AjoureLifestylePeopleJohn Turturro: Was aus dem Mann von Sektor 7 wurde

John Turturro: Was aus dem Mann von Sektor 7 wurde

Es gibt sie noch. Die Darsteller, die ikonische Rollen in ikonischen Werken spielen – und die dennoch ganz bescheiden und bodenständig geblieben sind. Wie etwa John Turturro, dessen Name nicht jedermann ein Begriff sein mag, dessen Gesicht aber viele Filmfreunde kennen.

Italienisch, gläubig, kreativ

John Turturro

Unter etwas anderen Umständen würde dieser Artikel vielleicht von John Turturro als italienischem Darsteller sprechen, der in seinem Heimatland sowie in Europa unterschiedliche Filme drehte.

Da seine Eltern aber in den 1940er Jahren in die Vereinigten Staaten von Amerika zogen, dort jeweils für die Armee arbeiteten, sich dabei kennenlernten und heirateten, erblickt der kleine John im New York der späten 50er Jahre das Licht der Welt.

Und das in einer Familie, die streng katholisch lebt. Er wird aufgezogen mit menschlichen Werten, die darauf abzielen, Gutes zu tun – und dennoch nicht darüber zu reden.

Daneben werden John und seine beiden Brüder stark durch den Einfluss der Mutter geprägt. Sie verdient sich als Jazz-Sängerin ein paar Dollar hinzu. Ihren Hang zur Kunst und zur Kreativität schauen sich die drei Jungen seit frühester Kindheit ab.

Während es John und Nicholas in späteren Jahren in das Showgeschäft zieht, wird Ralph ein Lehrer für Kunst. Schon im Kindergarten und in den ersten Schuljahren fallen alle drei dadurch auf, dass sie gerne singen und in fremde Rollen schlüpfen.

Wenig Sinn entwickelt das Trio dagegen für sportliche Aktivitäten. Schade, denn vielleicht war das der Grund, warum John in seinem ersten Film lediglich eine kleine Nebenrolle erhielt.

Fact Sheet

  • Vollständiger Name: John Micheal Turturro
  • Geboren: 28.02.1957, Brooklyn, New York
  • Eltern: Nicholas Turturro, Katherine Turturro
  • Geschwister: Nicholas Turturro, Ralph Turturro
  • Partner: Katherine Borowitz (verh. 1985)
  • Kinder: Amedeo Turturro, Diego Turturro
  • Beruf: Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor
  • wichtige gewonnene Auszeichnungen: Internationale Filmfestspiele von Cannes/Bester Darsteller(1991, Barton Fink), Primetime Emmy Award – Bester Gastdarsteller in einer Comedyserie (2004, Monk)
  • Größe: 1,84m
  • Sternzeichen: Fische
  • Fun fact: Turturro ist Brooklyn treu geblieben und lebt seit 1988 in Park Slope in Brooklyn

Der Hang zu ikonischen Filmen

John Turturro

Für viele Darsteller ist es ein Traum, einmal mit den Stars der Branche zu arbeiten. Vielleicht mit Robert De Niro, Joe Pesci und Martin Scorsese. John Turturro gelingt die Erfüllung dieses Wunsches direkt in seinem ersten Werk – das mittlerweile zu den besten Filmen aller Zeiten gehört.

In “Wie ein wilder Stier”, in dem das Leben des Boxers Jake LaMotta porträtiert wird, darf John zwar nicht in den Ring steigen. Vielmehr spielt er den Gast einer Bar – stumm und ein teilnahmslos sitzt er an einem Tisch. Die in schwarzen und weißen Töne gedrehte Szene wirkt dennoch markant.

Es ist das Jahr 1980, als dieser Moment mit der Kamera festgehalten wird. Turturro ist gerade einmal 23 Jahre jung. Zu jener Zeit strebt er kaum eine Zukunft als Darsteller an, sondern sieht sich vielmehr als Schreiber von Romanen und Drehbüchern.

Die Kunst der Dramatik belegt er im Studium. Allerdings haben ihn die wenigen Sekunden am Tisch bei “Wie ein wilder Stier” bekannt werden lassen. Schnell erhält er neue Angebote für Nebenrollen, die er gerne annimmt.

So etwa in “Flamingo Kid”, “Der Sizilianer” und “Die Farbe des Geldes” sowie in der Serie “Miami Vice”.


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Späte Rückblicke in eine verdorbene Zeit

Was wie ein gelungener Start in eine erfolgreiche Karriere klingt, führt John Turturro jedoch an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Erste Depressionen und Existenzfragen stellen sich ihm. Er erwägt sogar, die Schauspielerei wieder an den Nagel zu hängen.

