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Gretsch Renegade RGE625BM im Test: Wie viel Schlagzeug bekommt man für rund 500 Euro?

Fünf Trommeln, komplette Hardware, Hocker und Becken: Das Gretsch Renegade verspricht den unkomplizierten Einstieg ins akustische Schlagzeugspiel. Unser ausführlicher Check zeigt, warum die eigentlichen Trommeln deutlich mehr können, als der Preis vermuten lässt – und an welcher Stelle Gretsch besonders konsequent gespart hat.

Ein akustisches Schlagzeug zu kaufen, klingt zunächst einfach. Bassdrum, Snare, ein paar Toms – fertig. In der Realität beginnt die Kostenrechnung damit jedoch erst. Hinzu kommen Becken, Ständer, Bassdrumpedal, Hi-Hat-Maschine, Hocker, Sticks und je nach Set sogar noch die Tomhalterung.

Genau an dieser Stelle setzt das Gretsch Renegade RGE625BM an. Das fünfteilige Komplettset soll praktisch alles enthalten, was Einsteiger für die ersten Grooves, Proben und Band-Sessions benötigen. Das Versprechen: auspacken, aufbauen, stimmen und losspielen.

Mit einem regulären deutschen Marktpreis von rund 500 Euro pro Set bewegt sich das Renegade deutlich unter vielen etablierten Einsteiger-Komplettsets. Zum Lieferumfang gehören nicht nur die fünf Trommeln, sondern auch Hardware, Hocker, Sticks sowie ein kleines Messing-Beckenset.

Doch kann ein derart umfassendes Paket zu diesem Preis mehr sein als eine kurzfristige Anfängerlösung?

Gretsch Renegade RGE625BM Black Mist als komplettes fünfteiliges Drumset

Gretsch-Tradition zum Einsteigerpreis

Gretsch gehört zu den traditionsreichsten Namen der Schlagzeugwelt. Die Marke blickt auf mehr als 140 Jahre Geschichte zurück und ist vor allem für ihre hochwertigen USA-Custom-, Broadkaster-, Brooklyn- und Renown-Serien bekannt. Das Renegade darf mit diesen Instrumenten allerdings nicht verwechselt werden: Es handelt sich ausdrücklich um eine preisgünstige Einsteigerlinie, die den Markennamen und einige typische Designelemente in ein deutlich niedrigeres Preissegment überträgt.

Das ist zunächst weder ungewöhnlich noch problematisch. Entscheidend ist, ob Gretsch nur ein Logo auf ein beliebiges Billigset setzt oder ob Konstruktion, Größenwahl und Hardware tatsächlich sinnvoll zusammengestellt wurden.

Die Antwort fällt erfreulich deutlich aus: Die eigentlichen Trommeln bilden eine ernst zu nehmende Grundlage. Die größten Kompromisse liegen weniger beim Kesselsatz als beim Zubehör – vor allem bei den Becken.

Gretsch Renegade RGE625BM Black Mist im seitlichen Produktfoto

Warum wir das Gretsch Renegade gleich zweimal getestet haben

Für unseren Praxistest haben wir nicht nur ein, sondern zwei identische Gretsch-Renegade-Sets eingesetzt. Der Grund dafür liegt im musikalischen Einsatzgebiet: Das Schlagzeug sollte unter realistischen Bedingungen in einer Metal-Band getestet werden, die mit einem klassischen Double-Bass-Setup arbeitet.

Statt einer einzelnen zweiten Bassdrum wurden zwei vollständige Renegade-Kits angeschafft. So ließ sich ein symmetrisches Setup mit zwei 22-Zoll-Bassdrums aufbauen, wie es insbesondere im Heavy-, Thrash- und klassischen Metal häufig verwendet wird. Gegenüber einer einzelnen Bassdrum mit Doppelpedal bietet diese Konfiguration nicht nur die charakteristische Optik, sondern auch zwei unabhängig schwingende Kessel und damit ein anderes Spielgefühl.

Die zusätzlichen Toms und Hardwarekomponenten ermöglichten außerdem eine größere, individuell angepasste Konfiguration. Gleichzeitig konnten beide Sets hinsichtlich Verarbeitung, Gleichmäßigkeit der Kessel, Hardwarequalität und Praxistauglichkeit miteinander verglichen werden. Das war besonders interessant, weil sich bei sehr preisgünstigen Serieninstrumenten mitunter deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Exemplaren zeigen können.

Beide getesteten Sets erwiesen sich dabei als vergleichbar verarbeitet und konnten ohne grundlegende technische Probleme zu einem großen Metal-Drumkit kombiniert werden. Es handelt sich dabei um einen praktischen Testeinsatz, nicht um einen über Monate angelegten Langzeittest.

