Kolumne: Erotic meets Berlin – Ein Wochenende auf der Venus

        Venus Berlin 2018    

Wie schön wäre es, wenn mir die Themen für eine neue Kolumne immer so zufliegen, wie diesen Monat. Kein großes Nachdenken über Beziehungen, Probleme oder Dinge, die uns hier und da interessieren könnten. Es geht einfach nur um Silikon, Pornosternchen und Sex. Jetzt könnte man meinen, dass sowas hauptsächlich nur uns Männer interessiert, aber mit dieser Meinung liegt ihr so weit daneben, wie ein Sexshop von einem Kloster.

Seit 1997 ist die Venus in der Hauptstadt zuhause und lockt einmal pro Jahr tausende Besucher an. Die größte Erotikmesse der Welt zieht mit ihren hunderten Ständen 30.000 Menschen an, die bei weitem nicht nur männlich sind. Im Gegenteil. An den Ticketständen tummeln sich Männer, die die Messe alleine besuchen, dahinter ein junges Pärchen und wieder dahinter eine Gruppe Männer, die so aussehen, als hätten sie den Urknall persönlich miterlebt. Um alle herum schwänzeln unzählige halbnackte Frauen, die zum Großteil einen Körper haben, der ausschließlich in die Pornoindustrie passen würde. Und dies ist bei Weitem kein Minuspunkt – es ist vielmehr hervorragend anzusehen. Bereits am Eingang höre ich von einigen Jungs den Satz „ich glaub, ich bin verliebt“. Diesen Gedanken werden sie in den nächsten Stunden wohl noch einige Male erleben. Ich würde sogar behaupten, nirgendwo verliebt man sich schneller, als auf der Venus. Dumm nur, dass es eine ziemlich einseitige Liebe bleiben wird, denn mir ist kein Fall bekannt, bei dem nach der Messe die Hochzeitsglocken geläutet haben. Aber dass einige „Glocken“ definitiv läuten werden, ist hier ganz sicher. Sei es drum, hinein ins Getümmel.

Wer das Messegelände in Berlin kennt, weiß, wie riesig und verwirrend es teilweise ist und wie schnell man sich verlaufen kann. Da scheint es angenehm, dass die Venus dieses Jahr nur in vier Hallen zu finden ist, die im Prinzip alle nebeneinander liegen. Also verschwendet man keine Energie, um sich den Weg zu merken, sondern kann sich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Spielzeuge, Sex-Dolls und Möpse. Lange suchen muss man nicht, um fündig zu werden, denn links, rechts, vor und hinter uns laufen kiloweise menschliche Silikoneinlagen umher, die natürlich angefasst und fotografiert werden dürfen. Unser Glück ist, dass wir am Eröffnungstag bereits sehr früh dort sind und noch nicht viel los ist. Die Gänge sind frei und nur vereinzelt stehen sabbernde Typen jeden Alters bei den Damen, um ein #freethenippel-Foto zu ergattern. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, jede der Pornomädels erkennen zu können, also lassen mein Kollege und ich uns einfach treiben und schauen, was es so zu entdecken gibt. Uns fällt ziemlich schnell auf, dass wir wohl die einzigen Typen sind, die nicht sabbernd vor Glück über unsere eigenen Füße stolpern. Männer halt… Von wegen! Denn auch die Frauen, die Hand in Hand mit ihren Partnern anwesend über das Gelände schlappen, scheinen sichtlich erregt von dem, was geboten wird. Aber der Reihe nach.

Das erste, was wir zu sehen bekommen, sind Sex-Dolls. Ein Geschäft, welches immer mehr in Mode kommt und sich wachsender Beliebtheit erfreut. Zugegeben, die Dinger sehen auf den ersten Blick ziemlich echt aus. Unter den Kategorien, die die Häute der Dolls beschreiben sollen, findet man alles bis hin zu „realistisch“. Also ab zum Premiumprodukt. Da ich nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen will, packe ich der unechten Asiatin nicht gleich an die Möpse, sondern schnappe mir ein Stück Arm. Also von Realismus kann hier nicht die Rede sein. Während ihre Augen dir FSK 18-Gedanken zuflüstern, sagt die Haut „That´s fantastic – all in plastic“. Klar fühlt es sich weich an, aber halt so wie ein aufgeweichter Radiergummi mit der Steifigkeit eines gebrochenen Handgelenks. Anders ausgedrückt könnte man auch 500 Gramm Nudeln zu lange abkochen, diese zu einer Masse formen und sie dann berühren. Unterm Strich auch ziemlich ungeil. Aber was soll´s – eine Erfahrung reicher.

