Terence Hill

Terence Hill prügelte sich ab den 1980er an der Seite von Bud Spencer durch zahlreiche unvergessliche Italo-Western. Der einstige Superstar mit dem losen Mundwerk und den eisblauen Augen ist heute, mit über 80 Jahren, immer noch im Filmbusiness aktiv.

Terence Hill: die bewegte Vita des Deutsch-Italieners

Heute weiß eigentlich jeder, dass Terence Hill und Film-Buddy Bud Spencer keine US-Amerikaner, sondern Italiener waren beziehungsweise sind.
Terence Hill wurde 1939 als Mario Girotti in Venedig geboren.
Aufgewachsen ist Mario Girotti in den 1940er in der Nähe von Dresden. Er selbst und seine Familie erlebten das Bombardement durch die Alliierten unbeschadet. Gleich nach dem Krieg verließ die Familie Deutschland und siedelte sich wieder in Italien an.

Mario Girottis Vater stammte aus Umbrien und seine Mutter Hildegard Thieme aus Lommatzsch bei Dresden. Nach dem Krieg beendete Mario in Italien die Schule, war Leistungsschwimmer und studierte einige Semester Literatur.

Im Schwimmclub von Lazio begegnete er zum ersten Mal einem jungen Mann, mit dem er später Filmgeschichte schreiben sollte: Carlo Pedersoli (alias Bud Spencer, gest. 2016).

Bis heute spricht Mario Girotti alias Terence Hill übrigens fließend Deutsch und bezeichnet die Sprache auch als seine Muttersprache. Italienisch lernte er erst nach der Rückkehr seiner Familie nach Italien.

Erste kleine Rollen in Italien

Terence Hill

Der Regisseur Dino Risi (später weltbekannt durch „Der Duft der Frauen“ mit Al Pacino) suchte in Schwimmclubs nach gut gebauten jungen Männern – und traf auf den damals 12-jährigen Mario Girotti. Der Sonnyboy bekam prompt eine Rolle in Risis Frühwerk „Vacanze col gangster“ (Ferien mit Gangstern).
Der spielte weitere Nebenrollen und besuchte sogar für drei Jahre die Schauspielschule in Rom. Mit den Einnahmen finanzierte sich Mario Girotti sein Literatur-Studium und ein heiß ersehntes eigenes Motorrad. An eine Karriere beim Film hatte er damals noch nicht gedacht.

1959 bekam Mario Girotti eine Gastrolle im Sandalenfilm „Hannibal“. Welch Ironie des Schicksals, dass Headhunter einen anderen gutaussehenden Schwimmer aus Marios Team für den Film engagiert hatten: Carlo Pedersoli hatte ebenfalls einen Kurzpart im Heldenepos rund um den Karthager, der mit Elefanten über die Alpen zog. Allerdings lagen die Sets von Mario und Carlo so weit auseinander, dass sie bei den Dreharbeiten nicht aufeinandertrafen.



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Karriereschub durch die deutschen Karl-May-Filme

Der deutsche Filmemacher Horst Wendlandt holte den jungen Mario Girotti für seinen Thriller „Der Leopard“ erstmals in seine alte Heimat Deutschland zurück.

Gleich danach ging es für den Mimen Schlag auf Schlag weiter. Wendlandt drehte den Karl-May-Film „Winnetou II“ (1964) und Mario Girotti ist darin als ein Leutnant der Konföderiertenarmee zu sehen.

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Die Filme schlugen ein wie eine Bombe und das deutsche Filmpublikum wollte mehr.

Mario Girotti schwamm auf einer Glückswelle und konnte mit Pierre Brice (Winnetou) und Lex Barker (Old Shatterhand) etliche weitere erfolgreiche Western drehen:

  • „Unter Geiern“ (1964)
  • „Der Ölprinz“ (1965)
  • „Old Surehand 1. Teil“ (1965).

