Work-Life-Balance

Der Begriff Work-Life-Balance beschreibt einen Zustand, in dem sich das Privat- und Berufsleben in einem idealen Gleichgewicht befindet. Dies bedeutet, dass beruflich nicht zu viel gearbeitet oder zurückgesteckt werden muss und die Familie zu Hause und die eigenen Hobbys trotzdem nicht zu kurz kommen.

Work-Life-Balance wird unterschiedlich ausgelegt:

  • Gegensätzliche Lebensbereiche
  • Wörtlich gesehen geht es bei der Work-Life-Balance um das gesunde Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeit. Allerdings könnte die Interpretation auch einen Gegensatz darstellen. Genau diesen Gegensatz gilt es zu verbinden.

  • Verbindung der Lebensbereiche
  • Meistens wird unter dem Begriff die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verstanden. Diese Bereiche werden nicht getrennt, sondern gehören eng zusammen.

  • Überwiegen des priorisierten Lebensbereichs
  • Auch wenn sich die Bedeutung mit dem Wort „Balance“ nicht gut verträgt – oftmals wird die Work-Life-Balance auch als Zustand definiert, bei dem der bevorzugte Lebensbereich überwiegt.

So wirklich der Realität gerecht wird keine dieser einzelnen Deutungen. Eigentlich ist es eine Mischung aus allem. Letzten Endes wünscht sich eigentlich nur jeder Arbeitnehmer mit seinem Leben mit all der Komplexität in den Griff zu bekommen. Meistens hängt das von Ressourcen und Zeit ab.

Wirklichkeit und Wunsch beim Arbeitspensum

Arbeitspensum

Im Durchschnitt arbeitet ein Erwerbstätiger hier in Deutschland rund 34,8 Stunden pro Woche. So das Statistische Bundesamt. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern gehört Deutschland sogar zu den Ländern, mit den wenigsten Arbeitsstunden je Woche. Somit liegt Deutschland an drittletzter Stelle. Jedoch würden laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die Beschäftigten eher noch weniger arbeiten.

Mit Blick auf die Arbeitszeiten klafft hier jedoch zwischen Wirklichkeit und Wunsch eine große Lücke. Auch im Hinblick zwischen den Geschlechtern. Männer arbeiten im Schnitt 41 Stunden pro Woche, Frauen hingegen neun Stunden weniger. Schaut man sich die Studie jedoch genauer an, sagen überwiegend mehr Männer, sie würden gerne weniger arbeiten. Gleichzeitig sagen Frauen aus, sie würden gerne mehr arbeiten.

Deshalb besteht viel Potenzial zur Anpassung der Arbeitszeiten. Gerade Mütter können nicht so arbeiten, wie sie gerne möchten. Noch nicht einmal die Kinder seien der Grund dafür, sondern die zu hohen Kosten für eine Betreuung sowie der Betreuungsmangel an sich.

Wann macht Arbeit glücklich?

Auf diese Frage gibt es keine passende Antwort, denn es gibt keinen Maßstab dafür, wie viel Arbeit letztlich glücklich macht. Das hängt viel von den eigenen Lebensentwürfen und -vorstellungen ab, von dem Leistungsvermögen und ob nebenher noch Sorge- und Pflegearbeit geleistet wird. Deshalb ist die Frage auch ganz individuell zu beantworten.

Es gibt jedoch einige Faktoren, die entscheiden, wie glücklich wir in einem Job sind. Die selbstständige zeitliche Gestaltung hat heutzutage einen hohen Stellenwert. Auch wichtig ist, ob du deinen Arbeitsort selbst bestimmen kannst. Gerade durch die Pandemie wurde das noch einmal verstärkt. Nur die Möglichkeit über die freie Entscheidung wird als Wertschätzung eigener Leistungen erlebt. Sogar bei denen Personen, die sie gar nicht nutzen.

Ist die Work-Life-Balance nur etwas für Besserverdiener?

