Egal ob Theater, Fernsehen oder Kino, Alexander Fehling spielte in seinem Leben bereits unzählige Rollen. Unter anderem auch für internationale Hochkaräter wie „Inglourious Basterds“ und „ Homeland“. Am 12. September startet in den deutschen Kinos „Gut gegen Nordwind“, eine Bestseller-Verfilmung, in der er die männliche Hauptrolle spielt. Bereits das 2007 erschienene Buch verkaufte sich bis heute über 2,5 Millionen Mal und die Vermutung liegt nahe, dass auch der Kinofilm ein großer Erfolg werden dürfte. Wir durften den Film bereits sehen und können behaupten, dass „Gut gegen Nordwind“ nicht nur ein Liebesfilm für Frauen ist, sondern vielmehr ein Film, der in der heutigen Zeit auch Männer zum Nachdenken anregt. Eine großartige Story trifft auf einen herausragenden Schauspieler. Wir haben uns mit Alexander Fehling getroffen und wollten mehr über diese wohl einzigartigen Dreharbeiten wissen, was er persönlich von dem Film hält und wieso der Kinofilm definitiv nicht nur für weibliche Zuschauer ist.

Wie findest du, ist die Buchverfilmung des Bestsellers geworden?

Die Bewertung überlasse ich natürlich dem Zuschauer. Ich neige auch dazu zu sagen, dass eine gute Geschichte erst einmal ihre Form gefunden hat, wenn es ein Buch ist. Dann stelle ich mir die Frage, weshalb sie jetzt verfilmt werden muss. Ich denke, dass die Intimität und Zartheit der Geschichte, sowie die Schwebe, denn es passiert ja eigentlich gar nicht so viel, auf eine interessante Art und Weise transportiert wird. Im Leben ist es ja manchmal sehr ähnlich, denn vieles geschieht nur in einem selbst. Dinge, vor denen wir Angst haben und wo wir überlegen, was wir jetzt schon wieder nicht geschafft haben. Bei dem Roman, der vor vielen Jahren erschien, war das Besondere, dass er nur aus E-Mails bestand. Im Film wurde natürlich sehr viel umgewandelt und sehr viele Dinge, die sie sich im Roman gegenseitig schreiben, wurden dramatisiert. Ich glaube, genau diese Umwandlung von einem Medium ins andere ist oftmals die große Herausforderung. Alle diese Momente nicht parallel rüberzuschieben und alles retten und genauso machen zu wollen, sondern den zu Mut haben, es zu verändern und den Kern dabei zu schützen, macht einen Film wie „Gut gegen Nordwind“ hoffentlich aus.

Welches waren die Gründe die Rolle anzunehmen?

Die Geschichte hat mich einfach sehr berührt. Sie ist auf eine tolle Weise unspektakulär, fein und zart. Auch die Dinge, die nicht so offensichtlich erzählt werden, die sich erst langsam erschließen, ergeben eine Erzählweise, die mich interessiert hat.

Das Buch wurde zwischen 2007 und heute 2,5 Millionen Mal verkauft. Dazu kommt, dass das Buch in 28 Sprachen übersetzt wurde. Wie bereitet man sich auf so eine große Rolle vor?

Die Vorbereitung hat im Prinzip nichts mit dem Bestseller-Status des Buches zu tun. Es geht immer darum sich zu fragen: „Wo steht der Mann, was macht er, woher kommt er, was will er, was wünscht er sich und was ist sein Problem?“ Es geht immer um genau diese Fragen und Antworten, die bei der Vorbereitung auf eine Rolle die Ausgangpunkte sind.

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Du spielst die Rolle des Leo, dem sichtlich das Herz gebrochen wurde, überragend. Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet und in wie weit spielt die persönliche Lebenserfahrung hierbei eine Rolle?

