Haarausfall mit Eigenblut behandeln – Funktioniert das?

        Eigenblut-Behandlung gegen Haarausfall    

Früher galten ein kahler Kopf, drei quer über den Kopf gekämmte Reststrähnen oder ein ausgedünnter Haarkranz am Hinterkopf als Markenzeichen alter Männer. Heute entdeckt man Vollglatzen bereits bei relativ jungen Männern ab Mitte zwanzig. Niemand außer Donald Trump kämmt sich mehr das dünn gewordene Haar über den kahlen Schädel und sprüht es dort mit Haarspray fest. Der modebewusste Mann von heute lässt sich die Haare lieber raspelkurz schneiden. Doch das Leiden an einem Haarkranz oder einem zunehmend kahlen Kopf ist ein Thema, an dem sich eine ganze Industrie dumm und dämlich verdient. Mehr als gefühlte Erfolge sieht man meistens nicht. Doch es gibt brauchbare Alternativen.
 

Eigenblut macht Haare gut

Wissenschaft kann manchmal recht nützlich sein. Die Erkenntnis, dass man mit einer Eigenblut-Therapie manches körperliche Leiden kurieren kann, ist relativ alt. Neuer ist die Erkenntnis, dass man mit blutplättchenreichen Plasma (auf englisch: Platelet Rich Plasma oder PRP) auch sein Haarwachstum ankurbeln kann. Zunächst setzte man das PRP in der Anti-Aging-Therapie zur Faltenbehebung ein. Statt sich Botox in die Hautfalten injizieren zu lassen, ließen sich prominente Frauen wie Kim Kardashian in die störenden Falten zunehmend das aus dem eigenen Blut gewonnene Plasma injizieren. Dabei handelte es sich wenigstens nicht um körperfremdes Material. Während sich mehrere weltbekannte Männer heimlich einer Haartransplantation unterzogen, reifte bei verschiedenen Wissenschaftlern die Erkenntnis, dass Haarlose stattdessen genauso gut mit PRP-Injektionen gefahren wären. Denn mit dem zentrifugierten und angereicherten eigenen Blutplasma kann auch der Haarausfall erfolgreich therapiert werden.

Diese Erkenntnis bestätigte nicht nur eine italienische Studie mit immerhin 1.440 Probanden. Das Ergebnis der Untersuchung war sensationell: Der Haarausfall konnte bei 93 Prozent der Studienteilnehmer gestoppt werden – und mit ihm alle Begleitsymptome wie Kopfjucken und Ähnliches. Nur bei 20 Prozent der Teilnehmer konnte der diffuse Haarausfall nicht umgekehrt werden. Bei über zwei Dritteln der Studienteilnehmer waren die Ergebnisse der Eigenblut-Therapie auch noch nach zwei Jahren sichtbar. Sie hatten eindeutig mehr Haare als vor der Behandlung.
 

Was für eine haarige Angelegenheit

Für viele Männer – aber zunehmend auch für Frauen – ist diffuser Haarausfall eine echt haarige Angelegenheit. Die Betroffenen investieren viel Geld in alle möglichen Shampoos, Wässerchen oder Nahrungsergänzungen, die neuen Haarwuchs versprechen. Am Ende der Strecke erkennt man, machtlos gegen Naturgewalten und die körpereigenen Prozesse zu sein. Mit der PRP–Eigenblutbehandlung könnte endlich ein funktionierendes Mittel gegen den zunehmend kahler werdenden Kopf gefunden worden sein. Denn das thrombozytenreiche Blutplasma sorgt im Organismus von Natur aus für die Zellerneuerung. Somit ist nachvollziehbar: Da die Blutplättchen, Stammzellen und Thrombozyten im Eigenblut biologische Bausteine und proteinhaltige Wachstumsfaktoren enthalten, können sie auch die nicht mehr produktiven Haarwurzelzellen beeinflussen. Das PRP sorgt für eine Reaktivierung der nicht mehr intakten Haarwurzelzelle. Sie durchblutet sie besser und versorgt sie mit den benötigten Nährstoffen.

Mithilfe der Plasmapherese kann man das wachstumsfördernde Blutplättchen-Konzentrat gewinnen. Das PRP wird anschließend in die Kopfhautbereiche injiziert, die von Haarverlust bedroht sind. Der Organismus kann nun an Ort und Stelle sofort mit der Zellregeneration beginnen. Er profi-tiert von den direkt an der betroffenen Körperregion eingebrachten Wachstumsfaktoren. Der bereits existierende Haarverlust kann durch die PRP-Injektionen gestoppt werden. Darüber hinaus gelingt es in den meisten Fällen auch, durch Reaktivierung der Haarfollikel neues Haarwachstum zu initiieren. Noch besser ist die Nachricht, dass die PRP-Methode auch bei Frauen mit diffusem Haarausfall funktioniert. Kombiniert mit dem sogenannten “Micro-Needling”, kann die PRP-Eigenblutbehandlung noch effektiver gestaltet werden.

Heute weiß man, dass sich dysfunktionale Haarfollikelzellen durchaus regenerieren lassen. Dazu braucht es nur die bereits erwähnten Wachstumsfaktoren aus dem Blutplasma, die man an Ort und Stelle einsetzt. Das Micro-Needling kann mittels eines Dermarollers mit winzigen Titannadeln angewendet werden. Auch die feinen Nadelstiche in der Kopfhaut können das Zellwachstum anregen. Aufmerksame Mediziner bemerkten irgendwann, dass es zu vermehrtem Haarwachstum an Wundrändern kommt. Folglich kam man zu dem Schluss, dass kleine Wunden auf der Kopfhaut die Haarfollikelzellen zu neuem Haarwachstum anregen
können.
 

Haarausfall Eigenblut Behandlung Erfahrungen

 

Die Presse spricht von “Dracula”-Therapie

Nun ja, Herr Dracula nährte sich bekanntermaßen am Blut. Allerdings nicht an seinem eigenen – und da besteht der Unterschied zur PRP-Therapie. Sie nährt die Kopfhaut des Betroffenen mit körpereigenen Substanzen. Bekannt war bisher, dass das PRP-Serum bestimmte innerkörperliche Prozesse positiv beeinflussen konnte. Es wurde zur Unterstützung der Selbstheilung von naturheilkundlichen orientierten Ärzten verabreicht. Jetzt stellt die PRP-Eigenblut-Therapie sogar eine echte Alternative zur Haartransplantation dar. Sie ist deutlich kostengünstiger, wesentlich unblutiger und im Ergebnis genauso effektiv.

Die Verträglichkeit des Eigenblut-Präparates ist sehr gut. Man muss weder mit allergischen Reaktionen noch mit anderen Nebenwirkungen der Behandlung rechnen. Die Kranken-kassen übernehmen diese Behandlung meistens nicht. Auch die ergänzende Stimulationstherapie durch Micro-Needling, die die Bildung neuer Haarfollikel über die Wundheilung positiv beeinflussen kann, zahlt der Patient in der Regel selbst. Das gilt aber auch für die Haartransplantation. Diese ist allerdings ungleich teurer und aufwendiger. Wie man an Elton Johns Perücke sehen kann, ist eine teure Haartransplantation auch nicht dauerhaft von Erfolgen gekrönt.

 

Fotos: M_a_y_a; abadonian/iStock.com



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