Mit Sänger Mic Donet im Gespräch

        Mic Donet    

Der Sänger erzählt uns bei unsrem gemeinsamen Shooting im LNFA Berlin von seinen Erfahrungen in der Musikbranche und verrät, wieso er überlegt, zukünftig in Deutsch zu singen.
 

Du kommst gerade von deiner Tour zum neuen Album. Wie war‘s?

Es war echt eine Offenbarung! Ich stand wirklich zu lange nicht mehr auf der Bühne. Live spielen gibt einem unglaublich viel zurück. Vor der Tour gingen mir super viele Sachen im Kopf rum: „Wie wird die neue Platte ankommen?“ Man ist so beschäftigt mit Promotion und Gedanken über das „Business“, dass man schnell vergisst wofür man das Ganze eigentlich macht – nämlich für die Menschen. Die Bühne ist der Ort der Wahrheit. Das, was du gibst, kriegst du hier sofort zurück. Sie ist dankbar und echt – das Einzige, das bleibt. Heute bewegt man sich zu viel im virtuellen Raum, wie Facebook etc. Ein Live-Erlebnis aber wirst du nie downloaden können.
 

 

Viele werden dich noch aus der Castingshow „The Voice of Germany“ kennen, an der du 2012 teilgenommen hast. Du hast es damals im Team von Xavier Naidoo bis ins Halbfinale geschafft. Wie siehst du deine Teilnahme nun, ein paar Jahre später? Was hat dir diese Erfahrung gebracht? Würdest du die Teilnahme an einer Castingshow empfehlen?

Ich wollte eigentlich nie an einer Castingshow teilnehmen. Da habe ich mich jahrelang regelrecht gegen gewehrt. Für mich waren solche Shows immer so ein „Künstler-Verheizen“. Kurz hochgepusht und dann nie wieder gesehen. Und dann kam „The Voice“. Diese Show war anders. Sie hatte Qualität und es ging tatsächlich um Talent und außergewöhnliche Stimmen. Trotzdem musste ich sehr mit mir hadern, ob ich da mitmachen soll oder nicht. Ich hatte mir bis dahin schon einiges aufgebaut und musste mich dann fragen, ob ich das irgendwie aufs Spiel setze. Wenn man Pech hat, sind einem die Hände ganz schön gebunden. Das war ein Punkt, mit dem ich mich vor der Show auch auseinandersetzen musste, denn da unterschreibt man natürlich auch Verträge. Auf der anderen Seite ist das natürlich auch eine riesen Promo für dich. Schließlich entschied ich mich dennoch mitzumachen.

Kann ich im Rückblick eine Teilnahme an Castingshows empfehlen? Ich würde es weder empfehlen, noch nicht empfehlen. Das ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Ich für meinen Teil würde es wieder machen. Mir hat es echt was gebracht. Ich hatte mein Album im Gepäck und schon einiges an Erfahrung, sodass ich das Ganze auch richtig in meinem Kopf einordnen konnte. Für mich war klar, es ist eine Fernsehshow und nicht die Realität. Wenn du dir aber „vorgaukeln“ lässt, du bist jetzt der Star, kann man tief fallen und hart aufprallen, wenn die Blase irgendwann platzt. Bei einigen Jüngeren habe ich das auch beobachtet. Ich wusste worauf ich mich einlasse. Ich wusste auch, was ich nicht möchte. Zum Beispiel welchen Magazinen gebe ich ein Interview und welchen nicht. Sowas konnte ich frei entscheiden. Wenn man ein bisschen abwägt, kann man auch man selbst bleiben und die Chancen nutzen, die sich einem bieten. Im Nachhinein glaube ich, dass mich genau das gut durch den Wettbewerb gebracht hat.
 

Mic Donet im Interview
 

Gibt es ein Highlight, ein Erlebnis aus deiner bisherigen Karriere, das dir besonders viel bedeutet?

Eine Freundin von mir singt im Harlem Gospel Chor in New York. Ich glaube, es war 2006, als ich sie da besucht habe. Sie hat mich dann zu einem Gospel Jam Open Mic-Event mitgenommen, irgendwo in einer Kirche im tiefsten Brooklyn. Ich war – wohlgemerkt – der einzige Weiße an dem Tag. Ein unfassbarer Sänger nach dem anderen ist auf die Bühne gekommen. Ich war voll geflasht! Plötzlich hörte ich „We‘ve got a guest from Germany here“. Meine Freundin hatte mich, ohne mein Wissen, in die Liste eingetragen. Mir schlug das Herz bis zum Hals und der einzige Gospel-Song, den ich kannte, wurde blöderweise schon gesungen. Ich habe dann gesagt, ich würde einfach meine Version des Songs singen. Also habe ich mich auf die Bühne gestellt. Ich wurde von zwei Musikern begleitet – einem Organisten, 16 Jahre alt, und einem Schlagzeuger, 15 Jahre alt. Beide haben gespielt als wären sie doppelt so alt. Der Organist konnte nicht wissen, in welcher Tonlage ich singen würde. Aber sobald ich loslegte, war er sofort bei mir. Ich schloss die Augen. Und ab da weiß ich ehrlich gesagt nichts mehr. Ich war wie weggetreten. Den Rest kenne ich nur aus Erzählungen (lacht).

