AjoureLifestyleRatgeberWenn der Job endet: Diese Rechte sollten Arbeitnehmer kennen

Wenn der Job endet: Diese Rechte sollten Arbeitnehmer kennen

Wenn Arbeitnehmer plötzlich die Kündigung in der Hand halten, ist der Schock oftmals groß. Denn schließlich sorgt die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses für Unsicherheit. Doch während einerseits Frust oder gar Trauer darüber wachsen, wird andererseits viel zu oft vergessen, dass auch Arbeitnehmer Rechte haben und Unternehmen Fristen einhalten müssen. Entsprechend kann ein grundlegendes Verständnis des Arbeitsrechts dabei helfen, häufige Fehler zu vermeiden und die aktuelle Situation rund um die Kündigung realistisch einzuordnen.

Ordentliche oder fristlose Kündigung – wo liegt der Unterschied?

Das Arbeitsrecht unterscheidet Kündigungen generell zwischen ordentlichen sowie außerordentlichen. Während bei einer ordentlichen Kündigung die gültige Kündigungsfrist eingehalten wird, beendet eine außerordentliche Kündigung das Arbeitsverhältnis umgehend. Aus diesem Grund wird Letztere im Volksmund auch fristlose Kündigung genannt. Selbige kann nach aktueller Rechtslage nur ausgesprochen werden, wenn ein schwerwiegender Grund vorliegt – etwa bei Diebstahl, massiven Pflichtverletzungen oder groben Beleidigungen. Liegen etwaige Umstände nicht vor, ist eine fristlose Kündigung in der Regel nicht rechtens und sollte dringend überprüft werden.

Wie lange die Kündigungsfrist bei einer ordentlichen Kündigung ist, ist von mehreren Faktoren abhängig. Hierzu gehören neben gesetzlichen Vorgaben auch individuelle Arbeitsverträge sowie Tarifverträge, die möglicherweise greifen. Wichtig ist, im Falle einer Kündigung den § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu beachten, da sich die Fristen mit zunehmender Betriebszugehörigkeit verlängern. Wenn ein Angestellter beispielsweise zehn Jahre in einem Unternehmen tätig war, verlängert sich die Kündigungsfrist auf vier Monate. Bei Arbeitsverhältnissen von weniger als fünf Jahren greift hingegen lediglich eine vierwöchige Frist.

Das sind die häufigsten Kündigungsgründe

In den meisten Fällen lassen sich Kündigungen seitens der Arbeitgeber in drei wesentliche Kategorien unterteilen:

  • betriebsbedingte Kündigung infolge von Umstrukturierungen oder wirtschaftlicher Schieflage
  • verhaltensbedingte Kündigung wegen wiederholter Pflichtverletzungen
  • personalbedingte Kündigung, etwa bei langfristiger Krankheit oder fehlender Eignung

Zugleich besteht auch immer die Möglichkeit der Eigenkündigung, wobei diese gründlich überlegt sein sollte. Wer selbst kündigt, läuft nämlich Gefahr, eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld zu erhalten. Im Zweifel ist es daher ratsam, eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein und möglichen Fallstricken aus dem Weg zu gehen.

Welche Rechte Arbeitnehmer beim Kündigungsschutz haben

Spricht der Arbeitgeber eine Kündigung aus, ist diese deshalb längst nicht automatisch wirksam. In Deutschland werden Arbeitnehmer diesbezüglich durch das Kündigungsschutzgesetz geschützt. So greift der Kündigungsschutz zunächst meist dann, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht und das Unternehmen mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Sollten Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Kündigung auftreten, haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine Schutzklage beim Arbeitsgericht einzureichen. Hierbei ist es wichtig, die Klage innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung einzureichen. Andernfalls gilt die Kündigung fast immer als wirksam – selbst, wenn sie fehlerhaft ist.

Was im Ernstfall wichtig ist

Wer eine Kündigung erhält, sollte nicht in Panik verfallen, sondern vor allem Ruhe bewahren und die Unterlagen sorgfältig prüfen. Dabei geht es laut AdmiralDirekt Ratgeber für Kündigungsfälle vor allem um Aspekte wie:

  • Name und Anschrift des Arbeitnehmers
  • Datum, zu dem die Kündigung wirksam wird
  • Datum, an dem die Kündigung formuliert wurde
  • Unterschrift des Arbeitgebers oder eines Vertretungsberechtigten
  • mögliche Formfehler
  • vorhandene Abmahnungen oder Dokumentationen

Zudem ist es ratsam, mögliche Gespräche, Vorfälle oder relevante E-Mails rasch zu dokumentieren. Diese können im Zweifel bei rechtlicher Beratung und sogar vor Gericht hilfreich sein.

Rechtliche Grundlagen schaffen Sicherheit

Festzuhalten ist, dass sich viele Beschäftigte erst dann mit ihren Rechten vertraut machen, wenn die Kündigung bereits ausgesprochen wurde. Zwar gehören diese zum modernen Arbeitsleben dazu, sind in der Praxis allerdings oftmals komplexer, als es den Anschein hat. Fristen, Klauseln sowie Regelungen zum Kündigungsschutz stellen nur einige der zahlreichen Besonderheiten dar, die es individuell zu bewerten gilt. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, verschafft sich im Ernstfall einen wichtigen Vorteil.

 

Foto: Tetiana / stock.adobe.com

Ajouré MEN Redaktion
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