Brian Baumgartner

Serienfans kennen ihn als fülligen Büroangestellten Kevin Malone aus „The Office“, der amerikanischen Variante von „Stromberg“. Aber auch, wenn du die Serie nie gesehen hast, hast du Brian Baumgartner vor Augen – als Hauptfigur des millionenfach verbreiteten Online-Memes, in dem er in der Kevin-Rolle dreckig in sich hineinlacht und signalisiert: „Sicher doch, sicher doch.“ Wer aber ist eigentlich der Mann, der Malone seine unverwechselbare Gestalt gegeben hat? Und was wurde seit dem Serienfinale 2013 aus Brian Baumgartner?

Brian Baumgartner – für immer Kevin Malone

Kaum zu glauben: Obwohl Brian Baumgartner neun „Office“-Staffeln lang wie um die 50 aussah, war er erst knapp über 30, als die Serie 2005 losging – und hatte diesem Zeitpunkt schon eine längere künstlerische Karriere hinter sich. Nach dem Abschluss eines Theaterstudiums hatte der in Atlanta geborene Baumgartner mehrere preisgekrönte Bühnen-Engagements in Los Angeles und Minneapolis, vor und hinter dem Vorhang.

Er besuchte die Holy Innocents‘ Episcopal School und die Westminster School – Kurioser Zufall seiner Jugend: Baumgartner ging auf dieselbe Schule wie sein späterer „Office“-Kollege Ed Helms (bekannt auch aus der „Hangover“-Trilogie), Helms war eine Klasse über ihm.

Früher Karriere

Ab 2001 tauchte Baumgartner in kleineren Film- und Serienrollen auf: Den ersten Auftritt hatte er in der 2001 veröffentlichten Rom-Com „Herman U.S.A.“, in den Jahren darauf mischte er in diversen bekannten Serien wie „CSI“, „Arrested Develompent“, „Jake in Progress“ und „Everwood“ mit.

2005 casteten die Macher von The Office Brian Baumgartner für die Rolle seines Lebens als einfältig-wunderlicher Buchhalter, der oft Mitleid erregt – aber auch mit einigen ungeahnten Talenten für Musik, Basketball und hausgemachtes Chili verblüfft. Die Szene aus Staffel 5, in der Kevin Malone einen riesigen Topf mit seinem Leibgericht über seinen Arbeitsplatz verschüttet (und beim Versuch, den Schaden zu beheben, alles noch schlimmer macht), ist legendär – und hat im Netz ein Eigenleben entwickelt. „Kevin’s Famous Chili“ gibt es dort mittlerweile auf diversen Food-Portalen als Rezept zum Nachkochen. Für Baumgartner ist die „Chili Scene“ nicht nur deshalb der „Office“-Moment schlechthin: „Es geht um einen gewöhnlichen Menschen, der eine Sache richtig gut kann, unglaublich stolz darauf ist und es den Leuten zeigen will, die ihm was bedeuten – in diesem Fall seinen Bürokollegen. Wie in der Show geht das auch im richtigen Leben oft schief, aber am Ende geht es eben doch darum, diese eine Sache zu schaffen.“

Ein weiteres Highlight seiner schauspielerischen Laufbahn erlebte er 2007, als er für seine Rolle in einem „Office“-Web-Special mit dem Daytime Emmy Award ausgezeichnet wurde. In der Serie endet Kevins Bürokarriere mit seiner Entlassung aus der Firma „Dunder Mifflin“ und einem zweiten Leben als Barbesitzer. In der Realität verfolgt Brian Baumgartner die Kevin-Rolle bis heute, im Guten wie im Schlechten.

„Ich wollte mich eigentlich distanzieren. Ich habe mir früher gedacht: ‚Ich will nicht für immer Kevin Malone sein'“, beichtete Brian Baumgartner in einem Interview mit „Entertainment Weekly“: „Ich habe lange alle Rollen abgelehnt, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie ihm zu ähnlich sind oder zu ähnlich sein wollten.“



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Seine Arbeiten als Schauspieler

Schon während „The Office“ noch lief, war Brian in diversen Filmen zu sehen – die seinen Anspruch untermauerten, sein Repertoire zu erweitern: 2006 spielte er im Kurzfilm „Moosecock“, 2007 mit „Office“-Kollege John Krasinski, Mandy Moore und der verstorbenen Schauspieler-Legende Robin Williams in „Lizenz zum Heiraten“ („Licence to Wed“), 2008 neben Vince Vaughn und Reese Witherspoon in „Mein Schatz, unsere Familie und ich“ („Four Christmases“), 2009 in dem Drama „Into Temptation“, 2012 einen größeren Part im Science-Fiction-Thriller „Zero Gravity – Antrieb Überleben“ („Astronaut: The Last Push“). Gastrollen übernahm er auch in anderen Comedy-Serien wie „Hot in Cleveland“ und „Wilfred“.

