WG-Guide

Horrorstorys über Wohngemeinschaften kennt jeder von uns zu gut. Von Toiletten, die seit Jahren keine Bürste mehr gesehen haben, bis hin zu Kakerlaken, die in zehnter Generation im Kühlschrank hausen. Es stimmt zwar, dass solche Fälle existieren, zum Glück handelt es sich hierbei eher um die Ausnahme und wird in diesem WG-Guide nicht behandelt.

Nichtsdestotrotz solltest du das Leben in einer WG nicht auf die leichte Schulter nehmen. Was du nicht machst, werden deine Mitbewohner auch nicht machen. Es entsteht ein Teufelskreis, in dem jede WG früher oder später im Chaos versinken wird. Umso wichtiger ist es daher, dass du weißt, wie eine WG funktioniert und wie du mit deinen Mitbewohnern ein lebenswertes Umfeld schaffst. Unser WG-Guide wird dich startklar für das perfekte Leben in einer Wohngemeinschaft machen. Wenn man die zu beachtenden Punkte eines WG-Lebens gut einteilt, wird man feststellen, dass die Regeln und Normen gar nicht so komplex sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Hygiene ist das A und O

Eigentlich sollte dir klar sein, dass ohne eine vernünftige Hygiene gar nichts läuft. Es war also abzusehen, dass dieser Punkt in unserem WG-Guide landet. Dabei gibt es keinen Unterschied, ob es deine Körperhygiene ist oder die Art, wie du deinen Haushalt führst. In einer Wohngemeinschaft musst du diesen Grundsatz als oberstes Gebot ansehen, denn dies ist die Voraussetzung für ein ordentliches und stressfreies miteinander.

Stell dir vor, dass du nach einem harten Tag in der Uni oder auf der Arbeit einfach nur in eine ordentliche Wohnung kommen möchtest, ohne dir Sorgen um ihre Sauberkeit machen zu müssen. Voller Vorfreude öffnest du die Tür und erleidest dein erstes Nahtoderlebnis, weil dir der Schweißgeruch deines Mitbewohners in die Nase steigt. Das Schlimmste daran ist, dass er nicht einmal im selben Raum ist, sondern hinter verschlossenen Türen in seinem Zimmer sitzt. Hoffnungsvoll denkst du, dass es nicht mehr schlimmer werden kann und öffnest den Kühlschrank. Hier wartet jedoch die nächste Überraschung auf dich. Der Joghurt des anderen Mitbewohners ist ausgelaufen und der Farbe nach zu urteilen schon vor längerer Zeit.

Man könnte unendlich viele ähnliche Beispiele aufzählen, eines haben sie aber gemeinsam. Solche Situationen dürfen nicht die Regel sein und können auf eine banal einfache Weise vermieden werden.

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Wasche dich regelmäßig

An den eigenen Körpergeruch gewöhnt man sich am schnellsten. Es ist daher kein Wunder, dass bei einer mangelnden Körperhygiene nicht du selbst, sondern deine Mitmenschen leiden müssen. Nimm dir die Zeit und geh duschen. Wenn du schnell bist, bist du in zehn Minuten fertig, hast dafür aber in der Regel für den Rest des Tages ausgesorgt.



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Vermeide penetrant riechendes Essen

Ein jeder WG-Guide wird dich wohl dazu anweisen, auf den stinkenden Käse zu verzichten, der dann Wochenlang offen im Kühlschrank rumliegt. Eine Wohngemeinschaft ist kein Internat, an dem strenge Regeln gelten. Dennoch solltest du aus Rücksicht auf deine Mitbewohner lieber zweimal überlegen, ob du den französischen Ziegenkäse offen im Kühlschrank stehen lässt. Ist dein Bedürfnis nach spezifischen Speisen zu stark, solltest du wenigstens eine geeignete luftdichte Verpackung nutzen.

Bei verdorbenen Lebensmitteln erübrigt sich die Frage mit der Verpackung natürlich. Hier ist eine schnelle Entsorgung des Übeltäters gefragt, um Gestank und ungebetene krabbelnde Gäste zu vermeiden.

