Bestenlisten sind für nahezu jede gaming-bezogene Publikation Pflicht und Kür zugleich. In der Theorie stellst du dir die Angelegenheit womöglich ganz einfach vor – immerhin bringt die Branche jedes Jahr weit mehr fantastische Titel hervor, als ein einzelner Mensch voll auskosten könnte. Da sollte es doch nicht sonderlich schwerfallen, ein paar von ihnen herauszusuchen und mit lobenden Worten zu versehen, oder? Das Gegenteil ist der Fall: Wenn Ränge nach der ersten Vorauswahl doppelt und dreifach belegt sind, geht es an das mitunter regelrecht schmerzhafte Streichen liebgewonnener Games. Gleichzeitig belegt dieses Luxusproblem überdeutlich, wie unglaublich viel das mit Abstand spannendste Unterhaltungsmedium unserer Zeit zu bieten hat!

Wir haben die Köpfe innerhalb der Redaktion mehr als einmal zusammengesteckt, manch eine hitzige Debatte geführt und uns mit einiger Mühe schließlich auf einhundert Titel festgelegt, die unsere gesammelten Favoriten repräsentieren. Zumindest unterbewusst dürften der kommerzielle Erfolg oder die allgemeine Bedeutung für die Industrie in einzelnen Fällen durchaus zur Entscheidung beigetragen haben, grundsätzlich unterliegen unsere Platzierungen jedoch keinem ausgeklügelten System und sind vielmehr als kollektives Abbild unserer wertvollsten Erinnerungen zu verstehen.

Und wie vielfältig diese doch ausfallen: Allein auf den ersten (beziehungsweise letzten) zehn Rängen unserer handverlesenen Top-100-Liste finden sich Titel wieder, die uns in der Sicherheit unseres Sofas den aufopferungsvollen Kampf gegen Außerirdische, übernatürliche Erscheinungen, Engel oder Mechs ermöglicht haben. Die uns mit Musik zum Schwitzen bringen und dank schierer Geschwindigkeit nachhaltig ins Staunen versetzen konnten. Die uns komplexe Helden und Heldinnen gaben, zu denen wir mitunter sogar aufschauen und aus ihren Geschichten inspirierende Lehren für unsere ganz eigenen Leben ziehen durften.

Wir wiederum laden dich an dieser Stelle auf eine nostalgisch stimmende Reise ein, die ordnungsgemäß mit den Plätzen 100 bis 91 beginnt. Stolze 90 weitere Perlen folgen!

 

Platz 100:
Horizon Zero Dawn (2017)

von Sony Interactive Entertainment; für Playstation 4

Horizon Zero Dawn

Der Industrie mangelt es mit Sicherheit nicht an Titeln, die dich in eine riesige Open World werfen und zeitlich nach dem Ende der uns vertrauten Zivilisation angesiedelt sind. Umso bemerkenswerter ist es, wie gekonnt Guerilla Games (bekannt geworden durch die „Killzone“-Serie) dem erprobten Prinzip bereits im ersten Versuch die nötige Frische verleihen konnten: Abseits von nuklearer Einöde oder Zombies hat ihre innovative Version der Post-Post-Apokalypse die Herzen von Millionen aus dem Stand erwärmt, was auch und insbesondere der Protagonistin Aloy geschuldet ist – eine gleichermaßen wissbegierige wie kämpferische Heldin, die sich aus gutem Grund als gern gesehenes Sony-Maskottchen etablierte.

Obwohl es eine durchweg fesselnde Freude ist, Aloy beim Ergründen ihrer geheimnisumwobenen Herkunft zu begleiten, übertrifft nichts in „Horizon Zero Dawn“ den Rausch der Konfrontation. Kleinere Gegner lassen sich noch halbwegs mühelos mit Stealth-Elementen überwinden, ein hitziges Gefecht mit dem futuristischen Pendant eines Tyrannosaurus Rex sorgt jedoch längst nicht nur beim ersten Mal für einen unweigerlich in die Höhe schnellenden Puls. Umso befriedigender ist es am Ende entsprechend, ein bildschirmfüllendes Monstrum nur mit Pfeil und Bogen, der richtigen Strategie und jeder Menge Durchhaltevermögen in die mechanischen Knie zu zwingen.

