Adam Lambert

Vor zehn Jahren begann seine Karriere bei American Idol und seitdem geht es für den Superstar aus den Vereinigten Staaten steil bergauf. Nur wenige Stars, die wir im Laufe unserer Zeit treffen durften, waren so sympathisch und charismatisch. Er ist ein Arbeitstier, welches niemals wirklich zufrieden mit dem scheint, was es bereits erreicht hat. Jetzt steht sein neues Album „Velvet“ in den Startlöchern, die erste Single hieraus „New Eyes“ wurde bereits veröffentlicht und immer noch tourt er mit Queen durch die ganze Welt. Wie er all dies meistert, welche Parallelen er zwischen Freddy Mercury und sich sieht und wieso ein Pharao bei ihm zu Hause wohnt, erfährst du hier bei einem sehr ehrlichen und humorvollen Interview mit Adam Lambert.

Zwischen 2009, als du den zweiten Platz bei American Idol erreicht hast und heute, 10 Jahre später, hast du eine unfassbare Zahl an Zielen erreicht. Nummer eins Chart-Positionen, millionenfach verkaufte Alben, eine Welttournee mit den Rocklegenden von Queen, von der das Rolling Stone-Magazin deine Performance als „majestätisch“ betitelt und vieles mehr. Wie fühlst du dich, wenn du morgens aufwachst?

Ganz ehrlich? Ich überlege mir „was mache ich denn eigentlich als nächstes“ (lacht)? Ich bin einfach eine dieser Personen, die niemals wirklich komplett zufrieden ist. Ich finde, dass das eine gute Eigenschaft ist, aber es kann auch irgendwie ein Fluch sein. Auf der einen Seite motiviert mich das unglaublich, auf der anderen Seite hindert mich diese Eigenschaft daran, das, was ich erreicht habe, wirklich genießen zu können. Aber „I just need this push and pull!“ (lacht)

Ich hatte in den letzten vier Jahren aber auch immer wieder Zeit zur Ruhe zu kommen, was mir sehr wichtig war. Natürlich war ich zwischendurch mit Queen auf Tour, aber ich konnte meine Batterien dennoch immer wieder aufladen. Nach meinem letzten Album und der Tour brauchte ich eine gewisse Auszeit, um neue Ideen und Inspirationen zu bekommen.

Alles was du tust, wird in höchsten Tönen gelobt. Singen, performen, schauspielern – du bist einfach ein All-Round-Talent. Bei all dem vielen Lob in der Vergangenheit, bist du da immer noch aufgeregt vor der Veröffentlichung deines dieses Jahr erscheinenden Albums “Velvet”?

Zu EINHUNDERTPROZENT! Ich bin extrem aufgeregt, was die Veröffentlichung von „Velvet“ angeht. Gleichzeitig bin ich aber nicht nervös, ich fühle nur, wie der ganze Stress von mir abfällt. Das Album fühlt sich wirklich gut an und es ist vom Gefühl her 100 Prozent ich. Ich fühle, dass ich hier sozusagen auf dem Fahrersitz saß und die großen und wichtigen Entscheidungen übernommen habe. Ich habe an allen Songs mit meinen Kollegen mitgearbeitet und es fühlt sich an, als habe ich eine Linie gefunden, die mich, Adam, zeigt. Es ist aber natürlich auch so, dass ich auf die vorherigen Alben sehr stolz bin, doch „Velvet“ fühlt sich anders und neu an und ich freue mich unglaublich darauf.

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Wie würdest du sagen hat sich deine Musik bei “Velvet” im Vergleich zu deinen anderen Alben verändert?

Ich finde, „Velvet“ ist komplett zeitlos. Es geht bei dem Album nicht darum, einen Trend zu verfolgen. Im Gegenteil, es ist einfach die Art Musik, die ich seit meiner Kindheit schon immer geliebt habe. Im Album ist ein großer Einfluss von der Vinylsammlung meiner Eltern erkennbar – 70er und 80er Jahre Musik. Über die letzten vier Jahre habe ich viel mehr Alternative-Music gehört als die Top 40 dieser Welt. Das hat sozusagen meine Ohren geöffnet und mich durchaus beeinflusst. Popmusik fängt nahezu immer gleich an und es klingt auch immer sehr ähnlich. Ich wollte etwas Neues und ich glaube, dass mir das gelungen ist. Ich wollte ein Album, das einen echten Wert hat, unabhängig davon, wie viele Streams es hat oder wie oft es auf YouTube aufgerufen wird oder wie gut die Chartposition ist. Das was zählt ist, ob ich es mag oder nicht. Und ich liebe es!

