Patrick Owomoyela

Patrick Owomoyela ist ein Name, der aus dem deutschen Profi-Fussball nicht wegzudenken ist. Wir haben den Ex-Profi im Club Aldiana in Andalusien getroffen, um mit ihm über seinen Alltag, Höhen und Tiefen und vor allem über seine Zukunft zu sprechen.

Was machst ein Ex-Fußball-Profi heute? Wie sieht so ein Alltag bei dir aus?

Sehr turbulent! Für den BVB bin ich als Repräsentant viel unterwegs und als Co-Kommentator der Bundesliga liefere ich ein regelmäßiges Interviewformat ab, welches dann auch international vermarktet wird.

Dann mache ich solche Reisen wie diese hier, wo ich die Möglichkeit habe, den Aldiana-Gästen meine Disziplin näherzubringen und das in einem Rahmen, der eben auch den Spaß vermittelt. Darüber hinaus unterstütze ich sehr gern ausgewählte Charity-Projekte, wie z.B. die Nowitzki-Schumacher-Events (Champions for Charity) oder Viva Con Agua. Es macht mich glücklich, wenn ich durch meine Teilnahme etwas zurückgeben kann. Ich fühle mich vom Leben wirklich reich beschenkt.

Wir treffen dich heute hier im Aldiana Club in Andalusien zur „Get Stronger Week“. Welche Rolle spielst du hier und wie kam das zustande?

Mein Ausrüster Puma hatte mich 2017 gefragt, ob ich Lust hätte, eine Woche mit den Aldiana-Gästen in meinem Bereich zu gestalten. Ich habe das dann mit einem Familienurlaub verbunden und seither wiederholen wir das nun zum dritten Mal. Es hat sich eine schöne Gemeinschaft ergeben und fühlt sich ein bisschen wie ein Klassentreffen an.

Du hast sicherlich schon die halbe Welt gesehen, heute sitzt du hier im Aldiana Club in Andalusien. Wie gefällt es dir hier?

Das ist einfach ein sehr schöner Club mit einer großartigen Lage am Strand. Der Strand ist so besonders, weil er wahnsinnig breit ist. Da geht sogar Fußball spielen. Es macht total viel Spaß hier. Der einzige Nachteil ist, dass ich hier unfreiwillig an meiner Gewichtszunahme arbeite. Das Essen ist einfach zu lecker im Club. Im Ernst, man merkt an jeder Ecke, dass die Aldianas allesamt mit Herzblut dabei sind. Das wirkt sich natürlich auch perfekt auf die Stimmung aus.

Patrick Owomoyela im Interview

Als Ex-Fußballprofi brauchen wir von dir natürlich einen Tipp: Wer wird dieses Jahr deutscher Meister?

Natürlich bin ich meiner Rolle für den BVB auch voller Hoffnung für meinen Verein. Wir sind sehr, sehr gut aufgestellt und haben eine echte Chance. Die Bayern werden es uns jedoch nicht leicht machen. Auch Leipzig hat eine super Truppe und wird ein gehöriges Wörtchen mitreden. Dann gibt es ja auch noch die Überraschungsmannschaften Frankfurt oder Leverkusen. Die Saison ist lang. Schöne Phrase, ist aber so. (lacht)

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Natürlich wollen wir auch über die letzten medialen Berichte reden (BVB-Vorbereitung Spiels gegen Undine) und etwas mehr erfahren bzw. persönlich erfahren, was davon stimmt und was nicht. Magst du uns richtigstellen, was, wie und warum und mit eigenen Worten erklären?

Es war eine Berichterstattung, die mein Co-Kommentator Norbert Dickel und ich nicht so seriös angegangen sind, wie wir es hätten tun sollen. Wir haben uns vielleicht zu sehr, sagen wir mal, zu komödiantischer Berichterstattung hinreißen lassen. Da sind lustig gemeinte Kommentare im völlig falschen Kontext gelandet. Nichts davon war jedoch beleidigend, rassistisch oder verletzend gemeint. Wir müssen einfach zugeben, dass wir etwas über das Ziel hinausgeschossen sind. Wir wollten niemanden etwas Böses.

Nach einer grandiosen Weltmeisterschaft der dt. Nationalelf 2014 in Brasilien und einem vernichtenden Auftritt bei der letzten WM, wie zuversichtlich bist du, dass Jogi das Ruder bei der EM nochmal rumgerissen bekommt und mit der künftigen 11 Erfolge erspielen kann?

Es ist ja etwas holprig losgegangen, aber in so einer Phase des Umbruchs ist das auch nicht anders zu erwarten. Die Mannschaft ist wahnsinnig jung und hat noch nicht die Erfahrung, gleich alles richtig auf dem Platz umzusetzen. So etwas braucht Zeit. Die Qualität ist aber wahnsinnig hoch. Ob es bis 2020 reicht, steht in den Sternen. Es geht ja nicht darum zu sagen „wir tragen alle neue Schuhe“, sondern darum, ein echtes Team zu werden. Es gibt viele neue Spieler, die integriert werden müssen. Die Abläufe müssen blind funktionieren. Das ist ein Prozess. Es wurden Spieler wie Müller, Boateng oder Hummels nicht mehr eingeladen oder in Nationalmannschaft-Rente geschickt. Dafür neue, junge Spieler geholt. Jetzt kann man natürlich nicht erwarten, dass alles in 12 Monaten wieder auf dem Stand ist, was sich die alte Mannschaft in 10 Jahren erspielt hat.

Patrick Owomoyela im Club Aldiana

Wann hast du das Angeln für dich entdeckt und warum?