Dank der später auch im grandiosen „Death Stranding“ verwendeten Decima Engine und fantastischer Designarbeit ist Aloys erfrischend farbenfrohes Abenteuer auch Jahre nach der Erstveröffentlichung eine wahre Augenweide. Einer der unangefochtenen Flaggschiff-Titel der Playstation 4!

Horizon Zero Dawn

Platz 99:
Battlefield: Bad Company 2 (2010)

von Electronic Arts; für PC, Playstation 3, Xbox 360

Battlefield: Bad Company 2

Selig sind die Erinnerungen: „Battlefield 1942“ begeisterte anno 2002 die Multiplayer-Soldaten der Welt und avancierte zum großen Liebling auf LAN-Partys. Der nahtlose Wechsel zwischen Schlachten zu Land, Luft oder Wasser in Kombination mit der zerstörbaren Umgebung war eine kleine Revolution und eine schier narrensichere Erfolgsformel. Zur Perfektion wurde sie in den Augen vieler langjähriger Fans jedoch nicht etwa durch eines der nummerierten Sequels, sondern mit diesem bis heute gefragten Spinoff getrieben!

Die Multiplayer-Matches waren schlichtweg eine Klasse für sich: Während in modernen Vertretern des Genres für gewöhnlich recht wenig Zeit zwischen Spawn und Tod vergeht, motivierten die facettenreichen Maps in „Battlefield: Bad Company 2“ aktiv zu methodischem Vorgehen. Von langer Hand eingefädelte Manöver mit den eigenen Teamkollegen wurden so zum Beispiel durch perfekt umgesetzte Hinterhalte belohnt – oder aber von der Gegenseite im Zuge eines nervenaufreibenden Showdowns zunichte gemacht. In beiden Fällen war die Spannung jederzeit greifbar und elementarer Bestandteil einer mitreißenden Erfahrung, deren Herzstück der in mehrerlei Hinsicht passend betitelte Rush-Modus war.

Auf technischer Seite sorgten seinerzeit vor allem der satte Sound und die Zerstörungseffekte für Entzückung, dank derer sich die hitzigen Straßenkämpfe umso explosiver gestalteten. Im Übrigen gilt das auch für die gelungene Kampagne, die abwechslungsreiche Missionen mit sympathischen Hauptfiguren zu verknüpfen wusste. Eine Kunst, die längst nicht nur die in diesem Fall zuständigen Entwickler von DICE in folgenden Jahren zumeist schmerzlich vermissen ließen. Trotzdem lebt die Hoffnung auf einen würdigen dritten Teil weiter…

Battlefield: Bad Company 2

Platz 98:
Halo: Reach (2010)

von Microsoft; für PC, Xbox 360, Xbox One

Halo: Reach

Was für ein Abschied! Ehe Bungie ihr Schicksal auf eigene Faust herausgefordert haben, lieferten die Schöpfer der „Halo“-Reihe den für viele Fans besten Teil der langlebigen SciFi-Saga ab – und das ganz ohne den legendären Master Chief. Stattdessen schlüpfst du in diesem Prequel in die Rolle von Noble Six, der samt seines Teams einen letztlich aussichtlosen Kampf gegen die Covenant auf dem titelgebenden Planeten führt.

Gerade weil Kennern der Serie schmerzlich bewusst ist, dass Reach kein glückliches Ende blüht, legt sich eine gewisse Melancholie über die Kampagne, die in einer absolut ergreifenden Post-Credit-Szene gipfelt. Im Übrigen wird viel zu selten thematisiert, wie sehr das Finale des einige Jahre später erschienenen „Rogue One: A Star Wars Story“ diesem überaus epischen Abschluss doch ähnelt…

Dabei wussten Bungie mit ihrer letzten „Halo“-Vorstellung nicht nur auf erzählerischer Ebene zu überzeugen, schließlich war die grundsätzliche Gameplay-Formel nach drei nummerierten Vorgängern längst perfektioniert. Verfeinert wurde sie deshalb mit Zutaten wie den Dogfight-Sequenzen oder den Armor Abilities, die Veteranen erfrischende Neuerungen bei gleichzeitiger Bewahrung alter Stärken geboten haben. Und selbstverständlich hat auch der Multiplayer-Modus einmal mehr für emotionale Ausbrüche und großartige Erinnerungen gesorgt!