Obwohl sich damals schon abzeichnete, dass der Beau mit den leuchtend blauen Augen perfekt ins Western-Genre passte, tauchte Mario auch in anderen deutschen Produktionen auf:

Neben dem Western „Duell vor Sonnenuntergang“ (1965), war er im Agententhriller „Schüsse im 3/4 Takt“ (1965), dem Heimatfilm „Ruf der Wälder“ (1965) und im romantischen Drama „Die Nibelungen“ (1966) zu sehen.

Nach diesem Dreh-Marathon in Deutschland zog es den jungen Mario zurück nach Italien. Doch anstatt sein Studium wieder aufzunehmen, flattern ihm immer weitere Drehangebote ins Haus.

Die große Zeit des Italo-Western brach an und Mario Girotti bekam die erste Hauptrolle. Mit der Westernparodie „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ (1967) wechselt er das erste Mal ins komische Fach. Der Film ist mehr eine Persiflage mit Gesangseinlagen und Tanz.

Die große Filmkarriere als Terence Hill

Terence Hill

Für den jungen Schauspieler (Mario Girotti war 28 Jahre alt) ging es grandios weiter.

Mit „Gott vergibt… Django nie!“ (1967) drehte er seinen ersten und auch letzten brutalen Western. Mario ergatterte die Rolle durch Zufall. Der eigentlichen Hauptdarsteller Peter Martell war durch einen Unfall ausgefallen. Die Produzenten suchten unter Zeitdruck adäquaten Ersatz – und fanden Mario Girotti! In diesem Film traf Mario auch schließlich wieder auf Carlo Pedersoli.

Der Streifen feierte internationale Erfolge und das charismatische Duo Girotti und Pedersoli begeisterte das weltweite Publikum.

Die internationalen Filmverleiher bestanden auf amerikanisierte Namen des Duos Mario Girotti und Carlo Pedersoli. Also gab man den beiden eine Liste mit amerikanisch klingenden Namen und jeder sollte sich einen heraussuchen.

Carlo pfiff auf die Liste und bastelte sich aus „Budweiser“ (seinem Lieblingsbier) und „Spencer Tracy“ (seinem Schauspielvorbild) den Namen Bud Spencer.

Mario wählte Terence Hill, weil ihm der Name gut gefiel und die Initialen seiner Mutter Hildegard Thieme beinhaltete.

Damit war das legendäre Film-Duo Bud Spencer und Terence Hill war geboren!

Gemeinsam mit Bud Spencer: Lieber Hau-drauf-Spaß als eiskalte Gewalt

Terence Hill

Obwohl der brutale Western „Gott vergibt… Django nie!“ viel Aufmerksamkeit erntete, war es beiden Darstellern ein Anliegen, nicht auf Brutalo-Streifen reduziert zu werden.

Das kam an und die Macher der Italo-Western hatten auch schon ein anderes Konzept für die beiden parat. Schon „Vier für ein Ave Maria“ (1968) kam dank der lockeren Sprüche familienfreundlicher daher und wurde sogar deutlich erfolgreicher als der Vorgängerfilm.

Für die beiden sollte es noch klamaukiger und noch erfolgreicher weitergehen. „Zwei vom Affen gebissen“ (1969) und „Zwei hau’n auf den Putz“ (1970) ließen die Kinokassen nur so klingeln.

Während den 1970ern bis Mitte der 1980er jagt ein Hau-drauf-Western den nächsten. Bud Spencer und Terence Hill waren weltberühmt und beliebt bei Groß und Klein.

