Produktiv schlafen durch luzides Träumen

        Produktiv schlafen durch luzides Träumen    

Der Mensch verschläft 24 Jahre. Lass dir das ordentlich auf der Zunge vergehen. 24 Jahre entsprechen mehr als einem Viertel unseres Lebens, das den Nichtträumern einfach so verpufft. Während wir das zulassen konzentrieren wir uns darauf, wie mit dem täglichen Fitness-Lifestyle noch das eine oder andere Jährchen rauszuholen ist und essen diszipliniert unsere Goji-Beeren.

Vor langer Zeit wurde dem Träumen eine weitaus größere Bedeutung beigemessen, als es heute der Fall ist. Träumen war etwas Heiliges, den Träumen wurde nachgesagt, sie könnten Omen für zukünftige Ereignisse sein, die Menschen legten so viel Wert auf die Interpretation ihres Geträumten, dass sogar der Beruf des Traumdeuters gefragt war.

Mit dem zunehmendem Ideal eines erfüllten Lebens, sowohl auf mentaler als auch physischer Ebene und unserem Streben nach dem perfekten Lifestyle, rückt das Träumen weiter ins Bewusstsein leistungsorientierter Menschen. Und wenn luzides Träumen gar bei den Athleten der Olympischen Spiele Anwendung findet, sollte es für dich gut genug sein.
 

Was ist luzides Träumen?

Das Erfahren eines luziden Traumes wird auch als Klarträumen bezeichnet. Ein Zustand während des Schlafes, der dich deines Traumes bewusst werden lässt. Du träumst und realisierst, dass du träumst. Was sich verwirrend anhört wurde in wissenschaftlichen Tests anschaulich dargelegt.

Jeder Mensch träumt jede Nacht, nur kann er sich nicht immer an die Träume erinnern. Befindest du dich in einem Traum, dann ist dein Körper gelähmt, diesen Zustand nennen Experten Schlafparalyse. Bis auf die Augen und Organe, bewegt sich an einem Träumenden rein gar nichts.

Wissenschaftler um Stephen Laberge machten sich auf die Suche nach Beweisen dafür, dass es einen Wachzustand während des Träumens gibt und uns diesen „klar“ erfahren lässt. Es wurde also ein Proband an Messgeräte geschlossen und ins Träumen versetzt, dabei wurden seine Augenbewegungen aufgezeichnet. Aus den Aufzeichnungen war abzulesen, dass der Träumende nach links und rechts schaute. Als er aufwachte, fragten die Wissenschaftler ihn, was er geträumt habe und er antwortete, er träumte von einem Tischtennisspiel.

Diese Entdeckung war die Erkenntnis, dass Signale aus der Traumwelt in der Realität festgehalten werden konnten und so machten sie das nächste Experiment, um zu garantieren, dass es ein bewusstes Träumen, also luzides Träumen und damit die Möglichkeit bewusste Entscheidungen in Träumen zu treffen, tatsächlich gibt. Die Wissenschaftler vereinbarten einen Code mit dem Probanden, dieser solle eine gewisse Reihenfolge an Augenbewegungen ausführen. Die Aufzeichnungen der Messgeräte versicherten, dass der Proband schläft und sie legten auch offen, dass er während des Schlafens die vereinbarten Augenbewegungen ausführte. Damit war die wilde Theorie des luziden Träumens keine so wilde mehr und als Fakt durch die Wissenschaft in Stein gemeißelt.

Wie leistungsfähig unser Gehirn ist, zeigt das luzide Träumen besonders deutlich. Wir sind in der Lage, eine komplette Traumwelt zu erschaffen, die wie die Realität anmutet. Es ist uns während des Klartraums möglich, eine Traumwelt mit allen Sinnen zu erleben. Es gibt absolut keine Barriere, die unser physischer Körper setzt. So können sich beispielsweise Behinderte in einem bewussten Traum völlig frei bewegen.

Die Traumwelt wird durch den Träumenden beeinflusst, es gibt in dieser Welt keine Konsequenzen – physikalische Gesetze können überwunden werden. Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich ein Sturz aus dem 7. Stock anfühlt – na, bitte! Großartig dabei – das Potential, Angst im echten Leben zu überwinden. Doch nicht nur Ängste können behandelt werden, olympische Athleten trainieren in Klarträumen Bewegungsabfolgen ihrer Disziplin und verbessern so ihre motorischen Fähigkeiten. Sie trainieren nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht.

Neben einer Menge Spaß, Abenteuer und der Schulung der motorischen Fähigkeiten, kann luzides Träumen dabei helfen, Alpträume zu überwinden. Es können Ängste beseitigt werden, indem zum Beispiel das Sprechen vor großen Menschenmengen trainiert wird und eine ganze Menge mehr. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt! Wenn das nicht genug Gründe sind dem luziden Träumen eine Chance zu geben!
 

Aber wie kann luzides Träumen erlernt werden?

Zunächst ist das Erlernen des Klarträumens ein Training. Es erfordert Disziplin und Übung. Es gibt jedoch Menschen, die auch ohne vorheriges Training Klarträume erleben – das allerdings ist die Ausnahme.

Der erste Schritt ist das Integrieren von sogenannten Reality Checks in deinen Tagesablauf. Durch das ständige Hinterfragen der Wachwelt, durch bestimmte Praktiken, also Reality Checks, gewöhnst du dich an diese und wirst höchstwahrscheinlich auch im Traum irgendwann die Traumwelt hinterfragen. In dem Moment, in dem du dann realisierst, dass du dich nicht in der Wachwelt befindest, wirst du dich deines Traumes bewusst und befindest dich bereits in einem luziden Traum.

Ein Reality Check kann einerseits aus Fragestellungen bestehen. Diese können wie folgt lauten: „Wo bin ich?“, oder: „Wie bin ich hierher gekommen?“, aber auch: „Ist hier alles so wie immer?“ Eine andere Form des Reality Checks ist weniger die Schulung eines kritischen Bewusstseins als technischer Natur. So kannst du beispielsweise deine Finger zählen. Zu beachten ist, dass in Träumen üblicherweise das geschieht, was du erwartest. Erwartest du also, dass du zehn Finger hast, so wirst du im Traum vermutlich auch zehn Finger haben. Das bedeutet, du musst in der Realität die Erwartung fallen lassen, dass du gleich zehn Finger zählen wirst. Zähle deine Finger, als würdest du der erste sein, der herausfindet, wie viele Finger ein Mensch hat. Es gibt unzählige Methoden für Reality Checks. Sagen dir diese beiden Varianten nicht zu, dann stöbere selbst nach Methoden, die dir gefallen.

Zusätzlich solltest du ein Traumtagebuch führen. In ein Traumtagebuch werden die Erinnerungen an Träume geschrieben. Schreibe jeden Traum, der dir im Kopf blieb in dieses Traumtagebuch, vorzugsweise direkt nach dem Wachwerden, somit stellst du sicher, dass du keine Details vergisst. Das handschriftliche Dokumentieren von Träumen lässt dich immer intensiver träumen und du wirst dich häufiger an die Träume erinnern. Ein wichtiger Schritt in Richtung Klarträumen. Führst du ein Traumtagebuch und hast du deine Reality Checks auf dem Kasten, dann wendest du bereits die erste Technik an, diese nennt sich DILD und ist eine Abkürzung für Dream Initiated Lucid Dream.

Ausgestattet mit dem Basiswissen zu luzidem Träumen und der DILD-Technik bist du gut gewappnet für deinen ersten Klartraum. Mach dich locker und wage dich in deine ganz eigene Welt, viel Spaß dabei!

 

 

Foto: wundervisuals / Getty Images



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