Halo: Reach

Platz 97:
Superhot (2016)

von Superhot Team; für PC, Playstation 4, Xbox One, Switch, diverse VR-Systeme

Superhot

Spektakuläre Setpieces, rasante Verfolgungsjagden, markerschütternde Explosionen in möglichst schneller Abfolge: Um dir das Gefühl zu geben, der Held eines interaktiven Actionstreifens zu sein, greifen allzu viele Spieleentwickler auf bewährte Zutaten des pyromanen Popcorn-Kinos zurück und führen dich durch sorgsam gescriptete Sequenzen. Dass es auch anders geht, beweist „Superhot“ mit eindrucksvollem Understatement! Bis heute sind sich Fans nicht endgültig einig, ob es sich bei dem aus einem Game Jam entstandenen Titel nun um einen Egoshooter oder ein Puzzlespiel handelt – die Wahrheit liegt vermutlich einmal mehr irgendwo in der Mitte.

Wie angedeutet erwartet dich in den kurz und knackig gehaltenen Levels deutlich mehr „Matrix“ als Michael Bay. Die zumindest bei eigenem Stillstand lediglich in Superzeitlupe ablaufende Spielgeschwindigkeit erlaubt dir durch Geschick und geduldiges Trial and Error, den Kugeln deiner Widersacher auszuweichen… und im selben Atemzug eine tödliche Choreografie zu entwerfen, die einem John Wick absolut würdig wäre.

Neben der nicht sonderlich aufwändig erzählten, aber dennoch überraschend interessanten Story und der coolen, minimalistischen Optik hat sich die nachgereichte VR-Version eine besondere Erwähnung verdient: Branchenprimus Oculus war vom offensichtlichen Potential einer Portierung derart überzeugt, dass er dem zuständigen Team technischen Support und einen Exklusivdeal angeboten hat. Letzterer ist inzwischen abgelaufen, wodurch „Superhot“ Headset-übergreifend als Paradebeispiel für einnehmende Virtual Reality fungiert!

Superhot VR

Platz 96:
Bayonetta (2009)

von Sega; für PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, Wii U, Switch

Bayonetta

Wo sollen wir bloß beginnen? „Bayonetta“ als wirklich wilden Ritt zu bezeichnen, käme einer bodenlosen Untertreibung gleich. Würden wir nun versuchen, dir die Story dieses durch und durch japanischen Hack and Slay näherzubringen, wären reichlich wirr wirkende Satzbausteine rund um Engel, Hexen, Gottheiten, verschiedene Universen oder die Verkörperungen der vier Kardinaltugenden die zwangsläufige Konsequenz. Überspringen wir diese ohnehin nur bedingt nachvollziehbaren Aspekte also, um eine wichtige Tatsache unmissverständlich festzustellen: Dieses im besten Sinne absurde Abenteuer ist ein absoluter Non-Stop Klimax!

Verdanken dürfen wir diesen Umstand den fähigen Händen von Platinum Games, die unter der Leitung von Hideki Kamiya (Schöpfer des artverwandten „Devil May Cry“) den Grundstein für ihren ausgezeichneten Ruf im Action-Sektor gelegt haben. In puncto Design und Gameplay sprengt der zur Schau gestellte Einfallsreichtum alle gängigen Skalen: Es ist destilliertes Vergnügen, die Kontrolle über die resolute Hexe zu übernehmen und mithilfe ultrapräziser Bewegungen ellenlange Kombos und Ausweichmanöver in Witch Time aneinanderzureihen, ehe sadistische Folterattacken und bombastische Bosskämpfe den Weg zum nächsten Höhepunkt ebnen. Während einerseits selbst Einsteiger nach kurzer Zeit stylishe Moves aufs Parkett zaubern, dürfen sich masochistische Experten andererseits an der Perfektionierung der tiefgehenden Systeme und äußerst knackigen Schwierigkeitsgraden die Zähne ausbeißen.

