AJ Mitchell

Eigentlich kommt er aus einer kleinen Stadt namens Belleville, wo alles sehr überschaubar war. Heute lebt er in der Millionenmetropole Los Angeles und reiht sich in die lange Liste der dort lebenden Superstars ein. Auch er wird schon bald ein ganz Großer sein. Bereits heute feiern ihn Millionen Fans weltweit und nicht umsonst nennt man ihn in den Staaten „the next Justin Timberlake“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch die ersten Schritte sind gegangen und nun steht sein Debütalbum „Skyview“ in den Startlöchern. Ein Album, in dem er Geschichten verarbeitet, die ihm im Laufe seines Lebens in Belleville passiert sind, die er mitansehen musste oder durch Lebenslagen, die er durchlaufen musste. Wir haben uns mit AJ Mitchell getroffen und wollten natürlich alles genau wissen.

In deinem kurzen YouTube-Film „Life is a Grand Adventure“ sagst du: „Sometimes you can only feel something by its’ absence; by the empty space it leaves behind inside.“ Hast du davon gesprochen, nach L.A. zu ziehen, um deine Träume zu verwirklichen?

Ganz genau! Ich würde sagen, dass der Umzug nach L.A. eine der schwierigsten Entscheidungen für mich war. Besonders, da ich aus einer wirklich kleinen Stadt komme und noch nie von so vielen Menschen umgeben war. Als ich nach L.A. kam, war auf einmal alles anders und neu: So viele Menschen, verschiedene Outfits, Musik und Essen mit so unfassbar vielen Angeboten für Veganer. Ich sagte zu mir selbst: „Wo bin ich?!“ Es war anfangs alles etwas überwältigend für mich. Mir war zwar von vorneherein klar, dass es schwer werden würde, doch gleichzeitig war es so positiv aufregend, dass ich auf einmal in der Lage war, diesen Schritt nach L.A. tun zu können, um hier meine Karriere zu beginnen.

„Skyview“ ist dein Debütalbum. Wie fühlt sich die Veröffentlichung deines Albums für dich an?

Es ist das beste Gefühl der Welt. Ich habe schon einmal Singles und EPs veröffentlicht, aber in der Lage zu sein, so ein großes Werk zu veröffentlichen, ist wirklich cool. An einigen der Songs arbeitete ich für mehrere Monate, an anderen Songs allerdings sogar zwei Jahre. Es ist also an der Zeit, diese endlich zu veröffentlichen und den Liedern das Licht der Welt zu zeigen. Dieses Album bedeutet mir sehr viel, denn „Skyview“ ist ein Autokino in meiner Heimatstadt. Mit diesem Album möchte ich also erreichen, dass die Leute wissen, wer ich bin und woher ich komme. Das ist mir wirklich wichtig. Ich bin nicht nur irgendein Jugendlicher, der Musik machen will. Was die Leute wirklich vom Album mitnehmen sollen, ist, dass ich aus dieser kleinen Stadt komme. Wenn ich von woanders käme, hätte ich nicht diese Lebenserfahrung und würde Dinge vielleicht anders sehen, als ich es tue. Vielleicht wäre ich nicht einmal Songwriter geworden. Deshalb habe ich das Album „Skyview“ genannt, denn „Skyview“ verbindet das alles irgendwie miteinander.

Es ist schön, etwas zu würdigen, das so groß für dich ist. Was ist es, das deine Fans vom Album mitnehmen sollen?

Ich möchte tatsächlich, dass die Leute erfahren, wer ich bin. Für mich fühlt es sich so an, als hätte ich noch niemals zuvor über diese Seite von mir gesprochen. Damals in Belleville hatte ich einen engen Freund, der sich einer Gang angeschlossen hat. Ich habe ihn seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen. Einige Leute machen das leider. Sie verkaufen Drogen oder nehmen diese selbst. Einige wurden schwanger, bekamen Kinder und sind erst 18 Jahre alt. Das sind die Dinge, die ich in Belleville gesehen habe und die mich dazu gebracht haben, zu sagen, dass ich nicht möchte, dass dies auch mir passiert. Dennoch sind all diese Geschichten am Ende des Tages die Situationen, über die ich die ganze Zeit schreiben werde. Situationen, durch die diese Leute gingen. Mit dem Album möchte ich, dass die Leute etwas über diese Seite von mir erfahren, denn ich hatte bislang nie wirklich etwas darüber erzählt.

AJ Mitchell Interview

Du hast ja eine Menge Liebeslieder – schreibst du diese für eine bestimmte Person?

Manchmal tue ich das, ja. Über jede Beziehung, in der ich war, über jede Freundin, die ich hatte, habe ich einen Song geschrieben. Ich werde dadurch einfach sehr inspiriert, schätze ich. Ich bin mittlerweile eine lange Zeit ohne Beziehung, vor allem, da ich mit dem Schreiben von Songs beschäftigt bin und mich gerne von der Vergangenheit inspirieren lasse.

Deine Musik ist ein wenig Hip-Hop und ein bisschen Pop. Doch die Künstler, die dich für dein Album inspirierten, decken sehr viele verschiedene Genres ab. Wer inspirierte dich denn am meisten?

Für dieses Album habe ich mich insbesondere von Phil Collins inspirieren lassen, zumindest vom Produktionsstandpunkt her. Ich liebe seinen Einsatz von großen Trommeln. Auf der R&B-Seite würde ich sagen, hatte ich Inspiration durch Justin Timberlake, Timbaland und auch die heutigen Top Fünf. Es ist sogar ein wenig Chris Brown-Sound auf dem Album zu hören. Wie du siehst, lasse ich mich echt überall inspirieren. Am liebsten schreibe ich Musik, die ich auch selbst gerne höre, wie Hip-Hop, Pop, R&B, Zeitgenössisches, altes 80er Jahre Zeug und sogar manchmal klassische Musik. Ich mag es, all das als Inspiration zu nutzen und es in meine Musik zu integrieren. Auf diesem Album wird einfach all das zu hören sein.

