Manu Bennett: „Ich musste mich für Eins entscheiden und das war das Künstlerische.“

        Manu Bennett im Interview    

Im Interview mit Manu Bennett

Wir trafen den charismatischen Schauspieler Manu Bennett zum Interview und sprachen mit ihm über seine unterschiedlichen Rollen, über seine Maori-Wurzeln und darüber, wie er zur Schauspielerei kam.
 

Ajouré: Wir sitzen hier auf der Dachterrasse des Amano Hotels mit einer wundervollen Aussicht auf Berlin. Ist es dein erstes Mal in der Stadt?

Ich war schon vor ein paar Jahren hier und habe damals einen Fotografen kennengelernt, der übrigens auch dieses Cover macht – Paul Partyzimmer. Er ist ein fantastischer Fotograf und ich war mir sicher, dass tolle Fotos dabei herauskommen werden.

Ajouré: Was macht mehr Spaß – einen Spartaner oder einen Orc zu spielen?

Meine interessanteste Rolle als Schauspieler war bis jetzt Crixus. Seine Figur macht eine unglaubliche Entwicklung durch. Er ist ein Mann, der als Bestie und Quäler in der Arena anfängt und am Ende die Liebe findet. Aber auf der anderen Seite gab mir die Rolle von Azog die Möglichkeit mit Peter Jackson zu arbeiten. Es ist auch wirklich irre in einem Film wie „Der Hobbit“ mitzuwirken, den so viele Menschen gesehen haben. Was jedoch viele Menschen nicht realisiert haben, war, dass ich den Orc gespielt habe. Wir haben Motion Capture benutzt, wodurch man mein Gesicht nicht sehen konnte. Ähnlich wie bei Andy Serkis als Gollum verlangte die Rolle eine große Vielfalt von mir, weil man ja eine Kreatur spielt.

Um mir bei der Rolle zu helfen, habe ich einen Abend vorher „Jaws“ und „The Empire Strikes Back“ geguckt. Spielbergs „Jaws“ hat mich inspiriert, weil er selten die Bestie zeigt – wodurch sie noch bedrohlicher wirkt. Als Azog habe ich versucht, mein Gesicht so wenig wie möglich zu zeigen.

Crixus hingegen war in meinem eigenen Körper – Azog fühlte sich hingegen viel größer an. Die Art der Bewegung und die Stimme waren auch anders. Meine Stimme wurde separat aufgenommen und um eine Oktave vertieft – und es wurde noch ein Knurren hinzugefügt. Als ich es mir anhörte, klang es ein bisschen wie Didgeridoo.

Ajouré: Wenn man eine Rolle wie „Azog“ spielt – erkennt man sich dann überhaupt selber wieder?

Das Ding bei Motion Capture ist, dass man trotzdem die Bewegung braucht. Was sie machen ist eine Animation über das eigene Gesicht und Körper rüberzulegen. Leute, die mich kennen, können feine Gesten von mir erkennen, z.B. meinen Gang erkennen sie in der Rolle des Azog wieder. Ich habe auch vieles von meiner Erfahrung aus „Spartacus“ zu „Der Hobbit“ einfließen lassen können. Bei „Spartacus“ hatte ich schon einiges übers Kämpfen gelernt und obwohl Peter Jackson bereits eine Choreographie für die Kampfszenen fertig hatte, konnte ich noch einiges hinzufügen.

Man muss eine neue Dimension mit reinbringen, wenn man mit Motion Capture arbeitet, wie Andy Serkis schon einmal gesagt hat. Mit Peter Jackson zu arbeiten, fühlte sich so an, als wäre man von Aliens entführt worden. Die Technnologie war erstaunlich! Noch ist es sehr teuer, aber ich glaube in zehn Jahren werden wir viel mehr solcher Filme sehen.

 
Manu Bennett auf der Fashion Week Berlin
Foto: Matthias Nareyek / Kontributor / Getty Images

 

Ajouré: Du warst in jungen Jahren auch ein sehr aktiver Rugby-Spieler – wie bist du dann schließlich zu der Schauspielerei gekommen?