Seit dem „Office“-Finale nutzte Baumgartner die neu gewonnene Freizeit und tauchte in zahlreichen weiteren Serien auf: „Criminal Minds“, „Law & Order: Special Victims Unit“, „Melissa & Joey“, „Chicago Fire“ und viele mehr. In „Hand of God“ spielte er den Dr. Olonari, in der Originalversion der Animationsserie „Trash Truck“ („Mü-Mo, das Müllmobil“) lieh er dem Bären Walter seine Stimme. 2015 spielte er auch im Musikvideo zu Ingrid Michaelsons Song „Time Machine“ mit.

Eine ähnlich große und denkwürdige Rolle wie in „The Office“ fiel er nicht mehr zu – aber er ist damit im Reinen. Dass ihn die Figur des Kavin Malone nicht loslassen würde, dämmerte ihm, als die Serie bei Netflix ein Revival feierte und so nochmal viele neue Fans gewann: „Ich habe gemerkt, dass ich dieser Sache nicht so bald entkommen werde“, berichtete er später – und hatte auch gemerkt, dass es keine so schlechte Sache sei: „Es ist ein Segen, wenn ich an all die tollen Fans denke, die erzählen, wie gut ihnen die Serie getan hat und dass sie ihnen durch schwere Zeiten geholfen hat. Es gibt da viele Geschichten, mehr als ich erwähnen kann.“



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Brian Baumgartner: Seine Karriere als Produzent

Baumgartner ist nicht nur in Film und Fernsehen präsent geblieben, ab 2020 produzierte und moderierte er auch zwei Podcast-Projekte, in denen er auf die Serie zurückblickt, die ihn berühmt gemacht hat: „An Oral History of The Office“ und „The Office Deep Dive with Brian Baumgartner“ interviewte er alte Kollegen wie Steve Carell und Ed Helms. Die Show war so erfolgreich, dass sich daraus der noch größere und thematisch umfassendere Podcast „Off The Beat with Brian Baumgartner“ entwickelt hat. Jede Woche empfängt Brian dort Stars aus Film, Fernsehen und anderen Branchen. Zu Gast waren schon Schauspieler wie Jon Hamm (der Don Draper aus „Mad Men“), aber auch Sportler wie der frühere Super-Bowl-MVP Julian Edelman.

In einer besonderen Episode überraschte Brian 2021 „Office“-Hauptdarsteller Steve Carell (Michael Scott in der Serie), indem er ihn mit einem Edelfan bekannt machte: Pop-Superstar Billie Eilish, die mit der Serie nach eigenen Angaben eine „seltsame Sucht“ verbindet (die die Ikone mit zig Millionen Fans auf der ganzen Welt teilt). In seinem Podcast nimmt sich Baumgartner auch immer wieder viel Zeit für Fan-Fragen, denen diverse eigene Episoden gewidmet sind. Brians anhaltende Popularität zeigt sich auch bei Instagram, wo er über 900.000 Follower hat.

Ähnlich wie Kevin hat auch Brian abseits von Kamera und Mikrofon ein paar ungeahnte Begabungen: Das Sportportal „Golf Digest“ enthüllte 2007, dass er leidenschaftlicher Golfer ist, damals mit einem beachtlichen Handicap von 13,0. Dass ihn das Hobby nicht losgelassen hat, dokumentiert Baumgartner regelmäßig mit Foto- und Videoposts bei Instagram, ebenso wie sein Faible für guten Whiskey.

Sein privates Liebesglück fand Brian an der Seite der neun Jahre jüngeren Celeste Ackelson. Die beiden heirateten 2014 in einer großen Freiluft-Zeremonie in seinem Garten mit Empfang in einem Country Club – mit diversen alten „Office“-Kollegen als Gästen (John Krasinski mit Ehefrau Emily Blunt, Jenna Fischer, Angela Kinsey and Oscar Nunez). Im Jahr darauf kam die gemeinsame Tochter Brylee Bea zur Welt. Baumgartner hat ein weiteres Kind aus erster Ehe.

 

Bilder: Copyright Michael Parmelee/NBC