Friedrich Mücke: „Wie gut ist deine Beziehung?“

Friedrich Mücke Interview

In Berlin zeigen sich aktuell alle Stars und Sternchen, denn die Berlinale ist in vollem Gange. Ganz klar, dass da auch Fridrich nicht fehlen darf. Trotz all der Anstrengungen, die in den nächsten acht Tagen auf ihn warten, nahm er sich eine Menge Zeit für uns und hat viele Dinge zum ersten Mal an- und ausgesprochen. Sein neuer Kinofilm „Wie gut ist deine Beziehung“ steht in den Startlöchern und wir wollten natürlich wissen, was er persönlich von dem Film hält, welche Botschaft transportiert wird und ob er als Mensch etwas von seinem gespielten Charakter lernen konnte. Aber auch viele andere Themen kamen auf einmal ans Tageslicht. Ein Interview, wie wir es nur selten hatten.
 

Schön, dich während der Berlinale wieder in Berlin zu sehen. Du lebst schon über zehn Jahre in München, wieso bist du dortgeblieben? Kein Heimweh?

Ich denke, dass man den Schritt in eine neue Stadt wagt, ist etwas ganz Normales. Als ich vor vielen Jahren nach München zog, handelte es sich um eine berufliche Entscheidung. Nach dem Schauspielstudium hatte ich nicht sehr viele Auswahlmöglichkeiten zwischen vielen Städten. Ich wusste nur, dass ich in eine Großstadt möchte und ich wollte etwas krass Anderes als Berlin. Da schien es nur logisch, dass München sehr weit vorne mitspielte. Dabei war ich als Berliner selbst jemand, der immer sagte „München??“. Meine Freunde meinten auch, dass ein Berliner nicht wirklich nach München passe. Es lag also an mir, dort etwas zu finden, das einen Umzug rechtfertigt. Job, Leute oder die Kultur. Letztendlich wollte ich Theater spielen und hatte aus München ein Angebot, was meine Entscheidung mitbestimmte. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich aus vielen Gründen in München geblieben bin. Das hat zum einen mit der Stadt selbst zu tun, mit dem Lebensgefühl, ich habe dort meine Frau kennengelernt und eine Familie gegründet. Für einen damals 29-Jährigen war das schon sehr viel, denn ich dachte mir immer, ich genieße erst einmal meine Dreißiger. Doch es kam anders und ich bin heute sehr froh, dass alles ist wie es ist.

Was ist denn das Besondere am Lebensgefühl in München?

Ganz individuell würde ich sagen, dass München eine viel ruhigere Stadt ist. Dies bedeutet, dass sie auch mich deutlich ruhiger macht. Das liegt unter anderem auch daran, dass Kneipen, Bars und Clubs einfach früher zumachen als in Berlin. Viele Nicht-Münchner meckern darüber, aber ich finde das super und mehr als ausreichend. Gerade als Familienvater bin ich nicht mehr ständig on fire am Party machen. Ich freue mich dann aber umso mehr, wenn ich nach Berlin zurückkomme. Das bedeutet mir schon viel. Was ich ebenfalls liebe, sind all die unterschiedlichen Menschen und Typen in Berlin. All diese Vielfalt und verschiedenen Styles. Das gibt es in München auch, fällt einem nur nicht sofort ins Auge.

Thema Berlinale: Wie war’s bisher?

Ich freue mich immer auf die Berlinale und versuche auch so viele Tage wie möglich dort zu sein. Dieses Jahr schaffe ich immerhin acht Tage. Man muss die Zeit gut planen. Am Ende des Tages ist es so: je mehr Schlaf man bekommt, desto weniger anstrengend ist es. Je weniger anstrengend es ist, desto mehr Spaß macht es.

Friedrich Mücke im Interview

Am 28. Februar startet „Wie gut ist deine Beziehung?“. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?

Ich finde, die Zuschauer können sich an einer hauptsächlich heiteren Geschichte erfreuen, die auch durchaus ihre tiefen Momente hat. Eine Story, die eine Einzelbeziehung in den Fokus rückt. Im Prinzip kennt man so etwas aus anderen Filmen, dennoch ist die Geschichte bei „Wie gut ist deine Beziehung?“ anders erzählt. Ich würde sagen, der Film verfügt über einen intelligenteren Humor und tiefgründigeren Beobachtungen, was Beziehungen im Allgemeinen angeht. Ralf Westhoff, unser Regisseur und Drehbuchautor, macht alle vier Jahre einen Film und er ist extrem genau, was seine Dialoge angeht. Die Tatsache, dass wir so an Ralfs Text gebunden sind, hat den Vorteil, dass eine ganz eigene Form des Films entsteht. Als Schauspieler ist da auf einmal überhaupt kein Friedrich Mücke mehr und auch keine Julia Koschitz (Anm. d. Red.: spielt die weibliche Hauptrolle) sondern zu 100% der Charakter, den man spielt. Kurz gesagt: Die Zuschauer können sich auf eine sehr gut beobachtete Beziehungskomödie freuen.