Zu guter Letzt wäre da natürlich noch Bayonetta höchstpersönlich. Ihre Haarpracht dient als Kleidung und Waffe zugleich, wodurch die Titelheldin inmitten ihrer epischen Auseinandersetzungen immer wieder in pikante Posen verfällt. Gepaart mit ihren anzüglichen Anspielungen fiele es bei oberflächlicher Betrachtung nur allzu leicht, sie deshalb als sexualisiertes Klischee abzutun – allerdings setzt die couragierte Hexe ihre Reize stets mit gnadenlos selbstbewusster Berechnung ein und stellt dadurch eine bezaubernde Bedrohung für ihre bemitleidenswerten Feinde dar. Eine der coolsten Protagonistinnen aller Zeiten, Punkt!

Mittlerweile gibt’s den ersten Teil als Bundle mit dem Nachfolger für die Nintendo Switch:

Bayonetta 2 & 1 Bundle

Platz 95:
Titanfall 2 (2016)

von Electronic Arts; für PC, Playstation 4, Xbox One

Titanfall 2

Schlimmster Feind der „Titanfall“-Serie ist das Timing: Während der erste Teil exklusiv für Microsoft-Konsolen und auf der Schwelle eines Generationswechsels erschien, veröffentlichte Electronic Arts den ebenfalls von Respawn Entertainment entwickelten Nachfolger zwischen den beiden Shooter-Blockbustern „Battlefield 1“ und „Call of Duty: Infinite Warfare“ zu einem aus kommerzieller Sicht denkbar unglücklichen Zeitpunkt. Es steht zu befürchten, dass vielen Spielern dadurch einer der besten Genre-Vertreter des gesamten Jahrzehnts durch die Lappen gegangen ist!

Immerhin stellt „Titanfall 2“ insofern ein mustergültiges Traumsequel dar, als dass es alle vorhandenen Stärken und Alleinstellungsmerkmale des Erstwerks verbessert zurückbringt und eine großzügige Schippe drauflegt. In diesem Fall bedeutet das einen fulminanten Multiplayer-Schlachtplatz für agile Piloten und bullige Mechs sowie erstmals auch eine Kampagne, die ihrerzeit alle Erwartungen übertreffen konnte: Außerhalb der „Portal“-Reihe haben wir uns einem ganz und gar mechanischen Wegbegleiter selten verbundener gefühlt als BT-7274, der sich im Laufe eines auch spielerisch herausragenden Trips als treuer Freund erweist.

Obwohl der gesamte Verlauf durch Abwechslungsreichtum, kreative Gadgets und die besagte Buddy-Chemie zwischen Hauptfigur und Titan glänzt, stechen mit „Into the Abyss“ und „Effect and Cause“ zwei Missionen ganz besonders positiv hervor – schwindelerregende Parkour-Einlagen in einer sich ständig wandelnden Umgebung und ein wahnwitziger Wechsel zwischen zwei Zeitebenen gehören ohne Frage zu den Sternstunden der Generation. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass wir dem „Titanfall“-Universum in Form von „Apex Legends“ ein beliebtes Battle-Royal-Spinoff zu verdanken haben.

Titanfall 2

Platz 94:
Control (2019)

von 505 Games; für PC, Playstation 4, Xbox One

Control

Die finnischen Entwickler von Remedy Entertainment verstehen es wie wenige andere Studios, ein aufregendes Spiel um stark in Szene gesetzte Charaktere zu stricken – dass sowohl „Max Payne“ als auch „Alan Wake“ kurzerhand nach ihren Protagonisten benannt worden sind, spricht dahingehend eine deutliche Sprache. In Form von Jesse Faden wird das hauseigene Portfolio um eine weitere denkwürdige Hauptfigur erweitert, die halbwegs unverhofft ihre heroische Seite entfesseln muss. Der eigentliche Star von „Control“ ist jedoch sein einzigartiger Schauplatz!

