AjoureLifestyleStudie: Kann Rauchen Schizophrenie und Depression auslösen?

Studie: Kann Rauchen Schizophrenie und Depression auslösen?

Rauchen schadet der körperlichen Gesundheit in vielfältiger Weise. Nun liegen aber interessante Studien vor, die die Wahrscheinlichkeit aufzeigen, dass Tabak auch die mentale Gesundheit maßgeblich beeinträchtigen könnte. So wurde inzwischen ein Zusammenhang zwischen Tabakrauch Depressionen, Angst- und Panikstörungen und sogar Schizophrenie festgestellt.

Ursachen: Warum schädigt Tabak die seelische Gesundheit?

Es ist bekannt, dass das Rauchen zunächst ein Wohlgefühl auslöst: Die Aufmerksamkeit steigt, die Gedächtnisleistung wird besser und Entspannung setzt ein. Das ist einer der zahlreichen Mechanismen, die dafür sorgen, dass Raucher immer wieder zur Zigarette greifen: ein Teufelskreislauf. Dies ist jedoch nur ein kurzfristiger Effekt der Droge. Langfristig gesehen wird der Körper nämlich ständig mit Adrenalin, Cortisol und Dopamin zugeschüttet, was ihn in einen permanenten Kampf-und-Flucht-Modus versetzt. Auf Dauer sind Raucher also nicht entspannter, sondern deutlich gestresster. Zudem schädigt Tabak offensichtlich die Serotonin-Speicher im Körper, wobei Serotonin auch als das „Glücks- und Wohlfühlhormon“ bekannt ist. Obwohl es durch das Rauchen kurzfristig zu einem Anheben der Stimmung kommt, steigt somit langfristig das Risiko für Depressionen mit Stimmungstiefs, Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Forscher waren sich dabei lange unsicher, ob psychisch labile bzw. psychisch kranke Menschen aufgrund der kurzfristig positiven Wirkung des Nikotins eher zu Zigaretten als einer Art Selbstmedikation greifen oder ob die Giftstoffe im Tabak sogar eine der Ursachen für psychische Erkrankungen darstellen könnten. Klar war bislang lediglich, dass unter psychisch Kranken überdurchschnittlich viele Raucher und sogar viele starke, langjährige Raucher zu finden sind.

Aufschlussreiche Studie: Begünstigt Tabak Schizophrenie?

Inzwischen gibt es tatsächlich Hinweise, dass Tabak sogar schwere Erkrankungen wie Schizophrenie auslösen könnte. Das allerdings ist eine grundlegende Erkenntnis, da Schizophrenie bislang immer noch als schwer behandelbar gilt und die Betroffenen oft ein Leben lang unter dieser bösartigen Erkrankung leiden. In einer Studie des Kings College in London vermuteten Wissenschaftler, dass das Rauchen zum einen bestimmte Risikogene für Psychosen stimuliert und zum anderen die Ausschüttung von Dopamin fördert. Psychosen und Schizophrenien aber werden mit einem Überschuss des Botenstoffes Dopamin assoziiert: Es kommt zu einer Reizüberflutung im Gehirn und somit zu den typischen, quälenden Symptomen der Schizophrenie wie akustischen Halluzinationen und Wahnerleben.

Je länger und intensiver geraucht wird, umso mehr Dopamin zirkuliert im Gehirn. Neuroleptika, d.h. Medikamente, die gegen Psychosen eingesetzt werden, wirken unter anderem deswegen, weil die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn besetzt werden und die Reizüberflutung damit eingedämmt wird.

Zudem ist eine Tatsache, dass sehr viele Raucher bereits in jungen Jahren mit dem Rauchen anfangen. Forscher äußerten deswegen den Verdacht, dass die frühe Überflutung mit Schadstoffen die Rezeptoren im Gehirn dauerhaft verändern kann und Betroffene damit für eine psychische Erkrankung sozusagen prädisponiert. Rauchen kann demnach vielfältige psychische Erkrankungen wenn auch nicht unbedingt auslösen, so doch deutlich begünstigen. Im Folgenden findest du einige Wirkmechanismen erklärt, die Tabakkonsum zur Folge hat:

– Das Nikotin verengt die Blutgefäße und das Herz muss mehr Pumpleistung erbringen. Blutdruck und Herzschlag steigen, Symptome der Angst und der Panik können sich somit verstärken. Aus diesem Grund rät man Angstpatienten, das Rauchen möglichst einzustellen. Umgekehrt greifen viele Angstpatienten zur Zigarette, weil diese eine vermeintliche Beruhigung verspricht.