Was war dein erster Gedanke, als du das Drehbuch gelesen hast? Und was war der Grund für dich, die Rolle annehmen zu wollen?

Ich habe viele Dinge in der Geschichte entdeckt, die ich von mir selber kannte. Andere waren mir allerdings eher fremd. Ich dachte, das zu verbinden könnte eine schöne Aufgabe sein. Zudem habe ich gedacht: Was für tolle Dialoge, was für genaue Beobachtungen. Schön, dass es jemanden gibt, der eine Beziehungsgeschichte so erzählen möchte. Und mir ist das Kunststück aufgefallen, dass es neben den Hauptcharakteren ganz viele wunderbare Nebenrollen gibt, die alle sehr scharf gezeichnet sind und die man, während man die Geschichte liest, nicht verliert. Das ist nicht sehr häufig der Fall.

Die Story von „Wie gut ist deine Beziehung?“ entsteht eigentlich durch eine Verkettung von Missverständnissen, die in Selbstzweifel enden. Würdest du sagen, dass sich Männer gut in Steves Situation hineinversetzen können – besonders in der heutigen Zeit, wo eigentlich alles so schnelllebig austauschbar scheint?

Ja, ich denke schon. Ich denke, die Figur von Steve und die Art, wie sein Charakter von Ralf beschrieben wurde, macht viele Männer „nackig“. Ich glaube, es ist eine Menge Unsicherheit unter uns Männern, auch wenn wir in unserem Umfeld häufig sehr selbstbewusst rüberkommen.

Das ist vielleicht mit einem Eisberg vergleichbar. Man sieht diesen aus dem Wasser ragenden Eisklotz, aber der Unterbau, der tief ins Wasser hineinragt, den sieht man von außen nicht. Und genau dieser Teil ist unendlich unsicher und aus gutem Grund nicht immer sichtbar. Der Film bringt das voll ans Tageslicht, denn er dreht diesen Eisberg einfach um. Alles ist sichtbar.

Wenn du eine Figur so extrem klar auf der Leinwand siehst, du anfängst, dich mit ihr zu identifizieren, dann kann es sein, dass es für einen nicht immer angenehm ist. Jetzt kannst du natürlich dasitzen und sagen, dass dich das nichts angeht, denn du bist ja nicht so wie Steve. Diejenigen, die es in den Film zieht, die werden definitiv Dinge entdecken, die ihnen sehr bekannt vorkommen. Die Komplexität einer jeglichen Beziehung wird dir hier im Kleid der Komödie schmackhaft gemacht, nur geht nicht gleich jeder Bissen leicht hinunter.

Bietet die Story im Prinzip die Antwort auf Probleme, die in einer langfristigen Beziehung auftauchen können?

Ich weiß es nicht. Tendenziell würde ich Nein sagen, denn eine langjährige Beziehung ist zu komplex. Aber Steve bietet dennoch Einiges an, worüber man als Mann nachdenken wird. Selbst ich, der seit vielen Jahren nicht nur in einer Beziehung, sondern in einer Ehe steckt, habe durch ihn das Ein oder Andere gecheckt. Im Film sagt Julia Koschitz zu ihrer Freundin, dass alles, was sie an Ratschlägen von ihr bekommt, nur Plattitüden wären, aber häufig sind diese gar nicht mal so schlecht und können einen Gedanken erst einmal auf den Weg bringen, denn oftmals ist man einfach zu faul, um sich selbst zu hinterfragen.

Was ist die Botschaft, die sich hinter „Wie gut ist deine Beziehung?“ versteckt?

Das Thema des Films ist „Achtsamkeit“ und dass man diese Eigenschaft hochlegt und sie anerkennt. Wenn du in einer Beziehung nicht achtsam auf deinen Partner und dich selbst bist, dann kann diese Beziehung nie das werden, was du dir vorgestellt hast. Das bedeutet aber auch, dass du am Ende der Beziehung nicht enttäuscht sein darfst.

Bist du aufgeregt, was den Kinostart angeht? Vor allem vielleicht, da du gerade erst eine Hauptrolle in „Ballon“ hattest, der von vorne bis hinten gelobt wurde und vorgestern von der AZ München zum Film des Jahres ausgezeichnet wurde?

