Captain Marvel – kann Thanos einpacken?

Captain Marvel – kann Thanos einpacken?

Die Origin-Storys von Marvel haben in den letzten Jahren in Sachen Qualität variiert. Aus Fehlern lernt aber schließlich auch eine Millionen-Dollar-Firma. Captain Marvel ist ein sehr gutes Beispiel. Mit einer Menge Selbstbewusstsein und CGI, die in den meisten Fällen nicht mehr vom Original zu unterscheiden ist, wird dieser Film in den deutschen Kinos starten.

Keine Sorge, denn unsere Review ist komplett spoilerfrei. Du kannst dich in Ruhe durchlesen.

Handlung

Die Geschichte beginnt auf dem Planeten der Kree, einer hochentwickelten, ehrenhaften Krieger-Helden-Rasse. Die Protagonisten Vers (Brie Larson) und ihr Mentor Yon-Rogg (Jude Law) besprechen Vers‘ Kräfte, die nicht einmal die Kree selber verstehen. Schon in der nächsten Mission fällt Vers in die Hände des Feindes, den Skrull. Dort werden ihr Informationen aus dem Unterbewusstsein entzogen. Eines führt zum anderen und Vers findet sich in einem Blockbuster-Video-Shop wieder. Du hast es wahrscheinlich schon erraten, aber der Film findet in den 90ern statt. Dort trifft sie auf den jungen Nick Fury, der via CGI einige Face-Liftings spendiert bekommen hat. Das stört während des Films aber kein Stück und sieht sogar recht gut aus.

Natürlich sind ihr die Skrull auf den blauen Planeten gefolgt und wollen ihr immer noch an die Gehirnmasse. Zusammen mit Fury macht sich Vers auf eigene Faust auf die Suche nach den Informationen in ihrem Kopf auf. Dabei findet sie heraus, dass sie von der Erde kommt und eigentlich Carol Danvers heißt. Die Erinnerungen fließen nach und nach wieder in ihren Kopf und sie kann sich so langsam ein Bild der gesamten Situation machen. Im Laufe des Films lernt sie mit ihren Kräften umzugehen und ihre Verbindung zur Erde zu festigen.

Die Handlung ist jetzt nicht unbedingt der tragende Punkt dieses Films. Du kriegst hier genug Futter, um dich auf Avengers-Endgame zu freuen und eine solide Origin-Story zu erfahren. Ein erzählerisches Meisterwerk musst du woanders finden.

Charaktere

Carol Danvers ist im Großen und Ganzen ein gelungener Hauptcharakter. Mit einem Humor, der nicht so aufdringlich ist, wie es in Thor 3 der Fall war, viel Energie und Kraft ist sie wirklich so etwas wie der Superman bzw. die Superfrau des Marvel Universums. Wie sich das in Zukunft auf das spätere Kräfteverhältnis auswirkt, wird sich zeigen. Nach unserem jetzigen Wissensstand und der persönlichen Einschätzung hätten nur Thor und Hulk eine Chance, den direkten Konflikt mit ihr zu überleben. Im Vorfeld wurde mit den Behauptungen um ihre Kraft nicht übertrieben. Der einzige negative Aspekt ist, dass etwas zu stark auf die Ich-brauche-keine-anderen-Leute-um-stark-zu-sein-Drüse gedrückt wird.

Fury bekommt eine Menge Screentime. Er ist fast schon der Side-Kick von Carol Danvers und spielt eine in gewisser Hinsicht tragende Rolle. Yon Rogg ist der Team-Captain von Vers bei der Starforce. In dieser Einheit befinden sich unter anderem auch Korath aus dem ersten Guardians-Film, Doctor Minerva, Bron-Char und Captain Atlas. Die letzten drei haben in Captain Marvel ihren ersten Auftritt. Phil Coulson ist ebenfalls mit dabei. Der in der aktuellen Zeit totgeglaubte SHIELD-Agent spielt aber nur eine sehr kleine Rolle.

Der von Ben Medelsohn gespielte Anführer der Skrull, Talos (wie kreativ), verwandelt sich während des Films in einen Charakter, der ebenfalls von Ben Medelsohn gespielt wird. Ben Mendelsohn-Ception. Maria Rambeau, die beste Freundin von Carol Danvers und ehemalige Kampfpilotin, darf auch mit in die Action. Allzu wichtig für die Story ist sie aber nicht.

Der Cast ist mit erstklassigen Schauspielern gespickt. Eine wirklich zu bemängelnde Leistung hat hier keiner abgeliefert.

Allgemeines

Der Film startet und endet mit einem Augenzwinkern. Das fängt schon beim bekannten Marvel-Intro an und endet in einer „Oh bitte nicht so!“ Szene, nach welcher du trotzdem mit einem Schmunzeln im Kinosessel sitzt. Wenn du in den 90ern gelebt hast und dich halbwegs mit der Popkultur auskennst, wirst du so einige Momente haben, bei denen sich die Kinder in der Reihe hinter dir fragen, warum du auf einmal kurz gelacht hast.

Wir sehen einige bekannte Gesichter wieder. Ronan, der Ankläger aus Guardians of the Galaxy, hat seine Szenen bekommen. Wobei Ronan eher als ein Cameo bezeichnet werden kann. Apropos: Ja, Stan Lee ist noch in diesem Film zu sehen. Im vierten Avengers hat er wahrscheinlich auch sein Cameo und dann war es das leider.

Der Verlauf der Story war jetzt nicht unbedingt schwer vorauszusehen, wenn du die Comics und die Hintergründe der Charaktere kennst. Es gab einen kurzen „OH!“ Moment im Saal, danach hatte sich aber kein Schock oder dergleichen breitgemacht.

Das Beste am Film sind die Kampfszenen. Carol Danvers ist Kampfpilotin und genau diese Top-Gun-F*ck-Yeah!-Attitüde haben die Kampfszenen. In Sachen Bombastik lässt der Film, für einen Aufbautitel nichts zu wünschen übrig.

Fazit

Bist du ohnehin ein Fan des Marvel-Universums, dann ist dieser Film eine Pflichtveranstaltung. Wenn du aber einfach wieder Lust auf Kino hast und keinen Citizen Kane-Film brauchst, um das kleinste bisschen Emotion zu spüren, dann kannst du dir Captain Marvel auf die Liste schreiben. Der Film ist kein cineastisches Wunder und das muss er auch gar nicht sein. Im Superhelden-Genre vergeben wir 8 von 10 möglichen Punkten. Insgesamt schneidet der Film mit einer soliden 7/10 ab.

Ein kleiner Tipp zum Ende: Lass dich nicht von der Katze auf den Postern und im Trailer ablenken. Die hat absolut nichts zu bedeuten.

 

Fotos: Walt Disney Germany

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