Gronkh

Er gilt als der erfolgreichste deutschsprachige Kommentator von Videospielen und feierte mit „Minecraft“ seinen Durchbruch: Gronkh. Der Braunschweiger „Let’s Player“, wie die YouTuber genannt werden, die für ihre Zuschauer Videospiele daddeln und parallel dazu durch Kommentare begleiten, begeistert Tag für Tag Millionen von Fans und kann schon längst davon leben. Aktiv ist Erik Range, wie Gronkh bürgerlich heißt, schon seit 2010. Dabei sollte ein Tag im Oktober des Jahres 2010 alles ändern.

Vom Fachinformatiker zum YouTube-Abo-Millionär

Range wurde am 10. April 1977 in Braunschweig geboren. Der heutige YouTuber, der Sohn einer Russin und eines Deutschen ist, ebnete schon früh den Weg in Richtung einer möglichen Online-Karriere, lange bevor es die heute so erfolgreiche Videoplattform überhaupt gab.

Nach Realschulabschluss und Zivildienst ließ sich Gronkh zum Fachinformatiker ausbilden. Erst folgte die Gründung einer eigenen, mäßig erfolgreichen IT-Firma, später war Range maßgeblich am Aufbau des Spielepublishers MDO Games beteiligt. Im von ihm mitpublizierten Online-Rollenspiel „Meridian 59“ fungierte Gronkh zudem als Gamemaster.

Sowohl Publisher als auch Spiel sind in der heutigen Zeit weitgehend irrelevant. Dennoch war dieser Meilenstein für Erik Range nicht ganz unerheblich, lernte er doch über das Spiel seinen mittlerweile langjährigen Kumpanen Valentin „Sarazar“ Rahmel kennen, der selbst als Let’s Player und DJ erfolgreich ist.

Gemeinsam eröffneten beide mit PlayMassive ein Newsportal für Online-Rollenspiele, das heute (Stand: September 2020) unter dem Namen PlayCentral firmiert.

Wie aus Testvideos ein Milliardenprojekt wurde

Gronkh und Sarazar

Texte allein reichten dem Tausendsassa Gronkh schon bald nicht mehr. So wollte dieser die auf PlayMassive vorgestellten Spiele fortan im Videoformat testen. Als perfekte Plattform auserkoren hatte der Braunschweiger dafür den YouTube-Kanal Gronkh, den er schon im Jahr 2006 gründete, bisher jedoch unbeachtet ließ.

Die Idee, in einer Stunde Spiele auf Herz und Nieren zu testen, verwarf Gronkh bald. Am Konzept, Videospiele zu spielen und das Gezeigte zu kommentieren, hielt er jedoch fest.

Das Prinzip des „Let’s Plays“ war schon einige Jahre zuvor in Deutschland angekommen und garantierte hierzulande bis dato einigen Vertretern, für damalige Verhältnisse, eine recht ordentliche Bekanntheit.

„Bla, bla, bla“ waren die ersten „Worte“, mit denen Gronkh seine bis dahin gewiss noch sehr spärlich vorhandenen Zuschauer auf sein erstes Let’s Play zu „Allods Online“ einstimmte.

Dass schon kurze Zeit nach seinem Debüt am 01. April 2010 der große Durchbruch folgen sollte und Gronks „Blabla“ heute weit über vier Millionen Menschen fesseln würde, hätte der YouTuber wohl selbst kaum erwartet.

Alles begann mit bunten Klötzchen

Der 16. Oktober 2010 war der Tag, an dem Range das erste Video zum heute unendlich beliebten Spiel „Minecraft“ veröffentlichte. Während er zunächst nur seine Kreationen in dem Spiel, das sich rund um das Sammeln, Herstellen und Zusammensetzen von bunten Klötzchen dreht, den wenigen tausend Zuschauern präsentierte, startete am 19. Oktober das reguläre Let’s Play.

Fun Fact: Der Name Gronkh stammt aus einem Internet-Namensgenerator für Trolle. Diesen Namen trug er schon, als er Gamemaster für Meridian 59 war.

Mit „Hallöchen Popöchen“ begann die Videoserie, die bis heute weit über tausend Teile umfasst und nicht nur Gronkh, sondern wohl auch dem Spiel selbst in Deutschland einen Boom bescherte. Mehr als 16 Millionen Klicks sammelte der erste Teil des Let’s Plays, der gleichzeitig Gronkhs mit Abstand beliebtestes Video werden sollte.

Gerade einmal 720p bringt das Video auf maximaler Qualität zu Stande. Trotzdem finden sich immer noch aktuelle Kommentare unter dem Video wieder.

Ob dies mit dem YouTube Algorithmus oder einfach nur mit der Nostalgie der Zuschauer zusammenhängt? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

So dauerte es nicht lang, bis Range mit einer Abonnentenzahl von knapp über 30.000 den bis dahin erfolgreichsten deutschen Let’s Player „Cekay“ überholen sollte. Und noch weitere Meilensteine folgten. Am 24. Januar 2013 durchbrach Gronkh die Schallmauer von einer Million Abonnenten.

Drei Millionen Abonnenten waren es schon im Juni 2014, womit der Braunschweiger zudem erstmals zum meistabonnierten deutschen YouTuber wurde. Im September 2020 sind es fast 5 Millionen Menschen, die Gronkh leidenschaftlich gerne schauen. Tendenz, noch immer, steigend.