Weiter geht’s zur nächsten Halle, denn die Dolls topt hier drin eh nichts mehr. In Halle zwei geht’s dann schon mehr ab. Auf der linken Seite rekeln sich zwei fast nackte Frauen auf einem Bartresen, umringt von den Urknall-Herren, von denen ich anfangs geschrieben habe. Alle Herren der Schöpfung haben hier eines gemeinsam: Einen Pornobalken im Gesicht und eine sehr hochwertige Spiegelreflexkamera. Ebenfalls gemeinsam haben sie, dass niemand auf der Kamera ein Teleobjektiv befestigt hat, denn das würde keinen Sinn machen, denn „Mann“ steht ja ganz vorne. Mit dem Objektiv nur einige Zentimeter von Brüsten und Intimbereich entfernt wird fotografiert, was vor die Linse kommt. Ein regelrechtes Gerangel entsteht unter den Alten, die später zuhause wohl noch viel Spaß mit den Bildern haben werden *hust*. Mir wird schnell klar, dass die Herren von den Damen mehr Ahnung haben, als ich, denn sie rufen wild die Namen der „Künstlerinnen“. Neben mir bahnt sich, natürlich fast nackt, Michaela Schäfer einen Weg zu ihrem Termin. Hat uns allerdings nicht wirklich interessiert, also geht’s weiter in dieser Halle. Rechts von uns ist eine Art Ring, wenn auch sehr klein, in dem zwei (wie immer) nackte Mädels sich miteinander vergnügen. Nichts an, aber die Nippel mit zwei überkreuzten schwarzen Aufklebern abgeklebt – soll einer verstehen. Da wir nicht auf der Suche nach Lederjacken (gibt’s hier tatsächlich) oder Spielzeugen sind, geht’s rüber in Halle drei.

So Freunde, und jetzt wird’s ernst! Eine riesige Halle, gedacht für Auftritte, denn außer einer Bühne steht hier nicht viel drin. Es ist nach wie vor früh an diesem Tag, aber dennoch stapeln sich Messebesucher, sowohl Männer, als auch Frauen, vor dem Aufbau, wo gerade eine Show stattfindet. Naja, nennen wir es mal Show. Die Musik fehlte, glaube ich (ich war leicht unkonzentriert), dafür tobte sich aber ein blondes Pornosternchen mit einem Besucher freizügig aus. Zuerst beugte sie sich lasziv nach vorne, während der Typ auf der Bühne sie mit einem Dildo bespaßte. Als sie so vor ihm tanzt, zog er sein T-Shirt hoch bis zum Hals. Dumm nur, dass auch er jenseits der 60 war und dementsprechend aussah. Das Mädel hingegen war keine 25. Aber hey, wieso nicht. Sie bittet ihn also sich hinzulegen und gibt ihm einem Lapdance vom Feinsten. Oben Korsett, unten nackt. Die Spiegelreflexkameras der Zuschauer klickten, was das Zeug hält und die Tänzerin offenbarte tiefblickende Eindrücke, was den Testosteronspiegel im Raum in die Höhe schnellen ließ. Der Typ auf der Bühne fummelte an ihr willenlos herum, in der Hoffnung, sie würde vielleicht noch seine Hose ausziehen. Doch dafür war es noch zu früh am Tag. Er musste also halbfertig die Bühne verlassen und wurde von seinen Kumpels bejubelt, als hätte er eine medizinische Sensation entdeckt. Wobei, vielleicht war die Sensation für ihn tatsächlich medizinisch – denn sein „Kollege“ stand tatkräftig in der Hose herum.

In der letzten Halle entdeckte ich dann wieder Michaela Schäfer, die endlich ihren Stand gefunden zu haben scheint. Begleitet von zwei ebenso aussehenden Freundinnen gab sie Interviews und stand für Fotos parat. Mir war nie bewusst, dass sie so groß gewachsen ist. Dann fiel mein Blick auf ihre Schuhe und mir wurde schlagartig klar, weshalb. Hacken bis zum Mond, aber passend zum durchsichtigen blauen Kleid(-chen).

Resümee: Die Latte wird hier ziemlich hoch gehängt.


Kolumne von Daniel Heilig

Daniel Heilig

Eine AJOURE´ ohne Daniel wäre wie ein Perpetuum mobile ohne die Bedeutung der Unendlichkeit. Seit dem Gründungsjahr schrieb Daniel unzählige Artikel und gehört zu den Grundpfeilern in der AJOURE´ Men.

 

Fotos: Venus Berlin Presse; Daniel Heilig privat

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