Bei diesem handelt es sich um das Älteste Haus, das dem quasi-titelgebenden Federal Bureau of Control als Hauptquartier dient. Die denkbar undurchsichtige Behörde befasst sich mit paranormalen Phänomenen und hat ein kaum von der Hand zu weisendes Faible für Architektur im Brutalismus-Stil. Ziemlich schnell wird der neuen Direktorin Jesse klar, das die nicht unbedingt einladende Wirkung des Betonbunkers ihre kleinste Sorge darstellt, denn eine feindliche Macht hat das Gebäude mitsamt seiner Angestellten übernommen und muss von der frisch beförderten Heldin wider Willen vertrieben werden…

Man nehme eine große Kelle David Lynch, je zwei kleine Löffel „Akte X“ und „Twilight Zone“ sowie eine geschmackvolle Prise „Inception“ als garnierende Zutat: Derart auf ihr Design und eine bestimmte Atmosphäre bauende Titel laufen Gefahr, auf spielerischer Ebene in die „Style over Substance“-Falle zu tappen. Allerdings reden wir hier immer noch von Remedy! Aus diesem Grund ist die mysteriöse Story von dynamischen Feuergefechten mit übernatürlicher Note durchzogen, denen zahllose Büro-Einrichtungsgegenstände zum Opfer fallen – vor allem für ergebene Aktivposten am Schreibtisch ein überaus befriedigender Anblick.

Control

Platz 93:
Beat Saber (2018)

von Beat Games; für diverse VR-Systeme

Beat Saber

Kostenintensive Hardware, die ihren Besitzern mitunter viel Freiraum vor dem Fernseher abverlangt und zudem nur eine relativ überschaubare Anzahl sehenswerter Spiele unterstützt: Zwischen den zeitweise irrsinnig populären Plastikinstrumenten der Nullerjahre und den Virtual-Reality-Setups der späteren Zehner lassen sich gewisse Parallelen ziehen. Ungeachtet dessen gibt es berechtigen Grund zur Hoffnung, dass die Beliebtheit von VR-Gaming von längerer Dauer sein wird… und einen bemerkenswerten Grundstein dafür hat mit „Beat Saber“ ironischerweise ein Musikspiel gelegt!

Dem von Beat Games entwickelten Titel gebührt so etwa die einzigartige Ehre, das erste VR-exklusive Spiel mit einer prestigeträchtigen Platzierung unter den Jahres-Bestsellern auf Steam zu sein. Allerdings ist es weniger der beeindruckende kommerzielle Erfolg, durch den sich der Superhit mit Leichtigkeit auch auf unsere Liste getrommelt hat. Stattdessen qualifiziert ihn vor allem der unbestreitbare „Das hier musst du wirklich mal probiert haben“-Faktor, der das rhythmische Säbelrasseln zum perfekten Türöffner für Neugierige erhebt – nicht ohne Grund hat das Internet seine liebe Freude daran, Uneingeweihte aller Altersklassen bei ihren musikalischen Kinderschritten in einer vollkommen virtuellen Umgebung zu beobachten.

Dennoch ist „Beat Saber“ so viel mehr als ein unterhaltsames Gimmick zu Demonstrationszwecken: Neben einem zugänglichen Einstieg bietet es Fortgeschrittenen teils äußerst anspruchsvolles Gameplay, das von außen betrachtet wie eine furiose Mischung aus Tanz und Schwertkampf anmutet und in intensiveren Momenten problemlos als kleines Workout durchgeht. Der stets sehr eifrigen Mod-Community ist es darüber hinaus zu verdanken, dass zumindest auf dem PC nahezu jeder vorstellbare Song in Angriff genommen werden darf!

Mehr dazu auf beatsaber.com

Beat Saber

Platz 92:
Burnout Paradise (2008)

von Electronic Arts; für PC, Playstation 3, Xbox 360, Playstation 4, Xbox One

Burnout Paradise

Mit dem bislang letzten vollwertigen Teil ihrer „Burnout“-Serie erfüllten die Entwickler von Criterion Games geneigten Bleifüßen den wohl größten Wunsch von W. Axl Rose und entführten sie nach Paradise City. Das Gras ist dort nachweislich grün und um das Aussehen der weiblichen Bevölkerung sollte es ebenso gut bestellt sein, doch natürlich kommt es auch in der namensgebenden Metropole vor allem auf PS-starke Boliden und das Chaos an, das sie auf den Straßen der Stadt verursachen können.

