Casinos im Wandel: Pyjamas statt Smoking

Ein Abend im Casino, das bedeutete einst ein wenig Glitz und Glamour. Die Herren holten Smoking und Fliege hervor, die Damen warfen sich mit Abendkleid und dem besten Schmuck in Schale. Am Eingang der Spielbank wurde der korrekte Dresscode überprüft, bevor man dann in den Hallen mit schweren Teppichen und aufwändigen Lüstern an einem Spieltisch platznahm, während ein Kellner den ein oder anderen Cocktail servierte – am besten einen gerührten Martini im Stil von James Bond.

Heute sieht das Glückspiel-Erlebnis meist ganz anderes aus: es wird daheim bequem auf der Couch gezockt, bestenfalls im Schlafanzug oder in der Jogginghose, auf dem Computer oder noch einfacher, vom Smartphone aus, das wiederum sogar das Zocken vom Bushäuschen aus oder im Wartezimmer des Arztes erlaubt. Die Zeiten haben sich gewandelt, doch keineswegs zum negativen, denn von einem Verfall der Glückspielbranche kann keinesfalls die Rede sein – vielmehr von einer Digitalisierung, die wir derzeit in allen Lebensbereichen erleben.

Glückspiel gibt es seit Jahrtausenden, sogar die antiken Griechen liebte Würfelspiele und die alten Römer setzten auf die Gewinner im Kolosseum. Die klassischen Spiele wie Roulette, Bakkarat und Black Jack nahmen ihren Anfang meist in Europa oder Asien und wurden von den ersten Siedlern dann nach Amerika gebracht. Die anfänglichen Casinos waren nicht zulande, sondern auf den Raddampfern des Mississippi. Die älteste Spielbank Europas befindet sich in Italien: Das Casino di Venzià wurde 1504 in Venedig erbaut, die älteste Spielbank in Deutschland wurde 1720 in Bad Ehms eröffnet. Lange Zeit durften offizielle Institutionen zum Glückspiel nur in Bade- und Kurorten betrieben werden, und zwischen 1871 und 1933 herrschte in Deutschland absolutes Glückspielverbot.

Bis vor kurzem unterlag das Betreiben von Casinos staatlicher Konzessionierung, wobei das Glückspiel seit 2012 auf Länderebene reguliert wurde, wie der damalig verabschiedete Glückspielstaatsvertrag festlegte. Zocken im Internet war bis Inkrafttreten der Neuregulierung des Glückspielstaatsvertrags 2021 in Deutschland nicht legal, die Realität sah jedoch seit Jahren anders aus: Schleswig-Holstein ging seit 2012 einen Sonderweg und erlaubte die Lizenzierung einiger Online-Casinos. Zudem erfreuten sich die Angebote im Internet seit vielen Jahren auch in Deutschland großer Beliebtheit. Wie das möglich war? Die Anbieter hatten ihre Firmensitze und Server ganz einfach im Ausland, in Ländern wie Malta und Gibraltar oder der britischen Isle of Man, wo die Gesetzeslage seit langem liberaler ist. Viele Zocker kamen auch über Sportwetten zum Online-Casino-Angebot: Bereits 2019 wurden 9,3 Milliarden Euro Umsatz von Sportwetten generiert, in erster Linie online und auch in Deutschland legal. Große Sportwettenanbieter wie der Konzern bwin boten daneben jedoch auch Automatenspiele online und lockten so die Wettfreunde in den damals gesetzlich nicht anerkannten Bereich.

Der Aufstieg der Online-Casinos war trotz staatlicher Bedenken hinsichtlich der Risken von Spielsucht und Bedenken um den Jugendschutz nicht mehr aufzuhalten. Die Deutschen verbrachten bereits 2017 täglich im Schnitt 4,4 Stunden am Tag mit Surfen im Internet, und das vor allem auf dem Smartphone, das immer und überall dabei ist.

Dass sich das Wett- und Zockverhalten der Deutschen zugunsten der Angebote Online gewandelt hat, ist damit nicht verwunderlich. Es bedarf keiner großen Planung, der Anfahrtsweg zu einem Casino entfällt, zudem muss man sich eben nicht in Schale werfen, sondern kann ganz gemütlich daheim und in Pyjamas von ähnlich guten Gewinnchancen profitieren. Unterhaltung findet man über Computer, Tablet und Smartphone in kurzen Zeitinkrementen, wie beispielsweise in der Mittagspause oder im Wartezimmer, statt einen ganzen Abend einplanen zu müssen. Liefen die Casinos zunächst über den Browser, besitzen die meisten Anbieter mittlerweile eine praktische App, in der Automatenspiele und klassische Casinospiele zur Auswahl stehen.