Die erfolgreichsten und besten Filme des Duos aus dieser Zeit:

  • „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970)
  • „Freibeuter der Meere“ (1971)
  • „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1972)
  • „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ (1972)
  • „Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974)
  • „Zwei Missionare“ (1974)
  • „Zwei außer Rand und Band“ (1976)
  • „Zwei sind nicht zu bremsen“ (1978)
  • „Das Krokodil und sein Nilpferd“ (1979)
  • „Zwei Asse trumpfen auf“ (1981)
  • „Zwei bärenstarke Typen“ (1983)
  • „Vier Fäuste gegen Rio“ (1984)
  • „Die Miami Cops“ (1985)
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Mit der Polizei-Komödie „Die Miami Cops“ endet die Zusammenarbeit von Bud Spencer und Terence Hill vorläufig.
1994 stehen die beiden noch einmal für die deutsch-italienische Western-Komödie „Die Troublemaker“ gemeinsam vor der Kamera. An vergangene Erfolge konnten die beiden damit allerdings nicht anknüpfen.



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Terence Hills Karriere ohne Bud Spencer

Schon 1973 und 1975 feierte Terence Hill mit den Western „Mein Name ist Nobody“ und „Nobody ist der Größte“ gigantische Solo-Erfolge.
In den 1980ern mimte er in „Keiner haut wie Don Camillo“ (1983) den italienischen Kult-Priester.

Sein bekanntester Hollywood-Film aus dieser Zeit war „Marschier oder stirb“ (1977) an der Seite von großen Namen wie Catherine Deneuve, Ian Holm und Gene Hackman.
Es folgte 1985 das Roadmovie „Renegade“, in dem Terence Hill mit seinem Adoptiv-Sohn Ross Hill zu sehen war. In den 1990ern spielte Terence Hill schließlich mit dem Comic-Helden „Lucky Luke“ eine weitere Parade-Rolle.

Terence Hill und seine große Liebe Lori

1967 begegnete der Mime bei den Dreharbeiten zu „Gott vergibt… Django nie!“ der deutsch-amerikanischen Dialogtrainerin Lori Zwicklbauer. Zwischen den beiden entflammte eine leidenschaftliche Liebe und nur zwei Monate nach dem ersten Treffen läuteten die Hochzeitsglocken – das war der Beginn einer Ehe, die bis heute Bestand hat!

Am 07. November 1969 kam das erste gemeinsame Kind des Paares, der Sohn Jess, in Rom zur Welt. Rund vier Jahre später adoptierten die beiden noch einen Waisenjungen aus München und nannten ihn Ross.

Jahrzehnte schien Terence Hill vom Glück geradezu verwöhnt worden zu sein. Dann folgte ein herber Schlag: Ross Hill starb 1990 im Alter von 16 Jahren bei einem Autounfall. Das Unglück stürzte Terence Hill in eine tiefe Krise. Jahrelang kämpfte er mit Depressionen. Das Ehepaar Lori und Terence/Mario wurde durch das große Leid aber nur noch enger zusammengeschweißt.

Dank der unerschütterlichen Liebe zu seiner Frau, seinem anderen Sohn und der Schauspielerei fand Terence Hill bald wieder aus der Krise. Er drehte die „Lucky Luke“-Filme, führte dabei auch Regie und traf bei den „Troublemakern“ seinen alten Kumpel Bud Spencer wieder.
Privat hatten die beiden längere Zeit keinen Kontakt mehr gehabt. Obwohl der Streifen floppte, blieben die beiden Italo-Stars danach bis zum Tod von Bud Spencer im Jahr 2016 eng verbunden.

Was macht Terence Hill heute?

Terence Hill

Man mag es kaum glauben, aber der Mann, der inzwischen über 80 Jahre alt ist, arbeitet noch immer unermüdlich.
Terence Hill zog sich nach der unglaublichen internationalen Filmkarriere nach Italien zurück.

Doch auf der faulen Haut liegen und seinen Wohlstand genießen war Terence Hill nicht genug. Fürs italienische Fernsehen dreht er seit den 2000er die Serie „Don Matteo“.

