Nikolai Hanf-Dressler

Nikolai Hanf-Dressler ist leitender Therapeut von Hypnos, dem größten Hypnose-Zentrums Deutschlands. Insgesamt umfasst Hypnos vier Niederlassungen, von denen sich ein Institut in der Berliner Friedrichstraße befindet. Sein Team ist ganze 15 Mann stark – ein Therapeutenteam, welches sich sehen lassen kann. Wir haben uns mit Nikolai getroffen, da wir mehr als neugierig waren, was genau Hypnose bewirken kann. Lassen sich physische Schmerzen behandeln, Angstzustände, tiefgründige Probleme, an denen wir seit Jahren leiden, oder etwa rauchen? Wie kann Hypnose beim Lernen helfen und kann diese unser Gehirn so beeinflussen, dass wir in der Lage sind, in unfassbaren Geschwindigkeiten Sprachen zu lernen? Nikolai Hanf-Dressler gehört zweifelsohne zu den interessantesten Personen, die wir seit Jahren getroffen haben.

Wie bist du zu deiner Arbeit und zu dem, was du heute tust, gekommen?

Mit einem kleinen Umweg würde ich sagen. Meine Eltern sind ebenfalls Therapeuten und mein Großvater war Chef-arzt im Bürgerhospital in Frankfurt am Main. Er hat schon in den 50er Jahren mit Hypnose als Arzt gearbeitet, was zu damaligen Standards nicht unbedingt selbstverständlich war.

Als ich noch jünger war, wollte ich auf keinen Fall das machen, was meine Eltern arbeiten. Ich war ganz schlau und habe mir gesagt, dass ich Musiker werde. Dummerweise habe ich gehofft, dass meine Kinder etwas Gescheites, wie Musik studieren, aber die wollten auch Therapeuten werden. Dieser Virus hat quasi die gesamte Familie angesteckt.

Trotzdem bin ich zuerst als Musiker auf die Bühne gegangen. Unter anderem war ich die Vorband von Ritchie Blackmore und habe in der Tourband von Rio Reiser gearbeitet. In dieser Zeit habe ich sehr interessante Leute kennengelernt, wie Udo Lindenberg, aber natürlich auch viel Blödsinn gemacht, Guinessbuch-Rekord aufgestellt… Es war wirklich toll, auf der Bühne zu stehen.

Irgendwann hat es mich dann doch wieder zur Therapie gezogen. Ich habe aber relativ schnell festgestellt, dass herkömmliche Therapien zu langwierig und wenig erfolgsversprechend sind. Dadurch habe ich mich dann mehr mit der Hypnoanalyse beschäftigt. Mit Hypnose komme ich an das Unterbewusstsein heran, wo Reden keinen Unterschied mehr macht.

Relativ schnell habe ich angefangen, mit anderen Therapiemöglichkeiten herumzuexperimentieren. Die energetische Psychologie noch mit zur Hypnose dazuzunehmen, hat mir größere Erfolge eingebracht. Natürlich spiele ich nicht mehr auf den großen Bühnen.

Dafür bin ich in den Menschen präsent. In mir herrscht das Gefühl, dass ich Menschen anhaltender viel mehr geben kann. Denn in der Therapie nur über ein tiefsitzendes Problem zu reden, kann ein Problem kaum lösen.

Nikolai Hanf-Dressler Interview

Wie bist du von diesem Punkt aus zu dem gekommen, was du heute machst? Wie kann man die Arbeit mit Hypnose überhaupt beschreiben?

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Es ist schon bis zu einem bestimmten Grad ein Kontrollverlust. Je mehr Kontrolle ich an den Therapeuten abgebe, desto mehr Kontrolle bekommen ich ja auch zurück. Ich ziehe immer gerne den Vergleich, dass ich wie ein Gehirnchirurg bin, nur dass ich nicht von außen am Gehirn arbeite, sondern von innen.

Da braucht es genauso eine fundierte Ausbildung und Erfahrung, die ich an den Tag legen muss. Außerdem bin ich jeden Tag in der Praxis und deshalb auch gut trainiert. Ich mache das ja auch schon seit 20 Jahren. Mit der Zeit kommt eine gewisse Intuition.

