Knigge 1x1: Die Regeln der Begrüßung

„Hallo“ und „Tschüss“ oder „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ – Begrüßung und Verabschiedung gehören zu den Standard-Situationen in unserem Alltag und scheinen die einfachste und normalste Sache der Welt zu sein.

Aber gerade das Selbstverständliche ist gerne mit einigen Tücken verbunden, die es geschickt zu umschiffen gilt. Der erste Eindruck ist entscheidend – das gilt für alle menschlichen Begegnungen. Damit du nicht unverhofft in ein Fettnäpfchen trittst und dich hinterher womöglich den ganzen Tag und darüber hinaus ärgerst, möchten wir dir hier ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Viele neue Gesichter

Sicher kennst du das auch – du betrittst einen Raum, in dem schon einige Personen versammelt sind, oder stehst einer Gruppe von Leuten gegenüber, die du nicht kennst – und alle Augen sind auf dich gerichtet. Wie sollst du dich als „neu Eintreffender“ verhalten?

Es gilt zunächst ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten, die scheinbar normal klingen, aber doch oft unterschätzt werden.

Von großer Bedeutung ist es, dass du von Anfang an freundlich und sicher auftrittst. Dabei sind eine gewisse Körperspannung und eine aufrechte Haltung wichtig, um Selbstbewusstsein und auch Wertschätzung für die Person zu signalisieren, die dir gegenüber steht. Es gibt Menschen, die man begrüßt und anschließend das Gefühl nicht los wird, man habe gerade einem kalten Fisch die Hand gegeben. Der Händedruck sollte daher fest, allerdings nicht zu fest und von einem überschwänglichen Händeschütteln begleitet sein. Lächle und erwidere den Gruß mit einem leichten Kopfnicken. Gestikuliere nicht hektisch und fahrig, sondern langsam und ruhig. Das hat mehr Stil!

Begrüßung im Geschäftsleben

Ganz gleich, ob auf geschäftlicher oder privater Ebene – als Grundregel gilt: der Ankommende begrüßt die Anwesenden. Die „Ladies-First“-Regel ist im geschäftlichen Bereich weitgehend außer Kraft gesetzt. Hier wird immer der Ranghöchste zuerst begrüßt, dann nacheinander die im Rang niedriger stehenden – sofern die Rangordnung bekannt ist. Als unhöflich gilt es, mit ausgestreckter Hand auf eine Person zu zugehen, die man nicht kennt. Warte immer ab, ob dir der Ranghöhere die Bereitschaft signalisiert, dass du ihm nahekommen darfst.

Wenn du dir unsicher bist und nicht weißt, mit wem du es zu tun hast und ob es sich vielleicht nur um eine „unbedeutende“ Begleitperson handelt – begrüße sie trotzdem. Du vergibst dir damit nichts, sondern zeigst Größe und gute Manieren. So etwas wird zudem von Vorgesetzten positiv bemerkt.

Wer wird zuerst begrüßt?

Aber auch bei privaten Einladungen oder geschäftlichen Treffen außerhalb der Firma gibt es oft Unsicherheiten. Soll man zuerst den Gastgeber begrüßen oder sich doch lieber anfangs an die Leute halten, die man kennt? Stellt man sich selbst vor oder wartet man, bis man vorgestellt wird?

Etwas zwangloser läuft die Begrüßung im Bereich des Privatlebens ab. Hier sollte immer die Dame zuerst mit einer Begrüßung bedacht werden. Keineswegs verstaubt ist die Sitte, den Ladies beim Aussteigen aus dem Auto die Tür aufzuhalten. Im Gegenteil, damit beweist du eine erstklassige Erziehung. Es wird kaum eine Frau geben, die das nicht schätzt. Generell ist es ein Zeichen von guten Umgangsformen, anderen Leuten die Tür aufzuhalten und sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Der Gastgeber zuerst

Sowohl bei privaten Veranstaltungen als auch bei geschäftlichen Treffen am Abend ist es üblich, zuerst den Gastgeber zu begrüßen. Umgekehrt funktioniert es auch so – der Gastgeber begrüßt seine Gäste persönlich, sobald sie in sein Blickfeld treten. Bei Begegnungen privater Natur gilt die Regel, dass der Jüngere den Älteren begrüßt, bzw. der Ältere dem Jüngeren vorgestellt wird.

Besonders bei geschäftlichen Terminen erfolgt die Vorstellung wieder gemäß der Hierarchie, sozusagen von oben nach unten. Der Gastgeber gibt die Stilrichtung vor: wenn er die Gäste herzlich und in lockerem Umgangston anspricht, kannst du als Gast ruhigen Gewissens darauf eingehen. Bleibt der Gastgeber aber eher förmlich, wäre es ein Stilbruch, allzu lässig und zwanglos mit Gastgeber und Gästen umzugehen.

Die Verabschiedung

Eine Sache übrigens noch, die leider oft vernachlässigt wird – Gäste, die einen Raum oder eine Veranstaltung sang- und klanglos verlassen, werden im Nachhinein als unangenehm wahrgenommen. Also: verabschiede dich immer vom Gastgeber und richte ein paar nette, dankende Worte an ihn, bevor du gehst.

Spontanes Zusammentreffen

Eine Situation, in die die meisten von uns schon einmal oder häufiger geraten sind: man begegnet einer Person in einem Zimmer oder auf dem Gang, und weiß irgendwie nicht, wie man sie ansprechen soll. Besonders problematisch wird es, wenn diese Person über einen akademischen Grad oder etwa einen Adelstitel verfügt. Wie verhält man sich in solchen Fällen?

Grundsätzlich ist zu sagen: Wer einen Doktor- oder Professorentitel trägt, hat auch das Recht, damit angesprochen zu werden. Einen Professor Müller nur mit „Guten Morgen, Herr Müller“ zu grüßen, wäre ein ziemlicher Fauxpas. Nicht ganz eindeutig ist es allerdings mit Adelstiteln. Da für Adelige seit 1919 dieselben Bürgerrechte gelten wie für Nicht-Adelige, sind Anrede-Formen wie „Durchlaucht“ oder „Königliche Hoheit“ heute nicht mehr gebräuchlich, außer, es handelt sich um den Vertreter eines regierenden Hauses.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dir eine Person diesen Standes im Treppenhaus eines Bürogebäudes über den Weg läuft, ist allerdings eher gering. Wenn du jemandem begegnest, von dem du weißt, dass er oder sie adelig ist, sprichst du diese Person mit „Frau/Herr von Sowieso“ an. Ganz korrekt und gentleman-like ist die Anrede: „Freifrau/Freiherr von Sowieso“.

Selbstbewusst zuerst grüßen

Ergänzend kann man sagen: wenn jemand auf dich zukommt oder du ihm gegenüberstehst – sei selbstbewusst, begrüße ihn oder sie und warte nicht ab, ob die andere Seite zuerst reagiert. Damit bist du immer auf der sicheren Seite und kannst überhaupt nichts falsch machen.

 

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