AjoureLifestyleUnterhaltungDie Legende vom Spring-Heeled Jack – wer war der Gentleman in Teufelsgestalt?

Die Legende vom Spring-Heeled Jack – wer war der Gentleman in Teufelsgestalt?

Fast über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg wurde im viktorianischen England die Erzählung vom Spring-Heeled Jack von Generation zu Generation weitergegeben. Dabei soll es sich um einen großen und kräftigen Mann gehandelt haben, der sein Aussehen verändern konnte. Er hatte es vornehmlich auf Frauen abgesehen, denen er auflauerte, um sie zu erschrecken und sie zu überfallen. In einigen Fällen soll es auch zu Entführungen gekommen sein. Warum die Taten geschehen sind oder wer sie begangen hat, ist allerdings bis heute nicht eindeutig geklärt worden. Ein Umstand, der diese Urban Legend weiterhin am Leben hält.

Der Mann mit den Sprungfedern

Ab dem Jahre 1804 ging in England das Gerücht herum, dass ein Triebtäter in den Stunden des späten Nachmittags bis in den frühen Morgen hinein sein Unwesen treibt. Er habe es bevorzugt auf Frauen abgesehen, attackiere hin und wieder aber auch Männer.

Das kuriose Merkmal: Bei dem Angreifer soll es sich um eine Person mit enormer Sprungkraft handeln, die aufgrund ihrer athletischen Fähigkeiten kaum zu fangen sei. Erste Begegnungen mit dem Täter erstrecken sich auf die Städte Sheffield und Hammersmith.

Ab diesem Zeitpunkt sollte es noch rund drei Jahrzehnte dauern, ehe auch in London erste Übergriffe gemeldet wurden.

Je häufiger der Angreifer auftrat, desto mehr Zeugenberichte konnte die Polizei sammeln. Ein Muster bei der Auswahl der Opfer ließ sich ebenso wenig erkennen wie ein Motiv für die Taten.

Klar ist allerdings, dass der Gesuchte überdurchschnittlich hohe körperliche Kräfte einsetzen konnte, wenn er wahllos Bürger erschreckte, sie am Hals würgte und den ohnmächtig gewordenen Leib viele Meter weit in ein abgelegenes Gebüsch zog, um sie dort auszurauben.

Auch die Sprungkraft blieb den Betroffenen nicht verborgen. Sie gingen dabei aber von technischen Hilfsmitteln, wie etwa von Metallfedern, aus. Diese wiederum verliehen dem Täter seinen Namen: Er war nunmehr als Spring-Heeled Jack bekannt.


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Jack nahm unterschiedliche Formen an

Deutlich mehr Abweichungen gab es hingegen bei der Frage, wie der Angreifer denn eigentlich aussah. In den überwiegenden Fällen wurde er als großer und vornehm gekleideter Gentleman beschrieben, der offensichtlich aus wohlhabendem Hause stamme.

Seine guten Manieren und sein freundliches Auftreten sollen ihm bei der Begehung der Verbrechen geholfen haben. Er sei allerdings in der Lage, sein Aussehen wie von Zauberhand zu verändern.

So könne er die Gestalt des Teufels, eines weißen Geistes oder eines wilden Bären annehmen, wenn er seine nächtlichen Streifzüge durch die bewohnten Straßen größerer Städte absolvierte.

Noch eine Verwandlung vollzog sich unmittelbar vor sowie während des Kontaktes mit seinen Opfern. In dem Zustand soll Jack über sehr lange Finger mit spitzen Krallen verfügt haben. Sein Gesicht habe die Gestalt einer Grimasse angenommen, der Mund sei weit aufgerissen gewesen und es seien Flammen aus dem Rachen hervorgetreten.

Auch die Augen wurden als brennend oder zumindest glühend beschrieben. Die Haut des Täters soll dagegen bei Berührungen sehr kalt gewesen sein.

Markant waren bei alledem auch die Kleidungsstücke, unter denen sich häufig ein langer Mantel mit einem aufgestickten goldenen “W” sowie die robust gefertigten und mit Sprungfedern an den Sohlen versehenen Schuhe befanden.

Erste Muster bei den Taten zeigen sich

Erst ab dem Jahre 1835 wurden die Gerüchte konkreter. Immer wieder waren es nunmehr Frauen, die einem Mann begegnet waren, der zu den damaligen Schilderungen passte. Er trieb sein Unwesen anfangs, indem er sich abends in dunklen Ecken, auf Bäumen oder hinter Grabsteinen versteckte.

