AjoureLifestylePeopleJohnny Depp im Porträt: Wo kann seine Karriere noch hingehen?

Johnny Depp im Porträt: Wo kann seine Karriere noch hingehen?

Er ist einer der letzten großen Filmstars unserer Zeit – Johnny Depp! Der exzentrische Charakterdarsteller ist seit Jahrzehnten im Geschäft, im Nebenberuf Rockstar und mehrfacher Sexiest Man Alive. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Drogeneskapaden und Skandale überschatteten seine Karriere. Zuletzt sorgte Depps Ehe mit „Aquaman“-Star Amber Heard für Negativschlagzeilen. Infolge kehrte Hollywood seinem einstigen Goldjungen den Rücken. Nach einem teuren und öffentlichkeitswirksamen Gerichtsprozess im Frühjahr 2022 versuchte Depp ein Comeback – mit mäßigem Erfolg.

Es bleibt die Frage: Wohin steuert die Karriere des Captain Jack Sparrow-Darstellers?

Hollywood-Star wider Willen

Los Angeles im Jahr 1987: Johnny Depp ist 21 Jahre alt, hält sich mit miesen Nebenjobs über Wasser und will nichts weiter als Musik machen. Zur Schauspielerei kommt er auf Anraten eines Freundes – kein Geringerer als Nicholas Cage.

Depp reizt vor allem das schnelle Geld. Und er hat Glück: Der Horrorstreifen „Nightmare on Elm Street“ macht die Welt nicht nur mit Kult-Killer Freddy Krueger, sondern auch mit dem gutaussehenden Newcomer bekannt. Wenige Jahre später gelingt ihm mit der Serie „21 Jump Street“ der endgültige Durchbruch.

Depp gehört ab sofort zum festen Inventar Hollywoods und findet nun auch selbst Gefallen an der Schauspielerei. Er liebt den exzentrischen Lifestyle, vor allem aber seine neu gewonnene Unabhängigkeit. Mit den kreischenden Fans, roten Teppichen und Paparazzi dagegen kann er nichts anfangen. Depp meidet die Öffentlichkeit, sichtet keinen der Filme, in denen er selbst spielt, und gibt sich in Interviews zurückhaltend und nachdenklich.

Skandale bleiben dennoch nicht aus: Seine Beziehung zu der erst 17-jährigen Winona Ryder 1989 ebenso wie der Drogentod des gefeierten Jungschauspielers River Phoenix vor Depps Nachtclub „The Viper Room“ 1993 sorgen für Negativpresse.


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Fact Sheet

  • Vollständiger Name: John Christopher Depp II
  • Geboren: 9. Juni 1963 in Owensboro, Kentucky (USA)
  • Eltern: John Christopher Depp I, Elizabeth Sue Palmer
  • Geschwister: Daniel Depp, Christi Dembrowski, Debbie Depp
  • Partnerin: Amber Heard (verh. 2015–2017); Vanessa Paradis (1998 –2012); Lori Anne Allison (verh. 1983–1985)
  • Kinder: Lily-Rose Melody Depp, John Christopher Depp III
  • Beruf: Schauspieler, Musiker, Regisseur
  • wichtige gewonnene Auszeichnungen: Critics’ Choice Award – Bester Hauptdarsteller (2004, Fluch der Karibik; 2005, Wenn Träume fliegen lernen); Golden Globe – Bester Hauptdarsteller in einer Komödie oder Musical (2008, Sweeney Todd)
  • Größe: 1,78 m
  • Sternzeichen: Zwilling
  • Fun fact: Depp hat über 35 Tattoos, die für diverse Filmdrehs abgedeckt oder in der Postproduktion retuschiert werden müssen.