Meiner Meinung nach ist das Problem in der Musikindustrie heutzutage, dass wir sozusagen in ein Genre gewickelt werden, welches wir eigentlich nicht bedienen wollen und so vergessen wir irgendwann, warum wir Musik ursprünglich machen wollten. Ich spreche viel mit anderen Musikern und viele sagen, sie machen Musik, weil sie es lieben und nicht, weil es in erster Linie um Chartplatzierungen geht. Sie lieben die Songs und das ist es, was für sie zählt. Es ist sozusagen einfacher, als wir es uns oftmals machen oder anders gesagt: Wir machen es komplizierter, als es ist. Genau aus diesem Grund bin ich zurück zu meinen Basics als Musiker und mache die Musik, die mich damals dazu verleitete, in diese Branche einzusteigen.

Hast du all die Texte selbst geschrieben oder ist das zeitlich einfach nicht machbar?

Alles ist eine Kollaboration. Es sind viele Leute, die hier zusammenarbeiten und alle Songs wurden von mehreren Songschreibern entwickelt, die mit den Producern zusammensaßen. Hier wurden dann Texte und Ideen hin- und hergeschmissen, verändert und optimiert. Sobald alles besprochen ist und feststeht, wird der Song im Handumdrehen erstellt.

Welches ist denn dein persönlicher Lieblingssong auf deinem neuen Album?

Sie sind alle total verschieden. Ich kann wirklich nur schwer sagen, ob ich einen Lieblingssong habe. Das Lied „Superpower“ mag ich sehr, denn es ist ein sehr starker Song und einer, der dir Kraft gibt, wenn du in eine Situation gerätst, die dir sagt, dass es so nicht geht und du mit dieser nicht glücklich bist. Und das ist es, was der Song mit dir macht – er gibt dir deine Superpower zurück und du erlangst die Kontrolle wieder und „you find your magic again“. Ich glaube, das alles kann vieles bedeuten. Es hängt alles davon ab, wer du bist. Ich mag den rebellischen Spirit, den „Superpower“ ausstrahlt.

Du bist ja unfassbar beschäftigt. Auftritte, Gastmentor bei American Idol, Queen Tour in den USA von Juli bis August, Synchronsprecher in “Playmobil: The Movie”. Wie schaffst du es zwischen all der Arbeit auch noch ein neues Album aufzunehmen?

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Es zog sich tatsächlich über ein paar Jahre, bis es soweit war. Der Film „Playmobil: The Movie“ wurde schon vor längerer Zeit aufgenommen und an dem Album arbeitete ich die letzten vier Jahre. Es ist alles ein Prozess und passiert in der Tat nicht alles auf einmal. Das wäre schon sehr schwierig zu handeln sonst.

Adam Lambert Interview

Du bist ja ein bekennender großer Freddy Mercury-Fan. Siehst du Parallelen zwischen seinem Leben und deinem?

Ja, ein paar sehe ich tatsächlich. Die offensichtlichste Parallele ist wohl, dass ich ein homosexueller Musiker bin, der zu 100 Prozent dazu steht. Freddy lebte in einer Zeit, in der man noch nicht so offen über seine Sexualität sprechen konnte. Das gab es damals einfach nicht. Ich frage mich manchmal, wie er in unserer heutigen Zeit sein würde, wie er sich verhalten würde, würde er noch leben. Wäre es ein offenes Buch? Irgendetwas sagt mir, dass er so sein würde. Wäre sein Verhalten in Zeiten des Wandels eine Selbstverständlichkeit? Schau dir Elton John an. Er war sehr verschlossen zur damaligen Zeit und heute ist er extrem offen, was dieses Thema angeht. Er ist eine brillante Ikone, der in der Lage dazu ist, so offen mit dem zu sein, was und wie er ist.

