Die große E-Lüge: Wie umweltfreundlich sind Elektro-Autos wirklich?

Elektro-Autos durchdringen derzeit den Markt. Dabei gelten die Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb vor allem unter Umweltfreunden als verheißungsvolle Alternative zu den bislang gängigen Benzinern und Dieselautos. Gegenüber der alten Garde der PKW, so heißt es, glänzen E-Autos durch ihre Nachhaltigkeit und ihre umweltschonende Emissionsbilanz. Das Elektro-Auto ist für so manchen die Verkörperung einer klimafreundlichen Zukunft. Leider gibt es auch hier, wie in jeder anderen Thematik auch, eine Kehrseite der Medaille. In der breiten Öffentlichkeit wird der Preis, den wir Menschen und unsere Erde für die groß angelegte Produktion von E-Autos bezahlen müssen, noch immer allzu gern verschwiegen. Heute klären wir darüber auf, welchen Nutzen unser Planet und seine Bewohner wirklich vom viel gepriesenen Umschwung auf die elektrischen Fahrzeuge haben.

Woher kommen die Rohstoffe?

Einen Umstand, über den uns die Befürworter von Elektro-Autos so gut wie nie aufklären, ist die Problematik der Rohstoffbeschaffung. Für den Bau der Batterien von E-Autos werden vor allem die Rohstoffe Lithium und Kobalt in rauen Mengen benötigt. Natürlich fallen diese Materialien nicht einfach so vom Himmel und wollen irgendwie an die Oberfläche befördert werden. Wie wird dieses Unterfangen also in der Praxis angegangen? Stellt man diese Frage an Vorsitzende hiesiger Autogroßkonzerne, so kommen die mächtigen Männer nicht selten in Bedrängnis.

Das Problem von Lithium

Der ökologische Schaden, welcher im Zuge der Lithium-Förderung entsteht, nimmt dabei desaströse Ausmaße an. Dazu muss man nur einmal eine 44 Quadratkilometer große Anlage in der Atacama-Wüste betrachten. Dieser unwirtliche und heiße Lebensraum erstreckt sich entlang der Pazifikküste des südamerikanischen Kontinents. Damit das Lithium, welches dort etwa einen Anteil von sieben Prozent des Gesteins ausmacht, gefördert werden kann, müssen täglich 21 Millionen Liter Grundwasser an die Erdoberfläche gepumpt werden. Diese Wasservorkommen, welche in der staubtrockenen Region so dringend für landwirtschaftliche und infrastrukturelle Vorhaben genutzt werden könnten, gehen also dafür drauf, dass wir in Europa am anderen Ende der Welt mit ruhigem Gewissen und scheinbar „grün“ durch die Straßen fahren können.

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Mehr als die Hälfte des geförderten Lithiums wird heutzutage für Batterien verwendet. Alleine im Jahr 2017 wurden rund 208.000 Tonnen des Batteriemetalls industriell verarbeitet. Der größte Produzent, mit einem Marktanteil von 50 Prozent, ist dabei Australien. Da die Produktion des Lithiums in „Down Under“ jedoch recht kostspielig ist, weichen einige Konzerne auf billigere Standorte aus.

Schäden für Tiere und Menschen

Etwa nach Chile, wo das Leichtmetall vor allem aus Salzseen gefördert wird. Diese „Salares“ genannten Gebiete sind jedoch hochkomplexe, in sich geschlossene Ökosysteme, welche gleichzeitig den wichtigsten Lebensraum der Andenflamingos darstellen. Die groß angelegte Industrialisierung der Lagunen stürzt die bestehenden natürlichen Verhältnisse vollends ins Chaos. Die Flamingos sind durch die Zerstörung ihrer Heimat mittlerweile in ihrem Bestand gefährdet. Und auch die Anwohner, die an den Salzseen leben, sind von den rückläufigen Grundwasserspiegeln negativ beeinflusst. Schließlich lässt sich ohne das überlebensnotwendige Nass keine Landwirtschaft betreiben.

Neben Lithium verschlingt die Akku-Produktion von E-Autos auch Massen an Kobalt. Marktführer bei der Kobaltproduktion ist dabei die Demokratische Republik Kongo. Das Land in Zentralafrika fördert weltweit etwa 75 Prozent des begehrten Rohstoffes. Oft unter katastrophalen Bedingungen für die Arbeiter. Rund 20 Prozent aller kongolesischen Kobalt-Minen werden illegal betrieben. Sicherheitsvorkehrungen werden dabei jedoch nur in den seltensten Fällen getroffen, Kinderarbeit ist an der Tagesordnung. Diese Menschen zahlen den vernichtenden Preis, damit wir etwas „Gutes“ für unsere Umwelt tun.

Experten fordern neuen Kurs

Verkehrsexperten aus Deutschland und Österreich mahnen ohnehin zum Umdenken in der Verkehrsdebatte. Insgesamt haben sich 15 Fachleute zusammengeschlossen und in einem offenen Brief für einen Kurswechsel in der derzeitigen politischen E-Debatte appelliert. Ein einfacher kollektiver Wechsel zum Elektro-Auto werde das Problem des Klimawandels nicht lösen. Abgesehen von den nicht nachwachsenden Ressourcen, die für den Bau von E-Autos abgebaut werden müssen, sei ein Fahren ohne Schadstoffausstoß schlichtweg nicht möglich, so die Experten.

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Mögliche Lösungen

Damit sich der breite Umstieg auf elektrische Fahrzeuge auch bezüglich der Klimafrage lohne, müssten die Autos vor allem leichter und kleiner werden. Folgt man den Ausführungen der Experten, so sollte die Verkehrswende stattdessen mehr in anderen Bereichen gefördert werden. So sollte der Öffentliche Personennahverkehr attraktiver gemacht werden. Das Ziel müsste sein, dass möglichst viele Menschen künftig ihren Weg zur Arbeit mit der Bahn, dem Bus oder auch mit dem Rad antreten.

Irrtümer und Risiken

Des Weiteren seien Begriffe wie „Null-Emission“ komplett irreführend. Zwar rühmen sich Hersteller oft mit derlei Ausdrücken, dabei wird jedoch nicht der CO2-Ausstoß vermittelt, welcher in den Kraftwerken entsteht, die den Strommix herstellen, mit dem die E-Wagen derzeit laufen. Betrachtet man diese Hintergrundinformation, so verbraucht ein elektrisches Fahrzeug nicht weniger CO2 als jene, die mit Diesel betrieben werden.

Besonders die Größe und Schwere der aktuellen E-Wagen-Modelle bereitet den Fachleuten Sorgen. Die massigen Batterien verbrauchen dabei deutlich mehr Energie als ältere Fahrzeuggenerationen. Einheitlich festgelegte Regularien oder eine Besteuerung der Größe von Fahrzeugen sei deshalb lange überfällig.

Viele Elektro-Autos überzeugen ihre Fahrer nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Beschleunigungswerte. Was die einen in der Kategorie „Fahrspaß“ einordnen, ist für andere ein hohes Sicherheitsrisiko. Da E-Autos deutlich leiser als Benziner oder Diesel sind, haben Passanten und Radfahrer in gefährlichen Situationen oft viel weniger Zeit zum Reagieren.

Eine neue Marschroute muss her

Zwar sei die Elektromobilität keine negative Entwicklung, trotzdem gibt es noch einige Stellschrauben, die gerichtet werden müssen. Das derzeitige Modell der Autokonzerne, sowie der Stellenwert von E-Autos im Ganzen, sollten dringend hinterfragt und überholt werden.

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