Simp

Weißer Ritter oder Pantoffelheld? Der Simp einfach erklärt. Was früher als Friendzone galt und sowohl in den Medien als auch im Alltag humorvoll thematisiert wurde, trägt heute einen neuen Namen mit bitterem Beigeschmack: Ein Simp, in Verbform auch „simpen“, ist ein Mann, der sich – ob im Netz oder auch im realen Leben – den Bedürfnissen und Wünschen einer Frau unterwirft. Dabei hofft er, dass er sie auf diese Weise für sich gewinnen kann.

Woher kommt der Begriff „Simp“ eigentlich?

Simp lässt sich vom englischen Wort „simple“ ableiten und beschreibt umgangssprachlich einen Trottel oder Einfaltspinsel. Der Begriff ist dabei negativ zu deuten und meint einen Mann, der bereit ist, für eine Frau alles zu tun, und im Gegenzug sexuelle oder auch romantische Gefälligkeiten erwartet. Das Problem dabei: Er wird die Frau niemals bekommen.

Die Merkmale eines Simps

Er mag die Frau nicht nur, sondern er idealisiert sie geradezu. Sie ist die Schönste, die Beste, die Klügste für ihn und kann dabei nie im Unrecht liegen. Dabei gibt er sich besonders viel Mühe, um sie zu erobern, und geht gerne die Extrameile. Auch stellt er sich gegen andere Männer, wenn es um die Frau geht, und spielt hierbei gerne den Ritter für sie.

Dabei merkt er nicht, dass die Frau ihn (vielleicht) gar nicht haben will. Sollte er es doch merken, strengt er sich umso mehr an und ist mit ihr immer einverstanden – dabei ist es egal, worum es geht. Auch findet er es nicht schlimm, wenn sie seine „weiche Seite“ sieht und für sich zum Vorteil ausnutzt, denn er handelt ganz nach dem Prinzip: Slow and steady wins the race. Wird die Frau seiner Träume mal kritisiert, fühlt er praktisch mit ihr und hält es kaum aus.

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Doch leider bleibt sein Triumpf aus. Die Frau entscheidet sich nicht für ihn, ist ihm jedoch aufrichtig dankbar für seine tapfere Ritterlichkeit. Auch ruft sie ihn gerne mal in der Nacht an, um sich bei ihm auszuheulen, wenn ihr wieder einmal das Herz gebrochen wurde. Bei anderen Frauen ist er für seine hartnäckigen, wenn auch erfolglosen Flirtversuche bekannt.

Warum ein Simp so unbeliebt ist

Freundlichkeit an sich ist kein Verbrechen und ein Mann ist nicht gleich ein Simp, wenn er der Frau respektvoll und zuvorkommend begegnet. Jedoch gibt es genau hier einen gravierenden Unterschied: Simps sind nicht freundlich, weil das ihrem eigentlichen Naturell entspricht oder sie von bestimmten Werten überzeugt sind, sondern weil sie sich am Ende immer eins erhoffen: sexuelle oder romantische Zuneigung. Sie wollen für ihre Mühe und Arbeit in Form von Liebe belohnt werden und glauben, ihnen stehe diese Liebe auch zu.

In Extremfällen kann dieses Verhalten krankhafte Züge annehmen. Gefährlich wird es, wenn der Simp die Frau plötzlich nicht mehr idealisiert, sondern entwertet und damit anfängt, sie zu stalken und zu belästigen. Auch innerhalb einer Beziehung können solche Dynamiken entstehen. In manchen Fällen akzeptiert der Simp nicht, dass die Frau seiner Träume kein Interesse an ihm hat oder womöglich bereits vergeben ist. Er wird alles daran setzen, sie davon zu überzeugen, dass genau er der Richtige für sie ist und sie sich aus diesem Grund für ihn entscheiden muss.