Der Schlagzeuger hat wohl nur am Anfang kurz gespielt. Irgendwann hat er ausgesetzt und schaute mich nur noch an. Er hat wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass ich singen kann. Alle die anfangs noch skeptisch geguckt und die Arme verschränkt hatten, fingen an zu grinsen und hörten aufmerksam zu. Als ich irgendwann wieder zu mir gekommen bin, sah ich, wie die ganze Kirche Kopf stand und mitgegangen ist. Das war so krass! Das ganze Publikum bestand nur aus Sängern, die jede Note, jede kleinste Nuance raus hörten und selber viel Erfahrung hatten. Und diese Leute hingen mir an den Lippen und haben alles gefeiert, was ich da gemacht habe. Nie wieder habe ich vor so einem Publikum gespielt, von dem ich mich so verstanden und warmherzig aufgenommen gefühlt habe. Das werde ich nie vergessen.

Wer oder was hat dich eigentlich zum Soul gebracht?

Das erste, was ich an Musik mitbekommen habe, war Schlager. Weil es meine Mutter gehört hat (lacht). Black Music kam eher über meinen Vater. Ich selber habe aber eher spät zu R‘n‘B etc. gefunden. Mit elf habe ich angefangen Piano zu spielen. Da habe ich dann meine Liebe zum Blues entdeckt, der ja die Grundlage vieler anderer Musikrichtungen ist.

Meine erste Platte war von Michael Jackson – Dangerous. Dann habe ich angefangen Sänger, wie Boyz II Men oder Mariah Carey, zu hören und habe versucht, diese zu imitieren. So habe ich dann Singen gelernt.

Irgendwann ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass Stevie Wonder und viele andere Sänger oft den Kopf beim Singen schütteln. Dann habe ich herausgefunden, dass das einfach eine bestimmte Gesangstechnik ist. So kam dann alles nach und nach.
 

Sänger Mic Donet
 

Du bist vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen. In einem Interview hast du einmal gesagt, die Stadt habe dich verändert. Was macht Berlin aus dir?

Berlin ist wie ein Spiegel. Hier wird dir sehr schnell klargemacht, wer du bist und wer du nicht bist. Was zu dir gehört und was nicht zu dir gehört. Es sei denn, du verlierst dich in diesem Party-Strudel-Leben. Das kann natürlich auch passieren. Wenn man aber mit einem Plan hier her kommt, hilft einem die Stadt sehr schnell dabei, zu wissen, was ankommt und was nicht. Hier läuft alles sehr straight, man bekommt sofort Feedback.

Nach deinem letzten Album „Plenty of Love“ ist es zuletzt ruhiger um dich geworden. Wie hast du die Zeit genutzt? Wie lange hast du tatsächlich an dem neuen Album gearbeitet?

Eigentlich habe ich die ganze Zeit weiter Gas gegeben. Das Jahr 2012 war natürlich der Wahnsinn. Ich bin nur unterwegs gewesen. Danach hätte ich eigentlich mal eine Auszeit nehmen sollen, habe ich aber nicht. Ich bin direkt wieder ins Studio gegangen. Von meiner Plattenfirma habe ich da auch sehr viel Vertrauen bekommen. Die haben mich einfach machen lassen. In der Zeit habe ich dann Songs fertig gestellt, mit denen ich schon 2010 begonnen hatte. Ich habe mich vor allem auch neu ausprobiert und andere Sachen gemacht – viel Tanzbares, Funkiges.

Im Grunde hatte ich genug Vorproduziertes, das dann auch fertig gemacht ein komplettes Album ergeben hat. Aber stilistisch war dann alles doch zu weit weg von dem, was ich vorher gemacht hatte. Die Stücke waren dann nicht wirklich zu gebrauchen. Da kam dann der Punkt, an dem ich endgültig ausgepowert war und mir erstmal die besagte Auszeit nehmen musste, bevor wir überlegten, was nun zu tun sei. Schließlich hatte ich dann Riesenglück und bekam noch mal eine Chance. Ich durfte nach London ins Studio mit Tommy D, der schon mit vielen internationalen Größen wie Adele und Emily Sande gearbeitet hat. Das war eine unvergessliche Erfahrung! Dort hat auch erst die Arbeit an „Rise and Shine“ so wirklich begonnen. Ein Teil der alten Songs ist natürlich geblieben. Elf neue Titel kamen dann noch dazu. Deswegen hat es auch etwas länger gedauert, bis ich dann mit dem Album rauskam.
 

Mic Donet Konzert
Foto: Markus Braumann
 

Wie steht‘s bei dir um den Erfolgsdruck? Verändert sich die Erwartung, die man an die eigene Arbeit hat, im Laufe des Lebens?

Interessante Frage. Ich glaube, bei mir war es bisher immer ähnlich. Ich ziehe mich immer sehr zurück und habe für mich den Anspruch „Meisterwerke“ zu machen. Ich wollte immer, dass jeder Song fett ist. Nicht nur auf zwei Singles hinarbeiten und der Rest ist Müll. Ich wollte immer Werke schaffen. Heute bin ich aber nicht mehr so sicher, ob das der richtige Weg ist. Heute ist alles sehr schnell geworden. Da muss man sich genau überlegen, wo man hin will. Ich frage mich zur Zeit auch, ob ich weiter auf der internationalen Schiene bleibe und Englisch singe oder ob ich mal wieder was Deutsches mache. Deutsche Musik ist super populär. Mit Englisch hat man es in Deutschland nicht unbedingt leicht.

Hast du schon Ideen und Pläne für das nächste Album?

Es kann gut sein, dass das neue Album Deutsch sein wird. Ich will auch einfacher werden, vielleicht mal ganz akustisch. Ich habe da mal Bock drauf, die Stimme kommt dabei viel mehr zum Tragen. Ihr dürft gespannt sein!

 

Fotos: Bernd Jaworek



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