Weg von WhatsApp: Was kann Threema?

Messenger wie WhatsApp bestimmen unsere Kommunikation heute wie nie zuvor. Das verwundert nicht. Die mobilen Nachrichtenprogramme sind inzwischen echte Alleskönner. Ob einfache Textnachricht, Sprachchat oder animiertes Meme: Kaum etwas lässt sich heute nicht schnell und unkompliziert darüber verschicken. Platzhirsch WhatsApp haben wohl die meisten Smartphone-User auf ihren Telefonen installiert. Doch die zum Facebook-Universum gehörende App ist in den letzten Jahren immer wieder in die Diskussion geraten. Sie gilt als wenig datenschutzorientiert und Facebook denkt in letzter Zeit immer lauter darüber nach, Werbeanzeigen in der App zu schalten. Deshalb haben wir für dich die Messenger-Alternative Threema getestet.

Detaillierte Nutzerprofile

Gerade der letzte Punkt sollte dir zu denken geben. Denn als Werbeplattform ist Facebook natürlich vor allem daran interessiert, möglichst viel über dich und dein Kommunikationsverhalten zu erfahren. Mit wem du wie oft chattest, lässt bereits vielfältige Rückschlüsse auf dich und dein soziales Umfeld zu. Verbunden mit Informationen über das von dir verwendete Smartphone-Modell, deine Facebook-Freundschaften oder die Uhrzeiten, zu denen du chattest, entsteht ein sehr genaues Profil deiner Person. Selbst scheinbar belanglose Informationen, wie die Art wie du deine Telefonbuchkontakte benennst, können eine Rolle spielen (Faustregel: Wer seine Kontakte immer brav nach dem Schema Vorname Nachname abspeichert, gilt als seriöser und kreditwürdiger als jemand, dessen Adressbuch nur aus „Johannes (neu)“, „Schatz“, „Mama(Festnetz)“ und Co. besteht).

Spätestens seit den Snowden-Leaks im Sommer 2013 ist bekannt, wie wertvoll diese sogenannten Meta-Informationen über dich und deine Kommunikationspartner auch für Geheimdienste wie die NSA oder den britischen GCHQ sind. Schon damals war zum Beispiel der britische Geheimdienst in der Lage, fast den vollständigen Datenverkehr zwischen Europa und den USA für 48 Stunden zwischenzuspeichern und so durchsuch- und analysierbar zu machen. Es ist davon auszugehen, dass die Möglichkeiten der Dienste sich diesbezüglich inzwischen vervielfacht haben dürften.

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Welche anderen Messenger gibt es?

Ist es für dich also an der Zeit, dich nach einer Alternative zu WhatsApp umzusehen?

Mit Apps wie Threema, Signal, Wire oder Telegram buhlen verschiedene Angebote um die Gunst der Nutzer. Das inzwischen auch hierzulande sehr populäre Programm Telegram erweist sich dabei aus sicherheitstechnischer Perspektive als Totalausfall. Nachrichten werden für die Betreiberfirma einsehbar auf Servern in aller Welt gespeichert. Da ist selbst WhatsApp, wo zumindest der Inhalt der Nachrichten nachvollziehbar sicher verschlüsselt übertragen wird, weiter. Signal und Wire, die beide dieselbe Verschlüsselungstechnik wie WhatsApp einsetzen, fallen bei uns vor allem durch gähnende Leere in den Adressbüchern auf.

Während wir bei Signal zumindest noch ein paar Freundinnen und Freunde wiederfinden, ist bei Wire leider wirklich absolut niemand anzutreffen. Außerdem gilt für beide Anbieter, dass auch hier, wie bei WhatsApp der Datentransport über die USA geleitet wird. Vor dem Hintergrund, dass gerade dort die Geheimdienste über praktisch unbegrenzte Speicherkapazitäten verfügen, besteht ein großes Risiko, dass verschlüsselte Inhalte solange gespeichert werden könnten, bis die heute als sicher geltende Verschlüsselung doch geknackt werden kann.