Für die Arbeit als Schauspieler ist das Leben sozusagen die größte Quelle, die es überhaupt gibt. Es ist bereits dann wichtig, wenn du ein Drehbuch oder eine Geschichte liest und die Frage aufkommt, wofür man sich entscheidet oder entscheiden darf. All das hat damit zu tun, was man selbst erlebt hat und wie man das Leben wahrnimmt, welche Fragen man an das Leben hat und welche Schwierigkeiten hier eventuell manchmal auftreten. Selbst in einem guten Projekt findet man diese Dinge vielleicht nicht oder kommt durch die Weise, wie sie erzählt werden, der Geschichte nicht so nahe, wie man es sich wünschen würde und dann ist es unter Umständen ein Grund, dass man etwas nicht macht.

Alexander Fehling

Du hast Emmi, gespielt von Nora Tschirner, im Film ja nie gesehen. War das bei den Dreharbeiten auch so?

Wir haben uns in der ganzen Zeit eigentlich nie gesehen. Ich glaube, wir sind uns während der Dreharbeiten drei Mal begegnet, haben aber dann nur jeweils einen halben Tag lang gemeinsam gearbeitet. Viel Zeit haben wir jedoch vor und nach dem Film für das Arbeiten an der Tonspur verbracht, die im Film sehr präsent und ausschlaggebend ist. Den Film allerdings, haben wir in einzelnen Blöcken gedreht, ohne dass einer von uns beim anderen anwesend war.

Wir haben, um herauszufinden, wie wir das am besten machen könnten, verschiedene Techniken ausprobiert, damit Leben in dieser ganzen Sache ist. Angefangen bei einem Knopf im Ohr, damit ich ihre Stimme höre – jeder hat hier einen anderen Weg gefunden und ich habe versucht, es so real wie möglich zu machen, die Szene zu kennen und zu spielen, als wäre da ein Partner, selbst wenn ich „nur“ E-Mails auf einem Computer schreibe. Es war zum Beispiel so, dass die E-Mails, die Leo von Emmi erhält, auch tatsächlich von jemandem im Team an mich gesendet wurden, in dem Moment, als ich vor dem Laptop saß. So entstand ein lebensechter Rhythmus. Im Prinzip könnte ich also sagen, dass Nora und ich gar keinen Film zusammen gemacht haben (lacht).

„Gut gegen Nordwind“ ist gelegentlich amüsant, brilliert aber dauerhaft durch Emotionalität, Gänsehaut und großartige Lieder. Ganz besonders, da du in deiner Rolle voll ablieferst. Dass Frauen sich diesen Film anschauen werden, versteht sich von selbst. Doch welchen Grund würdest du einem Mann nennen, damit er sich diesen Liebesfilm anschaut?

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Ich glaube, dass der Film universelle Dinge behandelt. Männer haben genauso Sehnsüchte wie Frauen. Männer suchen genauso wie Frauen einen Verbündeten und wir sind ebenso mit Themen wie Vertrauen und Scheitern beschäftigt. Möglicherweise auf eine andere Weise, aber die Themen sind identisch und diese verbinden uns. Das ist es, glaube ich, wovon der Film auch handelt. Männer benutzen auch Sprache – die einen leichter, die anderen schwerer. Es kann natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob der Film für einen interessant ist, doch ich denke, es ist nicht geschlechterspezifisch interessant oder uninteressant.

Alexander Fehling

Leo lernt Emmi durch eine versehentlich falsch adressierte E-Mail kennen. Er ist Single und todunglücklich, da seine Freundin ihn betrogen hat und Emmi ist verheiratet und scheint alles zu haben, um glücklich zu sein. Dennoch vertieft sich deren virtuelle „Beziehung“ zusehends. Welche Message strahlt die Geschichte und deren Verhalten deiner Meinung nach aus?

Über Messages denke ich in diesem Fall gar nicht nach. Ich denke, das Interessante ist, dass man eine Geschichte erzählt. Es ist so, dass es ein Drehbuch gibt und dass sich dieses dann umwandelt, durch das, was die Schauspieler, die Leute am Set und alle die daran beteiligt sind daraus machen, während sie den Film drehen. Irgendwann kommt der Film ins Kino und es wandelt sich wieder um, indem jemand diesen Film sieht. Jeder schaut den Film anders. Interessant wäre natürlich jemanden zu fragen, der den Film gesehen hat, wie er es empfunden hat und ob diese Person es mochte oder nicht und die Gründe hierzu erfährt. Aber wenn ein Film vor allem damit beschäftigt ist, eine klare Botschaft zu senden, dann interessiert er mich eigentlich gar nicht, denn ich bin ja nicht in der Schule, sondern im Kino und jeder möchte und sollte für sich selbst entscheiden, was jetzt wahrgenommen wird. Ich möchte ja im Kino nicht belehrt werden.

