Woher kommen diese Redensarten?

        Redensarten Eselsbrücken    

Ob dich das Unwissen aus der Bahn wirft oder du dir lieber eine Eselsbrücke bauen kannst?
 

1. Etwas aus dem Ärmel schütteln

Bedeutung: etwas ohne Mühe erledigen.

Herkunft: Im Mittelalter hatten Mönche in ihren Kutten weite Ärmel, die sie als Taschen nutzten. Sie konnten damit Gegenstände transportieren und diese bei Bedarf „aus dem Ärmel schütteln“.
 

2. Sich eine Eselsbrücke bauen

Bedeutung: sich eine Merkhilfe ausdenken.

Herkunft: Esel laufen nur dann über eine Brücke, wenn sie ihnen sicher erscheint. Die Tiere brauchen also eine besonders sichere Brücke. Wir bauen uns Gedankenbrücken, wenn wir uns Dinge merken wollen. Man merkt sich zum Beispiel Folgendes sicher: „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.“
 

3. Aus der Bahn geworfen

Herkunft: Bei einem mittelalterlichen Turnier, dem Tjost, lag der Kampfplatz zwischen den Turnierschranken. Derjenige Ritter, der zuerst aus dieser Bahn geworfen wurde, hatte das Turnier verloren.

Bedeutung: Der Ausdruck „Aus der Bahn geworfen“ bedeutet heute: Ein Mensch ist gescheitert und findet sich in seinem Leben nicht mehr zurecht.
 

4. Kalte Füße bekommen

Bedeutung: Man steigt aus einem Vorhaben aus, weil plötzlich Bedenken hochkommen oder man Angst verspürt.

Herkunft: Der Spruch stammt aus der Welt der Kartenspieler. Glücksspiele fanden früher meist in dunklen, kalten Kellerräumen statt. Wollte jemand aus dem laufenden Spiel aussteigen, nutzte er häufig seine „kalten Füße“ als willkommenen Vorwand: „Ich habe kalte Füße bekommen und muss mich einmal kurz aufwärmen“, hieß es dann.
 

5. Das geht auf keine Kuhhaut

Bedeutung: Das geht zu weit oder das ist unzumutbar.

Herkunft: Ursprünglich bedeutete die Redewendung, es passt auf kein noch so großes Pergament. Bevor das Papier im 13. Jahrhundert dank der ersten europäischen Papiermühlen seinen Siegeszug antrat wurde auf Pergament geschrieben. Und das wurde normalerweise aus Schafs- oder Kalbshäuten gemacht. Die Menschen jener Zeit glaubten, dass der Teufel ihre Sünden aufschreibt. War man ein richtiger Bösewicht, dann brauchte der Teufel schon eine Kuhhaut, um alle Schandtaten aufzuschreiben. Wurde selbst die zu klein, war der Mensch ein echter Schurke. Und zu viele Sünden gingen „auf keine Kuhhaut“. Der erste Beleg für die Redewendung sind die „sermones vulgares“ von Jaques de Vitry (vor 1240).
 

6. Aus dem Nähkästchen plaudern

Bedeutung: Wer aus dem Nähkästchen plaudert, verrät etwas Geheimes oder gibt Persönliches preis.

Herkunft: Das Nähkästchen war ein Accessoire, dass für gewöhnlich nie in Männerhände fiel. Zwischen Nadel und Faden lag daher so manches Geheimnis verborgen. Es war nicht nur der Aufbewahrungsort für Handwerkszeug, sondern eignete sich hervorragend, um geheime Briefe oder persönlichen Krimskrams zu verstecken. Populärstes Beispiel ist das Nähkästchen von Fontanes Effi Briest. Ihr Mann fand darin Briefe, die sie ihrer Affäre überführten.
 

7. Da beißt die Maus keinen Faden ab

Bedeutung: Daran ist nichts mehr zu ändern.

Herkunft: Hier konkurrieren zwei Herkunftsmöglichkeiten: Eine beruft sich auf den 17. März, den Tag der heiligen Gertrud, die im Mittelalter vor allem zur Abwehr von Ratten- und Mäuseplagen gerufen wurde. Zu jenem Datum stellten die Bauern die Winterarbeiten ein und begannen mit der Feldbestellung und Gartenarbeit. Wenn am Gertrudentag noch gesponnen wird, so behauptete man, werde der Flachs von den Mäusen zerfressen, oder der Faden abgebissen. Die Redewendung soll schon vor 1400 gebräuchlich gewesen sein. Die andere vermutet, es handele sich um die Versicherung eines Schneiders gegenüber dem Kunden, dass dessen Stoff bei ihm sicher sei.
 

8. Rutsch mir doch den Buckel runter

Bedeutung: Lass mich in Ruhe! Das ist mir egal!

Herkunft: Die Erklärung für diesen Spruch liegt im frühen Mittelalter als die Schilde auf der Vorderseite noch sogenannte Schildbuckel hatten. Diese Schilde wurden zur Verteidigung in einer Reihe als Phalanx aufgereiht. Wenn dann der Feind gegen die Schilde anstürmte, daran hängen blieb, und von den dahinter in Deckung befindlichen Pikenieren oder Speerträgern durchbohrt wurde, rutschten die Angreifer (tot) über den Buckel nach unten. Darum „den Buckel runter rutschen“. Wurde einem also damals so etwas angeboten, war es, anders als heute, bestimmt kein Ausdruck von Gleichgültigkeit. Eher das Angebot einen gewaltsamen Tod zu erleiden.
 

9. Unter die Haube kommen

Bedeutung: Der Ausdruck „Unter die Haube kommen“ bedeutet heute: Eine Frau hat einen Mann gefunden, der sie heiratet.

Herkunft: Die jungen Mädchen trugen ihr Haar im Mittelalter als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit und Unberührtheit offen herunterhängend. Verheiratete Frauen hingegen steckten ihr hochgebundenes Haar unter eine Haube.

 

Foto: roibu / iStock.com



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