Der reguläre Verkaufspreis liegt bei rund 500 Euro pro Komplettset. Damit kostet ein solches Double-Bass-Setup auf Basis von zwei Renegade-Kits rund 1.000 Euro – inklusive zweier vollständiger Kesselsätze, zweier Hardwarepakete, zweier Hocker und der mitgelieferten Einsteigerbecken.

Gretsch Renegade RGE625BM mit Bassdrum, Toms, Snare, Hi-Hat und Becken

Technische Daten des Gretsch Renegade RGE625BM

BestandteilGröße und Ausführung
Bassdrum22 x 16 Zoll
Racktom 110 x 7 Zoll
Racktom 212 x 8 Zoll
Floortom16 x 14 Zoll
Snaredrum14 x 5 Zoll
KesselmaterialPappel laut aktuellen europäischen Händlerangaben
KesseloberflächeFolienfinish in Black Mist
SpannreifenDreifach geflanschte Stahlspannreifen
KesselhardwareVerchromt
TomhalterungDoppel-Tomhalter auf der Bassdrum
Hi-Hat13 Zoll Messing
Crash/Ride15 Zoll Messing
HardwareBassdrumpedal, Hi-Hat-Ständer, Snareständer, gerader Beckenständer
ZusätzlichDrumhocker und Sticks
ModellnummerRGE625BM beziehungsweise GR801050

Gretsch selbst führt auf der aktuellen Produktseite die Kesselgrößen, Hardware, klassischen Gretsch-Spannböckchen und das Logo-Frontfell auf. Mehrere aktuelle europäische Fachhändler spezifizieren zusätzlich Pappelkessel, dreifach geflanschte Stahlspannreifen und eine folierte Oberfläche.

Ein wichtiger Hinweis zur Modellgeschichte

Bei der Recherche zum Renegade stößt man auf widersprüchliche Angaben. Einige ältere Produktseiten nennen Lindenholz beziehungsweise Basswood, teilweise ein 18-Zoll-Crash/Ride sowie Remo-Felle. Die aktuelle europäische Ausführung wird dagegen überwiegend mit Pappelkesseln, 13-Zoll-Hi-Hats und einem 15-Zoll-Crash/Ride angeboten.

Auch Nutzerbewertungen unter der Modellbezeichnung RGE625 reichen bis mindestens 2012 zurück, obwohl Gretsch die Renegade-Reihe Ende 2023 erneut als neue Einsteigerlinie vorgestellt hat. Offenbar wurde die Serie überarbeitet oder neu aufgelegt, während die grundsätzliche Modellbezeichnung erhalten blieb. Alte Erfahrungsberichte sind daher nur bedingt auf die aktuelle Version übertragbar.

Für diesen Testbericht beziehen wir uns auf die aktuelle europäische RGE625BM-Ausführung mit 15-Zoll-Crash/Ride. Bei der Zahl der Kessellagen und der Marke der serienmäßigen Felle sollte man sich nicht auf ältere Shoptexte verlassen.

Gretsch Renegade RGE625BM Black Mist mit verchromter Hardware

Design: Erwachsener Auftritt statt Spielzeugoptik

In der Farbe Black Mist präsentiert sich das Renegade angenehm zurückhaltend. Die schwarzen, folierten Kessel, die verchromte Hardware und das große Gretsch-Logo auf dem weißen Frontfell ergeben eine klassische Rock-Optik. Das Set wirkt nicht wie ein verkleinertes Kinderschlagzeug, sondern wie ein reguläres Full-Size-Drumkit.

Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Gerade junge Spieler verlieren schnell die Motivation, wenn ihr erstes Instrument schon optisch nach einem Übergangsprodukt aussieht. Das Renegade vermittelt dagegen das Gefühl, hinter einem richtigen Schlagzeug zu sitzen.

Die Folierung ist in dieser Preisklasse eine sinnvolle Entscheidung. Ein hochwertiges Lackfinish würde das Set verteuern und wäre im Alltag empfindlicher. Die Folie ist pflegeleicht, unproblematisch im Proberaum und verzeiht kleinere Berührungen beim Auf- und Abbau eher als eine aufwendige Hochglanzlackierung.

Die klassischen Gretsch-Spannböckchen und das markante Logo sorgen zudem für einen hohen Wiedererkennungswert. Natürlich darf man die Detailverarbeitung nicht mit einem Gretsch Renown oder USA Custom vergleichen. Innerhalb seiner Preisklasse wirkt das Renegade jedoch erstaunlich erwachsen und geschlossen.