Ich habe zuerst Breakdance getanzt und meine Freundin tanzte Ballett – durch sie wäre ich beinahe sogar in die Richtung gegangen. Mir wurde sogar ein Stipendium angeboten, nach New York zu gehen, um dort tanzen zu lernen.

Ich lehnte jedoch ab, um in der Uni einen Tanz- und Schauspiel-Kurs zu belegen, wodurch ich zur Schauspielerei kam. Beim Schauspielen hatte man eine Stimme, was mir beim Tanzen fehlte. Ich finde, dass viele meiner Rollen sehr körperlich sind. Ich glaube, dass ich einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Schauspielern für solche Rollen habe, da ich das Gelernte vom Tanzen in solchen Figuren umsetzen kann.

Wenn man tanzt, muss man einen Raum mit seinem Ausdruck füllen. Man ist sich bewusst, wo man sich hinbewegt. Beim Filmen von „Spartacus“ waren mir die Kameramänner sehr dankbar, da ich ihnen schon vorher sagte, ich würde in die Kamera kicken und sie vertrauten mir, da ich es sehr gut kontrollieren konnte. Ich habe auch Rugby gespielt und bin mit 16 zu einer speziellen Schule gegangen, wo ich gegen die härtesten Typen spielte. Ich hatte auch die Chance mich für das australische Rugby-Team vorzustellen, jedoch musste ich Schwanensee tanzen. Es war ein richtiger Billy-Elliot-Moment in meinem Leben. Ich musste mich für eins entscheiden und das war das Künstlerische.

Ajouré: Also würdest du im nächsten Leben eher Tänzer oder Rugby-Spieler werden?

Ich glaube jeder hat die Chance das zu finden, womit er am meisten strahlt. Je mehr man an etwas arbeitet, desto mehr Erfahrungen bekommt man in diesem Bereich. Die besten Sportler strahlen am meisten durch ihren Sport, Künstler durch ihre Kunst und Schauspieler durch ihre Filme. Ich benutze auch viele meiner Lebenserfahrungen für meine Figuren. Meine Mutter und mein Bruder sind beide innerhalb von zwei Wochen durch separate Autounfälle gestorben. Ich war sehr jung und musste einen Weg nach vorne finden. Ich brauchte etwas Positives nach diesem Verlust. Und dadurch kam ich zur Kunst, wodurch ich meinen Schmerz in etwas Positives verarbeiten konnte.

Mit 23 Jahren traf ich zufällig Anna Strasberg in New York – ich habe sie angesprochen und gefragt, ob ich ihre Schauspielschule besuchen könnte. Am nächsten Tag bin ich hingefahren und sie hat mir ein Stipendium angeboten. Ich habe ihr meine Lebensgeschichte erzählt und sie hat gemerkt, dass ich versucht habe, meine Erfahrungen in etwas Gutes umzusetzen. In dem Moment wusste ich, dass ich es schaffen kann! Dass jemand wie sie, jemandem wie mir half, war sehr beeindruckend. Jeder braucht ein Mentor in seinem Leben, der einem sagt, dass man etwas Besonderes ist.

 
Manu Bennett
Foto: Paul Partyzimmer

 

Ajouré: Was fühlt sich mehr nach Heimat an? Neuseeland oder Australien?

Neuseeland steht natürlich für meine Maori-Abstammung. Mein Urgroßvater war ein bekannter, großer Kämpfer. Als Maori glaubt man, dass die eigenen Vorfahren bestimmte Dinge weitergeben und dass sie einem helfen den Weg durchs Leben zu gehen. Als ich an der Rolle des Crixus arbeitete, habe ich viel an meine Vorfahren gedacht. Und das gab mir ein besonderes Gefühl der „spirituellen Identität“. Man muss auch die Charaktere verstehen, die man spielt – weshalb ich versucht habe, die Erfahrungen meiner Vorfahren zu nutzen.

Ajouré: Was gefällt dir an der Arbeit als Schauspieler am meisten?