Höhenflug und Absturz

Johnny Depp

Weder Depps unorthodoxer Lebensstil noch sein weithin bekannter Alkohol- und Drogenkonsum vermögen seinen Aufstieg in Hollywood zu bremsen. Ganz im Gegenteil spielen viele seiner Rollen mit Depps Bad-Boy-Image. In „Don Juan DeMarco“ (1995) gibt er den unwiderstehlichen Verführer, in „Fear and Loathing in Las Vegas“ (1998) einen Journalisten auf LSD und in „Blow“ (2001) den charismatischen Drogendealer.

Mitte der 90er Jahre arbeitet Depp erstmals mit Regielegende Tim Burton zusammen. Die beiden entwickeln sich zu einem cineastischen Dreamteam. Der Regisseur mit Sinn fürs Groteske besetzt Depp als Edward mit den Scherenhänden, als Willy Wonka und Sweeney Todd. Der Kultcharakter der Figuren färbt unweigerlich auf den Namen Johnny Depp ab.

Aber erst durch seine Performance in „Fluch der Karibik“ (2003) wird der damals 40-Jährige zum Mega-Star. Insgesamt fünfmal verkörpert er den schrägen Piraten Jack Sparrow und verdient über 200 Millionen Dollar.

Doch der Höhenflug des Johnny Depp nimmt 2016 ein jähes Ende. Seine Ex Amber Heard beschuldigt ihn der sexuellen und häuslichen Gewalt. Über Nacht distanzierten sich sämtliche großen Filmstudios von dem Superstar. Depp flüchtet – zumindest beruflich – nach Europa. Statt Blockbuster mit Rekordgagen dreht er nun Indie-Streifen und synchronisiert Animationsfilme. Zwischen 2014 und 2019 wird Depp neunmal für den Negativ-Filmpreis „Goldene Himbeere“ nominiert.


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Filmografie von Johnny Depp

Film: Rolle: Jahr:
Nightmare – Mörderische Träume Glen Lantz 1984
21 Jump Street Officer Tom Hanson 1987–1990
Edward mit den Scherenhänden Edward Scissorhands 1990
Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa Gilbert Grape 1993
Ed Wood Ed Wood 1994
Donnie Brasco Donnie Brasco/Joe Pistone 1997
Fear and Loathing in Las Vegas Raoul Duke 1998
Sleepy Hollow Ichabod Crane 1999
Blow George Jung 2001
Fluch der Karibik Jack Sparrow 2003
Wenn Träume fliegen lernen James M. Barrie 2004
Charlie und die Schokoladenfabrik Willy Wonka 2005
Fluch der Karibik 2 Jack Sparrow 2006
Sweeney Todd Sweeney Todd 2007
Alice im Wunderland Verrückter Hutmacher 2010
The Rum Diary Kemp 2011
Dark Shadows Barnabas Collins 2012
Black Mass James „Whitey“ Bulgar 2015
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Gellert Grindelwald 2016
Jeanne du Barry Ludwig XV. 2023

Comeback mit Hindernissen

Im Februar 2019 geht Depp in die Offensive. Er klagt und hat Erfolg: Drei Jahre später befindet eine Jury Amber Heard der Verleumdung für schuldig und rehabilitiert Johnny Depp – zumindest auf dem Papier. Hollywood bleibt skeptisch, so dass der Charakterdarsteller sein Leinwand-Comeback vorerst bei den 76. Filmfestspielen in Cannes feiert.

In dem französischen Historiendrama „Jeanne du Barry“ mimt Depp König Ludwig XV. und erntet für seine Darstellung – kein Lob. Der Amerikaner wirke ganz und gar deplatziert, beschweren sich die Kritiker, sein Akzent mache Depps Performance absolut unglaubwürdig.

Auch Regisseurin und Hauptdarstellerin Maïwenn ist von Depp alles andere als begeistert und schließt eine zukünftige Zusammenarbeit aus.

Depp aber hat noch ein Ass im Ärmel. Obwohl seine letzte Regiearbeit mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt, will er 2024 mit dem Künstler-Biopic „Modi“ als Filmemacher durchstarten. Die Besetzung klingt vielversprechend. Depp konnte u.a. Hollywood-Urgestein Al Pacino verpflichten.