Gretsch Renegade RGE625BM Detailansicht der Kessel und Spannböckchen

Kessel und Konstruktion

Aktuelle europäische Händler führen das Renegade mit Pappelkesseln. Pappel ist im Einsteigersegment weit verbreitet, weil sich damit robuste und musikalisch brauchbare Kessel zu vertretbaren Kosten herstellen lassen. Klanglich darf man keine besonders komplexen Obertöne oder die ausgeprägte Projektion hochwertiger Ahorn- oder Birkenkessel erwarten. Dafür liefert Pappel einen eher runden, unkomplizierten Grundcharakter, der sich für Pop, Rock und zahlreiche moderne Stilrichtungen gut formen lässt.

Ein Fachhändler beschreibt die Kessel als neunlagig und nennt 45-Grad-Gratungskanten. Da Gretsch diese beiden Angaben auf der aktuellen eigenen Produktseite nicht aufführt, sollte man sie nicht als weltweit verbindliche Spezifikation jeder Renegade-Generation betrachten. Für die derzeit angebotene europäische Version werden sie jedoch von mehreren Händlern übereinstimmend genannt.

Die dreifach geflanschten Stahlspannreifen sind in dieser Klasse eine gute Wahl. Sie sind leichter und offener klingend als schwere Gussreifen und erlauben den Kesseln genügend Schwingung. Gleichzeitig sind sie stabil genug für den normalen Unterrichts-, Proberaum- und Hobbyeinsatz.

Eine Stimmsicherung oder besonders aufwendige Kesselhardware bietet das Renegade nicht. Das wäre bei diesem Preis auch überraschend. Eine saubere Grundstimmung sollte dennoch stabil bleiben, sofern die Spannschrauben gleichmäßig angezogen werden und das Set nicht permanent extremen Temperatur- oder Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist.

Gretsch Renegade RGE625BM Black Mist als Einsteiger-Drumset

Die Größenwahl: Vollwertige Rock-Konfiguration

Die Zusammenstellung aus einer 22 x 16 Zoll großen Bassdrum, zwei flachen Racktoms in 10 und 12 Zoll sowie einem 16-Zoll-Floortom entspricht einer klassischen Rock- und Pop-Konfiguration.

Gretsch bezeichnet die flacheren Racktoms als Quick Sizes. Das 10-Zoll-Tom ist sieben Zoll tief, das 12-Zoll-Tom acht Zoll. Dadurch lassen sich beide Trommeln niedriger und ergonomischer über der Bassdrum positionieren als tiefe Power-Toms. Das ist für kleinere Spieler hilfreich, kommt aber ebenso Erwachsenen zugute, die eine kompakte und flache Anordnung bevorzugen.

Die 22-Zoll-Bassdrum macht das Set dennoch zu einem vollwertigen Erwachsenen-Kit. Sehr junge oder besonders kleine Spieler können mit einer 20-Zoll-Bassdrum ergonomisch besser zurechtkommen. Wer dagegen Rock, Punk, Metal, Alternative oder druckvollen Pop spielen möchte, wird die größere Bassdrum zu schätzen wissen.

Das 16-Zoll-Floortom ergänzt die beiden kleineren Toms sinnvoll. Zwischen 10, 12 und 16 Zoll entsteht ein deutlich abgestufter Tonhöhenverlauf. Gerade bei Rock-Fills wirkt ein 16-Zoll-Floortom erheblich erwachsener und voluminöser als die 14-Zoll-Varianten vieler kompakter Einsteigersets.

Gretsch Renegade RGE625BM Komplettset mit Zubehör und Becken

Aufbau und Ergonomie

Das Renegade wird mit einer auf der Bassdrum montierten Doppel-Tomhalterung geliefert. Die kurzen Toms lassen sich dadurch relativ flexibel ausrichten. Für eine gesunde Spielhaltung sollten sie möglichst flach und nah beieinander positioniert werden. Stark geneigte Toms sehen zwar auf manchen Einsteigerfotos spektakulär aus, erschweren aber saubere Rebounds und führen häufiger zu ungewollten Rim-Treffern.

Die mitgelieferte Hardware wird von aktuellen Händlern als doppelstrebig beschrieben. Das ist für ein Set dieser Preisklasse ein Pluspunkt. Doppelstrebige Beine erhöhen die Standfestigkeit von Snare-, Hi-Hat- und Beckenständer, bringen allerdings etwas mehr Gewicht mit sich.

Der Lieferumfang enthält:

  • einen Snareständer,
  • eine Hi-Hat-Maschine,
  • einen geraden Beckenständer,
  • ein Bassdrumpedal,
  • einen Drumhocker,
  • einen Doppel-Tomhalter,
  • ein Paar Sticks.