Zu einem noch relativ frühen Zeitpunkt der siebten Konsolengeneration ruhten sich die verantwortlichen Racing-Veteranen keineswegs auf den Lorbeeren vergangener Tage aus und verpassten ihrer Reihe eine umfassende Frischzellenkur. Vorbei waren die Zeiten streng festgelegter Strecken und Kreuzungen des unerhört süchtig machenden Crash Mode, der hier den sogenannten Showtime Road Rules weichen musste: Paradise City präsentierte „Burnout“ erstmals im Stile der damals rapide an Beliebtheit gewinnenden Open-World-Games und durfte völlig frei befahren werden, wobei aufregende Aktivitäten wortwörtlich am Straßenrand warteten. Neben den obligatorischen Rennen sorgten Modi wie Marked Man oder Road Rage dafür, dass die gewohnt spektakulären Takedowns auch vor neuer Kulisse keinesfalls zu kurz kamen.

Die essentiellste Stärke dieses paradiesischen Ausflugs für virtuelle Verkehrssünder lag jedoch im wunderbaren Fahrgefühl der Vehikel und der gekonnten Vermittlung von purer Geschwindigkeit – zwei Königsdisziplinen für Rennspiele, in denen viele Vertreter zwar überzeugen, aber nur wenige wirklich brillieren. Zehn Jahre nach Erstveröffentlichung wurde „Burnout Paradise“ aufgrund anhaltender Beliebtheit ein optisches Remastering spendiert, während Criterion Games den Spurwechsel zur „Need for Speed“-Reihe vollzogen. Ihr Meisterwerk jedoch bleibt unerreicht!

Burnout Paradise

Platz 91:
Saints Row 4 (2013)

von Electronic Arts; für PC, Playstation 3, Xbox 360, Playstation 4, Xbox One

Saints Row 4

Im Kindesalter kümmern sich die eigenen Actionfiguren herzlich wenig um die lästigen Regeln der Realität. Mit scheinbarer Unverwundbarkeit gesegnet schütteln sie jede noch so abwegige Fähigkeit spontan aus dem Ärmel, wenn die Situation sie nun einmal erfordert – und mit dem vierten „Saint’s Row“-Teil ist den Entwicklern von Volition das mustergültige Gaming-Äquivalent dieser jugendlichen Unbeschwertheit geglückt!

Die in ihren Anfangsjahren noch als „Grand Theft Auto“-Klon verschriene Reihe konnte es sich spätestens mit dem direkten Vorgänger in einer eigenen Nische bequem machen, indem sie ihre Gangstergeschichten mit einem extradicken Augenzwinkern präsentiert und abgedrehtes Vergnügen ungeniert in den Vordergrund gerückt hat. Nichtsdestotrotz braucht „Saints Row IV“ keine zwei Stunden, um die Messlatte in bisher völlig ungeahnten Sphären anzubringen: Nachdem du eine Atomrakete im Flug entschärft hast, wird deiner Spielfigur das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten anvertraut. Die Freude darüber ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Außerirdische die Erde überfallen und dich in eine Simulation von Steelport verbannen. Dort wiederum wirst du dank einer findigen Hackerin mit Superkräften ausgestattet, die dich problemlos Hochhäuser erklimmen, Panzer werfen oder Feuerbälle schießen lassen. Noch Fragen?

Gespickt mit mehr Easter Eggs als das Osterfest selbst nimmt sich „Saints Row IV“ zu keiner Sekunde allzu ernst. Der mitunter krude Humor ist mehr denn je Geschmacksache, doch wer gut damit kann, hat stundenlangen Spaß – und genau darum ging es uns bei unserem liebsten Hobby doch ursprünglich einmal.

Saints Row 4

 

Fotos: Sony Interactive Entertainment, Electronic Arts, Xbox Game Studios, SUPERHOT Team, Sega, 505 Games, Beat Games, Koch Media