Mit der Hypnose ist es so, dass ich quasi direkt durch die Firewall deines Kopfes gehe. Diese Instanz schützt dich normalerweise vor Manipulationen. Es ist sozusagen ein kritischer Faktor, der nicht zulassen darf, dass man manipuliert wird. Bei Kindern funktioniert es besonders gut, weil sie diese Eigenschaft noch nicht so stark ausgeprägt haben. Das Gehirn von Kindern befindet sich bis zum sechsten Lebensjahr in einem Thetawellenzustand. Der Zustand, in dem Glaubenssätze und Programmierungen gesetzt werden. Wenn also ein Kind schon von klein auf einen Glaubensansatz eingetrichtert bekommt, dann wird sich dieser Mensch schwer daran tun, außerhalb dieses Ansatzes Lebenserfahrungen zu machen.

Mein Job ist es, diesen Zustand durch Hypnose wieder zu induzieren und dysfunktionale Programmierungen in Ordnung zu bringen. Wir löschen keine Erinnerungen aus deinem Gedächtnis, sondern nur die Interpretation von bestimmten Momenten, die schwierig für einen Menschen waren.

Bei Hypnose kann man zwischen direktiver und permissiver Hypnose unterscheiden. Zweitere überlässt dem Klienten mehr Freiheiten. Bei der direktiven Hypnose wird mehr geführt und sie geht tiefer. Diese führen wir bei uns durch. Auf der einen Seite weißt du bei uns, dass du in der Praxis bist und auf der anderen Seite kannst du aber Situationen aus deiner Vergangenheit nacherleben und auflösen.

Ich gehe dann in eine auslösende Situation und koche die Gefühle so weit hoch, dass sie den Siedepunkt erreichen. Dann habe ich genug Energie, um sogenannte Affektbrücken zu schaffen. Damit kann ich bis in die Kindheit von Situation zu Situation springen. So komme ich auf die ersten gesetzten Eindrücke, die mit der heutigen Situation zusammenhängen.

Wie groß ist die Erfolgsquote bei der Angstauflösung und beim Thema Rauchen?

Also Hypnose ist ja nicht gleich Hypnose. Mit der Hypnos-Methode ist die Erfolgsquote sehr hoch. Wichtig dabei ist, dass du nicht geschickt worden bist. Der eigene Wunsch ist bei so einer Behandlung sehr wichtig. Ob du nun rauchst, sehr viel isst oder deine Fingernägel kaust. Wir schauen dabei auf die Emotion hinter dem Symptom. Sobald wir es aufgelöst haben, können wir Suggesionen geben.

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Kann man jeden Menschen hypnotisieren?

Ja, man kann wirklich jeden Menschen hypnotisieren. Man muss schon flexibel mit seinen Methoden sein. Für jeden Typ gibt es auch den richtigen Therapeuten, der zu ihm passt.

Wenn ein Klient sehr konzeptuell ist, dann braucht der etwas Schnelles. Ansonsten denkt er viel zu viel darüber nach. In diesem Bereich flexibel und auch mutig zu sein, gehört zum Job.

Ich selbst als Therapeut strahle es aus, wenn ich weiß, dass ich einen Klienten gut hypnotisiert bekomme. Das ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig. Sobald sich jemand sicher bei dir fühlt, wird es immer einfacher, ihn zu hypnotisieren.

Ich erlebe immer wieder, wie wir mit der Hypnos-Methode fast spielerisch die härtesten Probleme lösen, bei denen andere Therapeuten das Handtuch geworfen haben. Das bestätigt mich darin, dass ich wohl meinen Job gut mache. Jedes Problem war mal die Lösung eines Problems. Und das kriegt man genauso aufgelöst, wie das davor und das davor.

Nikolai Hanf-Dressler

Kann ein Mensch hypnotisiert werden, ohne dass er etwas davon mitbekommt?

Ja, auf jeden Fall. Mitunter passiert mir das ausversehen, wenn ich ein Seminar gebe. Die Leute sitzen dann hypnotisiert da und sind in meinen Bann gezogen. Ironischerweise ist es ja eigentlich mein Job, die Leute zu enthypnotisieren. Die Leute sind meistens schon in Trancen, wenn sie zu mir kommen.