Damit ist das Set grundsätzlich sofort spielbar. Was fehlt, ist ein zweiter Beckenständer. Sobald ein separates Ride- und Crashbecken hinzukommen, muss mindestens ein weiterer Ständer oder ein Beckenarm angeschafft werden.

Der Hocker erfüllt seinen Zweck, sollte aber korrekt eingestellt und regelmäßig auf festen Sitz geprüft werden. Ein schlechter oder wackeliger Hocker wirkt sich unmittelbar auf Balance, Pedalkontrolle und Körperhaltung aus. Wer täglich lange übt, wird möglicherweise früher in einen hochwertigeren Sitz investieren als in ein neues Bassdrumpedal.

22-Zoll-Bassdrum des Gretsch Renegade RGE625BM Black Mist

Die Bassdrum: Mehr Fundament als erwartet

Eine 22 x 16 Zoll große Bassdrum ist ein bewährter Allrounder. Sie verbindet ausreichend Luftvolumen und Tiefbass mit einer noch gut kontrollierbaren Kesseltiefe. Im Vergleich zu besonders tiefen 18- oder 20-Zoll-Bassdrums reagiert sie schneller und benötigt weniger Kraft, um einen klaren Impuls zu erzeugen.

Im serienmäßigen Zustand hängt der Klang stark von Stimmung und Dämpfung ab. Ein günstiges, ungedämpftes Schlagfell kann schnell zu viel Nachklang und einen etwas undefinierten Basketball-Ton produzieren. Das ist jedoch nicht automatisch ein Problem des Kessels.

Mit gleichmäßiger Fellspannung, einer kleinen Dämpfung im Inneren und einem kontrollierten Schlagfell lässt sich die Bassdrum auf einen kompakten, rocktauglichen Punch trimmen. Für Pop, Rock, Punk, Alternative und erste Metal-Proben bietet sie genügend Fundament. Für Jazz oder sehr leise Akustik-Sessions ist die 22-Zoll-Konfiguration weniger ideal, aber auch nicht dafür konzipiert.

Wer später aufrüsten möchte, erzielt mit einem vorgedämpften Bassdrumfell besonders viel Wirkung. Ein Remo Powerstroke P3 ist beispielsweise auf fokussierte Mitten und Bässe sowie kontrollierte Obertöne ausgelegt. Evans bietet mit dem EMAD-System eine verstellbare äußere Dämpfung, mit der Attack, Sustain und Fokus verändert werden können.

Racktom-Setup des Gretsch Renegade RGE625BM mit 10- und 12-Zoll-Tom

Die Racktoms: Kurze Kessel, schnelle Ansprache

Die Kombination aus 10 x 7 und 12 x 8 Zoll ist eine der Stärken des Sets. Die kurzen Kessel sprechen schnell an, lassen sich ergonomisch positionieren und liefern eine klare Trennung zwischen den beiden Tonhöhen.

Das 10-Zoll-Tom bringt einen hellen, fokussierten Attack. Das 12-Zoll-Tom ergänzt mehr Körper und bildet den Übergang zum großen Floortom. Bei sauberer Stimmung entsteht ein musikalisch sinnvoller Verlauf, ohne dass sich die Trommeln gegenseitig in die Quere kommen.

Die serienmäßigen Felle bilden vermutlich den größten limitierenden Faktor. Günstige einlagige Werksfelle können durchaus brauchbar klingen, reagieren aber empfindlicher auf unsaubere Stimmung und erzeugen häufig ausgeprägtere Obertöne.

Ein Wechsel auf doppellagige Tomfelle lohnt sich insbesondere für Rockmusik. Remo Emperor Clear bestehen aus zwei Lagen mit jeweils sieben Mil Stärke und sind auf Attack, Projektion und Haltbarkeit ausgelegt. Evans G2 Clear verfolgen mit zwei sieben Mil starken Lagen ein ähnliches Konzept und sollen Tiefe, Sustain und Attack miteinander verbinden.

Der entscheidende Punkt: Die Kessel müssen nicht ersetzt werden, um einen deutlich professionelleren Klang zu erhalten. Gute Felle und eine sorgfältige Stimmung holen aus dem Renegade erheblich mehr heraus.

Gretsch Renegade RGE625BM Floortom in Black Mist

Das Floortom: Der heimliche Star des Sets

Das 16 x 14 Zoll große Floortom sorgt für die notwendige Tiefe. In vielen günstigen Sets wird an dieser Stelle ein kleineres 14-Zoll-Modell verbaut. Das spart Platz und Material, wirkt im Rock-Kontext jedoch häufig weniger mächtig.

Das Renegade-Floortom besitzt genügend Durchmesser für ein solides Low-End, bleibt durch die moderate Tiefe von 14 Zoll aber relativ direkt. Richtig gestimmt kann es sowohl offen und resonant als auch kurz und kontrolliert eingesetzt werden.

