Versagensängste beim Sex

        Versagensängste beim Sex    

Wahrscheinlich jeder Mann hat sie schon in der ein oder anderen Form gehabt: Versagensängste beim oder auch vor dem Sex. Die Angst, keinen hochzubekommen, im Bett zu versagen, danach verspottet oder verlacht zu werden, die Anspannung, eine Leistung bringen zu müssen etc. Vielleicht hast auch du schon solche Gedanken gehabt – und falls dies der Fall war, so möchten wir dir etwas Aufklärung und Hilfestellung leisten. Denn diese Gedanken sind ganz normal – und es lässt sich etwas gegen sie tun.
 

Ein Problem der Zeit

Noch einmal und um die Wichtigkeit dieses Satzes zu unterstreichen: JEDER Mann hatte irgendwann schon einmal Versagensängste beim oder vor dem Sex. Denn jeder Mann wird es einmal erleben, dass er nicht kommen kann oder keinen hochbekommt oder ähnliches. Wir sind keine Maschinen – und das ist auch gut so. Der erste Schritt, um zu verstehen, woher unsere Ängste kommen (und was wir gegen sie tun können) beginnt mit einer ehrlichen Frage an sich selbst:
 

Wie viele Pornos schaust Du?

Zwischen Pornokonsum und Versagensangst besteht nämlich ein Zusammenhang. Pornos sind heute überall verfügbar und jeder Mann hat wohl schon zuhause am PC einen Porno geschaut. Das ist auch nicht per se abzulehnen – aber: Wer beständig Pornos anschaut, richtet zweierlei in seinem Sexempfinden an:

Zum einen nimmt man(n) ein falsches Bild vom Sex auf – Männer mit einem Dauerständer, die Frauen alle drei Minuten in eine neue Stellung hinein bugsieren und von hinten, vorne, oben, unten, links und rechts dauerpenetrieren bis nach 30 – 40 – 60 Minuten dann der Abschuss über ein Gesicht o.a. kommt. Wer immer solche Bilder schaut, muss irgendwann zum Schluss kommen, dass normaler Sex so ist. Und das ist er eben nicht.

Zum anderen wird das Gehirn, wenn man ihm dauernd Filme als Trigger vorsetzt, daran gewöhnt, das Lustzentrum bei Konsum dieser Hochglanzbilder anzuwerfen – und es wird schwerer, dasselbe durch Vorstellungen im Kopf zu erreichen. Doch es ist der Kopf, in dem die Lust entsteht (mehr dazu später).

Nach Untersuchungen in Japan haben dort 50% der jungen Männer im Alter zwischen 18 – 25 Jahren keinen Sex mehr, da sie lieber Pornos schauen. Diese sind immer verfügbar und können ohne irgendeinen Aufwand passiv konsumiert werden. Eine Frau kennenlernen – mit ihr flirten, reden – irgendwann sogar schlafen – das ist dagegen sehr viel mehr Aufwand.

Kurz: Durch den übermäßigen Konsum von Pornos wird eine passive Aufnahmehaltung gefördert und es werden völlig falsche Vorstellungen vom Sex vermittelt – womit auch ein enormer Erwartungsdruck einhergeht (perfekt aussehen – perfekt Sex machen), welcher gradewegs in eine Versagens-angst mündet. Also: Pornos nur als Ausnahme – nicht als Regel.
 

Lösungsschritt Eins – das Werkzeug kennenlernen

Die Lösung aus diesem Dilemma ist vergleichsweise einfach – man muss sich einmal bewusst klarmachen, dass das eigentliche Lustzentrum im Kopf (und nicht im Penis) sitzt. Im Gehirn entsteht die Lust – und damit kann man (im Wortsinne) arbeiten. Hol dir also künftig einen runter, indem du dir sexuelle Fantasien machst – das ist nämlich für das Lust-empfinden besser als der passive Konsum von Pornos.

Ein Sexualtherapeut namens Laszlo Nemeth, war im letzten Jahrhundert deswegen so erfolgreich, weil er seinen Patien-ten vermitteln konnte, dass der Sex im Kopf beginnt – und dass man den ganzen Körper für den Sex braucht – nicht nur den Schwanz. Daher kommt der Tipp, seinen eigenen Körper kennenzulernen.

Eine gute Übung ist es zum Beispiel, sich einmal in der Woche eine Stunde Zeit für den eigenen Körper zu gönnen. Sich in ei-ner gemütlichen und warmen Atmosphäre selber körperlich zu verwöhnen – beispielsweise sich mit einem guten Massageöl einzureiben und dann alle Körperregionen einzeln zu spüren.