Balance zwischen Arbeit und Freizeit

Viele arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Gerade Frauen geben an, dass das Geld ohne ihr Gehalt nicht für die Familie reichen würde. Glück, wer da einen besserverdienenden Mann hat. Doch selbst da müssen die Frauen meistens noch mit ran.

Mitentscheidend bei der Balance sei die Einkommensfrage. Das Statistische Bundesamt hat bekannt gegeben, dass rund jeder fünfte Angestellte im Niedriglohnsektor arbeite. All das sind Personen, die ein bestimmtes Stundenpensum erreichen müssen, damit ihre Existenz gesichert ist. Ganz gleich, wie belastend es nun einmal ist. In dieser Situation über Sabbaticals, Auszeiten oder Work-Life-Balance nachzudenken – ein Privileg. Viele haben schlichtweg keine andere Wahl.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Work-Life-Balance

Auch Arbeitgeber profitieren von einer gesunden Balance ihrer Angestellten. Deshalb sollten sie auch gut über passende Benefits und Maßnahmen nachdenken. Eine Unternehmenskultur sowie ein gesundes Arbeitsklima ermöglichen schon einen guten Weg zur Balance zwischen Privatem und Arbeit. Folgende Maßnahmen können dir dabei behilflich sein:

  1. Benefits im Unternehmen
    • Ferienbetreuung und -angebote sowie eine interne Kinderbetreuung
    • Freizeitmöglichkeiten (Ruheraum, Game Room, Billardtisch etc.)
    • Gesundes Essen, Snacks und Getränke sollten zur Verfügung gestellt werden
  2. Ortsunabhängige und flexible Arbeitszeitmodelle
    • Gleitzeit
    • Job Sharing
    • Arbeitszeitkonto (Fortbildungen, Sabbatical, frühere Rente, Pflege)
    • Vertrauensarbeitszeit
    • Job Rotation
    • Möglichkeiten, Teilzeit zu arbeiten
    • Homeoffice Lösungen
  3. Betriebliches Gesundheitsmanagement im Unternehmen
    • Gesundheitschecks, Gesundheitstage
    • Ergonomische Arbeitsplätze
    • Business Yoga
    • Sportangebote
    • Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio
    • Wiedereingliederungsprogramme nach längerer Krankheit (BEM)
    • Förderung von Bewegung (Duschen, Fahrradständer, Umkleidekabinen)
  4. Berufliche Fortbildung
    • Kurse zur Entspannung (Meditation)
    • Seminare und Kurse über Selbstmanagement, Zeitmanagement, Konfliktmanagement, Stressbewältigung, Rückenschulungen, Ernährungsberatung, Teambuilding
    • Events / Digital Detox Kurse

Wissen, worauf es bei der Work-Life-Balance ankommt

Worauf es ankommt Work-Life-Balance

Wer sich für eine Möglichkeit entscheidet und gleichzeitig Alternativen ausschließt, der trifft Entscheidungen. Vielen Menschen fällt diese Entscheidungsfindung recht schwer. Meistens empfindet man irgendwelche Dinge als nicht dringend und schiebt sie so ständig vor sich her. Sei es das längst überfällige Gespräch mit dem Partner oder die nächste Sporteinheit.

Die meisten Menschen haben aber eine eindeutige Vorstellung der beruflichen Entwicklung. Sobald es jedoch über diese Vorstellung hinausgeht, verschwimmt das Bild. Die Berücksichtigung aller Lebensbereiche ist jedoch Voraussetzung für eine gute Balance. Fassen wir dies zusammen, handelt es sich um folgende 4 Lebensbereiche:

  1. Berufliches Leben – Erfolg, Karriere und Geld
  2. Körper und Gesundheit – Entspannung, bewusste Ernährung und regelmäßig Sport
  3. Alles, was deine Sinne anspricht – Kunst, Liebe und Selbstverwirklichung
  4. Soziale Komponente – Freunde, Familie, Anerkennung

Was ist wichtig?