Gerade mit einem doppellagigen Schlagfell dürfte das Floortom erheblich größer und souveräner klingen, als der Anschaffungspreis des gesamten Sets erwarten lässt. Für Rock-Fills, schwere Achtelgrooves und tomlastige Übergänge ist die 16-Zoll-Trommel klar die richtige Entscheidung.

Gretsch Renegade RGE625BM Snaredrum mit Ständer

Die Snaredrum: Funktional, direkt und ausbaufähig

Die passende Holzsnare misst 14 x 5 Zoll. Damit fällt sie etwas flacher aus als viele moderne 5,5- oder 6,5-Zoll-Snares.

Der Vorteil liegt in einer schnellen, direkten Ansprache. Rimshots und Backbeats können sich gut durchsetzen, ohne dass die Trommel übermäßig viel tiefes Volumen erzeugt. Für Pop, Punk, Funk und geradlinigen Rock ist das grundsätzlich passend.

Die Grenzen zeigen sich beim Wunsch nach besonders viel Körper, Tiefe oder breitem Studio-Sound. Eine fünf Zoll tiefe Einsteigersnare besitzt nicht dieselbe Autorität wie eine hochwertige 14 x 6,5 Zoll große Stahl-, Messing- oder Ahornsnare.

Trotzdem ist sie keineswegs nutzlos. Mit einem guten beschichteten Schlagfell, sauber ausgerichtetem Snareteppich und gleichmäßiger Stimmung kann sie einen klaren, präsenten Backbeat liefern. Erst wenn der Spieler einen konkreten anderen Snarecharakter sucht, wird der Kauf einer separaten Snare wirklich sinnvoll.

Gretsch Renegade RGE625BM mit 13-Zoll-Hi-Hat und 15-Zoll-Crash-Ride

Die Becken: Der deutlichste Kompromiss

Zum aktuellen Renegade gehören eine 13-Zoll-Hi-Hat und ein 15-Zoll-Crash/Ride aus Messing. Damit kann ein Anfänger sofort grundlegende Grooves, Hi-Hat-Figuren, Crash-Akzente und einfache Ride-Patterns spielen. Genau dafür sind die Becken gedacht.

Musikalisch sind sie jedoch der schwächste Teil des Pakets.

Das kleine 15-Zoll-Becken soll gleichzeitig Crash und Ride ersetzen. Als Crash reagiert es schnell und nimmt wenig Platz ein. Als Ride fehlt ihm jedoch die Fläche und Masse eines regulären 20-Zoll-Rides. Eine klare Glocke, ein definierter Stick-Sound und ein tragfähiger Ride-Teppich sind daher nur eingeschränkt zu erwarten.

Auch die 13-Zoll-Hi-Hat erfüllt zunächst ihren Zweck, bietet aber weniger klangliche Tiefe und Dynamik als eine bessere 14-Zoll-Hi-Hat. Günstige Messingbecken neigen zudem zu einem kurzen, härteren und weniger komplexen Klang als hochwertige Bronzelegierungen.

Erfahrungsberichte zum RGE625 loben wiederholt die Trommeln und die Hardware, kritisieren aber ebenso regelmäßig die serienmäßigen Becken. Weil auf denselben Bewertungsseiten teilweise ältere Renegade-Versionen mit anderen Beckengrößen zusammengefasst werden, sind diese Aussagen nicht eins zu eins als Test der aktuellen Becken zu verstehen. Die grundsätzliche Tendenz ist dennoch eindeutig: Die Becken sind als Startlösung brauchbar, aber der erste ernsthafte Upgrade-Kandidat.

Hardware des Gretsch Renegade RGE625BM mit Beckenständer und Hi-Hat-Maschine

Die Hardware: Besser als eine reine Zugabe

Günstige Komplettsets scheitern häufig nicht an den Trommeln, sondern an instabilen Ständern, rutschenden Tomhaltern oder schwergängigen Pedalen. Beim Renegade fällt die Hardware nach den verfügbaren Händlerangaben und Nutzerberichten erfreulich solide aus.

Die Ständer sind funktional, höhenverstellbar und laut Fachhändler doppelstrebig ausgeführt. Auch das Bassdrumpedal wird in Erfahrungsberichten positiver bewertet, als man es bei einem kompletten Set dieser Preisklasse erwarten würde.

Das bedeutet nicht, dass die Hardware professionellen Tourbetrieb über Jahre hinweg ohne Verschleiß überstehen wird. Für Unterricht, tägliches Üben, regelmäßige Bandproben und gelegentliche kleinere Auftritte sollte sie jedoch ausreichend sein.