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Kannst du dich auch noch daran erinnern, wer es war, der dich schon so früh zum Musik machen inspiriert hat?

Ich würde sagen, ich war ziemlich inspiriert von meinem Vater. Zu dieser Zeit lernte er, wie man Lieder schreibt und Klavier spielt. Das zu sehen, hat mich wirklich inspiriert und auch ich wollte diese Dinge auf einmal tun. Als ich vier Jahre alt war, fing ich an, Klavier zu spielen. Mit sechs Jahren habe ich bereits Lieder geschrieben. Es wurde einfach zu einem Hobby von mir, etwas, das ich jeden Tag gerne tat. Vor der Schule, nach der Schule… Ich konnte die Finger einfach nicht davon lassen! Mein Vater spielte immer Lieder und schrieb Musik. Meine Mutter ist zwar keine Songwriterin und spielt auch nicht zwingend Instrumente, doch sie hörte den ganzen Tag Radio. Auch meine beiden Schwestern singen sehr gut. Ich bin also in einem sehr musikalischen Haushalt aufgewachsen, was wohl der Grund für meinen jetzigen Beruf ist.

Leben deine Eltern mittlerweile auch in Los Angeles?

Sie leben jetzt in LA, ja. Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich die große Chance, hier herzuziehen und ich entschied mich, das auch zu tun. Hier lebte ich dann schließlich mit einer Gruppe von Social-Media-Influencern.

Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich das nicht mehr möchte, denn ich wollte nicht mit Leuten zusammen wohnen, die mich auf die Vorteile von Social-Media reduzieren. Ich wollte, dass die Leute mich ernstnehmen. So beschloss ich also, einen anderen Weg zu gehen, traf meinen Manager und hatte eineinhalb Jahre später meinen Vertrag mit Epic unterschrieben. Das war auch der Moment, in dem meine Eltern nach L.A. zogen.

Du hast am 7. Dezember in Chicago gespielt. War das eine besondere Show für dich, da du ja aus Illinois kommst?

Das war es, ja! Ich habe tatsächlich ein paar Freunde, die extra zu mir gekommen sind. Nach der Show sind wir gemeinsam ausgegangen und haben die Zeit genossen. Ein perfekter Ort für eine perfekte Nacht also.

AJ Mitchell im Interview

Aber deine Fans kommen inzwischen aus der ganzen Welt – von den Philippinen über Europa, bis nach New York und weiter zur Westküste der Vereinigten Staaten. Wie fühlt es sich an, in der ganzen Welt bekannt zu sein?

Manchmal ist es so surreal. Es ist wirklich ziemlich verrückt und ehrlich gesagt fühlt es sich solange nicht echt an, bis ich bei einer Show bin oder ein Konzert gebe. Neulich hatte ich meinen ersten internationalen Auftritt in London. Es war wirklich cool, weil ich endlich die Fans von dort kennenlernen konnte. Davor habe ich sie nur in den sozialen Medien gesehen. Sie waren irgendwie nur Online-Namen, doch auf einmal konnte ich sie persönlich sehen und dieses reale Gefühl war überwältigend.

Wird es auch eine Welt-Tournee geben?

Hoffentlich nächstes Jahr! Zumindest ist dies mein Ziel, denn mein größter Wunsch ist es, mit meinen Songs die Welt zu bereisen.

Wie bleibt man bei all Trubel und Erfolg geerdet und mit beiden Beinen am Boden, ohne abzuheben?

Ich halte meinen Freundeskreis klein und hänge im Prinzip nur mit diesem Leuten ab. Gerade ist einer meiner engsten Freunde von Belleville nach L.A. gezogen, wo-
rüber ich natürlich sehr froh bin, denn es ist schön, ihn in meiner Nähe zu haben. Er würde mir sagen: „Bruder, du bist ein Idiot.“ Er hält mich sozusagen am Boden, so wie auch meine Eltern dies tun.

Du hast damals damit angefangen, Cover auf YouTube sowie auf lokalen Open-Mic-Veranstaltungen zu spielen. Welchen Song hast du am liebsten gecovert?

Ein Cover, das ich oft mache, ist „Issues“ von Julia Michaels. Das ist einer meiner Favoriten. Ich würde aber auch sagen, dass ich dieses Jahr oft Louis Capaldis „Someone You Loved“ gecovert habe. Das ist ein Song, den ich gerne in einige meiner Sets einbaue.

Warum die beiden?

Ich denke, die beiden sind einfach tolle Songs. Zum einen kann ich meine Stimme präsentieren, aber zur selben Zeit liebe ich es, sie zu singen.

Du hast kürzlich mit Ava Max an „Slow Dance“ gearbeitet. Wie war das?

Wir wollten tatsächlich, dass dieser Song ein Duett wird. Es ist ein solch intimer Song, der eine kraftvolle zweite Sängerin benötigt. Also haben wir ihr den Song geschickt und sie hat uns ein Demo zurückgeschickt. Sie klang unglaublich – ein wenig wie Christina Aguilera! Ihre Stimme passte perfekt zu meiner, weshalb wir den Song dann genau so durchgezogen haben. Es war großartig.



Lieber AJ, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf das nächste Treffen.

 

Fotos: Epic Records Germany