Zwar spricht er damals nicht darüber. Ohnehin finden Interviews mit John recht selten statt. Er scheut das Licht der Öffentlichkeit und teilt seine Gedanken nur mit Katherine Borowitz, die er 1985 heiratet und mit der er zwei Söhne hat. Seinen Rückblick auf die 80er Jahre teilt er erst im Jahre 2020 einem größeren Publikum mit. Sein Fazit fällt traurig aus.

Turturro beschreibt die Filmbranche in jenem Jahrzehnt als von Machos und Drogen zersetzt. Körperliche Übergriffe bei den Dreharbeiten gehören zum Alltag. Jungen Darstellern ist es untersagt, gegen die Stars – mitunter Täter, mitunter Zeuge – vorzugehen.

Stets droht der Verlust des Arbeitsplatzes. In einem Hollywood, das zunehmend extreme Summen in die Filme, die Technik und die Schauspieler investiert, möchte John nicht der Nestbeschmutzer sein.

So erduldet er vieles, was seine Ängste entfacht, seine Depressionen begünstigt und zu mehreren Traumata führt. Dennoch bleibt Turturro dem Metier treu. Der großgewachsene und schlanke Mann hat eine Art, die anderen Kollegen fehlt.


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Eine Begegnung, die das Leben beeinflusst

John Turturro

Auch die Coen-Brüder werden auf den Darsteller aufmerksam, dessen Gesicht etwas Unscheinbares besitzt und aus dem die Nase und die Brille doch charakteristisch herausragen.

Ethan und Joel, die im Jahre 1990 mit “Miller’s Crossing” ihren dritten Spielfilm drehen, besetzen John Turturro darin mit einer Nebenrolle. Sein Schaffen begeistert sie derart stark, dass sie ihn später für weitere Werke buchen.

Darunter befinden sich mit “Barton Fink” und “The Big Lebowski” abermals zwei ikonische Streifen, die Turturro einer breiten Öffentlichkeit vorstellen, die zugleich aber sein Talent als Schauspieler unterstreichen.

Längst ist er in Hollywood angekommen, weg zieht es ihn nun nicht mehr.

Es sind die 1990er Jahre, in denen John mit zahlreichen Stars arbeitet. Egal, ob diese mit ihm vor der Kamera stehen oder ob sie ihm aus dem Regiestuhl Anweisungen zurufen. Schnell wird ein weiteres Markenzeichen Turturros erkennbar: Selten bleibt er einem Genre treu.

Vielmehr wechselt er zwischen dramatischen und lustigen Filmen, kann die Rolle des feurigen Liebhabers ebenso wie den Part des treuen Ehemanns übernehmen – und scheint Gefallen daran zu haben, sich für seine Werke immer wieder neu erfinden zu müssen.

Er liebt diese Herausforderung und vermeidet es, einfache und bequeme Wege einzuschlagen.


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Die Arbeit verändert sich

Allerdings – und auch das passt zu seiner Art – entwickelt sich John Turturro weiter. Bei Dreharbeiten, Premierenfeiern und sonstigen Begegnungen stellt er Fragen, die sich der Entstehung von Filmen widmen.

Er nutzt seine Kontakte, um tiefe Einblicke in die Branche zu erhalten. Denn: Es zieht ihn immer stärker hinter die Kamera. Wie er ein Drehbuch schreibt, wie man Rollen entwirft und besetzt, wie eine Story aufgebaut wird – das alles weiß er aus seinem Studium.

Wie aber die Finanzierung des Filmdrehs, die Gestaltung der Verträge und der Aufbau eines Teams gelingen, das lernt er erst jetzt. Und somit ab der Jahrtausendwende.

In den anschließenden 00er und 10er Jahren wird Turturro zwar noch häufig besetzt. Er tritt in vielen Filmen auf, schafft es aber kaum noch, abermals in ikonische Rollen zu schlüpfen. Ohnehin wird es noch ruhiger um jenen Mann, der stets zurückhaltend auftritt und der das Rampenlicht oft scheut.

Spätestens zur Zeit der Jahrtausendwende, die die Geburt seiner beiden Söhne markiert, zieht sich John weiter aus dem Geschäft zurück. Er arbeitet zwar viel, scheint sich mit seinen Rollen aber nur noch selten identifizieren zu können. Die freie Zeit widmet er lieber seiner Familie.