Es passiert mir auch oft, dass sich Frauen sehr schnell für mich interessieren. Da muss ich aber professionell bleiben und meine Verlässlichkeit zeigen. Aber das Objekt ist nie im Außen, sondern wir kreieren es in uns selbst. Es gibt tatsächlich weniger Situationen, in denen wir uns nicht in einer Trance befinden.

Besteht die Möglichkeit, hypnotisch gegen physische Schmerzen zu arbeiten?

Das funktioniert super. Du musst aber aufpassen, dass du es nicht übertreibst. Ich habe mir zum Beispiel mal das Bein gebrochen und mir eine Schmerzfreiheit gemacht. Dummerweise habe ich das vergessen und bin den ganzen Tag über auf meinem Seminar die Bühne hoch und runter gelaufen. Abends sind wir dann noch tanzen gegangen. Das Ende vom Lied war, dass mein Bein komplett angeschwollen ist.

Der Körper sagt dir ja aus einem Grund, dass das Bein wehtut. Bei Zahnscherzen bin ich auch vorsichtig. Das geht mal, wenn sie zufällig am Wochenende kommen und ich nur bis Montag warten will, bis der Zahnarzt wieder da ist. Länger sollte man seine Schmerzen aber nicht durch Hypnose ignorieren.

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Richtig super daran ist, dass ich keine Betäubung mehr beim Zahnarzt brauche, wenn er bohrt. Das ist auch viel gesünder als eine Anästhesie. Bei meiner Bein-OP habe ich auch fast keine Betäubung gehabt, weil ich zugucken wollte. Der Anästhesist stand aber die komplette Zeit neben mir. Just in Case.

Wie lange lernst du diesen Beruf schon? Bei all den Feldern, die du abdeckst, kommt bestimmt einiges in dieser Zeit zusammen.

20 Jahre lerne ich schon. In diesem Sinne hört es ja nie auf. Ich bin natürlich ganz naiv an die Sache herangegangen. Hätte ich damals schon gewusst, wie komplex das alles ist… Aber trotzdem trieb mich damals schon der Pioniergeist und habe auch schon immer auflösend gearbeitet.

In deinem Beruf hat man bestimmt die unterschiedlichsten Klienten, oder?

Bei uns gibt es die komplette Bandbreite. Jeder Klient inspiriert mich persönlich und die Behandlungen sind auch für mich ein tiefer Prozess. Seit Jahren schon arbeite ich viel intuitiver durch dieses tägliche Training.

Ihr bietet auch an, dass man eine neue Sprache innerhalb von vier Wochen lernen kann. Wie macht ihr das?

Das machen wir mit der Wachhypnose. In einem wachhypnotischen Zustand mit engem Fokus kannst du dir unglaublich schnell Wissen aneignen. So, wie du es damals schon als Kind konntest.

Als Kind lernt man unglaublich schnell. Bis zum vierten oder fünften Lebensjahr ist ungefiltertes Lernen so stark möglich, dass du sogar eine Theta-Welle in den Gehirnströmen des Kindes nachweisen kannst. Im Grunde versetzen wir unseren Klienten nur in diesen Zustand zurück.

Als Schüler oder Student kannst du mit einer selbstausgelösten Wachhypnose effektiv lernen. Außerhalb des Saals musst du dich aber wieder enthypnotisieren, weil du dann wieder einen breiteren Fokus benötigst.

Diese Selbsthypnose wird in dir verankert. Um sie auszulösen, musst du dich nur an deinen Anker wenden. Damit kannst du machen was du willst. Du postulierst einfach, was du in der Wachhypnose erleben möchtest. Du bist dann kein Zombie, sondern in dir kommen Persönlichkeitsanteile zum Vorschein, die vielleicht sonst nicht am Tageslicht liegen.

Ich selbst bin ja Legastheniker und mittlerweile sehe ich es nicht mehr als Fluch, sondern als Geschenk, weil mein Gehirn ganz anders verdrahtet ist. Die Assoziationsketten sind ganz anders und ich komme auf Sachen, auf die andere nicht kommen.

 

Mehr zur Arbeit von Nikolai Hanf-Dressler findest du auf der Webseite des Hypnos® Hypnose-Zentrums hypnose-zentrum.com


Nikolai Hanf-Dressler im Interview mit Manuel Cortez
 

Fotos: Manuel Cortez