Entdecke die Geheimnisse unterbewusster Wahrnehmung

Das Gehirn verarbeitet täglich Millionen von Sinnesreizen. Dabei entscheiden einzelne Filter darüber, was in unsere bewusste Wahrnehmung gelangt und was aussortiert wird. Nebenbei nehmen Menschen jede Menge Reize auf, die weder bewusst wahrgenommen noch bewertet werden können und ausgerechnet diese beiläufigen Informationen nehmen entscheidenden Einfluss auf unser Verhalten.

Bewusste und unbewusste Wahrnehmung

Menschen können tief in Gedanken versunken durch die Fußgängerzone laufen und trotzdem zuverlässig den Weg finden. Während der Geist irgendwo zwischen der Arbeit und dem Barbecue am Wochenende kreist, ist ein Teil der automatisierten Wahrnehmung dabei, Hindernisse wahrzunehmen und den Körper um sie herumzuführen.

In einer fremden Umgebung ändert sich das Verhältnis zwischen Autopilot und bewusster Aufmerksamkeit deutlich. Letztendlich entscheiden Instinkt sowie eine automatische Bewertung des Umfeldes über unsere Verhaltensweisen.

Ein weiteres Phänomen unbewusster Wahrnehmungen sind spontane Zuneigungen und Abneigungen unter Menschen. Der wache Verstand kann vehement gegen einen solchen subtilen Eindruck wettern, denn ihm liegt meistens ein ganz anderes, konditioniertes Werteprogramm zugrunde. Oftmals stellt man im Laufe einer Begegnung dann aber fest, dass der anfängliche „Riecher“ doch recht hatte und man diesem Menschen besser aus dem Weg gegangen wäre.

Gerüche, Körpersprache und verborgene Intelligenz

Die moderne Verhaltens- und Hirnforschung zeigt, dass Menschen ein viel größeres Wahrnehmungsrepertoire besitzen als bisher angenommen. Neben den üblichen Sinneswahrnehmungen spielen Gerüche, Farb- und Formerscheinungen eine viel größere Rolle als angenommen. Menschen sind bei weitem nicht die rationalen Allesversteher, sondern werden heimlich von unbewussten Anteilen regiert.

So fanden Wissenschaftler beispielsweise heraus, dass Menschen ganz ähnlich den Tieren instinktiv die hormonelle Konstitution eines anderen Menschen wittern. Strahlt ein Mensch Kampfbereitschaft aus, machen wir instinktiv einen Bogen oder gehen ebenfalls in eine aggressive Grundhaltung. Erstaunlich dabei ist, dass der bewusste Umgang wesentlich von dieser unterschwelligen Kommunikation abweichen kann. Gesellschaft und Arbeitswelt zwingen uns zudem, Kontakte mit Menschen zu pflegen, die wir vielleicht nicht „riechen“ können, aber brauchen oder einfach nicht vermeiden können.

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Wie die Wahrnehmung über unsere Lebensqualität entscheidet

Forscher nehmen an, dass diese heimliche Dissonanz unserer Wahrnehmungs- und Sympathieebenen häufig für innere Unzufriedenheit, sozialen Stress und Burnout verantwortlich sind. Kaum ein Mensch lebt mehr zu 100 Prozent in dem Umfeld, in dem er wirklich leben möchte. Kompromisse sind an der Tagesordnung. Nehmen die Kompromisse überhand, entstehen Stress und als Folge ernsthafte Krankheiten. Der Körper schlägt Alarm und die „Innere Stimme“ warnt. Der Anteil an Menschen, die sich eben diesen „anderen“ Wahrnehmungen wieder öffnen und versuchen, besser auf sich selbst zu hören, nimmt zu. Bewusstheit durch Beobachtung sowie die Schulung der eigenen Wahrnehmung kann wahre Schübe der Erleuchtung der eigenen Lebensumstände auslösen.

