Weg vom Erdöl – Die Rohstoffwende in der Chemieindustrie

        Rohstoffwende    


Erdöl ist wohl einer der wichtigsten Rohstoffe für uns Menschen. Das schwarze Gold ermöglicht uns viel, allerdings bringt unser extremer Erdöl-Verbrauch auch immer größere Probleme mit sich. Es ist schon lange klar, dass es sich bei Erdöl um einen endlichen Rohstoff handelt, und die wissenschaftlichen Prognosen, wann das Erdöl aufgebraucht sein wird, rücken immer näher. Eine wirkliche, nachhaltige Lösung für das Problem gibt es allerdings noch nicht. Erdöl wird nicht nur für die Herstellung von Kraftstoffen genutzt, auch die Chemieindustrie greift viel auf den Rohstoff zurück.

Ein weiterer Grund für die benötigte Rohstoffwende ist, dass die Verwendung von Erdöl in direkter Verbindung mit hohen CO2-Emissionen steht. Da dieses Problem schon länger bekannt ist, machen sich einige Wissenschaftler Gedanken darüber, welche Ersatzmittel man stattdessen verwenden könnte. Darum stellen wir dir verschiedene Ansätze vor, wie der so wichtige Rohstoffwechsel in die Tat umgesetzt werden kann.

 

Ich und mein Holz

Das Beste an Holz ist, dass wir es einfach neu produzieren können. Deswegen ist die Nutzung von Holz für Produktionen jeglicher Art extrem vorteilhaft. Holz wird vor allem dazu benutzt, um Papier herzustellen. Dabei erhält man zwei Produkte: Die Zellulose, die für das Papier benutzt wird und Lignin, welches momentan als Abfallprodukt verbrannt wird. Dabei kann die Chemieindustrie Lignin gut als Ersatzrohstoff verwenden. Man kann aus Lignin beispielsweise Phenol gewinnen, das für Kleber und Harze verwendet werden kann. Außerdem enthält Lignin Duftstoffe, aus denen man unter anderem Vanillin herstellen kann. Aus Lignin kann außerdem Polyamid gewonnen werden. Dieser Kunststoff ist temperaturbeständiger als andere und kann somit im Autobau verwendet werden.

 

Weizenkleie und Krabbenschalen

Bei Weizenkleie handelt es sich, wie bei dem Holz, um einen Rohstoff, den wir ohne Probleme herstellen können. Es ist ein Abfallprodukt, welches momentan noch verbrannt wird. Wenn man bedenkt, was man alles aus Weizenkleie herstellen kann, ist diese Verbrennung mehr als verschwenderisch. Mit der Hilfe eines Fermentationsverfahrens, in dem man Enzyme von Mikroorganismen nutzt, kann man daraus viele chemische Rohstoffe gewinnen. Zu diesen gehören beispielsweise Rohmaterial für Öle, die als Schmiermittel eingesetzt werden. Ebenso kann man für Medikamente benötigte Stoffe aus dem eigentlichen Abfallprodukt gewinnen. Auch der Einsatz für die Herstellung von Kunst- und Farbstoffen ist möglich. Die Kunststoffe, die man aus Weizenkleie herstellen kann, wären ein wirklicher Meilenstein, denn diese sind biologisch abbaubar.

Auch bei den Krabbenschalen handelt es sich um ein Produkt, das momentan noch als Abfall behandelt wird. Die Entsorgung kostet sogar relativ viel Geld. Dabei können durch chemische Verfahren daraus wiederum Stoffe für die Herstellung von Kunststoffen und Schmiermitteln gewonnen werden.

 

 

Stroh für Strohhalme

Die Verwendung von Stroh um Kunststoffe herzustellen ist schon seit 2007 im Gange, allerdings war sie bis jetzt noch nicht so erfolgreich. Ein Forschungsteam aus Karlsruhe war in der Lage, Stroh in eine schwarze, ölähnliche Flüssigkeit umzuwandeln, allerdings kann man diese so noch nicht benutzen. Um diese Masse weiterverwenden zu können, soll eine Anlage gebaut werden, die das schwarze ölige Etwas in Synthesegase umwandelt. So könnte man die Kunststoffproduktion zusätzlich unterstützen.

 

Die Industrie will nicht handeln

Die bisherigen Produktionsverfahren der Chemieindustrie basieren weitestgehend auf Erdöl und was der Bub nicht kennt, das frisst er nicht. Außerdem ist das Öl noch in großen Teilen erhältlich, allerdings ist dies eine Einstellung nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut!“ – was für die Zukunft der Erde nicht wirklich hilfreich ist. Die Unternehmen müssen nicht für ihre CO2-Emissionen aufkommen, sie haben also keinen Ansporn, um das Alte zu ändern. Irgendwann wird die Industrie allerdings einsehen müssen, dass eine Rohstoffwende unumgänglich ist. Wir hoffen nur, dass dies passiert, bevor der letzte Tropfen Erdöl aufgebraucht wurde.

 

Fotos: Bloomberg / Kontributor; Axel Schmidt / Freier Fotograf / Getty Images



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