Man darf um die ganze Welt reisen und lernt so viele Leute kennen. Immer wieder werde ich angesprochen und gefragt, ob ich Crixus sei. Ich finde es manchmal etwas schwierig, den Menschen in der Rolle von Crixus zu begegnen. Ich ziehe mich auch eher zurück und suche auch nicht nach Aufmerksamkeit. Wo ich herkomme, ist das nicht so wie in Hollywood, wo Ruhm eine wichtige Rolle spielt. Amerikanische Schauspieler gehören mehr zu diesem riesen Hollywood-Trubel, sie müssen viel mehr mit der Presse arbeiten und stehen häufiger in der Öffentlichkeit. In Neuseeland ist das ganz anders, niemand interessiert sich so sehr für mich. Leute gehen einfach an mir vorbei und sagen „Hey Bro!“. Neuseeland ist ein ruhiges Land, was ich sehr gut finde. So bleibt man bodenständig.

Ajouré: Du wirkst auch sehr relaxt und bodenständig.

Ich versuche durch die Welt Schritt für Schritt zu gehen und jeden kennenzulernen, der mir über den Weg kommt. Bei den Conventions kommen viele zu mir und es ist mir wichtig mit allen einen besonderen Austausch zu haben. Es ist eine Ehre, jemanden kennenzulernen und von demjenigen auch noch gelobt zu werden. Ich nehme das alles nicht als selbstverständlich. Es gab eine Zeit, als ich meine Mutter und meinen Bruder beerdigen musste, und ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich einen Weg daraus finde.

Zudem fühlen sich viele durch meine Arbeit angesprochen. Es ist erstaunlich, dass ich durch diese Blechkisten, die in jedem Wohnzimmer stehen, Menschen erreichen und berühren kann. Manchmal sprechen mich Soldaten aus dem Irak-Krieg an und brechen in Tränen aus. Sie sagen, dass sie Trost in Crixus gefunden haben. Ich versuche oft diese schwere Zeit in meinem Leben in emotionalen Szenen zu verarbeiten. Das sind wahre Emotionen.
 

Manu Bennett in Berlin
Foto: Paul Partyzimmer
 

Ajouré: Was wäre denn deine Traumrolle?

Irgendetwas, das von der neuseeländischen Kultur inspiriert wurde, vielleicht etwas über meine Vorfahren. An so etwas zu arbeiten wäre einerseits sehr persönlich und kompliziert aber anderseits auch sehr belohnend, da ich mich mit der Rolle besser identifizieren könnte.

Ajouré: Was war deine schwierigste Rolle bis jetzt?

Definitiv Azog! Alle meine anderen Charaktere waren ich – nur in einem Kostüm. Mit Azog musste ich mich ganz anders bewegen. Es war als ob man einem kleinen Jungen gesagt hätte, er solle Arnold Schwarzenegger spielen. Sie haben mich in einen superengen Körperanzug mit komischen Bällchen drauf gesteckt und mir gesagt, ich solle einen Orc spielen. Es gab Monitore, wo man mich als Azog während des Filmens sehen konnte. Wenn ich mich normal bewegt habe, war es für Azog zu schnell, also musste ich robuster werden und so tun, als ob ich riesen Arme und einen großen Hals hätte. Dafür musste ich mich sehr konzentrieren, deswegen bin ich immer eine halbe Stunde vor dem Drehen da gewesen, um in die Bewegung reinzukommen.

Ajouré: Was machst du in deiner freien Zeit am Set?

Es ist von Set zu Set anders. Bei Spartacus waren wir alle sehr gut miteinander befreundet. Wir haben viel herumgealbert, hatten Push-Up-Duelle und gaben uns oft den sogenannten Bruderschaftshandschlag. Dabei haben wir unsere Hände so heftig geschlagen, dass sie blau wurden. Und der, der zuerst aufhörte, hatte verloren.

Die Arbeit und Stimmung am Set ist auch immer sehr stark von der Beziehung zu den anderen Schauspielern abhängig. Man hat auch immer einen Trailer am Set, wo man sich zurückziehen kann, um sich auf schwierige Szenen vorzubereiten.

Ajouré: Wer würde dich spielen, wenn man einen Film über dein Leben drehen würde?

Gute Frage … ich glaube ein Maori-Junge.

Ajouré: Vielen Dank, Manu Bennett.
 

 

Fotos: Paul Partyzimmer; Matthias Nareyek / Kontributor / Getty Images



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