Alle diese Lebensbereiche stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Du solltest deine Energie auf alle Lebensbereiche gleich viel investieren. Hier einmal ein Beispiel: Wenn jemand seine ganze Kraft und Energie seinem Beruf widmet, dabei aber komplett seine Gesundheit und den Körper aus den Augen verliert, wird schnell eine Abnahme seiner Leistungsfähigkeit spüren. Beruf und Privatleben sollten miteinander funktionieren. Deine aufgebrachte Energie solltest du deshalb in allen Lebensbereichen gleich verteilen. Dies gilt nicht nur für Manager, sondern auch für berufstätige Mütter – für alle Berufstätige! Deswegen auch für dich! Viel Energie für das Privatleben, volle Leistung im Beruf und sich trotzdem noch etwas Ruhe gönnen: Das ist ein weitverbreitetes Phänomen. Wenn du mehrere oder einen Lebensbereich zu lange vernachlässigst, gerät dein Gleichgewicht aus den Fugen. Dies kann dann sogar negative Auswirkungen auf alle Bereiche haben.

Wenn das Gleichgewicht der Work-Life-Balance verloren geht

Zu viel von einer Seite - Work-Life-Balance

Auch wenn du nun alles beherzigst, um die richtige Balance zu finden, kann es trotzdem vorkommen, dass du sie manchmal ins richtige Verhältnis zurückschieben musst. Das Leben darf nicht nur aus Arbeit bestehen, sonst könntest du mit Folgen der Unzufriedenheit und Krankheiten konfrontiert werden. Wir geben dir hier noch ein paar hilfreiche Tipps, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren:

  • Vermeide Überstunden
  • Klar, eine gelegentliche Überstunde bringt nicht gleich deine Work-Life-Balance durcheinander. Wenn die Überstunden jedoch zum Dauerzustand werden, ist es an der Zeit zu handeln. Nur wenn du deine Arbeitszeiten auch einhalten kannst, bleibt dir genügend Zeit für ein ausgeglichenes Privatleben.

  • Halte den Feierabend ein
  • Denke an das Sprichwort: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass du dem Alkohol verfallen sollst, aber du solltest deinen Feierabend respektieren. Ein gesunder Rhythmus von Arbeit und Freizeit ist Voraussetzung einer guten Balance.

  • Pflege dein Sozialleben
  • Meistens sind es die Freunde, die zuerst unter einer schlechten Work-Life-Balance leiden. Aber auch die Familie. Deshalb solltest du dir ganz bewusst Zeit nehmen, um dein Sozialleben zu pflegen. Nichtsdestotrotz ist auch ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen notwendig. Dieser Bestandteil kann nämlich auch entscheidend dazu beitragen, dich am Arbeitsplatz wohlzufühlen.

  • Schalte alle Zeitfresser ab
  • Wenn du dich den falschen Dingen widmest, kann ebenfalls schnell der Eindruck entstehen, dass alles im Ungleichgewicht ist. Ganz egal, ob privat oder beruflich. Oftmals verschwenden wir viel unserer Zeit mit Telefonaten, Mails, Surfen und andere unwichtige Nebensächlichkeiten. Du solltest diese Zeitfresser gezielt begrenzen. Du wirst sehen, es wird dir ungemein helfen, dein zufriedenstellendes Gleichgewicht wieder herzustellen.

  • Suche dir einen Ausgleich
  • Du kannst nur ein Gleichgewicht herstellen, wenn du dir den entsprechenden Ausgleich gibst. Hierfür kommt regelmäßiger Sport, aber auch einmal ein gemütlicher Abend zu zweit auf der Couch infrage. Vielleicht auch ein Wochenende, an dem du nur mit deinen Kindern spielst. Kurzum: Tue einfach das, was dir richtig guttut.

  • Hinterfrage deinen Beruf
  • Wenn du das Gefühl hast, dass alles über dir zusammenbricht, dann stelle dir eine ernste Frage: Bist du in deinem Job noch zufrieden? Ist es wirklich das, was du machen möchtest? Nur wenn du deinen Job liebst, kann das Gefühl von Zufriedenheit und Balance das Ergebnis sein.

 

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