Discord Stage Channels

Praktisch jeder versucht gerade, einen Clubhouse-Klon zu bauen, aber für Discord macht es absolut Sinn. Voice-Chat mit kristallklarem Sound ist seit langem eine Kernfunktion von Discord. Alles, was der Dienst machen muss, ist seine ohnehin vorhandenen Sprachchats mit Hilfe einer neuen Funktion zu strukturieren und einen neuen pfiffigen Namen wie Discord Stage Channels zu finden.

Der neue Kanaltyp passt perfekt ins Bild. Stage Channels erlaubt den Nutzern Audio-Chats zu kuratieren und zu kontrollieren, wer wann sprechen darf. Wie bei Clubhouse können die Teilnehmer ihre Hand heben, um zu sprechen oder sich leise davonschleichen.

Ist Discord Stage Channels wirklich besser als Clubhouse?

Während Clubhouse eine auf Audio-Chats spezialisierte App ist, erhalten die Nutzer der Discord Stage Channels zusätzlich alle anderen Funktionen, die der Dienst bietet. Dazu zählen private Nachrichten, Bildschirmfreigabe, fotobasierte Chats und vieles mehr.

Fehlende Exklusivität macht die Stage Channels für den Massenmarkt attraktiv. Der Dienst läuft auf allen Betriebssystemen, jeder kann sich eigene Stage Channels einrichten und Leute zum Gespräch einladen. Somit baut sich jeder Nutzer gewissermaßen sein eigenes Clubhouse, Discord stellt nur die nötige Technik zur Verfügung.

Um das zu verstehen, muss man wissen, wie Discord generell funktioniert. Nach der Anmeldung richtet der Nutzer einen auf die Discord-Funktionen spezialisierten Server ein und kann andere Teilnehmer zu einem Chat einladen. Für die Stage Channels muss eine Community-Funktion aktiviert werden, die Funktionen für den Betrieb des Clubhouse-Klons bereithält.

Der Moderator kann Gesprächsteilnehmer einladen und bestimmen, wer sprechen darf. Er kann auch Teilnehmer entfernen oder “muten”, sprich: ihre Stimme unterdrücken. Wer sprechen will, nutzt die Raise-Hand-Funktion, der Teilnehmer hebt seine virtuelle Hand.

Genau an diesem Punkt wird Discord Stage Channels zum Clubhouse-Klon. Auf den bereits vorhandenen Sprechkanälen darf jeder reden, wann er will und auch durcheinanderschreien, was bei einem hitzigen Spiele-Gefecht mehr als einmal passiert. Ist die Community-Funktion aktiviert, verwandelt sich das wilde Brüllen der Spieler in eine fokussierte Konversation mit ausgewählten Personen.
Was kann Clubhouse, was Discord nicht kann?

Clubhouse hatte die Idee der gepflegten Konversation, bei der man sich zu einem bestimmten Termin trifft und über ein bestimmtes Thema diskutiert. Es ersetzt gewissermaßen die Foren. Diskussionen werden nicht aufgezeichnet, sie sind genauso flüchtig wie der Smalltalk auf einer Cocktail-Party.

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Wie viele Teilnehmer eine Diskussion auf Clubhouse hat, hängt häufig vom Bekanntheitsgrad des Moderators ab. Niemand will mit Lieschen Müller aus Hinterhude plauschen, bei prominenten Fernsehstars sieht das anders aus.

Bei Discord ging es nie darum, Diskussionen wie ein Event zu planen und zu führen. Spontanität steht im Vordergrund, man trifft sich mehr oder weniger zufällig und redet wild durcheinander. Ob sich das durch die Discord Stage Channels ändert, bleibt abzuwarten.

Was kann Clubhouse, was Discord nicht kann?

Discord Stage Channels

Stellen wir die Gegenfrage: Was kann Discord, was Clubhouse nicht kann? Besonders auffällig ist, dass die Chats auf Clubhouse nur temporär vorhanden sind. Nach Ablauf der Veranstaltung werden sie geschlossen und gelöscht.

Auf Discord hingegen haben Teilnehmer immer Zugang zu den vorhandenen Diskussionsräumen. Nutzer können kommen und gehen, wann sie wollen. In der Regel verabreden sich Discord-Nutzer und senden sich gegenseitig die Zugangslinks zu. Mehr Organisation gibt es hier nicht.

Bei Clubhouse kann jedes Mitglied nur ein paar andere Leute einladen, auf Discord gibt es keinerlei Grenzen. Wenn du unbedingt mit 10.000 Leuten chatten willst, lade einfach 10.000 Leute ein.




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Discord Stage Channels einrichten

Benutzt du Discord, musst du den normalen Server in einen Community-Server umwandeln, bevor du Stage Channels nutzen kannst. Öffne dazu die Servereinstellungen. Wähle in der linken Seitenleiste unter Community die Option Community aktivieren und klicke auf Starten. Ein Assistent führt dich durch die weiteren Schritte.

Ist der Discord Community-Server aktiviert, kannst du über das Pluszeichen einen Stage Channel einrichten. Du kannst nicht nur selbst als Moderator fungieren, du kannst auch andere Personen als Moderatoren hinzufügen und wieder entfernen. Natürlich kannst du auch Chatkanäle öffnen. Moderatoren dieser Kanäle müssen nicht zwingend die Besitzer des Servers sein. Abschließend musst du dem Chat-Kanal einen Namen geben, der idealerweise auf das Gesprächsthema hinweist.