Filmografie von John Turturro

Film Rolle Jahr
Wie ein wilder Stier  Mann am Tisch 1980
Keine Produkte gefunden. Ray 1985
Der Sizilianer  Pisciotta 1987
Do the Right Thing  Pino 1989
Mo better Blues  Moe Flatbush 1990
Millers Crossing  Bernie Bernbaum 1990
Barton Fink  Barton Fink 1991
Fearless - Jenseits der Angst  Dr. Bill Perlman 1993
Clockers  Larry Mazilli 1995
The Big Lebowski  Jesus Quintana 1998
O Brother, Where Art Thou  Pete 2000
Die Wutprobe  Chuck 2003
Romance & Cigarettes  Regisseur, Drehbuchautor, Produzent 2005
Transformers  Simmons 2007
Leg dich nicht mit Zohan an!  Das Phantom 2008
Transformers 2: Die Rache  Agent Simmons 2009
Transformers 3  Seymour Simmons 2011
Cars 2  Francesco Bernoulli 2011
Plötzlich Gigolo  Fioravante, Regisseur, Drehbuchautor 2013
Transformers 5: The Last Knight  Agent Simmons 2017
The Batman  Carmine Falcone 2022

Der Wunsch, keine Ikone mehr zu sein

John Turturro

Am markantesten unter seinen Werken, die er ab 2010 dreht, bleiben sicherlich die beiden “Transformers”-Filme sowie “The Batman” in Erinnerung. Auch in “Exodus: Götter und Könige” – einer 2014 veröffentlichten epochalen Bibelverfilmung von Ridley Scott – ist John Turturro noch einmal in einer großen Rolle zu sehen.

Seine Teilnahme an diesem Werk bestätigt er nicht ganz zufällig. Denn gerade in jenen Jahren tritt John häufiger mit seinem Glauben an die Öffentlichkeit. Er sucht das Gespräch, möchte Hilfe leisten, gründet gemeinnützige Stiftungen.

Vor und während der Corona-Pandemie schaut er genauer auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Die dabei entstehenden Dokumentationen zeigen Turturro als tiefgründigen Beobachter, der seine Bekanntheit nutzt, um auf Probleme und Missstände hinzuweisen.

In die Rolle der moralischen Überlegenheit und des erhobenen Zeigefingers verfällt er dabei nie. Weder möchte er missionieren und predigen, noch weiß er Antworten auf die vielen Fragen, die er mit seinen Filmen aufwirft.

Er, der mittlerweile als Synchronsprecher, Produzent und Verfasser von Drehbüchern mehr hinter als vor der Kamera zu finden ist, bleibt damit dem Motto seiner Kindheit treu: Tue Gutes – und sprich nur insoweit darüber, wie es anderen Menschen hilft.

Den Wunsch, eine Ikone auf der Leinwand zu sein, scheint er gänzlich abgelegt zu haben.

Weitere interessante Fakten über John Turturro

  1. John Turturro hat mittlerweile in mehr als sechzig Filmen mitgewirkt und auch mit vielen bekannten Leuten zusammengearbeitet, wie Adam Sandler, die Coen Brüder und mit Spike Lee.
  2. Wie schon bereits in der Filmografie zu sehen war er nicht nur als Schauspieler an Filmen beteiligt, sondern war er auch öfters als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent an Filmen beteiligt. Das kommt, weil er schon vor seiner Karriere an der Satte University in New York Theaterwissenschaften studierte. Im Anschluss studierte er an der Yale school of Drama und machte dort einen Master in Fine Arts.
  3. Seine kleine Rolle in Raging Bull, bei der er nicht sprach, brachte ihm damals viele weitere Aufträge und war somit der Beginn seiner Film Karriere.
  4. Nicht nur auf der Leinwand ist er präsent, Turturro gab 2011 sein Regiedebüt am Broadway mit dem Stück „Relatively Speaking„.

Fazit

John Turturro hat im Laufe seiner Karriere immer wieder gezeigt, dass er in das Schauspiel-Business gehört und hat somit seinen Status als Schauspielikone immer mehr verfestigt, sei es mit Rollen vor der Kamera, als Synchronsprecher oder eben auch als tragender Teil der Produktion. Auch wenn er den Wunsch abgelegt hat, eine Ikone auf der Leinwand zu sein, hoffen wir, dass er uns auch noch hinter der Kamera erhalten bleibt.

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Quellen:
  • https://de.wikipedia.org/wiki/John_Turturro
  • https://www.imdb.com/name/nm0001806/
  • https://www.moviepilot.de/people/john-turturro
  • https://www.filmstarts.de/personen/14017/filmo/
  • https://www.prisma.de/stars/John-Turturro,66780

 

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