Besonders wichtig ist die richtige Bedienung: Flügelschrauben müssen fest, aber nicht mit Gewalt angezogen werden. Überdreht man Gewinde oder Klemmen regelmäßig, kann auch gute Einsteigerhardware frühzeitig Schaden nehmen.

Stimmen statt sofort austauschen

Ein günstiges Schlagzeug klingt nach dem Aufbau fast nie automatisch gut. Das liegt häufig weniger an den Kesseln als an einer ungleichmäßigen Fellspannung.

Vor dem Kauf neuer Felle sollte das Renegade deshalb gründlich gestimmt werden:

Jede Spannschraube wird zunächst handfest angezogen. Anschließend arbeitet man über Kreuz und erhöht die Spannung in kleinen Schritten. Die Tonhöhe sollte an jeder Spannschraube möglichst ähnlich sein. Erst danach werden Schlag- und Resonanzfell aufeinander abgestimmt.

Bei den Toms empfiehlt sich für Rock ein mittleres bis eher tiefes Tuning, ohne dass die Felle völlig schlaff werden. Die Snare benötigt ein deutlich strafferes Resonanzfell, damit der Snareteppich präzise reagiert. Die Bassdrum sollte nicht übermäßig gedämpft werden; ein kleines Kissen oder ein schmaler Dämpfer mit leichtem Fellkontakt reicht häufig aus.

Ein schlecht gestimmtes 2.000-Euro-Set kann unangenehmer klingen als ein sauber gestimmtes Renegade. Umgekehrt können auch hochwertige Felle eine fehlerhafte Grundstimmung nicht vollständig retten.

Wie laut ist das Gretsch Renegade?

Das Renegade ist ein vollwertiges akustisches Schlagzeug und entsprechend laut. Die 22-Zoll-Bassdrum, das 16-Zoll-Floortom und eine offen gespielte Snare erzeugen Pegel, die in einer normalen Mietwohnung problematisch sind.

Das Set eignet sich daher primär für:

  • einen Proberaum,
  • ein freistehendes Haus mit geeigneter Schallisolierung,
  • eine Musikschule,
  • einen Übungsraum,
  • eine Bühne oder einen Veranstaltungsraum.

Für leises Üben können Meshheads, Low-Volume-Becken oder Dämpfungspads eingesetzt werden. Sie verändern allerdings Spielgefühl und Klang. Wer dauerhaft in einer hellhörigen Wohnung üben muss, ist mit einem elektronischen Schlagzeug meist besser beraten.

Proberaum, Bandbetrieb und Metal-Setup

Für den Bandproberaum ist die Konfiguration gut geeignet. Die große Bassdrum und das 16-Zoll-Floortom liefern genügend akustische Substanz, um sich gegen E-Gitarren und Bass zu behaupten. Die Full-Size-Konfiguration passt damit klar zu Rock, Punk und Metal.

Im erweiterten Metal-Setup mit zwei 22-Zoll-Bassdrums zeigte sich, dass die eigentlichen Kessel die größte Stärke des Renegade darstellen. Zwei identische Sets lassen sich zu einem optisch eindrucksvollen und funktionalen Double-Bass-Kit kombinieren. Für die meisten Einsteiger genügt selbstverständlich ein einzelnes Set mit Doppelpedal. Wer jedoch bewusst zwei echte Bassdrums spielen möchte, erhält mit dem Renegade eine vergleichsweise preiswerte Grundlage.

In einer laut spielenden Rock- oder Metalband werden zuerst die Becken an ihre Grenzen stoßen. Vor allem ein 15-Zoll-Crash/Ride kann nicht dieselbe Breite und Definition liefern wie ein vollwertiges Becken-Setup aus Hi-Hat, Crash und Ride.

Die Trommeln selbst besitzen dagegen eine sinnvolle Ausgangsbasis. Mit Mikrofonierung, guten Fellen und kontrollierter Stimmung kann das Renegade auch bei kleineren Konzerten eingesetzt werden.

Eignet sich das Renegade fürs Studio?

Für professionelle Studioaufnahmen direkt aus dem Karton ist das Renegade nicht konzipiert. Die serienmäßigen Becken und Felle dürften in hochwertigen Mikrofonaufnahmen ihre Grenzen besonders deutlich zeigen. Mikrofone erfassen harte Obertöne, ungleichmäßige Fellspannung und wenig komplexe Becken sehr viel gnadenloser als das menschliche Ohr im Proberaum.

Die Kessel sind jedoch grundsätzlich aufnahmefähig. Mit guten Schlagfellen, sauberer Stimmung, geeigneter Dämpfung und vernünftigen Becken lässt sich ein brauchbarer Rock- oder Pop-Sound erzielen.