Missbrauch des Begriffs

Das Pendant zum Wort „Simp“ ist „Pimp“ und meint einen Mann, dem sich die Frauen unterwerfen sollen, weil er den Spieß umgedreht hat. Dabei wenden sich Anhänger der antifeministischen Männerbewegung von „verweiblichten“ Dingen wie Ehe oder Familie ab und kehren dem weiblichen Geschlecht absichtlich den Rücken zu, weil sie sich der vermeintlichen Unterdrückung widersetzen wollen. In diesem Kontext werden nahezu alle Männer als Simps bezeichnet, die die Frau grüßen oder ihr die Tür aufhalten.

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Wie der Ausdruck Simp berühmt wurde

Simp

In den meisten Fällen ist der Begriff Simp harmlos und bezeichnet einfach einen Mann, der sich der Frau absichtlich unterwirft, weil er auf ihre Liebe und Zuneigung hofft. Er überhäuft sie mit Komplimenten und verhilft ihr absichtlich zu Vorteilen. Soweit also die Theorie.

Auf der Streaming-Plattform Twitch ist der Begriff zum ersten Mal aufgetaucht, weil sich dort Männer Zuneigung von Frauen in Form von Geld und Geschenken erhofften. Den kompletten Sachverhalt zu erklären, würde ewig dauern. Deshalb haben wir hier eine gekürzte Variante für dich zusammengefasst.

Die marokkanisch-kanadische Streamerin „Pokimane“ steht im Zentrum der Debatte. Der YouTuber „It’sAGundam“ hatte ein Video veröffentlicht, indem er die Art und Weise, wie Pokimane ihren Stream führt, kritisiert. Größtenteils konstruktiv, jedoch auch nicht 100% sachlich. Daraufhin hat Pokimane öffentlich in ihrem Stream den YouTuber It’sAGundam schlecht gemacht und ihn sogar einen großen Sponsor gekostet, der It’sAGundam einen sehr anständigen Betrag eingebracht hätte.

Diese Situation hat alles losgetreten. Es folgten zahlreiche Videos von anderen YouTubern, ein regelrechter YouTube vs. Twitch Krieg, Drama um Pokimanes angeblichen festen Freund, den sie geheim hält, damit sie „die Simps besser ausnutzen kann“ und eine völlig neue Unterart der Simps: der „Tier-3 Sub“.

Auf Twitch kannst du inzwischen auswählen, welche Stufe an Abonnement du für einen Creator abschließen möchtest. Tier-3 ist die höchste Stufe und kostet natürlich am meisten Geld. Dafür bekommt der Zuschauer zusätzliche Emotes im Chat und kann sich mehr von der Masse abheben, um erkennbar zu machen, dass er ein loyaler Fan ist.

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Die Bezeichnung „Tier-3 Sub“ ist in diesem Kontext abwertend gemeint und diente vielen Leuten als Pauschalbeleidigung während des Dramas. Pokimane hatte zwischendurch eine Pause vom Streamen eingelegt, ist aber aktuell wieder zurück.

Und wie sieht es bei den Frauen aus?

Obwohl einige der Ansicht sind, der Begriff Simp sei sexistisch und würde behaupten, Männer könnten sich die Liebe und Zuneigung von Frauen erkaufen, war das Wort ursprünglich geschlechtsneutral. Denn auch Frauen können simpen und sich die Zuneigung von Männern erkaufen.

Im Netz legen jedoch alle den Begriff unterschiedlich aus. Dem Urban Dictionary nach ist „Simp“ eine Abkürzung für „S.uckas I.dolizing M.ediocre P.ussy“. Somit legen Männer von vornherein fest, welche Frau es wert ist, umgarnt oder verführt zu werden, und welche nicht. Einige stören sich (zurecht) auch daran, dass mit „Pussy“ Frauen im Allgemeinen bezeichnet werden.

Tausend Namen, tausend Memes

Ob Nice Guy, Weißer Ritter oder Pantoffelheld: Der Simp trägt viele Namen, die jedoch alle dasselbe Verhalten beschreiben. Die Frau wird gezielt idealisiert, weil er glaubt, sie somit erobern zu können. Die für ihn traurige Wahrheit ist: Er wird sie niemals kriegen, kann aber wenigstens als Grundlage für witzige Memes der Generation Z dienen.

 

Bilder: wutzkoh, Anton / stock.adobe.com