Die Welt der Unterhaltung zieht in den Online-Stream. Was wir bereits von Netflix und Co. kennen, schwappt zunehmend auch in die Spielbranche über. Online-Dienste verschiedener Art, die Games im Abo-Modell anbieten und darunter auch die Cloud-Gaming-Anbieter, sind jetzt auf dem Vormarsch. Das ergab eine Studie der GfK und game – Verband der deutschen Games-Branche. Denn die Umsätze für derartige Online-Dienste für Games schießen durch die Decke. Müssen wir uns wohl mit dem Gedanken abfinden, dass Cloud-Gaming gekommen ist, um zu bleiben?

Das Streamen hält auf viele Arten Einzug in unsere Leben

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Heutzutage lässt sich „Rom“ jedoch auch kurzerhand mit „Stream“ ersetzen. Denn das Streamen hält aktuell auf unterschiedlichste Weisen über sämtliche Wege unaufhaltsam Einzug in unsere Leben. Es begann klein und fein mit der Videoplattform Twitch, die im Jahr 2007 mit Justin.tv ins Leben gerufen wurde. Sie ist seit 2011 die Streaming-Plattform für Gamer. Inzwischen zählt Twitch sagenhafte 15 Millionen Nutzer weltweit, die die Plattform zum Übertragen und Anschauen von Livestreams nutzen.

Stream reicht in Sachen Unterhaltung jedoch noch deutlich weiter. Wir streamen eine endlose Bibliothek an Musik und Podcasts mithilfe von Services wie Spotify und iTunes Music, ohne uns jemals wieder Gedanken über den Kauf einer CD oder gar eines Radios machen zu müssen. Mit Netflix, Amazon Prime Video, DAZN und Co. hat der Stream auch längst dem traditionellen Fernsehen und ein Stück weit wohl dem Kino den Kampf angesagt.

Auch in anderen Bereichen der Unterhaltung findet der Stream bereits Anwendung, so bieten Online Casinos mit dem Angebot eines Live Casinos die beliebtesten Spiele wie Roulette, Blackjack und Co. auf besonders immersive Weise mit einem Livestream an. Ein echter Croupier wird hierzu gefilmt und in Echtzeit auf die Bildschirme der Spieler übertragen, um das Casinofeeling in die eigenen vier Wände zu bringen. Der Stream wird hier auf besonders einzigartige Weise eingesetzt. Nun schreitet der Stream in der Spielewelt weiter voran.

Jetzt lesen:  Zenvo ST1 – Überschall war gestern!

Kostenpflichtige Online-Dienste für Games wachsen stark

Abos, Abos, Abos, das scheint nun die Devise zu sein. Denn heute werden ganze Bibliotheken an Videospielen über monatliche Gebühren „gemietet“, anstatt dass man ein einzelnes Spiel zum Vollpreis kauft und dann ein Leben lang sein Eigen nennen kann. Der Trend, den wir alle schon langsam erkennen konnten, wurde jetzt auch statistisch belegt. Eine Studie von GfK und dem game – Verband der deutschen Games-Branche konnte ergeben, dass die Umsätze mit kostenpflichtigen Online-Diensten stark wachsen. 2019 wurden damit über 461 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Anstieg um 30 Prozent, denn 2018 waren es gerade einmal 353 Millionen Euro, die für Online-Dienste für Games ausgegeben wurden. Abos sind damit beliebter denn je, schon zwischen 2017 und 2018 konnte sich das Segment der Branche fast verdoppeln.

Zu diesen Online-Diensten, die sich die Gamer von heute zunutze machen, gehören unter anderem PlayStation Plus und Xbox Live Gold, die Online-Multiplayerspiele ermöglichen und Rabatte bieten. Ebenso Abo-Modelle wie Origin Access Premier von EA und Xbox Game Pass von Microsoft. Diese bieten Spielern eine Bibliothek an Games zum monatlichen Festpreis an. Zuletzt gehört natürlich auch der neuste Trend der Gameswelt zu den Online-Diensten, die jetzt ebenfalls markant zum steigenden Umsatz in dem Segment beitragen: Die Cloud-Gaming-Plattformen.

Cloud-Gaming gewinnt?

Cloud-Gaming

Kaum ein Thema wird in der Gamesbranche aktuell mehr diskutiert als der Trend des Cloud-Gamings. Der Versuch, Videospiele über einen Stream spielbar zu machen, scheiterte in der Vergangenheit kläglich. Doch nun wird das Konzept verstärkt untersucht. Google Stadia brachte seine Plattform Ende 2019 in Deutschland auf den Markt. Hatte wie zu erwarten zunächst auch mit einigen Problemen zu kämpfen, scheint jetzt jedoch zunehmend an Anklang zu finden.

Jetzt lesen:  So gut ist der neue Gamevice Controller!

Google bietet hierzu einen eigenen Controller an, der über den Google Chromecast Ultra mit dem Fernseher und Android-Mobilgerät verbunden werden kann. Wer jetzt die nötige Highspeed-Internetleitung besitzt, kann dann die neusten Games online spielen. Und das ohne Download und ohne überhaupt einen PC oder eine Konsole zu benötigen.

Jetzt entsteht jedoch langsam aber sicher das gleiche Problem, das wir bereits von den Film-Streaming-Diensten kennen: Welches Spiel gibt es bei welchem Anbieter? Aktuell ist nämlich auch Microsoft dabei, mit xCloud Project an einer eigenen Plattform zu arbeiten. Nvidia ist mit GeForce Now am Kämpfen. Und angeblich sollen eventuell auch Bethesda und Blizzard an eigenen Plattformen zugange sein.

Videospiele im Stream und Abo-Modelle sind auf dem Vormarsch. Sie verändern momentan die Art und Weise, wie Gamer auf ihre Spiele zugreifen. Auch Cloud-Gaming scheint jetzt zunehmend an Fuß zu fassen. Mit Sicherheit wird jedoch zunächst noch eine lange Zeit ins Land gehen, bis die deutschen Internetgeschwindigkeiten mitspielen und die Konzepte besser ausgereift sind, sodass Cloud-Gaming ein vergleichbares Spielerlebnis wie die Konsole bietet. Aktuell sind wir davon wohl noch Lichtjahre entfernt.

 

Fotos: Glenn Carstens-Peters, Cristiano Pinto / Unsplash