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren auch der Ruf von Online-Casinos. Die anfängliche Skepsis hinsichtlich Seriosität und Sicherheit wich allgemeiner gesellschaftlicher Akzeptanz, nicht zuletzt aufgrund dessen, dass man sich besonders in dieser Branche um die neusten Technologien hinsichtlich Datenschutz und Verschlüsselung der Seiten bemühte, ebenso wie um absolute Transparenz im Hinblick auf Einzahlungen, Auszahlungen und Bedingungen rund um die Nutzung von Bonus- und Freispiel-Features. Online-Casinos-Angebote für Deutsche, Schweizer und Österreicher gibt es zuhauf – generell gekennzeichnet durch Lizenzierung über einer europäischen Kommission wie die Malta Gaming Authority (MAG), die Gibraltar Regulatory Authority (GRA) oder die UK Gambling Commission. In der Schweiz ist übrigens das Zocken im Internet seit 2019 legal, wobei seriöse Online Casinos für Schweizer sowohl Lizenznummer, Datum der Lizenzvergabe, Gültigkeitsdauer und die zuständige Regulierungsbehörde nennen. Die anerkannten europäischen Betreiber sind meist seit vielen Jahren bestehende und respektierte Unternehmen mit gutem Ruf. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind klar auf deren Seiten ersichtlich, zudem ist der Kundenservice in der Regel leicht telefonisch erreichbar.

Viel verändert hat sich natürlich auch in Deutschland seit vergangenem Jahr, als am 1. Juli der neue Glückspielstaatsvertrag in Kraft trat, der Online-Glückspiel nun bundesweit regelt und die Lizenzierung von Casinos im Internet und über Apps erlaubt. Diese müssen sich an ein strenges Regelwerk halten, sowohl was das Anlegen von Nutzerkonten betrifft wie auch die Limitierung der Einzahlungen: so dürfen User plattformübergreifend im Monat maximal 1.000 Euro einzahlen, zudem existiert eine Sperrdatei für Suchtgefährdete. Auch die Werbezeiten sind auf spätnachts bis frühmorgens beschränkt, um Vorgaben zum Jugendschutz zu entsprechen. Eine neu geschaffene Aufsichtsbehörde in Halle ist mit der Lizenzvergabe sowie der Überwachung der Betreiber beauftragt. Auch die Besteuerung der Gewinne ist nun bundesweit geregelt, wobei wie bei Sportwetten bei Online-Poker und Online-Casino eine Spieleinsatzsteuer von 5,3 Prozent anfällt, während man in anderen Ländern der EU lediglich eine Bruttospielertragssteuer berechnet. Ob die hohe Besteuerung die Spieler von den deutschen Angeboten abschreckt, bleibt fraglich, zumal sich gerade vorsichtige Spieler und Neueinsteiger auf anerkannten deutschen Seiten bestimmt am sichersten fühlen.

Transaktionen sind sowohl bei seriösen deutschen wie auch schweizer und anderen europäischen Anbietern ebenso sicher wie bequem. Dabei werden immer mehr flexible Zahlungssysteme angeboten, wie natürlich Kreditkarten- und EC-Kartenzahlung, sowie PayPal, Neteller, Skrill, aber auch Apple Pay und sogar die Einzahlung mit Kryptowährungen wird immer beliebter. Derzeit dominieren e-Wallets wie PayPal die Branche, vor allem auch aus dem Grund, dass Geldauszahlungen in der Regel nicht auf Kreditkarten erfolgen können. E-Wallets bieten den höchsten Komfort in der Nutzung und Transaktionen können gewöhnlich mit ein paar Mausklicks getätigt werden, gleichzeitig müssen die Kunden keine privaten Daten wie eben Bankkonto oder Kreditkartennummer übermitteln. Gerade wer auf dem Smartphone zockt, kann in Handumdrehen und oft über Gesichtserkennung eine Einzahlung oder Auszahlung per PayPal vornehmen.

Der Trend im Glückspielbereich geht ganz klar in Richtung online und insbesondere hin zum mobilen Zocken. Die Webseiten und Apps sind 24 Stunden am Tag von überall zu erreichen, wo es Netzabdeckung oder W-LAN gibt. Gerade in den vergangenen zwei Jahren, als viele landbasierten Casinos geschlossen blieben, fanden begeisterte Zocker verstärkt Unterhaltung und Nervenkitzel im Online-Angebot, was diese Entwicklung weiter beschleunigte. Bis 2024 soll der deutsche Umsatz aus Online-Glückspiel auf 3,3 Milliarden Euro anwachsen, wobei man annimmt, dass 60 Prozent des Umsatzes (1,9 Milliarden Euro) aus Casinos mit deutscher Lizenz erwirtschaftet werden soll. Sieht es für landbasierte Spielbanken damit schwarz aus? Nicht unbedingt, denn so sehr das Zocken daheim, in Pyjamas auf der Couch, gemütlich und allzeit verfügbar ist, ersetzt es doch nicht das soziale Erlebnis eines geselligen Abends in einer der traditionellen Spielhallen. Zwar werden mittlerweile auch Live-Streams angeboten, wo man virtuell an einem Spieltisch Platz nehmen und gegen andere Player spielen kann, das gleiche Erlebnis wie ein gepflegter Abend in Smoking und Abendkleid ist dies jedoch nicht, weshalb zu hoffen bleibt, dass die landbasierten Casinos weiterhin nicht vom Aussterben bedroht sind.

 

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