Über ein Symbol in der linken Seitenleiste können sich Personen, die sich gerade auf deinem Server befinden, für den Chat anmelden. Discord fügt sie standardmäßig als Zuhörer hinzu, erst wenn sie auf das Raise-Hand-Symbol klicken, werden sie als aktive Sprecher eingestuft. Du kannst ihnen das Wort erteilen oder nicht.

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Will jemand nicht mehr mitdiskutieren, kann er auf eine Schaltfläche klicken, um wieder als Zuhörer gelistet zu werden.

Bist du Moderator und gefällt dir ein Teilnehmer nicht, klickst du mit der rechten Maustaste auf seinen Namen und wählst „Von der Bühne trennen“.

Du kannst dich auch selbst still und leise verabschieden. Klicke dazu einfach auf die Schaltfläche „Leise verlassen“.

Mehr musst du über die Nutzung von Stage Channels nicht wissen. Hast du bereits Erfahrung mit Discord, wird dir das neue Feature nicht schwerfallen. Es fügt sich nahtlos in die vorhandenen Funktionen ein.

Wer überlebt den Angriff der Klonkrieger?

Discord Stage Channels

Voice-Chat-Apps gibt es schon, seit die ersten Audiosignale im Internet übertragen wurden. Um der Sache neues Leben einzuhauchen, hat Clubhouse weder Kosten noch Mühe gescheut. Dank einer breit aufgestellten Medienoffensive kletterte die App innerhalb eines Jahres an die Spitze der Download-Charts von Apple. Fast 13 Millionen Nutzer haben die App heruntergeladen, ungefähr 6 Millionen davon nutzen sie regelmäßig.

Vor kurzem ließ sich Justin Bieber gegen eine sechsstellige Gage dazu überreden, Clubhouse zu nutzen und sie in einem Interview lobend zu erwähnen. Das dürfte Clubhouse vor allem bei jungen Nutzern weiteren Auftrieb verleihen. Auch andere Prominente, darunter Oprah Winfrey, Mark Cuban, Elon Musk und Mark Zuckerberg werden inzwischen mit Clubhouse in Verbindung gebracht. Finanziert wird der Medien-Overkill vom führenden Venture-Kapitalisten Andreessen Horowitz.

Discord setzt stattdessen auf seine bereits vorhandenen 140 Millionen Nutzer und auf seine jahrzehntelange Erfahrung mit Voice-Chats. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Discord-Nutzer einfach bei ihrer Stamm-Plattform bleiben. Warum wechseln, wenn die Clubhouse-Funktion auf der gewohnten Plattform verfügbar ist?

Andere Anbieter, dazu zählt inzwischen jede halbwegs bekannte Software-Klitsche im Silicon Valley und knapp 1.200 chinesische Software-Entwickler, dürften es deutlich schwerer haben.

Spotify macht es sich einfach und kaufte einfach den Voice-Chat-Anbieter Locker Room. Dieser muss jetzt in die vorhandene Plattform integriert werden. Ähnliches plant LinkedIn, hier sollen spezielle Audioräume hinzugefügt werden, die moderierte Konversation ermöglichen. Twitter hat seinen Clubhouse-Klon Spaces vor kurzem veröffentlicht.

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Facebook und Slack wollen einen neuen Klon basteln, der als eigene App genutzt werden kann. Witzigerweise haben sich die Chefs dieser Firmen ausgerechnet auf Clubhouse über diese Pläne unterhalten, was nicht unbemerkt blieb. Die auf Urheber-und Patentrecht spezialisierten Anwälte stehen bereit…

Ein Elefant fehlt noch, Microsoft. Im Moment kursieren Gerüchte, dass die Windows-Macher planen Discord zu kaufen. Discord wäre nicht die erste bekannte Plattform, die von Microsoft aufgekauft wird.




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Was wir von Discord Stage Channels halten

Eine rein technische Bewertung der beiden Konkurrenten fällt schwer, die Audioqualität ist sowohl auf Clubhouse als auch auf Discord hervorragend. Streng genommen vergleichen wir Äpfel mit Birnen, weil es sich bei Clubhouse um eine eigenständige App, bei Stage Channels hingegen nur um eine Erweiterung für eine bereits existierende Plattform handelt.

Discord-Nutzer können den Medienhype um Clubhouse ignorieren, sofern sie sich nicht unbedingt mit Promis im gleichen Chatroom befinden möchten. Auf der FAQ-Seite zu den neuen Stage Channels kannst du dich über sämtliche Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten belesen.

Das Hochglanz-Image von Clubhouse wird Discord nie bekommen. Dieses Verlangen hatten die Betreiber noch nie. Höchstwahrscheinlich werden in Zukunft beide Audio-Chats nebeneinander existieren und ihre Liebhaber finden. Gamer und normale Leute diskutieren auf den Stage Channels über Alltagsthemen, während auf Clubhouse der höhenwertige Talk mit Experten und Prominenten stattfindet.

Weil vor allem Apple-Nutzer anfällig für Promi-Stuff sind, erschien Clubhouse nicht zufällig exklusiv auf iOS. Derzeit ist eine Android-Version in Planung, PCs folgen erst viel später, wenn überhaupt. Discord ist längst auf allen bekannten Betriebssystemen verfügbar. Das werten wir eindeutig als Vorteil.

Wirklich schwer haben es nur die richtigen Kopierer, die eigene Apps entwickeln, denn ohne Oprah Winfrey, Justin Bieber und ein millionenschweres Werbebudget lässt sich dieser Klon-Krieg, der ausschließlich auf finanzieller Ebene stattfindet, nicht gewinnen.

 

Bilder: Discord / PR; FellowNeko / stock.adobe.com