Die Alternative: Threema

Im Fall der Schweizer Messaging-App Threema ist das nicht der Fall. Hier werden die Daten über Schweizer Server geleitet, wo nach aktuellem Wissensstand keine Speicherung durch Geheimdienste erfolgt. In unseren Tests zeigt sich darüber hinaus auch, dass zumindest wesentlich mehr unserer Kontakte bereits Threema-Konten angelegt haben als bei Signal und Wire. Dennoch muss man natürlich festhalten, dass die Marktmacht von WhatsApp dazu führt, dass dort die Kontaktlisten doch wesentlich länger sind.

Threema App

Wie sieht es mit der Usability von Threema aus?

Die Verschlüsselungstechnik von Threema gilt als sicher. Zwar ist der Programmcode der Anwendung nicht offen einsehbar, doch bei unabhängigen Sicherheitsaudits (zuletzt im März 2019) wurde wiederholt die Sicherheit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung festgestellt. Doch kann Threema auch in der praktischen Anwendung überzeugen? Grundsätzlich funktioniert die Registrierung sowohl unter Android als auch iOS ähnlich wie bei WhatsApp und Co. Telefonnummer eingeben, Bestätigungs-SMS abwarten und fertig. Alternativ lässt sich auch eine E-Mail-Adresse anstatt oder zusätzlich zur Telefonnummer angeben, sodass auch Kontakten, die nur über diese verfügen, die einfache Kontaktaufnahme per Threema möglich wird.

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Außerdem ist es möglich, sich ganz ohne weiteres Konto anzumelden. Dabei erweist sich der Kontaktaustausch aber als etwas kompliziert, denn statt eines selbst auswählbaren Usernames erhalten Threema-Konten lediglich eine kryptisch anmutende achtstellige Kennung aus Zahlen und Buchstaben. Damit ist dann aber die vollkommen anonyme Nutzung des Dienstes möglich, denn zumindest unter Android sind Kauf und Installation von Threema auch ohne ein Google-Konto direkt über die Hersteller-Website möglich. Doch diese, etwas technischen Möglichkeiten, werden die meisten Nutzer kaum in Erwägung ziehen und stattdessen die „ganz normale“ Registrierung über die Telefonnummer bevorzugen.

In der eigentlichen Benutzung verhält Threema sich dann ähnlich wie WhatsApp und andere Chatprogramme. Neben Textnachrichten können Fotos, Videos und Dateien versandt werden. Auch verschlüsselte Telefonanrufe sind über Threema möglich und haben im Test auch bei vergleichsweise schlechter Datenverbindung gut bis sehr gut funktioniert. Auch Gruppenchats sind selbstverständlich möglich. Cool ist dort die Möglichkeit, einfache Umfragen zu posten, um zum Beispiel Termine abzusprechen oder eine Entscheidung in der Gruppe zu vereinfachen.

Threema mit Desktop-Version

Wenn du ohnehin viel am Rechner arbeitest, kannst du Threema neben der Version für dein Smartphone auch im Webbrowser nutzen. Die Synchronisierung erfolgt dabei direkt und mit derselben starken Verschlüsselung geschützt, wie die Verbindung zwischen dir und deinen Kontakten. Ähnlich wie beim WhatsApp-Webinterface muss allerdings dein Telefon auf jeden Fall eingeschaltet sein, damit du diese Funktion nutzen kannst.

Alles in allem steht Threema dem Angebot von WhatsApp in Sachen Nutzungskomfort und Usability in nichts nach. Die App überzeugt aber durch ein wesentlich datensparsameres, die Privatsphäre schützendes Geschäftsmodell. Momentan kostet die App sowohl für iOS als auch Android einmalig 3,99€. Darüber hinaus sind Versionen für die Nutzung in Firmen und Bildungseinrichtungen verfügbar.

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Preis: 3,99 €

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Fotos: kite_rin / stock.adobe.com; Google Play Store / Threema