Also ja, ich denke, hier gibt es durchaus Parallelen zwischen uns. Außerdem war Freddy zur Theatralik hingezogen, er liebte es, sich „over the top“ zu verhalten – sowohl mit seiner Musik als auch mit allem anderen. Auf der einen Seite geht das zwar Hand in Hand mit der Sexualität, auf der anderen Seite ist das etwas ganz anderes. Ich selbst bin im Theater aufgewachsen. Ich mochte es, mich in Schale zu werfen und ebenfalls komplett „over the top“ zu sein. Meiner Meinung nach sind das ebenfalls Parallelen zu Freddy.

Warst du denn am Anfang deiner Karriere verunsichert, ob das Publikum dich so wie du bist annehmen würde?

Als ich nach der Schule nach Los Angeles zog, ging ich zum Theater. Die Theaterwelt war das, war für mich normal war, was ich kannte, was ich für eine lange Zeit gemacht habe und wovon ich dachte, dass es mein Weg sei. Die Theater-Community ist super vielfältig, da dort natürlich unglaublich viele verschiedene Menschen arbeiten und in diese Welt habe ich perfekt hineingepasst. Es hat mich nicht dazu veranlasst, Musiker zu werden, aber als ich 25 Jahre alt war, dachte ich mir, dass ich diesen Weg vielleicht auch einmal versuchen sollte. Es war dann allerdings so, dass ich mich mehr und mehr zur Musik hingezogen fühlte und ich denke, dass die Suche nach meiner eigenen Identität damit Hand in Hand einherging.

Ich glaube, was passiert, war, dass ich realisierte, dass das Leben am Theater sehr kontrolliert war. Es gibt einen Direktor, der dir sagt, wo du zu stehen hast und was du anziehen sollst, wie du was sagst und wie du singen musst. Du kannst einfach nichts selbst bestimmen, denn so läuft das nun einmal in diesem System. Ganz besonders dann, wenn du in einer Show mitspielst, die extrem erfolgreich ist und du zum Ensemble gehörst. Ich fühlte mich hier irgendwann fehl am Platz, denn ich wollte mein eigenes Ding machen, meine eigenen Ideen verwirklichen. Ich glaube, dass dieser Wunsch nach Selbstverwirklichung mich weg vom Theater und hin zur Musik brachte.

Was war das beste Erlebnis deiner 10-jährigen Karriere?

Ich finde, American Idol war einfach unglaublich, denn dies war der Beginn meiner Karriere. Dann ist da aber auch noch das Erlebnis mit Queen, welches mein Leben, meine Karriere, meinen Lifestyle veränderte und es ist obendrein lukrativ (lacht). Es bringt mich in und um die ganze Welt und hierdurch lerne ich Ikonen kennen, die ich sonst vielleicht nie hätte treffen können und von denen ich so viele tolle Dinge lerne.

Wann war das letzte Mal, dass du etwas zum ersten Mal erlebt hast?

(Stille…) Das ist eine verdammt gute Frage. (Stille…) Das ist eine knifflige, verzwickte und heikle Frage zugleich (lacht). Die Frage ist wirklich gut man. (Das ganze Team lacht…) Warte, ich weiß! Ich habe seit etwas über einem Jahr zum ersten Mal einen eigenen Hund, welcher mir sehr viel bedeutet. Meine Familie hatte früher auch Hunde als ich klein war, aber heute bin ich erwachsen und wollte meinen eigenen Hund haben. Also habe ich mir einen Chihuahua-Basenji-Mix geholt, der mittlerweile rund 15 Pfund (7,5kg) wiegt. Er ist wie ein Schoßhund und will ständig geschmust werden. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein super stolzer Hund, der immer wieder versucht, ein Alpha-Männchen-Getue an den Tag zu legen (lacht). Wenn er Gefahr wittert, dann kommt der Besenji in ihm raus, welche ursprünglich aus Afrika stammen. Er verhält sich dann wie ein stolzer Jäger – er ist also ein jagender Chihuahua sozusagen (lacht). Aber er ist wirklich super süß. In dem einen Moment ist er die totale Prinzessin und liegt mir überkreuzten Beinen in der Gegend herum, in nächsten Moment macht er einen auf Soldat. Das ist schon sehr lustig. Deshalb habe ich ihn auch Pharao genannt, wie ein ägyptischer König, denn so sieht er aus, wenn er sitzt.

Adam Lambert und Daniel Heilig
Adam Lambert und Daniel Heilig (AJOURE´ Men Redaktion)

 

Fotos: Manuel Cortez