Emmi und Leo verlieben sich ineinander, ohne sich jemals gesehen zu haben. Niemand weiß, wie der andere aussieht. In der heutigen Zeit, wo alles so oberflächlich scheint, wie wünschenswert, echt und realistisch ist oder wäre so ein Werdegang für eine Beziehung?

Es ist heutzutage schon ein Sonderfall, dass man jemanden so gut kennenlernt, obwohl man die Person noch nie zuvor gesehen hat. Auf der anderen Seite frage ich mich aber folgendes: Ist es nicht oft so, dass man jemanden schon viel öfter zuvor gesehen und sich ein Bild von dieser Person gemacht hat und vielleicht auch Bilder von dieser Person sah, die ihr unter Umständen gar nicht so gerecht wurden? Am Ende aber, über die lange Strecke, geht es doch darum, was hinter dem Bild ist. Man kennt diesen Effekt, dass wenn man diese Person kennt, sich deren Aussehen für einen selbst total verändert. Dieses Anfangsbild, welches ich von jemandem hatte, hält sich ein paar Wochen oder Monate und dann verschwindet es – manchmal ins Schlechtere, manchmal ins Bessere, vorsichtig gesagt: ins Andere. Hin und wieder ist es so, dass man eine Seite, die vielleicht gar nicht so attraktiv ist, von jemandem kennenlernt und trotzdem wird die Person immer attraktiver, da man dem Menschen näherkommt. Hierdurch werden Dinge ausgelöst, die ein schönes Bild gar nicht auslösen könnten. Es kann Attraktion und Schönheitsempfinden übermitteln, aber eine Form von Nähe und Vertrauen nicht. Dann, nach sechs Monaten, merke ich, dass die ganze Person für mich anders aussieht. Das finde ich so interessant und es ist etwas, dem wir nicht entkommen können. Wir können zwar schnell sein und wir können versuchen die Kontrolle zu haben, aber am Ende wird uns genau diese Tatsache einholen. Ich denke, wir alle wissen und wünschen uns das. Wir möchten nicht mit einem Bild unser Leben verbringen, sondern mit komplexen, fehlerhaften und widersprüchlichen Menschen.

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Alexander Fehling  und Nora Tschirner

Welches ist dein persönlicher Höhepunkt des Filmes?

Eine Szene, die ich sehr gern mag, ist die, in der Emmi eines Nachts auf dem Bauch ihres Mannes liegt. Sie erzählt, dass sie gerade ein Lied hörte, welches sie zuletzt vor zehn Jahren gehört hat und dass es eigenartig ist, wie ein Lied einen im Handumdrehen an die damalige Zeit erinnern lässt, obwohl man mittlerweile ein völlig anderer Mensch geworden ist. Man denkt an früher zurück und sieht, was heute aus einem selbst geworden ist. Diese Aussage ist so wahr und es ist eine tolle Szene, die Nora großartig gespielt hat. Ich glaube, das kennt fast jeder.

Ob Emmi und Leo jemals zueinanderfinden sei an dieser Stelle dahingestellt. Doch dürfen wir auf eine Fortsetzung hoffen? Das Ende schreit ja förmlich danach.
Das weiß ich tatsächlich leider nicht. Ich muss auch zugeben, dass es zwar einen zweiten Roman gibt, doch ich habe ihn nicht gelesen, weshalb der Film zunächst einmal für sich alleine steht. Da bleibt uns nichts weiter übrig, als abzuwarten.

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Fotos: Marla Respondek; Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Anne Wilk; Tom Trambow für Sony Pictures Entertainment GmbH