Wasche dein Geschirr zügig

Ja es stimmt. Geschirr abzuräumen ist nervig und besonders dann, wenn keine Spülmaschine im Haus ist. Beiß die Zähne zusammen und kümmere dich trotzdem schnellstmöglich darum. Du vermeidest, dass sich Türme aus Tellern bilden, der Platzmangel stetig zunimmt und deine Mitbewohner die Küche nur eingeschränkt nutzen können.

Der Staub muss weg

Es ist deine Sache, ob deine Regale voll mit Staub aus dem letzten Jahrzehnt sind. Anders verhält es sich aber in gemeinsam genutzten Räumen, wie dem Bad oder der Küche. Du und deine Mitbewohner atmen den Staub nicht nur ein, sondern bringt ihn mit den Hausschuhen in eure Zimmer. Außerdem wirkt ein schmutziger Boden und verstaubte Flächen weniger gut, wenn Gäste zu Besuch kommen.

Das Leben in einer WG ist Teamarbeit

WG-Guide

Dass eine WG keine Putzfrau hat, ist manchen nicht immer bewusst. Entweder sind sie faul und drücken sich vor der Arbeit, oder merken nicht einmal, dass bestimmte Aufgaben erledigt werden müssen. Jeder reinigt seine Sachen selbst, aber gemeinsam genutzte Räume werden auch gemeinsam sauber gemacht. Teilt euch die Arbeit ein. Einer wäscht das Bad heute, der andere sieben Tage später.

Wenn du merkst, dass du der Einzige im Haushalt bist, der sich um ein sauberes Umfeld kümmert, läuft etwas gewaltig schief. Sprich das Thema vorsichtig an und erkläre deinen Mitbewohnern, dass ihr gemeinsam sauber machen müsst. In der Regel tritt spätestens dann Bewegung ein und die Arbeitsteilung nimmt ihren Lauf. Es ist eher selten, dass du auch danach keine Hilfe bekommst. Überdenke in solchen Situationen, ob du nicht besser in einer anderen WG aufgehoben wärst.

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Teilt eure Finanzen genau ein

Es gibt Fixkosten, die jeder für sich bezahlen muss. Dazu gehört natürlich die Miete, die GEZ-Kosten, Versicherungsbeiträge, Ausbildungskosten, der KFZ-Unterhalt, sowie alle anderen Faktoren, die regelmäßig und zu festen Ausgaben gezahlt werden müssen. Auf der anderen Seite stehen schwankende Kosten für Lebensmittel, Haushaltsgegenstände, Küchengeräte, Hygieneartikel und spontane Ausgaben. Welche Ausgaben gemeinsam abgedeckt werden, hängt stark von den WG-Mitgliedern ab und kann in vielen Aspekten variieren.

In diesem WG-Guide werden keine Anweisungen gegeben, sondern Ideen und Vorschläge geteilt. Aus diesem Grund solltest du besonders beim Thema Finanzen ausführlich mit deinen Mitbewohnern sprechen und die einzelnen Regeln individuell überdenken. Dennoch möchten wir dir einige gängige Möglichkeiten der finanziellen Einteilung in einer WG vorstellen, sodass du dich mit deinen Mitbewohnern informiert und selbstsicher absprechen kannst.

Jeder zahlt für sich

Dieses Modell ist vor allem in Zweck-WGs verbreitet. Hier teilst du dir die Wohnung nicht, weil du deine Mitbewohner so gern hast und Zeit mit ihnen verbringen willst, sondern weil du in erster Linie Geld sparen möchtest. Nicht falsch verstehen, das eine schließt das andere nicht aus, ist aber eher die Ausnahme.

Getrennte Leben in einer WG bringen auch getrennte Ausgaben mit sich. Spontane gemeinsame Ausflüge entfallen, gekocht wird alleine und jeder hat einen eigenen Wasserkocher. Grundsätzlich ist so etwas nicht schlecht, denn die Lebenshaltungskosten sind deutlich übersichtlicher. Andersherum lässt dies aber wenig Freiraum für ungeplante Ausgaben und zwingt dich stets dazu, deine Mitbewohner über jede Neuanschaffung für die Gemeinschaft zu fragen und in Kenntnis zu setzen.

