Immer und überall?! Die Wahrheit über ein Gerät, das unser Leben veränderte!

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Es ist einige Zentimeter lang, genau richtig für uns, fühlt sich hart und glatt in der Hand an, vibriert und wir können nie genug von ihm bekommen:
Unser Handy! (Oder habt ihr an dieser Stelle an etwas anderes gedacht? Ich muss euch enttäuschen, heute geht es wirklich nur um die Technik).
Wir lieben unser kleines, aber fleißiges Helferlein, das uns nicht nur die Kommunikation zu unseren Lieben ermöglicht, sondern uns darüber hinaus sämtliche Fragen recherchieren lässt, uns den Weg weist, mit unserer Musik und jeder Menge Entertainment verwöhnt und immer genau das macht, was wir wollen. Ohne es gehen wir nirgendwo mehr hin und wenn wir tatsächlich mal auf unser Gerät verzichten müssen, fühlen wir uns irgendwie nackt.
„Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Vielen, die diese Frage gestellt wird, denken natürlich zunächst einmal an die Menschen, die ihnen sehr nahe stehen und auf die man nicht verzichten würde. Direkt danach allerdings haben viele schon ihr geliebtes Handy im Kopf, mit dem man sich ja dank der heutigen Ausstattung wunderbar unter den Palmen aufhalten kann, ohne das es langweilig wird- und wenn man genug von der einsamen Insel hat, kann man sich ja einfach per Notruf von dort wegholen lassen!

Doch wohin führt uns unsere schon fast fanatische Beziehung mit diesem beliebten, elektronischen Alleskönner? Am 3. Dezember 1992 wurde die erste SMS in Großbritannien per Handy an einen Computer geschickt und seitdem hat sich einiges verändert: Jeder von uns versendet im Jahr ungefähr 700 SMS durchschnittlich und hier sind noch keine Nachrichtendienste anderer Anbieter, wie zum Beispiel „whatsapp“, eingerechnet, die mittlerweile häufig die kostenpflichtigen Kurznachrichten ersetzen und von denen wir über 30 am Tag versenden- das sind noch mal 10950 Messages im Jahr zusätzlich! Über 3 Stunden am Tag verbringen wir mit unserem Handy und wenn wir das auf unser gesamtes Leben hochrechnen, ist es doch mehr als schade, dass wir im Kontrast dazu nur insgesamt zwei Wochen mit Küssen verbringen!
Aber wir lieben es anscheinend mehr, uns über Plattformen und Netzwerke miteinander auszutauschen und was sich im Laufe der letzten Jahre auch geändert hat: Es wird erwartet, dass man immer und überall erreichbar ist- und das sofort! Wer nicht direkt antwortet, nachdem der andere die Lesebestätigung seiner gesendeten Nachricht erhalten hat, wird oft sofort mit Fragen wie ;Bist du noch da?!“ oder „Wieso antwortest du nicht?!“ geradezu bombardiert. Und wenn man über längere Zeit nicht im sozialen Netzwerk online war, dann wird man schon fast für tot erklärt! Das Kommunikationsverhalten hat sich unverkennbar gewandelt und es wird eine ständige Bereitschaft vorausgesetzt, überall erreichbar zu sein. So schnell, wie sich die Welt häufig um uns zu drehen scheint und sich verändert, so flexibel und mobil scheinen auch wir sein zu müssen- oder?!

Auch wenn unsere elektronischen Begleiter einfach nur praktisch sind, sie lenken uns von der Realität ab! Es ist vielen von uns mittlerweile wichtiger, wie viele „Likes“ ihr virtueller Beitrag erhält, als wie wir im echten Leben ankommen. Die Flucht in eine schriftliche, indirekte Kommunikation, erscheint uns oft einfacher, denn hier sieht unser Gegenüber nicht unsere Reaktion, die sich im wirklichen Gespräch durch Mimik und Gestik kaum verbergen lässt. Wir können durch die Verwendung von Smileys unsere Gefühle dem Zweck des Gesprächs anpassen und müssen unsere nicht preisgeben.

Wir betrachten unser Leben fast schon wie durch ein mobiles Fernglas, durch das unser tatsächliches Dasein im hier und jetzt irgendwie geschützter erscheint. Ein Phänomen, das diese traurige Tatsache belegt, kann man bei Katastrophen oder Gewalttaten gut beobachten: Die Augenzeugen solcher Vorfälle wählen vielleicht noch den Notruf oder informieren die Polizei, aber bereits im nächsten Schritt halten sie die Szenen mit ihrem Handy fest. Ein solches Video in ein soziales Netzwerk zu stellen, bringt einem garantiert viel der geschätzten Aufmerksamkeit anderer Menschen ein- über Geschmack lässt sich an dieser Stelle natürlich eindeutig streiten! Und zusätzlich ist das Betrachten von Gewalttaten durch die Handykamera eine Schutzfunktion- wir flüchten uns von der Rolle des eventuellen Ersthelfers in eine Zuschauerebene, in der wir irgendwie nicht mehr aktiv vor Ort zu sein scheinen. Wie in einem Horrorfilm, in dem man sich zwar gruselt, aber den man ja doch auf Distanz beobachten kann- eindeutig bequemer!

Auch unsere Beziehungen werden von dem ständigen Handykonsum beeinflusst. Wie oft sieht man Paare oder Freunde im Restaurant sitzen, aber anstatt sich miteinander zu unterhalten, widmen sie sich vor allem ihrem kleinen, mobilen Spielgerät und scheinen alles um sich herum zu vergessen. Mittlerweile ist dies sogar so weit verbreitet, dass es einen eigenen Begriff hierfür gibt: Phubbing, was von den Wörtern „phone“ und „snubbing“ abgeleitet ist und soviel wie dämpfen bedeutet. Durch die ständige Ablenkung des Handys dämpfen bzw. vergessen wir unser Gegenüber geradezu und nehmen das Treffen gar nicht wirklich wahr.

Unser Anliegen deshalb an euch: Wir verstehen, wenn euch euer Handy wichtig ist und ihr in vielen Situationen nicht darauf verzichten könnt. Müsst ihr auch nicht, wenn ihr einfach nur daran denkt, dass dieses das wirkliche Leben nicht ersetzen kann. Nehmt euch Zeit für eure echten Freunde, denn die haben einen entscheidenden Vorteil: Ihnen geht nicht so schnell der Akku aus und Empfang haben sie auch immer!

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