Den Bauch, den Po, die Beine, die Arme, den Rücken, die Brust – auch den Penis, aber nicht, um sich einen runterzuholen, sondern um das Gefühl des Körpers zu genießen – wie gut es sich anfühlt, gestreichelt und berührt zu werden. Das ist ein enorm starker Schritt zu weniger Versagensangst – den eigenen Körper wahrzunehmen (und zu genießen).
 

Lösungsschritt Zwei – für sich selbst verantwortlich sein

Von dem amerikanischen Sexualtherapeuten David Schnarch stammt der schöne Satz: Jeder Mensch ist für seinen Orgasmus selbst verantwortlich. In diesem Satz ist Wahrheit enthalten. Ein Teil der Versagensängste eines Mannes kann auch daher rühren, dass er sich für den Orgasmus der Frau verantwortlich fühlt.

Die Frau muss kommen, damit der Mann ein guter Liebhaber ist. Auch diese Denkweise erzeugt inneren Druck. Schau dir ruhig mal deine eigenen Gedanken dazu an: Was, denkst du, ist deine Aufgabe beim Sex? Bist du allein für den Orgasmus deiner Partnerin zuständig?

Es macht Sinn sich klarzumachen, dass eine Jagd nach dem Orgasmus nur dazu führt, dass dieser nie gefangen wird. Vielmehr ist der Orgasmus etwas, was, wie der Sex, aus dem Augenblick der Hingabe kommt. Und das ist etwas, was wir nicht mit dem Willen erreichen können (Ich will jetzt einen Orgasmus! Und ich will, dass Du kommst!). So geht es nicht.

Also löse dich von der Vorstellung, DU seist allein für den Orgasmus deiner Partnerin verantwortlich. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und je lockerer du bist, desto größer die Chance, gemeinsam den Höhepunkt zu erreichen – aber ohne Erwartungen und ohne inneren Druck.
 

Lösungsschritt Drei – die Kraft der Kommunikation

Sprich über das, was DU beim Sex gut findest und was dich antörnt – und frage das auch deine Partnerin. Zeige beim Sex durch Stöhnen u.a. dass du das magst, was gerade geschieht – es sollte natürlich ehrlich sein und kein aufgesetztes Verhalten. Frag deine Partnerin, worauf sie abfährt und dann mache das.

Sprich auch mit anderen Menschen über Sex – gerade mit Männern. Nicht, um sich zu vergleichen, sondern um sich am Austausch zu erfreuen. Denn auch dies ist ein wichtiger Punkt: Unser heutiges Leben, in dem wir voneinander abgeschirmt und oft dazu alleine in Häusern, Wohnungen, Zimmern leben, ist evolutionär unnatürlich.

Wir sind ein Herdenwesen und immer in eine Sippe, einen Clan, eine Familie eingebunden gewesen, weswegen der enge Kontakt zu anderen Menschen für uns normal ist (evolutionär gesehen). Wenn du feststellst, dass du vor allem allein bist, so mache dir klar, dass dies ein unnormaler Zustand ist.

Aus längerem Alleinsein entstehen alle möglichen Schrullen und Seltsamkeiten im Verhalten. Daher ist es enorm wichtig, in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Nimm dir vor, mit Freunden Dinge zu tun – mit ihnen zu essen, zusammen zu sein, sich zu unterhalten und am besten auch zusammen in einem Raum zu schlafen.

Denn die Versagensangst beim Sex kann auch ein schrulliger Wesenszug werden, welchen du im Alleinsein verstärkst, bis er ein Glaubenssatz geworden ist, der dein Leben beschädigt. Und das muss nicht sein.

Wenn du einen Schritt weitergehen willst, kannst du dir auch überlegen, Tantra-Seminare zu besuchen oder Swingerclubs oder andere Einrichtungen, wo Menschen lustvoll ihrer Sexualität frönen. Es sollte dich freilich ansprechen – auch hier sollte man sich zu nichts mit der Brechstange zwingen, sondern das tun, was einen antörnt.

Auch Flirt- und Sexportale wie Tinder, Poppen.de oder andere bieten heute Möglichkeiten, sofern du gerade keine Freundin hast, andere Frauen als Sexualpartnerinnen kennenzulernen. Das Wichtigste aber noch einmal: Tritt mit anderen Menschen auch zum Sex in Kontakt. Verbringe mit anderen Menschen Zeit! Vor allem mit Männern!

Es braucht für das Mann-Sein auch Männer um uns – natürlich. Und es ist gut und richtig, das Mann-Sein zu fördern.
 

Fazit

Versagensängste beim Sex sind keine Schande, denn jeder Mann hat sie irgendwann einmal. Du kannst aber etwas gegen sie tun – und dazu waren dir hoffentlich die Ausführungen dieses Artikels eine Hilfe.

 

Fotos: fotostorm/iStock.com



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