Microsoft kauft Discord

Microsoft kauft Discord. So sieht der Plan des US-Giganten aus. Bei Computerspielen, die über das Internet gespielt werden, sind Chatprogramme mit einer Voicechat-Funktion gar nicht mehr wegzudenken. Anstatt alle Anweisungen und Kommandos mühselig auf der Tastatur eintippen zu müssen, spricht man einfach per Headset miteinander. Eines der beliebtesten Programme für diesen Zweck ist Discord.

Nachdem Microsoft bereits einige große Spiele-Firmen wie beispielsweise Bethesda Softworks aufgekauft hatte, verdichten sich nun die Gerüchte über eine ähnliche Absicht mit der Chat-Software Discord. Auch wenn der Dienst zuletzt mit einigen Problemen wie Pornografie, Drogen und Mobbing zu kämpfen hat.

Microsoft kauft Discord – offenbar für viel Geld

Für eine Geldsumme von zehn Milliarden Dollar könnte man sich eine ganze Menge kaufen. Etwa einen kleineren Dax-Konzern wie MTU Aero oder die Hälfte der Deutschen Bank. Allerdings scheint es das US-Softwareunternehmen laut Berichten der US-Medien mit einer solchen Summe auf etwas anderes abgesehen zu haben – nämlich auf ein Chat-Programm für Computerspieler.

Die betroffene App hört auf den Namen Discord und ist heute gerade mal sechs Jahre alt. Dennoch kann die Software bereits über 250 Millionen registrierte Nutzer aus der ganzen Welt vorweisen. Gerade die Möglichkeit, über einen Sprachchat miteinander zu kommunizieren, erfreut sich besonders bei jüngeren Nutzern an großer Popularität. Microsoft soll laut einem Bericht der New York Times dazu bereit sein, etwa 10 Milliarden Dollar für die Übernahme hinzulegen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2014 hatte der Social Media-Konzern Facebook den Chat-Messenger WhatsApp für 19 Milliarden Dollar aufgekauft. Jedoch hatte WhatsApp zu dieser Zeit schon fast das Fünffache an aktiven Nutzern vorweisen können.

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Microsoft kauft Discord – auch andere sind interessiert

Noch beläuft sich dieser große Deal lediglich auf Gespräche vorläufiger Natur. Ein fester Vertragsabschluss oder ähnliches wurde nicht erreicht. Des Weiteren soll Microsoft auch nicht der einzige Interessent an dem Sprachchat-Programm sein. Laut einigen Medienberichten sind auch der Onlineversandhändler Amazon sowie der Spieleanbieter Epic Games an einem Kauf der Chat-Software interessiert. Alternativ dazu wäre für Discord auch ein Börsengang möglich.

Allerdings haben bisher wohl die Gespräche mit Microsoft die größten Früchte getragen. Zumal der Deal den Geldgebern durch großzügige Bewertungen den Vertragsabschluss mit dem niedrigsten Risiko einbringen würde. Bei dem Start-up-Unternehmen aus San Francisco befindet sich unter den Investoren seit dem Jahr 2016 der Internetkonzern Tencent aus China – aber auch diverse Risikokapitalfonds, welche nun alle das große Geld wittern.

Microsoft kauft Discord – Ein Problem für den Wettbewerb?

Microsoft kauft Discord

Fraglich ist jedoch, ob ein solcher Deal von den dortigen Kartellbehörden geprüft worden ist. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa stehen derartig riesige Übernahmen großer Internetfirmen verstärkt in der Kritik. Eventuell könnten neue Kartellregelungen in den USA beim Discord-Deal eine entscheidende Rolle spielen. Jedoch scheint bisher der Wettbewerb in den Bereichen Kurznachrichten und Voicechat-Konferenzen einigermaßen zu funktionieren. Neben Discord existieren noch viele Alternativen, wie etwa Zoom, Skype oder Teamspeak. Dementsprechend gut stehen also die Chancen auf einen Abschluss des Mega-Deals zwischen Discord und Microsoft, da der Wettbewerb in diesen Bereichen aufgrund der vorhandenen Konkurrenz nicht großartig beeinflusst werden dürfte.

Was sind die Hintergründe der Übernahme?

Für den US-Software-Konzern Microsoft leitet der Xbox-Chef Phil Spencer die Verhandlungsgespräche. Damit wird deutlich, aus welchem Grund Microsoft das Start-up aus San Francisco kaufen möchte: Zurzeit ist Discord die beliebteste Plattform für Kommunikation und Community-Bindung im Bereich Computerspiele. Durch die Corona-Pandemie konnte sich die Software dank des Booms von Online-Spielen an einem enormen Zuwachs neuer Nutzer erfreuen.

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Aktuell weist das Unternehmen über 100 Millionen aktive User vor, die in mehr als 13 Millionen Chat- und Gruppenanrufräumen regelmäßig aktiv sind. Dabei reden die vielen Nutzer in diesen Chaträumen insgesamt täglich über 4 Milliarden Minuten lang miteinander.

Seinen Anfang nahm Discord übrigens als ein Programm, mit dessen Hilfe sich Zocker während Multiplayer-Partien schnell absprechen konnten. Etwa um Spielzüge zu besprechen, vor Gegnern zu warnen oder gemeinsam als Team vorzugehen. Und genau diese Spielergemeinschaften sind es, die auch Microsoft erreichen möchte.

Das Unternehmen hatte im Jahr 2014 die Firma Mojang hinter dem beliebten Computerspiel Minecraft für 2,5 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Seit diesem Deal konnte sich das Spiel zum beliebtesten Titel der Welt etablieren – mit über 200 Millionen verkauften Exemplaren sowie über 125 Millionen aktiven Spielern jährlich rund um den Globus. Zahlreiche dieser Zocker nutzen auch bereits Discord für ihre gemeinsamen Onlineaktivitäten. Auch Microsofts Heimkonsole Xbox könnte mit Discord-Funktionen erweitert werden und wäre damit dem ewigen Konkurrenten Sony (und ihrer Playstation) um einiges voraus.

Zwei ersehnte Features

Eine Übernahme von Discord könnte zwei unschlagbare neue Features ermöglichen: Zum einen wäre das die Integration von Discord in das Xbox Live Onlinesystem. Damit könnten Spieler die Discord-App auf ihrer Xbox im Hintergrund laufen lassen und müssten sich nicht auf den Voice-Chat der Spieleentwickler verlassen. Damit hätte die Xbox gegenüber der Playstation die Nase vorne.
Außerdem hoffen wir auf eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung der Chats. Damit wäre die Nutzung von Discord im Home-Office eine sicherere Sache. Die Qualität der Video-Chats und Voice-Kanäle wäre wohl die beste, die es im professionellen Bereich geben würde.

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Fazit

Solange Discord nicht wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird, (*hust* Skype) sehen wir in der Übernahme von Microsoft eine großartige Gelegenheit für Microsoft, das Xbox-Universum weiter auszubauen. Die PC-Anwendung wird nach wie vor ihren Support seitens Microsoft erhalten.

 

Bilder: Sundry Photography, Postmodern Studio / stock.adobe.com