– Tabak schädigt die Speicher des Botenstoffs Serotonin im Körper, der mit Wohlgefühl und Glück in Verbindung gebracht wird. Auf Dauer steigt deswegen die Gefahr, an einer Depression zu erkranken. Andererseits rauchen viele Depressive, um kurzfristig Linderung zu erfahren, was langfristig aber ihre Symptome verstärkt.

– Tabak stimuliert die Ausschüttung von Adrenalin, Cortisol und Dopamin im Körper. Der Organismus ist deswegen ständig gestresst, wobei vor allem ein Dopamin-Überschuss mit Schizophrenie assoziiert wird. Denkbar sind auch dauerhafte Rezeptor-Veränderungen durch die Überflutung mit Giftstoffen, da viele psychisch Kranke bereits in jungen Jahren mit dem Rauchen beginnen.


Auch interessant für dich: Psychosen durch kiffen: Macht Cannabis verrückt?


Tabakentwöhnung für mehr Wohlbefinden

Im Gegenzug zeigte sich in den Studien, dass bereits durch eine kurze Zeit der Abstinenz von Tabak Depressionen gelindert werden, die Ängstlichkeit nachlässt, die Lebensqualität steigt und mehr positive Gefühle die Folge sind. Offensichtlich erholt sich das geschädigte Rezeptor-System des Körpers durch Tabakentwöhnung, was schon bald zu einer Besserung der Symp-tome führt. Im Durschnitt zeigen Nichtraucher außerdem grundsätzlich eine höhere psychische Stabilität als Raucher und sind psychisch deutlich gesünder.

Mediziner raten deswegen auch psychisch Kranken zu einer professionellen Tabakentwöhnung, damit sich ihre Symptome bessern. Das Wort professionell ist in diesem Zusammenhang allerdings sehr wichtig, da die Entzugserscheinungen vor allem bei langjährigen, starken Rauchern dermaßen anstrengend werden können, dass sich die ursprünglichen Symptome der psychischen Erkrankung zunächst sogar verstärken. Eine schrittweise Entwöhnung bei medizinischer Begleitung ist deswegen die günstigste Option. Denkbar ist zum Beispiel der Einsatz von Nikotin-Ersatzpräparaten bei gleichzeitiger Psychotherapie, um die besten Erfolge zu zeitigen.

Fazit: Nichtraucher werden

Im Idealfall beginnst du also erst gar nicht mit dem Rauchen bzw. versuchst, es so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Wie genau psychische Erkrankungen und Tabak dabei zusammenhängen, das bedarf allerdings noch weiterer Forschungen. Bislang lässt die Studienlage auf jeden Fall vermuten, dass Tabakkonsum und psychische Störungen in gegenseitiger Wechselwirkung zueinander stehen: Psychisch Kranke rauchen eher und mehr, um ihre Symptome kurzfristig zu lindern, es gibt aber auch Anhaltspunkte dafür, dass Tabakkonsum psychische Störungen erst auslöst oder zumindest begünstigt. Umso wichtiger sind Präventivprogramme, beispielsweise in Schulen, sowie professionelle Entwöhnungsprogramme.

 

Fotos: Nopphon; nito / stock.adobe.com

Ajouré MEN Redaktion
Ajouré MEN Redaktion
Wir legen wir größten Wert auf die Qualität und Verlässlichkeit unserer Inhalte. Um sicherzustellen, dass unsere Artikel stets korrekt und vertrauenswürdig sind, stützen wir uns ausschließlich auf renommierte Quellen und wissenschaftliche Studien. Unsere redaktionellen Richtlinien gewährleisten dabei stets fundierte Inhalte. Informiere dich über unsere hohen journalistischen Standards und unsere sorgfältige Faktenprüfung.

BELIEBTE ARTIKEL

VERWANDTE BEITRÄGE