Da bin ich durchaus aufgeregt und natürlich hat man auch einen gewissen Druck, aber ich muss diesen anhand des Filmes messen. Ich bin immer aufgeregt, bevor ein Film ins Kino kommt. Ich will erst einmal, dass der Film gesehen wird. Heute bedeutet ein Kinoerfolg bereits, wenn ihn 100.000 Menschen gesehen haben. Das hat sich im Laufe der Jahre leider etwas nach unten verändert. Vor zehn Jahren wäre das so noch nicht gewesen. Vor allem bei Komödien erwartet man, dass die Leute reingehen und diesen Druck verspüre ich natürlich. Aber Ralf Westhoff ist einer der besten Komödien-Regisseure unseres Landes.

In welchem Genre fühlst du dich denn am wohlsten?

In der Komödie. Dennoch will ich mich im anderen Bereich viel mehr sehen. Zum Beispiel im Drama.

Welche Projekte stehen für 2019 an?

Es steht 2019 Einiges an. Aber ich darf über beinahe nichts sprechen. Anfang des Jahres war ich noch kurz überrascht, wie ruhig das Jahr werden würde, umso mehr freue ich mich jetzt natürlich und bin gespannt.

Friedrich Mücke

Kommen wir mal zu etwas Privatem. Du setzt dich für Bienen und Bauern ein?

Auf jeden Fall. In München war das eine ganz große Sache. Es geht im Grunde genommen noch viel weiter. Der ganze Artenvielfalts-Schutz steht hier im Fokus. Es ist einfach so, dass es ein großes Bienen- und Insektensterben gibt und hier setzt sich jetzt der Freistaat Bayern ein. Wir benötigen eine Millionen Unterschriften für das Volksbegehren, damit es eine Gesetzesänderung geben kann. In Bayern ist dieses Volksbegehren eine verankerte Gesetzgeschichte, die ich sehr gut finde. Bei politischen Angelegenheiten halte ich mich manchmal raus, aber in diesem Punkt empfinde ich es als meine Pflicht, unterstützend zu helfen.

Dein Instagram-Account ist beinahe schon künstlerisch. Einige Selfies, einige Set-Aufnahmen, aber eben auch einiges, was mit Musik und Leben zu tun hat. Von Eros Ramazotti bis hin zu Ambulance und weiter zu beliebigen Bildern mit deinem Kommentar: „Lies and Butterflies“. Welche Story erzählt dein Account?

Hinter meinem Account steht natürlich eine Absicht, auch wenn diese nicht auf Anhieb sichtbar oder greifbar scheint. Dies ist auf meine Person bezogen. Ich will nicht greifbar sein. Ich möchte überraschen, ich finde die Neugier viel wichtiger, als vollkommene Klarheit. Unerwartetes miteinander zu erleben ist in meinen Augen etwas Großartiges.

Wir haben auch gesehen, dass du während der Berlinale aufgelegt hast…

Eine große Leidenschaft von mir. Zusammen mit meinem DJ-Kollegen Fabian sind wir ein reines Party-DJ-Duo. Gestern haben wir zum Beispiel für die Filmbranche die Studio Babelsberg-Party im Soho House gemacht. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Was gibt dir persönlich denn die Musik?

Ich finde, du lernst beim Musikmachen etwas über dich selbst. Deshalb spielen Menschen Instrumente. Du bist selbst mit etwas in Kontakt, was kein Mensch ist. Du bist total im Kontakt mit dir selbst, wenn du alleine musizierst. Deshalb mache und liebe ich Musik. Ich konnte schon immer sehr gut zuhören. Vor allem bei Musik. Ich kann tatsächlich alle Instrumente bei einem Musikstück heraushören. Die Lyrics eines Songs waren mir persönlich nie so wichtig. Mir ging es immer um die Melodie und den Klang. Beim Thema Musik möchte ich auch greifbar sein.

Was wolltest du immer schon einmal sagen, konntest es bis jetzt aber nicht?

Man muss nicht immer eine Haltung zu etwas haben. Die Welt ist krass vielschichtig und hier und da auch sehr komplex. Dann überlegt man sich zum Beispiel politisch, nehme ich A oder B.

Dann auf einmal heißt es von allen Seiten, dass man eine Haltung haben muss und man sich positionieren müsse. Ich stelle mir das immer vor, wie das für jüngere Leute sein muss, deshalb meine Botschaft: Lasst euch ruhig etwas Zeit mit eurer eigenen Haltung. Es muss nicht immer sofort jeder wissen, wo er steht, was er macht oder warum er etwas tut. In allem muss man ein Fachmann sein. Niemand da draußen mit 20 Jahren muss schon so früh wissen, wer er ist und was er gut findet. Deshalb ist man nicht uncool. Lasst euch Zeit und genießt diese. Alles andere kommt eh von ganz allein.

Friedrich Mücke und Daniel Heilig

 

Fotos: Anne Wilk; AJOURE´ Redaktion

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