besondere Ausbildung erforderlich.

Du siehst: Viele Angebote von Livestreamern aller Art erfüllen diese Bedingungen, was dazu führt, dass die zuständige Landesmedienanstalt eines Bundeslandes eine Rundfunklizenz fordern kann. Ein Videoangebot ist per Definition kein Rundfunk, wenn

  • weniger als 500 Zuschauer live dabei sein können.

  • das Angebot nur aus einem Speicher des Empfangsgerätes wiedergegeben werden kann, z. B. ein Podcast-Download.

  • die Live-Aussendung lediglich familiären oder persönlichen Zwecken dient.

  • das Programm nicht journalistisch-redaktionell erarbeitet wird.

Wo kann ich eine Twitch Rundfunklizenz beantragen?

Für Online-Videoangebote kannst du bei jeder Landesmedienanstalt eine Lizenz beantragen. Dies muss nicht zwangsläufig die jeweilige Medienanstalt deines Bundeslandes sein. Das hängt damit zusammen, dass die Empfangbarkeit von Internetsendungen nicht auf ein bestimmtes Bundesland begrenzt ist, wie das z. B. bei Regional-TV-Anbietern der Fall ist. Ein Antragsformular für Streamingangebote findest du online bei der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK).

Das kostet eine Twitch Rundfunklizenz

Die Zulassung zu einer Rundfunksendung ist an eine einmalige Lizenzgebühr geknüpft, deren Höhe sich am Verwaltungsaufwand der beauftragten Landesmedienanstalt bemisst. Normalerweise bewegen sich die Kosten für eine Lizenz für ein Streaming-TV-Angebot etwa im Bereich zwischen 1.000 und 2.500 Euro. Dies ist natürlich für viele Hobbyisten nicht zu stemmen.

Es sind gemäß Gebührenrecht aber auch Härtefallregelungen vorgesehen. Wenn du dich mit deinem Livevideo-Vorhaben an eine der Landesmedienanstalten wendest und dort deine Sendungsideen darlegst, kann die Lizenzgebühr auch in einen dreistelligen Euro-Betrag gesenkt werden. Insbesondere dann, wenn du erklärst, dass du mit deinen Sendungen kein Geld verdienen willst (Verzicht auf Einnahmen durch Werbung).

Es kann unter Umständen aber auch dazu kommen, dass die Erteilung einer Lizenz abgelehnt wird. Auch hierfür fallen Aufwandkosten an.

Was passiert, wenn ich ohne Lizenz sende?

Längst nicht jeder, der ohne Lizenz sendet, wird dafür zur Verantwortung gezogen. Die Medienanstalten hätten viel zu tun, wenn sie jede unlizenzierte Aussendung aufspüren wollten. Aber bedenke: Vielleicht gefällt jemandem dein Videokanal nicht und möchte dich anschwärzen. Solche Fälle hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

Wer ohne beantragte Lizenz sendet, erhält von der Medienanstalt zunächst eine Aufforderung, die Sendungen einzustellen oder so zu ändern, dass es kein Rundfunk mehr ist. Bei Missachtung sind im Rundfunkstaatsvertrag Bußgelder bis 500.000 Euro vorgesehen. Bei einem kleinen Videokanal auf Twitch.tv wird man aber Augenmaß wahren (eine halbe Million Euro sind für umsatzträchtige Anbieter wie TV-Sender angedacht), mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Strafe deutlich niedriger ausfallen.

Konntest du trotz aller bürokratischen und finanziellen Hürden eine Rundfunklizenz für deinen Twitch-Kanal ergattern? Super – dann hast du jetzt mindestens vier Jahre Ruhe. So lange ist nämlich die Gültigkeit für die erste Zulassung. Danach kannst du die Rundfunklizenz auf weitere zehn Jahre verlängern.

 

Fotos: Sutipond Stock / stock.adobe.com; Twitch