Auch finanziell läuft es blendend

Dass mit der Hilfe von YouTube auch ein gewisses Vermögen aufgebaut werden kann, ist kein Geheimnis. Wie viel Geld Gronkh nach all den Jahren sein Eigen nennen darf, lässt sich natürlich nur schätzen. Kleinere YouTuber, so hört man, verdienen mit 1.000 Klicks auf der Videoplattform etwa einen Cent.

Doch selbst 20 Cent pro Tausender an Klicks sind gerade bei erfolgreicheren Videokünstlern nicht selten. Hungern dürfte Range, der weit über drei Milliarden Klicks auf YouTube sammeln konnte, an mehreren Firmen beteiligt ist und zudem erfolgreicher Live-Streamer auf Twitch ist, damit gewiss nicht.

Ohnehin hält der Braunschweiger Informationen zu seinem Privatleben zurück. Schon im Dezember 2012 fand er in der YouTuberin Tatjana Werth („Pandorya“) sein privates Glück, was jedoch erst im Jahr 2016 öffentlich wurde. Einen nicht unerheblichen Teil seines Einkommens dürfte Gronkh zudem spenden.

Dass er auch ein Herz für wohltätige Aktionen hat, beweist der YouTuber immerhin jedes Jahr mit der Charity-Aktion „Friendly Fire“.

In dem Live-Stream-Projekt, an dem neben Gronkh noch zahlreiche andere YouTuber und Streamer beteiligt sind, werden jedes Jahr über Spenden und Sponsorings hohe Summen generiert, die ausgewählten gemeinnützigen Vereinen zugute kommen.

Auch hier brach das Ensemble um Gronkh Rekorde. So wurden in der 2019 gesendeten fünften Ausgabe des Charity-Streams fast 1,2 Millionen Euro gesammelt, womit erstmals die Million geknackt wurde.

Über TV-Sofas zum Politik-Präzedenzfall

Gronkh Twitch Kanal

Gronkhs massiver Erfolg blieb natürlich auch den Fernsehmachern nicht verborgen. Unter anderem luden ihn Stefan Raab und Jan Böhmermann in ihre Sendungen ein.

Zum Fernsehen pflegt Gronkh ohnehin eine engere Beziehung, moderierte er doch schon gemeinsam mit Sarazar zwischen 2012 und 2014 die Webshow „Let’s Play Together“ auf MyVideo, das damals als Videoportal der ProSiebenSat 1 Media SE fungierte. Auch in deren YouTube-Management-Netzwerk Studio71 ist Gronkh aktiv.

Doch all das bewahrte Range nicht davor, zum Präzedenzfall für die Politik und Landesmedienanstalten zu werden. Seit dem Ende der MyVideo-Show streamt er privat auf Twitch. Doch schon zuvor liefen Wiederholungen seiner YouTube-Videos in Dauerschleife auf einem separaten Streaming-Kanal.

Die für den mittlerweile in Köln lebenden Let’s Player zuständige Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen klassifizierte Gronkhs Live Stream als Fernsehsender. Dies zwingt Betreiber zum Beantragen einer Rundfunklizenz, die mit zahlreichen Kosten verbunden ist und darüber hinaus auch organisatorischen Aufwand erfordert.

Gronkh klagte zunächst gegen diese Feststellung, beantragte später jedoch erfolgreich eine Rundfunklizenz. Bis heute fürchten sich insbesondere kleinere und finanzschwächere Streamer vor der Einstufung als Fernsehsender.

Was macht Gronkh so besonders?

Nicht nur auf YouTube und Twitch ist Erik Range aktiv und erfolgreich. Seine enorme Bekanntheit brachte ihm zudem Sprechrollen in diversen Videospielen ein. Nebencharakteren in „Just Cause 3“, „The Witcher 3“ und weiteren Titeln lieh er so seine Stimme. Doch auch in Kinofilmen wirkte Gronkh als Sprecher mit.

Doch wieso gilt Gronkh auch über YouTube hinaus als so beliebt? Ein Grund dafür ist sein außergewöhnlicher Spielstil. So setzt er auf Games, in die sich der Spieler stark hineinversetzen muss.

Range legt hierbei viel Wert auf ein langsames und erklärendes Spielen, das sich durch seine Wortgewandtheit und seinem Humor stark von anderen Let’s Plays abhebt. Ohnehin gilt der 1977 geborene Braunschweiger durch sein Alter auf YouTube eher als Exot.

Zudem nimmt sich Gronkh seit jeher viel Zeit für seine Fans. Obwohl sich unter seinen Videos tausende Kommentare türmen, beantwortet Range zahlreiche Einsendungen umfangreich und mit viel Liebe zum Detail. Ähnliches gilt bei seinem Livestream-Chat, in dem die Kommentare oft in Höchstgeschwindigkeit durchrauschen.

Besonders deutlich wird Gronkhs Fannähe jedoch erst bei Offline-Events. So stehen bei den Meet-and-Greets, z.B. auf der Gamescom, Zuschauer von morgens bis abends Schlange. Dennoch versucht Gronkh regelmäßig, jedem einzelnen Fan Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen.

Im April 2020 feierte Gronkh sein 10-jähriges Jubiläum auf der Videoplattform YouTube. Der Hype unter den Zuschauern für den „YouTube-Onkel“ ist bis heute jedoch ungebrochen.

 

Bilder: marie-schmidt-photography—OTRS-Ticket-[CC-BY-SA-3.0],-via-Wikimedia-Commons; Gronkh Twitch Kanal Screenshot