Manipulation über unbewusste Wahrnehmung

Berühmt wurde die „Iss Popcorn“ und „Trink Cola“ Kampagne aus den 1950er Jahren. Der amerikanische Werbeunternehmer Vicary schnitt winzige Sequenzen dieser Aufforderungen in Kinofilme, um das Konsumverhalten der Menschen zu beeinflussen. Angeblich seien daraufhin 58 Prozent mehr Popcorn und 18 Prozent mehr Cola konsumiert worden. Wenige Jahre später dementierte Vicary und behauptete, die ganze Geschichte sei nur ein Fake gewesen, um die eigenen Geschäfte anzukurbeln.

Die fiktive Kampagne wurde dennoch von mehreren Wissenschaftlern wiederholt und überprüft. Tatsächlich ließ sich dabei eine kurzfristige Steigerung des Umsatzes der eingeblendeten Getränke verzeichnen. Eine langfristige Umpolung des Konsumverhaltens passierte jedoch nicht, zumal sich die Reize auf eine einzige Kinovorführung beschränkten.

Eine permanente unterschwellige Beeinflussung von Menschen ist dennoch möglich. Studien zeigten, dass manipulative Reize dann aber dauerhaft und regelmäßig geboten werden müssen. Besonders offen für derlei Manipulationen sind Menschen, die unter Stress stehen, Angst haben oder verunsichert sind. Glückliche und ausgeglichene Menschen mit einer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung zeigten sich weit weniger beeinflussbar. Ein Grund also, den eigenen TV und Medienkonsum diesbezüglich unter die Lupe zu nehmen.

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Die eigene Wahrnehmung steuern

Wir sehen, wir riechen, wir tasten, bewerten, urteilen, kennen oder empfinden etwas als neu. Doch nebenbei laufen in unseren Körpern noch ganz andere Systeme der menschlichen Kommunikation und Orientierung ab. Um sich diesen Vorgängen besser bewusst zu werden, eignen sich diverse Methoden. Zunächst kann es helfen, die Körperwahrnehmung zu verbessern. Das kann durch Sportarten wie Chi Gong, Yoga oder Kampfsportarten wie Capoeira oder Kung-Fu erfolgen. Der menschliche Körper ist ein feinfühliges Messinstrument und verfügt über eine ganz eigene Intelligenz.

Für den Alltag, die Bahnfahrt oder Auszeiten am Schreibtisch eignet sich das Achtsamkeitstraining. Es gilt dabei einfach nur bewusst wahrzunehmen. Wo wandert der Blick hin und welche Folgeerscheinungen löst das Gesehene aus – eine Sehnsucht, Abneigung, Freude? Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass die Art unserer Wahrnehmung entscheidend zu unserem Glück und dem Lebenserfolg beiträgt. Wandert der Blick im Leerlauf auf den schönen Baum und löst dieser positive Gedanken aus oder aber wandert er zum ungeliebten Kollegen am anderen Ende des Raumes und löst aggressive Assoziationen aus?

Wie Wahrnehmung das Leben gestaltet

Der indische Ayurveda-Arzt und Wellness-Papst Deepak Chopra sagt: „Wir werden zu dem, was wir sehen.“ Die heimliche innere Einstellung entscheidet darüber, wie mit dem Gesehenen umgegangen wird. Dabei können mehrere Bewertungssysteme gleichzeitig zum Einsatz kommen und die unbewussten Haltungen nehmen dabei einen immensen Raum ein.

Der Anteil von Bewusstheit und Unbewusstheit wird gerne mit einem Eisberg verglichen. Was das Alltagsbewusstsein mitbekommt, ist nur die Spitze des Berges. Achtsamkeit dagegen kann zur Erweiterung des Bewusstseins und zu konstruktiven Einsichten führen.

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Bewertungssysteme können bewusst gesteuert oder verändert werden. Wer von sich selbst sagen kann, zu 100 Prozent zufrieden und erfolgreich zu sein, wird sich dem nicht widmen müssen. Wer Unzufriedenheit und unangenehm aus der Tiefe bohrende Gefühle kennt, sollte sich der Thematik der unbewussten Wahrnehmung durchaus öffnen. Der Gedanke, das eigene Leben alleine durch die Wahrnehmung entscheidend beeinflussen zu können, ist allemal einen Versuch wert.

 

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