Persona non grata – So what?

Johnny Depp

Im Juni 2023, ein Jahr nach Depps Sieg vor Gericht, sendet Disney-Boss Sean Bailey erste Zeichen der Versöhnung. Die „Fluch der Karibik“-Macher schließen eine Rückkehr von Jack Sparrow, und damit von Depp, in einem 6. Teil der erfolgreichen Filmreihe nicht länger aus. Aber will Depp das überhaupt?

Zahlreiche Statement seinerseits sprechen dagegen. Auf Nachfrage erklärt er, nicht für „300 Millionen Dollar und eine Million Alpakas“ ein weiteres Mal mit Disney zusammenarbeiten zu wollen. Allgemein sähe er Hollywood inzwischen kritisch und wolle sich in Zukunft verstärkt der Musik und seinem Band-Projekt, den „Hollywood Vampires„, widmen.

Im Frühjahr 2023 veröffentlicht die Gruppe das Album „Live in Rio“. Die Platte hat Erfolg und Depp stellt abermals unter Beweis, dass er ein eingefleischter Nonkonformist ist, der sich für niemanden verbiegt.


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Money, Money, Money

Allerdings hat Depp, das wurde während seines Prozesses gegen Ex Amber Heard deutlich, arge Geldprobleme, die ihn dazu zwingen könnten, noch einmal den Goldregen vergangener Tage heraufzubeschwören. Einigen seiner Wegbegleiter ist dieses Kunststück bereits gelungen.

Dass nur eine Rolle den Unterschied machen kann, erfuhr beispielsweise Depps Buddy Robert Downey Jr. Als Iron Man feierte dieser nach langjähriger Drogenabhängigkeit und Gefängnisstrafe ein fulminantes Hollywood-Comeback. Depps Verflossene, Winona Ryder, ist dank Netflix wieder dick im Geschäft und verdient mit der 5. Staffel „Stranger Things“ imposante 9,5 Millionen Dollar.

Auch Depps Vertrauter Tim Burton erlebt durch den Streaming-Dienst einen neuerlichen Karriereschub und arbeitet aktuell an der 2. Staffel des Serien-Hits „Wednesday“.

Ob auch Depp, der nur widerwillig auf Instagram & Co. aktiv ist und bevorzugt mit Altrockern auf der Bühne steht, ein Gespür für die Trends der Stunde hat und in einer durch Streaming, Pandemie und #MeToo veränderten Film- und Fernsehlandschaft Fuß fassen kann, bleibt abzuwarten.

Fazit

Johnny Depp

Johnny Depp ist und bleibt ein Außenseiter unter den Superstars. Der weitere Kurs seiner Karriere ist unberechenbar. Auch wenn seine Rückkehr ins traditionelle Hollywood unwahrscheinlich ist, wird er, schon aus finanziellen Erwägungen, dem Film-Business treu bleiben. Ob er sich auf seine Anfänge in der Branche besinnt und noch einmal der Star einer TV- bzw. Streaming-Serie wird oder ob er in Zukunft hinter der Kamera Erfolge feiert, steht aktuell noch in den Sternen. Nur eins ist sicher: Johnny Depp ist wie sein Alter Ego Jack Sparrow einfach nicht totzukriegen.

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Bilder: Copyright D.R., Copyright 2021 Koch Films, Copyright 2015 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten, Copyright Columbia TriStar Films

Aline Röse
Aline Röse
Aline Röse ist freie Autorin mit einem Tätigkeits- und Bildungshintergrund in der Medienbranche und Kulturwissenschaft. Ihr Herz schlägt für Horror, Hollywood und alles Literarische. Mit Vorliebe spürt sie den ungewöhnlichen und obskuren Seiten der Themen, Lebensläufe und Persönlichkeiten nach, zu denen sie recherchiert. Das Schlagen popkultureller Brücken und ein Auge fürs Detail kennzeichnen ihren Schreibstil.

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