Für moderne Produktionen werden Drums ohnehin häufig stark bearbeitet, komprimiert, mit Samples ergänzt oder vollständig ersetzt. Ein sauber gespieltes und gestimmtes Renegade kann dafür eine solide akustische Grundlage liefern.

Wer dagegen einen besonders offenen, dreidimensionalen und bereits unbearbeitet luxuriösen Studiosound sucht, muss in eine höhere Instrumentenklasse investieren.

Für welche Musikrichtungen eignet sich das Set?

Am überzeugendsten passt die Konfiguration zu:

Rock und Alternative

Die 22-Zoll-Bassdrum und das große Floortom liefern die richtige Basis.

Punk und Pop-Punk

Schnelle Ansprache, klare Tomgrößen und eine eher direkte Snare passen gut zu geradlinigen Grooves.

Pop und Indie

Mit kontrollierter Stimmung deckt das Set klassische Pop-Arrangements problemlos ab.

Hard Rock und erste Metal-Projekte

Kesselgrößen und Lautstärke passen, bessere Becken und robustere Felle sollten allerdings eingeplant werden.

Funk

Die kleinen Racktoms und die flache Snare reagieren schnell. Für feinere Hi-Hat-Arbeit ist ein Becken-Upgrade besonders wichtig.

Für traditionellen Jazz, kleine Akustikensembles oder sehr kompakte Club-Gigs wäre die 20-Zoll-Version des Renegade handlicher und klanglich kontrollierter. Die getestete 22-Zoll-Ausführung ist klar stärker auf Pop und Rock ausgerichtet.

Der sinnvollste Upgrade-Plan

Das Renegade besitzt einen großen Vorteil: Es muss nicht komplett ersetzt werden, sobald der Spieler Fortschritte macht. Die Grundkonstruktion lässt sich schrittweise aufwerten.

1. Becken

Die größte klangliche Verbesserung bringt ein richtiges Beckenset mit 14-Zoll-Hi-Hat, 16- oder 18-Zoll-Crash und 20-Zoll-Ride. Dazu wird mindestens ein zusätzlicher Beckenständer benötigt.

2. Schlagfelle

Ein doppellagiges Tomfell-Set in 10, 12 und 16 Zoll verbessert Haltbarkeit, Kontrolle und Rocktauglichkeit. Aktuelle Sets in diesen Größen beginnen bereits deutlich unter 100 Euro.

3. Bassdrumfell

Ein vorgedämpftes 22-Zoll-Fell sorgt für einen definierteren Kick und reduziert den Aufwand bei der inneren Dämpfung.

4. Snarefell

Ein gutes beschichtetes Snarefell ist günstig und kann Attack, Kontrolle und Spielgefühl deutlich verbessern.

5. Zusätzlicher Beckenständer

Sobald Crash und Ride getrennt werden, ist ein zweiter Ständer unvermeidbar.

6. Hocker oder Pedal

Diese Teile sollten erst ersetzt werden, wenn Ergonomie, Haltbarkeit oder persönliches Spielgefühl tatsächlich Probleme verursachen.

Mit dieser Reihenfolge fließt das Geld zuerst in die Komponenten, die den größten hörbaren Unterschied erzeugen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Zum regulären Preis von rund 500 Euro pro Set ist das Renegade ausgesprochen aggressiv kalkuliert. Unser aus zwei vollständigen Sets aufgebautes Double-Bass-Testsetup entspricht damit einem regulären Gesamtwert von rund 1.000 Euro.

Vergleichbare aktuelle Full-Size-Komplettsets etablierter Marken liegen in Deutschland teilweise deutlich höher. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gretsch in jeder Einzelkategorie besser ist. Pearl, Tama oder Yamaha können bei Hardwaredetails, Qualitätskontrolle, Fellbestückung oder langfristiger Ersatzteilversorgung Vorteile bieten.

Das Renegade überzeugt vielmehr durch die Menge an brauchbarer Grundsubstanz, die Gretsch für das Geld liefert. Wer ein begrenztes Anfangsbudget besitzt und trotzdem ein vollwertiges akustisches Set sucht, erhält ein ungewöhnlich vollständiges Paket.

Gretsch Renegade gegen ein gebrauchtes Mittelklasse-Set

Für rund 500 Euro kann alternativ ein gebrauchtes Mittelklasse-Schlagzeug interessant sein. Ein älteres Yamaha Stage Custom, Pearl Export, Tama Superstar oder Mapex Mars kann bessere Kessel oder hochwertigere Hardware bieten.

Allerdings kommen beim Gebrauchtkauf Risiken hinzu:

  • fehlende oder beschädigte Hardware,
  • alte und verbrauchte Felle,
  • verbogene Spannreifen,
  • defekte Gewinde,
  • unvollständige Tomhalterungen,
  • keine Gewährleistung,
  • häufig keine Becken und kein Hocker.