Passierte eine Dame den Weg, so kam er hervorgesprungen, erschreckte sie und raubte ihr zumeist die Geldbörse. Die Frauen überlebten die Tat zwar, blieben in vielen Fällen aber über mehrere Tage hinweg stark von den psychischen Folgen des Erlebten gezeichnet. Eine unmittelbare Protokollierung der Verbrechen gelang daher kaum.

In den späteren Jahren ging Spring-Heeled Jack ein wenig anders vor. Nunmehr lief er – als Gentleman gekleidet – durch die Straßen und klopfte ausnahmslos an den Türen jener Häuser, in denen er nur Frauen vermutete.

Woher er sein Wissen über die Abwesenheit der Männer hatte, konnte nie abschließend geklärt werden. Öffnete ihm wider Erwarten ein Junge oder ein jugendlicher Herr die Tür, so riss er – unter lauten Flüchen und Drohungen – sofort aus.

Anderenfalls erbat er Einlass, wobei er schnell dazu überging, die Dame des Hauses zu würgen. In einigen Fällen soll er diese auch entführt haben.


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Das Gerücht wird zur Legende

Die Polizei ging lange Zeit den Berichten zwar nach und nahm auch Ermittlungen auf. Seitens der Politik wurde jedoch allgemein davon ausgegangen, dass es sich bei den Taten um Streiche handele, die die Grenzen des guten Geschmacks übertreten haben.

Einige Politiker wollten sogar von einer Wette unter jungen Männern wissen, bei der es darum ging, möglichst viele Frauen zu erschrecken. Dennoch nahmen die Verbrechen im Laufe der Jahre nicht ab. Neben den mentalen Folgen des Erlebten litten viele Opfer zunehmend unter körperlichen Verletzungen wie offenen Wunden, Rissen oder Knochenbrüchen.

Im Jahre 1845 kam es sogar zu einem Todesfall, bei dem eine 13-jährige verarmte Prostituierte ihr Leben ließ. Der Fall erregte viel Aufsehen – zeigt aus heutiger Sicht aber sehr gut, wie die Legende vom Spring-Heeled Jack entstanden sein dürfte:

Obwohl die Ermittlungsergebnisse der Polizei eindeutig auf einen Unfall deuteten und das Ertrinken des Mädchens in einem mit Wasser gefüllten Graben als Todesursache auswiesen, fand diese Theorie in der Bevölkerung nur wenig Anklang.

Weiterhin wurde die Legende vom übermächtigen Täter erzählt, der nunmehr auch vor Morden nicht zurückschrecke. In der Folge bildeten sich private Bürgerwehren, um die von ihm ausgehenden Gefahren zu reduzieren.

Bislang fehlt jede Erklärung zu den Vorfällen

Bis in die 1870er Jahre hinein ging der Spring-Heeled Jack nach dem erwähnten Muster vor. Eine Zeitspanne, die seit dem Auftreten der ersten Gerüchte also sechs bis sieben Jahrzehnte umfassen dürfte.

Es ist daher nicht anzunehmen, dass es sich um einen einzelnen Täter gehandelt haben kann. Wahrscheinlicher ist dagegen die Ansicht, dass sich hierbei ein Trend unkontrolliert ausbreitete, der mehrere Nachahmer fand.

Dennoch stellen sich immer noch die Fragen nach dem Motiv für die Verbrechen und den Personen, die sie begangen haben. So konnte Jack nie gefasst werden, konkrete Beweise für seine Ergreifung fehlen gänzlich.

Das wiederum könnte für ein übernatürliches Wesen sprechen. Unterstützt wird diese Annahme dadurch, dass es zwischen den Jahren 1804 und etwa 1870 keinerlei technische Vorrichtung gab, die die weiten Sprünge vom Spring-Heeled Jack erlaubt hätten.

Derartige Entwicklungen traten erst in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts auf. Abschließend geklärt werden konnte die Urban Legend um die Verbrechen daher bislang nicht.

Sogar heute – und somit rund 200 Jahre nach der Begehung der ersten Taten – zeigen sich weiterhin zahlreiche Ungereimtheiten in den Erzählungen. Selbst die eidesstattlichen Erklärungen über brennende Augen oder aus dem Mund hervortretende Flammen lassen sich nicht ohne Weiteres widerlegen.

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Ajouré MEN Redaktion
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