In der Praxis ist eine komplett getrennte Kostenaufteilung nicht möglich. Alleine schon bei Themen, wie Handseife, Toilettenpapier, Beuteln für den Staubsauger oder Mülltüten ist eine Absprache untereinander erforderlich. Jeder verbraucht solche Produkte unterschiedlich schnell, sodass immer ein Ungleichgewicht vorhanden ist. Zum Glück sind diese Kosten sehr überschaubar und belaufen sich in der Regel auf wenige Cent. Selbst die größten Geizhälse würden früher oder später aufgeben und nicht jede Tüte oder jeden Müllbeutel zählen.



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Das WG-Kassen-Modell

Dieses Modell erfreut sich einer großen Beliebtheit. Alle Mitglieder einer WG zahlen monatlich einen kleinen Beitrag in die WG-Kasse ein. Davon werden alle wichtigen Produkte, die der Gemeinschaft dienen, gekauft. Dazu zählen im Grunde alle Neuanschaffungen, wie Möbel und Geräte, die in den gemeinsam genutzten Räumen stehen werden. Der Toaster ist kaputt? Kein Problem, das erforderliche Geld für ein Ersatzgerät wird aus der Kasse genommen. Beim ausgiebigen Feiern ist ein Brandfleck im Teppich entstanden? Die Kasse hilft aus.

Bedenke, dass das Verhältnis zwischen dir und deinen Mitbewohnern mindestens gut sein sollte und ihr euch gegenseitig vertrauen müsst, dass kein Geld verschwindet oder für nicht geplante Ausgaben verwendet wird. Kleine Konflikte oder Missverständnisse sind in der Regel vorprogrammiert, aber keine Angst. Eine WG lebt vom Austausch und jedes aus der Welt geschaffene Problem verbessert die Situation und stärkt den Zusammenhalt.

Auch müsst ihr untereinander klären, was von der WG-Kasse bezahlt werden soll und was nicht. In der Regel werden auch Lebensmittel und Hygieneartikel wie Shampoos oder Parfüms nicht geteilt. Die meisten kochen nur für sich, entsprechend kannst weder du noch jemand anderes erwarten, dass ihr mit dem Geld aus der Kasse normale Lebensmittel kauft. Eine gar nicht so seltene Ausnahme gibt es dennoch. Wenn alle Mitbewohner der WG Lust auf geliefertes Essen haben, ist es gar nicht so verkehrt aus der Kasse zu zahlen.

Startklar mit dem WG-Guide

WG-Guide

Wie du siehst, ist die Kommunikation in einer Wohngemeinschaft das wichtigste. Egal welches Problem, egal welche Wünsche, sprich mit deinen Mitbewohnern. Viele, wenn nicht alle Probleme lassen sich so gemeinsam lösen.

Durch diesem WG-Guide weißt du jetzt, dass Aufgaben auf dich zukommen, aber auch ein Recht auf dein Eigentum und ein sauberes Umfeld. Wer weiß, vielleicht nimmst du es selber nicht so streng mit einigen Sachen und deine Mitbewohner genauso. Je lockerer und geordneter die Situation, desto besser lebt es sich.

Andersherum kann es vielleicht sehr unangenehm werden, sodass du gezwungen bist, die WG zu verlassen oder Untermietern aufgrund ihres Verhaltens kündigen musst. Hab keine Angst, das gehört zum Leben dazu und wird im optimalen Fall niemals passieren. Mit diesem WG-Guide weißt du jetzt wenigstens, was auf dich zukommt und wie du handeln solltest.

Sei selbstsicher und zuversichtlich. Ein perfektes WG-Leben ist greifbar nahe, man muss es nur wollen, etwas dafür tun und die richtigen Mitbewohner dafür kennenlernen.

 

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