Können Tattoos gesundheitsschädigend sein?

        Tattoos gesundheitsschädigend    

Das geht unter die Haut…

Wir hören ständig von den Gefahren des Tätowierens und da die bunte Körperkultur bei uns zulande noch eine relativ junge ist, kommen immer wieder neue Erkenntnisse an die Oberfläche. Fakt ist aber, dass jeder neunte Deutsche schon einen stetigen Begleiter unter seiner Haut trägt. Einst stachen sich Seefahrer ihre Liebsten auf den nackten Körper, um die damit verbundenen Erinnerungen nicht verschwimmen zu lassen. Die Aborigines trugen ihre Götter in Tiergestalt auf der Haut und während Tätowierungen in der westlichen Welt ein Ausdruck von Individualität sind, stehen die traditionellen Tattoos in Japan für die Zusammengehörigkeit einer Gruppe.

Mit der Zeit kommt der Wandel – kann das Streben nach Selbstverwirklichung gefährlich werden?

Der erste Eingriff in die physische Gesundheit des Menschen ist das Stechen lassen. Die unterschiedlichen Nadeln besitzen spezielle Eigenschaften, die es dem Künstler ermöglichen akribischer zu arbeiten. So ist eine Roundliner speziell da, um Linien zu ziehen oder eine mehrreihige Nadel wie die Open Magnum, um Flächen zu füllen. Diese stechen dann bis in die Dermis, also die zweite Hautschicht und platzieren dort die Farbe, um eine lebenslange Bemalung zu garantieren.

Dafür muss aber die erste Hautschicht durchstoßen werden und – wie bei allen offenen Wunden – kann es zu Infektionen kommen, da Bakterien von der Oberfläche der Haut hineingestochen werden können. Ein leichter Weg, gefährliche Infekte wie HIV oder Hepatitis unter die Haut zu bringen. Diese Gefahr besteht allerdings nur, wenn die Tattoos im privaten Umfeld oder Gefängnissen gestochen werden. In sterilen und hygienischen Studios besteht eher kein Risiko einer Infektion. Doch Diabetikern, die einen sehr unregelmäßigen Blutzuckerspiegel haben, sollten es sich trotzdem zweimal überlegen, da das Hautinfektionsrisiko wesentlich höher ist.

Ein weiteres aber selteneres Risiko besteht in einer granulomatösen Entzündung. Dies ist eine Reaktion des Körpers gegen einen Fremdkörper. Die Körperzellen schwellen an, werden knötchenförmig und entzünden sich. Die medizinische Notlösung ist die gleiche wie bei einer Farballergie, die meistens bei roten Farbstoffen auftritt. Mit viel Glück kann eine Lasertherapie helfen, wahrscheinlicher ist jedoch eine chirurgische Entfernung des Tattoos.
 

Hygiene in Tattoostudios
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Gefährdungen können auch bei Henna-Tattoos entstehen, die man sich beispielsweise im Urlaub machen lässt. Henna-Tattoos sind im Prinzip nur oberflächliche Bemalungen, allerdings können sie Allergien wegen des Stoffes Paraphenylendiamin, der in Deutschland weitestgehend verboten ist, auslösen. Vor allem Kinder sind dafür anfällig und entwickeln eine lebenslange Sensibilität gegenüber der chemischen Verbindung, die in der Lederindustrie weit verbreitet ist.

Aber nicht nur im Ausland kann die Farbe gesundheitsschädigend sein. Bei unseriösen Herstellern können Verunreinigungen vom Strecken der Farbe oder zu hohe Anteile von Nickel, Blei und Antimon enthalten sein und somit stark toxisch für den Menschen wirken. Bestandteile, Mindesthaltbarkeitsdatum, sowie Name und Adresse der Herstellungsfirma müssen aber gegenzeichnet werden. Es ist keine Schande den Tätowierer danach zu fragen, da die Gesundheit des Menschen immer Priorität hat und diese Informationen für jemanden, der sein Leben damit verbringen möchte, eigentlich wissenswert sind.

In schwarzer Tattoo-Farbe befindet sich der Stoff Benzpyren und weitere PAKs. Benzpyren – eines der polycyclischen, aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) – war schon häufig die Ursache für Hautkrebs bei Schornsteinfegern und dem Lungenkrebs bei Rauchern. Das hört sich im ersten Moment gefährlich an und wird aus diesem Grund von Tattoo-Gegnern auch immer wieder aufgegriffen. Ebenso wie die Tatsache, dass Tattoo-Farbe die gleichen Farbpigmente wie Autolack aufweist. Aber seit 2012/2013 werden seriöse Farbhersteller von ÖKÖ-TEST kontrolliert und es konnte noch keine Verbindung zwischen Benzpyren in der Tattoo-Farbe und Hautkrebs nachgewiesen werden. Es kommt wie bei allem anderen auch auf die chemischen Verbindungen mehrerer Stoffe an. Wer nun also versucht, günstig mit Tattoo-Farbe sein Auto zu lackieren, der wird leider enttäuscht sein.

Etwas Gesundheitsschädigendes über die Verteilung der Farbe im Körper und die Verfärbung der in Reichweite liegenden Lymphknoten konnte unsere Recherche nicht bestätigen, aber es soll sich hierbei durchaus um eine Tatsache handeln.

Wir hoffen, wir konnten dir verdeutlichen, dass es vor allen Dingen auf die Qualität der bunten Körperkultur ankommt. Wer auf hygienische Verhältnisse und geprüfte Farbe achtet, der sollte nichts zu befürchten haben. Allergiker und Personen mit hoher Sensibilität sollten diese vorher feststellen lassen und gegebenenfalls auf ein Tattoo verzichten. Tattoo-Studios übernehmen in der Regel keine Haftung und wer sich stechen lässt, ohne sich vorab zu informieren, der hat auch mit unguten Folgen zu rechnen.

My Body is my Journal,
and my Tattoos are my Story.

 

Die Leidenschaft macht’s!

Unter der Nadel: Tätowierer aus Leidenschaft

 

Fotos: Brunella Fratini / EyeEm; GoodLifeStudio / Getty Images



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