AJOURÉ Men testet den neuen KIA STINGER: Wenn 370 PS zeigen, was sie können!

        KIA STINGER im Test    

Die Überraschungen, mit denen wir nicht rechnen, sind doch eigentlich immer die besten. Als es hieß, dass der Automobilhersteller Kia uns ein neues Testfahrzeug vor die Tür stellen würde, wussten wir anfangs nicht genau, was auf uns zukommt, denn Kia war nicht zwingend für spaßbringende sportliche Fahrzeuge bekannt. Eher für solide und zweckmäßige Autos, die einen hauptsächlich sicher und zuverlässig von A nach B bringen sollen und dies in einem unteren Preissegment.

Als der Speditionsfahrer bei uns ankommt und uns zur Schlüsselübergabe aus der Redaktion ruft, staunen wir nicht schlecht, als ein tiefergelegter, High Chroma Red lackierter und mit 19“ Reifen bestückter Viertürer in der Sonne glänzt. Dass Menschen bei Supersportlern stehenbleiben ist bekannt, aber dass wir das bei einem Kia erleben, hätten wir nicht vermutet. Wir waren selbst verblüfft, wie sportlich-elegant der Kia Gran Turismo mit seinem schwarzen Dach dastand. Für uns wurde eines schlagartig klar: Der will gefahren werden!

Genug von der Theorie und rein ins Auto!

Der neue Kia Stinger steht mit vier Modellen zur Verfügung. Angefangen beim GT LINE 2.2 CRDi, der Diesel-Variante mit 200 PS und Heckantrieb. Mit derselben Motorisierung steht der Singer ebenfalls als Allradausführung zur Verfügung und leistet hier ebenfalls 200 PS. Als Alternative zum Diesel stehen weiterhin zwei Benziner bereit. Hier ist der Unterschied in Sachen Leistung allerdings schon gewaltiger. Die kleine Benziner-Variante hört auf den Namen GT LINE 2.0 T-GDI. Hier leistet der Stinger 255 PS, die per Heckantrieb für ausreichend Freude beim Fahren sorgen werden. Unser Favorit ist allerdings das Flaggschiff der Stinger-Reihe. Der Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD. Ein Allradantrieb, der über 370 PS verfügt und in Sachen Sportlichkeit durchaus ernst zu nehmen ist und in der Tat sehr viel Spaß bereitet; sei es in der Stadt, auf der Landstraße oder auf der Autobahn.

Da wir den GT 3.3 T-GDI AWD vor die Tür gestellt bekamen, werden wir uns hier auch auf diesen beschränken, denn in Zeiten von Downsizing können wir froh sein, wenn es noch neue Fahrzeuge gibt, die über ausreichend Motorleistung verfügen.
Daumen hoch, Kia!

Kia Gran Turismo

Was uns etwas verblüffte war die Tatsache, dass sich die Tanknadel nicht zu bewegen schien. Wir fuhren kreuz und quer durch Berlin, weiter auf Landstraßen und einen kurzen Moment über die Autobahn, um hier die 370 PS vernünftig testen zu können. Offiziell benötigt der Power-Stinger kombiniert 10,6 Liter auf 100 Kilometer. Davon 14,2 innerorts, aber nur 8,5 außerorts. Wir waren positiv erstaunt, denn wir kennen andere Verbräuche bei solch PS-starken Fahrzeugen.
Und auch hier: Daumen hoch, Kia!

Wem der Durchschnittsverbrauch dennoch zu hoch sein sollte, er den Stinger aber als nächstes Fahrzeug auserkoren hat, der kann sich für den 2.2 CRDi entscheiden, der kombiniert nur noch 5,6 Liter Diesel benötigt und in der Effizienzklasse A herumfährt, während sich der GT in Sachen Effizienz bei „F“ wie „flott“ wohlfühlt.

Kia gibt seinen Kunden mit einem breiten Spektrum an Leistung und Verbrauch also reichlich Auswahl an die Hand, damit auch für wirklich jeden etwas Passendes dabei ist.
Und einmal mehr: Daumen hoch, Kia!

KIA GT

Gehen wir ins Detail:

Unser 3,3-Liter-V6-Turbobenziner sprintet in 4,9 Sekunden von Null auf Tempo 100, bei maximal 6.000 Umdrehungen pro Minute. Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass der GT über eine Launch Control verfügt, die aus dem Stand vorübergehend das elektronische Stabilitätsprogramm in den Urlaub schickt und für Sprint-Bestzeiten sorgt. Der Twin-Turbolader stellt ein maximales Drehmoment von 510 Nm bereit und dies über einen breiten Drehzahlbereich von 1.300 – 4.500 U/min. Nutzt man die volle Leistungsbereitschaft des Power-Stingers, erreicht dieser eine Maximalgeschwindigkeit von 270 Stundenkilometern. Während die meisten Mitbewerber in diesem Segment froh sein können, über annähernd diese Leitung zu verfügen, regeln diese dann die Fahrzeuge bei 250 km/h ab. Hier hat der GT Singer deutlich die Nase vorn und macht den Platzhirschen aus dem Hause BMW, Mercedes und Audi auf der Autobahn das Leben schwer. Der Gedanke, bei 250 km/h von einem Kia Stinger per Lichthupe im Rückspiegel freundlich zur Seite gebeten zu werden, bringt uns definitiv zum Schmunzeln.
Ein weiteres Mal: Daumen hoch, Kia!