2014 war ich als Experte während der WM in Brasilien zu Gast auf einem Kreuzfahrtschiff, der Mein Schiff 1, in Norwegen unterwegs. Da gab es etliche Tagesausflüge. Nachdem ich die ersten Tage relativ aktiv unterwegs war, hatte ich dicke Beine und wollte etwas Ruhigeres machen. Und ich dachte mir, warum nicht mal im norwegischen Fjord angeln? Das hat dann wahnsinnig viel Spaß gemacht und der Funke hat Feuer gefangen. Heute bin ich leidenschaftlicher Angler und habe zwischenzeitlich wirklich alles dafür getan: Einen Angelschein, einen Bootsführerschein und natürlich die entsprechende Ausrüstung. Auch meine Urlaube richte ich heute weitestgehend danach aus.

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Du hast so viel erlebt, bist wie du selbst sagst durch die Scheiße gegangen, warst aber auch Voll-Profi und hast sicherlich mehr erlebt als andere in zwei Leben. Wie hast du das alles geschafft und noch viel wichtiger, hast du dir aus all deinen Erlebnissen was mitnehmen können, das dir oder sogar anderen in schweren Situationen hilft?

Ja, gute Frage! Ich glaube, dass das viel mit dem Naturell eines jeden selbst zu tun hat, wie man mit dem Leben umgeht. Keine Ahnung, was meine Eltern richtig gemacht haben, aber ich bin eigentlich immer positiv und nie schlecht gelaunt. Natürlich habe ich im Laufe meiner Karriere auch die nötige Skepsis gelernt, die einen davor bewahrt, wirklich ernsthafte Fehler oder eben Fehler zum zweiten Mal zu machen. Es gibt aber viele Menschen, denen es deutlich schlechter geht. Ich habe ein Dach über dem Kopf, zwei gesunde Kinder, habe beruflich vieles richtig gemacht und durfte vieles erleben, was den meisten Menschen nicht widerfährt. Ich war und bin immer im positiven Sinne kämpferisch. Ich stelle keine Probleme fest, sondern suche nach Lösungen. Auch nach Verletzungen war ich immer ein lösungsorientierter Mensch, der die Chance gesehen hat, daran zu wachsen.

Was ist dir im Moment am wichtigsten und warum?

Natürlich meine Kinder. Warum brauche ich, glaube ich, nicht weiter zu erklären. Die Arbeit, die unser Leben ermöglicht, bringt mit sich, dass ich viel unterwegs und von ihnen getrennt bin. Es sind aber die Momente, auf der Couch zu kuscheln, sich zu kabbeln und Quatsch zu machen, die wirklich zählen.

Mit 39 Jahren bist du in einer Generation zwischen Radio/Fernsehen und Social-Media/YouTube etc. Welche Zeitepoche findest du persönlich besser und warum?

Das kann ich so klar gar nicht sagen. Ich bin sehr froh, als junger Fußballprofi und Mann in einer Zeit gelebt zu haben, in der Social-Media noch in den Kinderschuhen stand. Heute ist man einfach absolut gläsern. Du kannst nichts mehr tun, ohne dass es gesehen und entsprechend beurteilt wird.
Andererseits bietet Social-Media eine unfassbare Möglichkeit der Vermarktung. Und die Nähe und Interaktion zu und mit den Fans würde ich auch auf der Haben-Seite sehen. Ich war immer schon sehr kommunikativ und interagierend. Klar hätte ich gerne auch den einen oder anderen Euro durch eine bessere Vermarktung verdient. Aber ich bin auch sehr froh, ein paar Nächte im Rausch erlebt zu haben, die keiner mitbekommen hat. (lacht)

FIFA auf der Playstation hast du sicherlich auch schon gespielt. Schaust du dir auch E-Sport-Meisterschaften in FIFA an? Wie stehst du allgemein zum Trend, dass ein FIFA E-Sportler genauso viel Anerkennung bekommt, wie ein echter Fußball-Profi?

Nein. Ich spiel das zwar auch, und sogar mein Sohn spielt es schon dann und wann. Eine Meisterschaft habe ich jedoch noch nie gesehen. Es ist einfach eine Welt, die mir fremd ist und in der ich nie angekommen bin. Man muss aber anerkennen, dass das eine unfassbar große Community ist. Bemerkenswert, dass sich ein Spieler von Hunderttausenden am Ende durchsetzt. Das ist aber wohl der Zeitgeist, in einer für mich abstrusen und abstrakten Welt zu interagieren. Dennoch glaube ich, dass es hundertmal schwieriger ist, im echten Leben auf dem Platz erfolgreich zu sein.

Wo siehst du dich selbst in 5 Jahren?

Ich hoffe, ein wenig stationärer. Ich würde sehr gern als Trainer im Nachwuchsbereich arbeiten. Fußball mitzuentwickeln wäre ein Traum für mich. Junge Spieler an die Hand zu nehmen. Ich mache das, was ich jetzt tue, wirklich gern, reise aber ständig. Ich möchte das langfristig angehen und habe bereits alle Nachwuchs- und Amateurlizenzen in der Tasche. Damit könnte ich sogar als Co-Trainer in der Bundesliga arbeiten. Ich müsste mit meinem Verein (dem BVB) sprechen und die Zeit haben, mich wirklich darum zu kümmern. Es wird aber sicher alles so, wie ich es mir vorstelle, wenn ich mich einmal wirklich dahinterklemme.

 

Fotos: Anelia Janeva Photography für Club Aldiana