Das Renegade ist deshalb nicht zwingend die beste Wahl für erfahrene Schnäppchenjäger. Für Einsteiger, Eltern oder Käufer, die ohne aufwendige Einzelteilsuche ein vollständiges Set benötigen, ist es jedoch die unkompliziertere Lösung.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • Vollwertige 22-Zoll-Rockkonfiguration
  • Sinnvolle Tomgrößen mit flachen Racktoms
  • Großes 16-Zoll-Floortom
  • Umfangreicher Lieferumfang
  • Solide wirkende, doppelstrebige Hardware
  • Erwachsenes Gretsch-Design
  • Gut ausbaufähige Kesselbasis
  • Sehr starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Geeignet für Unterricht, Proberaum und erste Auftritte
  • Mit zwei Sets als preiswerte Grundlage für ein echtes Double-Bass-Metal-Kit nutzbar

Schwächen

  • Kleine Messingbecken sind der deutlichste Engpass
  • Nur ein Beckenständer pro Set enthalten
  • Keine klar kommunizierte Fellserie
  • Technische Händlerangaben widersprechen sich teilweise
  • 22-Zoll-Bassdrum ist für sehr kleine Spieler weniger ergonomisch
  • Serienzustand für anspruchsvolle Studioaufnahmen nur bedingt geeignet
  • Hardware nicht für kompromisslosen professionellen Tourbetrieb gedacht

Für wen ist das Gretsch Renegade geeignet?

Das Set ist eine überzeugende Wahl für:

  • jugendliche und erwachsene Einsteiger,
  • Musikschüler,
  • Gitarristen oder Produzenten, die ein komplettes Zweitset benötigen,
  • Bands, die ein günstiges Proberaum-Schlagzeug suchen,
  • Wiedereinsteiger,
  • Drummer mit klarer Upgrade-Strategie,
  • Käufer, die ein vollständiges Set ohne lange Zubehörsuche wollen,
  • Metal-Bands, die mit zwei echten Bassdrums experimentieren möchten.

Weniger geeignet ist es für professionelle Tourdrummer, anspruchsvolle Studios, sehr kleine Kinder oder Musiker, die bereits hochwertige Becken und Hardware gewohnt sind.

Testurteil

KategorieBewertung
Kessel und Grundsound8,0/10
Größen und Ergonomie8,5/10
Verarbeitung und Finish8,0/10
Hardware7,8/10
Serienfelle6,5/10
Serienbecken4,5/10
Erweiterbarkeit9,0/10
Preis-Leistungs-Verhältnis9,3/10

Fazit: Ein echtes Schlagzeug mit schwachen Becken – nicht umgekehrt

Das Gretsch Renegade RGE625BM ist kein professionelles Drumkit zum Einsteigerpreis. Ein solches Produkt existiert nicht. Es ist aber auch weit mehr als ein kurzlebiges Übungsset.

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Gretsch hat an der richtigen Stelle eine brauchbare Grundlage geschaffen. Die Kesselgrößen sind sinnvoll, die Hardware wirkt für die Klasse solide, das Set sieht erwachsen aus und lässt sich Schritt für Schritt verbessern.

Der größte Kompromiss steckt in den kleinen Messingbecken. Sie ermöglichen den sofortigen Einstieg, sollten aber nicht als dauerhafte Lösung betrachtet werden. Wer das Renegade kauft, sollte mittelfristig ein besseres Beckenpaket und neue Schlagfelle einplanen.

Danach kann aus dem günstigen Komplettset ein überraschend leistungsfähiges Proberaum- und Einsteigerinstrument werden. Die 22-Zoll-Bassdrum, die kurzen Racktoms und das große Floortom liefern genau die Substanz, die man für Rock, Pop, Punk und Alternative benötigt.

Auch als Grundlage für ein echtes Double-Bass-Metal-Setup ist das Renegade interessant: Zwei identische Sets kosten regulär rund 1.000 Euro und liefern zwei vollständige 22-Zoll-Bassdrums samt zusätzlicher Hardware. Für viele Einsteiger genügt ein einzelnes Set, doch im Metal-Kontext ist die doppelte Anschaffung sachlich nachvollziehbar und praktisch nutzbar.

AJOURÉ MEN Gesamtwertung: 8,2 von 10 Punkten

Urteil: Klare Empfehlung für Einsteiger und preisbewusste Bands – besonders dann, wenn das eingesparte Budget später gezielt in Becken und Felle investiert wird.

Fotos: Gretsch PR

Ajouré MEN Redaktion
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