Bei all der Leitung und Sportlichkeit gibt es einen Punkt, den wir nicht ganz nachvollziehen konnten und der den Fahrspaß beim langsamen Dahin-Cruisen etwas dämpft. Die Rede ist hier vom Sound. Hier sorgt Kia für deutlich zu viel Understatement. Die Zweirohr-Doppelauspuff-Anlage sorgt optisch für Herzrasen, lässt in Sachen Sound aber leider komplett zu wünschen übrig. Wer sich ein Blubbern, Grollen oder Knattern durch Fehlzündungen wünscht, der bleibt auf der Strecke.

KIA GT Motor

Was lässt den Kia Stinger GT so sportlich wirken?

Der Kia Stinger ist ein vollkommen neues Modell und so konnten die Designer sozusagen aus dem Vollen schöpfen. Besonders beim GT Modell haben diese hier gezeigt, dass Aerodynamik und Ästhetik definitiv zusammengehören können. Die eben genannte Auspuffanlage bekommt optisch die volle Punktzahl. Doch damit war´s das natürlich noch nicht. Der Stinger GT kleidet sich in einen Heckstoßfänger mit Diffusor, der den Luftstrom am Heck bündelt und Luftverwirbelungen vorbeugt. Die Heckklappe hat eine nach obenhin geschwungene Kante, die den Effekt eines Heckspoilers mit sich bringt und bei hohen Geschwindigkeiten für mehr Fahrstabilität sorgt. Schaut man sich den GT von vorne an, fallen sofort die Frontstoßfänger mit Air Curtain auf. Die Kombination von den Kiemen in den Stoßfängern und den seitlichen Lufteinlässen dient für einen ruhigeren Luftstrom an den Vorderrädern und kühlt zuverlässig die Bremsen.
Für die Optik: Daumen hoch, Kia!

KIA Stinger Details

Die Technik im Kia Stinger 3.3 T-GDI AWD

Hier zeigt der südkoreanische Autohersteller ein weiteres Mal, wozu er in der Lage ist. Parkassistenzsysteme sind heutzutage beinahe selbstverständlich. Dank der Parksensoren vorne und hinten und einer Rundumsicht mit Weitwinkel an der Front, zu beiden Seiten, so wie am Heck, ist Einparken in noch so kleine Lücken machbar. Auf den Bildschirm projizierte Hilfslinien sorgen unterdessen für ein Höchstmaß an Einpark-Komfort. Die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop-and-Go-Funktion misst per Radar den Abstand zum Vordermann und passt die eigene Geschwindigkeit an – zur Not bis zum Stillstand des Stinger. Ebenfalls mit an Bord sind Frontkollisionswarner, Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner und die beliebte Verkehrszeichenerkennung für Geschwindigkeiten.

Das Zentrum des Interieurs ist ein 8-Zoll-Touchscreen. Hierüber können unzählige Einstellungen vorgenommen werden. Der freistehende Bildschirm beinhaltet ebenfalls den Echtzeit-Multimedia-Dienst Kia Connected Services, sowie Schnittstellen für Apple und Android und bringt, ebenfalls serienmäßig, das Advanced-Soundsystem mit. Wir können tatsächlich behaupten, dass es uns an rein gar nichts gefehlt hat. Die vorhandene Lenkradheizung war bei 39 Grad Außentemperatur nicht notwendig, aber der nächste Winter naht. Dafür kam uns die Sitzbelüftung mehr als gelegen, die das Fahren bei diesen Temperaturen definitiv angenehmer gestaltet und feuchten Rücken vorbeugt. Apropos „vorbeugen“. Leeren Handyakkus beugt die induktive Ladestation in der Mittelkonsole vor. Lästiges Anstecken von Ladekabeln entfällt also endlich, auch wenn AUX und USB ebenfalls in der Mittelkonsole vorhanden sind.

Für uns ist das Navigationssystem des Kia Stinger besonders erwähnenswert, da Kias Connected Services mit TOMTOM zusammenarbeitet. Die Vorteile sind überragend. Warnung vor Gefahrenstellen, lokale Suche nach dem besten Sushi Restaurant, Echtzeit-Verkehrsmeldungen und Wettervorhersagen – Kia informiert dich über tatsächlich alles Relevante auf deiner Fahrt. Wo wir gerade beim Thema „informieren“ sind. Das HUD (Head-Up-Display) zeigt mehrfarbig alle Informationen zum Thema Geschwindigkeit, Entfernung zum Vordermann und Navigation. Natürlich inklusive Straßennamen. Während der Fahrt, eingebettet in Nappaleder-Sitze, sorgt das mit 15 Lautsprechern bestückte Harman/Kardon Premium-Soundsystem für positive Gänsehaut.
Uns bleibt einmal mehr nichts übrig als: Daumen hoch, Kia!

Kia Gran Turismo Heck

Bleibt nur noch die Frage nach dem: Was kostet so ein Kia Stinger 3.3 T-GDI AWD eigentlich? Die Königsklasse der Stinger-Reihe, die über sehr viel Serienausstattung verfügt, liegt preislich bei € 55.900. Der kleinste Bruder mit Heckantrieb, der 2.2 CRDi, startet bei € 45.590.

Fazit:

Selten hatten wir so wenig Erwartungen an ein Fahrzeug und noch nie wurden wir so überrascht. Kia hat mit dem Stinger GT, mit Ausnahme des Motorsounds, definitiv alles richtig gemacht.

 

Fotos: Fotos: AJOURE´ Redaktion

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