Macht uns Konsum krank?

        Macht uns Konsum krank?    

Kauf dich glücklich?!

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot…“ – kannst du dich noch an diesen Slogan erinnern? „Mann“ definiert sich gerne über Statussymbole. Aber machen ein teures Haus, ein schnelles Auto, eine wertvolle Uhr wirklich glücklicher? „Haste was, dann biste was“ – dieser Spruch mag in Zeiten des Wirtschaftswunders durchaus seine Berechtigung gehabt haben, doch ist das Zusammenraffen von Besitztümern wirklich der Schlüssel für ein erfülltes und zufriedenes Leben? Männer gelten von jeher als Jäger und Sammler. In der Steinzeit war das auch gut und richtig. Sie mussten damals schließlich ihren Clan ernähren und wussten nicht, wann ihnen das nächste Mammut über den Weg laufen würde. Also mussten sie mitnehmen, was ging. Dieser Urinstinkt ist immer noch da, obwohl es heute natürlich längst nicht mehr ums nackte Überleben geht. Heute ist das Jagdrevier die Shoppingmall oder das Internet. Wir wollen hier nicht das Kaufen an sich schlechtreden. Es ist ein tolles Gefühl, sich etwas zu kaufen, auf das man sich lange gefreut hat, auf das man vielleicht sogar gespart hat. Das klingt antiquiert für dich? Mag sein, aber es ist durchaus berechtigt. Denn Konsum wird dann gefährlich, wenn du nur kaufst, um des Kaufens willen und dich gar mit anderen vergleichst oder sie übertrumpfen willst.

Konsumfalle Internet

Zugegeben, konsumieren war nie einfacher als heute. Du musst dazu noch nicht einmal mehr das Haus verlassen, kannst alles online bestellen, von der Kleidung über Bücher bis hin zu Lebensmitteln. Ratzfatz ist das Abo fürs Fitnessstudio abgeschlossen, sind Accounts für Film- und Musikstreamingdienste eingerichtet. Es braucht nur ein paar Mausklicks, um die hippsten Klamotten, die angesagtesten Bücher oder die neueste Uhr zu bekommen. Der Umsatz von E-Books ist in den letzten Jahren um 15 % gestiegen. Sie sind ja auch schnell heruntergeladen. Auch das Auto muss ständig mit neuen technischen Finessen ausgestattet sein und sollte am besten im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetauscht werden, genauso wie dein Handy. Aber muss das wirklich sein? Bist du wirklich nur dann jemand, wenn du dem Diktat der Industrie folgst und dir ständig neue Güter zulegst? Macht es dich zu einem glücklicheren Menschen, wenn du permanent auf der Jagd nach neuen Besitztümern bist?

Ja, es stimmt, du verspürst einen Kick, wenn du ein tolles Designer-Sakko oder ein weiteres Paar italienischer Schuhe erstanden hast. Es ist ein Gefühl wie Weihnachten, wenn deine Päckchen ankommen. Und dann? Wie lange hält das Glücksgefühl? Gehst du regelmäßig ins Fitnessstudio? Liest du alle Bücher, die du kaufst, hörst du alle Titel, die dein Streamingdienst anbietet? Wie oft trägst du deine neuen Schuhe? Und macht dich dein ultramodernes, neues Smartphone wirklich dauerhaft happy? Wohl eher nicht. Nach einer Weile hast du dich daran gewöhnt und hältst Ausschau nach etwas Neuem.

Mehr Besitz – weniger Lebensqualität

Es ist inzwischen bereits hinlänglich bekannt, dass Geld und Besitz alleine nicht glücklich machen. Das Streben danach ist bislang noch nicht beleuchtet worden. Doch mittlerweile gibt es Studien, die belegen, dass übermäßiger Materialismus durchaus das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt. So sind beispielsweise Menschen, denen finanzieller Erfolg wichtig ist, ängstlicher und depressiver als diejenigen, die eher auf gute soziale Beziehungen setzen. Auch scheinen die erfolgs- und geldorientierten Zeitgenossen verstärkt an Kopfschmerzen und Magenproblemen zu leiden. Sie zeigen auch weniger Selbstverwirklichung und Freude am Leben. Je mehr du also Besitztümern hinterher jagst, desto weniger Lebensqualität hast du, weil dir dann die Freude an den kleinen Dingen des Lebens abhanden kommt. Außerdem macht die permanente Jagd nach Neuem rastlos und verursacht Stress, der sich auf lange Sicht auch auf deinen Körper auswirkt. Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Magengeschwüre sind nur ein paar der Symptome.

Weniger ist mehr

Was kannst du dagegen tun? Wir meinen: Weniger ist mehr. Das soll natürlich nicht heißen, dass du „back to the roots“ gehen und dem Materialismus abschwören sollst. Im Gegenteil, denn ein gewisses Maß an Geld und Besitz beruhigt durchaus. Und du sollst dich durchaus an Dingen erfreuen, die du dir gönnst, weil du sie dir leisten kannst. Daran ist nichts falsch oder verwerflich. Bedenklich wird es nur, wenn das Streben nach Besitztümern zum Kick, zur Sucht wird oder wenn du dich über die materiellen Dinge definierst. Denn dann steht nicht die Freude an den Dingen im Vordergrund, sondern lediglich das Gefühl des „Haben-Wollens“.

Kaufst du nur, um zu gelten, wie ist es dann um dein Selbstwertgefühl bestellt? Wenn du also das nächste Mal glaubst, unbedingt etwas besitzen zu müssen, stelle dir die Frage, was es dir in der Vergangenheit gebracht hat, wenn du diesem Drang nachgegeben hast. Warst du dann glücklicher oder hast dich wertvoller gefühlt? Hast du damit das erreicht, was du wolltest? Was willst du überhaupt damit erreichen? Warum sind dir materielle Dinge so wichtig? Vielleicht verdrehst du jetzt die Augen, weil dir das zu abgedreht erscheint, doch diese Fragen sind durchaus berechtigt. Es kann ja wirklich sein, dass du versuchst, damit etwas zu kompensieren. Wenn du die Gründe für deinen exzessiven Konsum kennst, kannst du erfolgreich gegensteuern.

Konsumiere anders

Verschiebe deinen Fokus und konsumiere bewusster. Bevor du dir deine zehnte Designer-Sonnenbrille kaufst, frag dich, ob du sie wirklich brauchst. Vielleicht hast du mehr davon, wenn du eine schöne Reise in die Sonne buchst, dann kannst du zumindest ein paar der anderen Sonnenbrillen tragen. Geh mit deiner Partnerin in ein gutes Restaurant oder ein Konzert, anstatt dir ein weiteres Game zu kaufen, das nach spätestens zweimal zocken im Schrank verschwindet. Gemeinsame Erlebnisse verbinden und sind einzigartig. Mach öfter mal Geschenke! Zu sehen, wie sich deine Lieben über ein eine schöne – und vor allem – unerwartete Überraschung freuen, macht auch glücklich. Und wenn du dir ein neues, tolles Auto kaufst, frag doch deinen Kumpel, ob er mit dir eine Tour unternehmen will. So hast du immer noch Freude an materiellen Dingen, aber kombiniert mit unvergesslichen Momenten, die dir keiner nehmen kann.

 

Foto: Gorodenkoff / stock.adobe.com

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