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Als eine Art italienischer Pfarrer ist Don Matteo im umbrischen Gubbio (der Heimat von Terence Hills Vater) auf Verbrecherjagd und im witzig bis dramatischen Seelsorge-Einsatz. Der Rai-Serienhit ist in Deutschland bisher leider nur als DVD erhältlich.

Für die TV-Western-Serie „Doc West – Nobody ist zurück“ und „Doc West – Nobody schlägt zurück“ stieg Terence Hill sogar noch einmal aufs Pferd.
Mit der Handlung der großen Nobody-Kinofilme aus den 1970er haben die beiden Nachfolger allerdings kaum etwas zu tun. Beste Unterhaltung boten sie trotzdem und sie sind auch auf Deutsch erhältlich.

2018 drehte Terence Hill mit „Mein Name ist Somebody“ eine weitere Persiflage auf seinen einstigen Supererfolg.

Terence Hill: 13 weitere spannende Fakten, Unterhaltsames und Überraschendes

Terence Hill

  1. In den 1950er und 1960er Jahren nannte man Mario Girotti in Italien den „fidanzatino d’italia“. Das bedeutet so viel wie der „Traum-Schwiegersohn Italiens“.
  2. In den 1950ern gewann er mit seinem Schwimmteam Lazio die Bronzemedaille bei den italienischen Jugendmeisterschaften. Später gewann er mit dem Verein Tevere Roma eine Silbermedaille im Rudern.
  3. Er hat zwei Brüder namens Oduardo und Piero.
  4. Obwohl er Carlo Pedersoli im Schwimmteam locker kannte, hatten die beiden vor ihrer Weltkarriere kaum Kontakt.
  5. Aus Abneigung gegen zu viel Gewalt im Film lehnte er die Rolle als „Rambo“ ab.
  6. Terence Hill ist gebürtiger Italiener, hatte eine Zeitlang die deutsche Staatsbürgerschaft und wechselte dann zu einem US-amerikanischen Pass.
  7. Bis heute pendelt der Mime mit seiner Frau Lori zwischen Amerika, Deutschland und Italien.
  8. Die blauen Augen hat er von seiner Mutter geerbt. Oft wurde spekuliert, ob Terence Hill Kontaktlinsen trage – doch Fehlanzeige, sie sind echt!
  9. Terence Hill lebt heute in der Nähe von Gubbio, wo er „Don Matteo“ dreht.
  10. Er bekam die Ehrenbürgerschaft der sächsischen Stadt Lommatzsch (dem Geburtsort seiner Mutter).
  11. Dort wurde das Freibad in „Terence Hill Freibad Lommatzsch“ umbenannt, nachdem der Schauspieler dem Bad eine Riesenwasserrutsche geschenkt hatte.
  12. 2017 eröffnete Terence Hill zu Ehren seines Großvaters in der Stadt Amelia die Eisdiele Gelateria Girotti. In den 1970ern betrieb sein Großvater die bekannteste Eisdiele der Stadt.
  13. In Dresden gibt es seit 2019 die „Gelateria Girotti – Terence Hill Eis Saloon“.

Obwohl er ein Superstar war und ist, bekam Terence Hill nie eine große internationale Auszeichnung. Privat mied den Medienrummel, er hatte keinen einzigen Skandal zu verbuchen, sein Familienleben war ihm stets heilig und privat soll er genau so ein Sonnyboy sein wie Nobody.

Träumst du jetzt auch davon, mit jungenhaftem Charme 80 Jahre und älter zu werden – und dabei auch noch unverschämt erfolgreich zu sein? Dann probiere es mit diesem Terence-Hill-Film-Zitat als Lebensmotto (und mit viel blauen Bohnen!):

„Wenn man sein Leben verlängern will, muss man alles dafür tun, es nicht zu verkürzen!“ (1973 „Mein Name ist Nobody“)

 

Bilder: 2018 KSM, Buddy Lane Production, D.R., Koch Media, Die rechte und die linke Hand des Teufels Screenshot – Produktion Italo Zingarelli