Wolfgang Bahro über Jo Gerner, die Freimaurer & sein Leben neben GZSZ

        Wolfgang Bahro Interview    

Im Interview mit dem charismatischen Schauspieler erhielten wir viele spannende Einblicke in Deutschlands erfolgreichste Soap – Gute Zeiten, schlechte Zeiten – und erfuhren darüber hinaus auch noch Interessantes über seine vielen weiteren Projekte.
 

Ajouré: Wie oft passiert es dir, dass du von Leuten mit „Jo Gerner“ angesprochen wirst?

Wolfgang: Eigentlich tagtäglich, wenn ich mich unter Menschen begebe. Es passiert also wirklich sehr häufig, dass mich die Leute mit „Jo Gerner“ ansprechen.


Ajouré: Wie reagierst du dann?

Wolfgang: Meistens sage ich dann „Heute nicht!“ oder so (lacht), aber es gibt Gott sei Dank auch immer mehr Leute, die sagen „Sind Sie nicht Wolfgang Bahro?“ – dann bin ich sehr angetan! Als ich jetzt in Myanmar im Urlaub war, kam ein junges, hübsches Mädchen auf mich zu und fragte mich „Sind Sie nicht Jo Gerner?“. Daraufhin meinte ich „Nein, mein Name ist Wolfgang Bahro!“ – woraufhin sie wiederum entgegnete „Können wir ein Foto machen?“. Da ich aber gerade aus dem Wasser kam und in Badehose dastand, habe ich es auf den Abend verschieben wollen, worauf sie aber nicht mehr einging.

Zwei Tage später ist mir dann aber wieder etwas Ähnliches beim Shoppen in einem kleinen Laden passiert. Ein deutsches Pärchen kam rein und der Mann schaute mich die ganze Zeit an, kam dann auf mich zu und fragte: „Entschuldigen Sie, sind Sie Wolfgang Bahro?“ – als ich das bejahte freute er sich und meinte: „Das ist ja toll! Da ist man schon so weit weg, in Myanmar, und dann trifft man so einen tollen Schauspieler –und ich habe leider mein Handy nicht mit!“. Das fand ich wirklich sehr nett, das war eine angenehme Begegnung!


Ajouré: Dazu muss man sagen, dass dich ja tatsächlich auch alle Altersgruppen kennen – „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gibt es ja nun schon seit fast 25 Jahren.

Wolfgang: Ja, die Figur „Jo Gerner“ ist natürlich sehr populär – sowohl bei den älteren als auch bei den jüngeren Zuschauern.
 

Wolfgang Bahro
Foto: Paul Partyzimmer
 


Ajouré: Wie bist du eigentlich zu GZSZ gekommen?

Wolfgang: Ich habe damals in dem Berliner Kabarett „Die Distel“ gespielt und war einer der ersten West-Kabarettisten, der im Osten in einem Kabarett mitspielte. Zu der Zeit lernte ich eine Casterin kennen, die mich immer wieder zu Werbe-Castings eingeladen hat. Allerdings fehlte es mir an Produkt-Gläubigkeit, wie man mir sagte, so dass ich nie genommen wurde.

Einmal rief sie mich dann an und fragte, ob ich schon von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gehört habe und erzählte mir, dass sie gerade jemanden für eine neue Hauptrolle suchen. Sie fragte mich, ob ich nicht zum Casting kommen wolle, woraufhin ich „Nein!“ entgegnete – und sie: „Warum denn nicht?“, daraufhin entgegnete ich ihr: „Du, ich habe die ersten Folgen gesehen, das ist ja unterirdisch – das muss nicht sein, wirklich nicht!“. Sie hat mich versucht umzustimmen und ich bin dann auch tatsächlich ihretwegen zu dem Casting hin, habe dort etwas widerwillig meinen Text gesprochen und wollte auch schon gleich wieder gehen, weil ich abends eine Vorstellung hatte. Da meinte sie, ich solle noch bleiben, weil der Produzent gleich käme. Er schaute sich die Videos an und fragte mich dann nur, welche Schuhgröße ich habe, weil sie die Schuhe nämlich schon hätten und jetzt nur noch jemanden bräuchten, der hineinpasst (lacht).

Sowohl die Casterin als auch der Produzent haben mich dann bekniet, bei der Serie mitzumachen. Da ich noch nicht so viel Fernseh-Erfahrung hatte, obwohl ich kurz zuvor erst einen wirklich tollen Sechsteiler – „Die Durchreise“ – für das ZDF gedreht hatte, dachte ich mir, dass das vielleicht gar nicht so schlecht sei, um Fernseh-Erfahrung zu sammeln und willigte schließlich ein. Ich wurde am Set auch gleich nett empfangen – vor allem von Frank-Thomas Mende, der den Clemens Richter spielte. Er zeigte mir alles und ich fand das dann doch ziemlich interessant, habe aber gleich insgeheim gedacht, dass ich das nur so zwei Monate machen werde – und wie man sieht, sind inzwischen schon fast 25 Jahre daraus geworden.

Ajouré: Wie viel Zeit bleibt dir nebenbei noch für andere Projekte?

Wolfgang: Wenn man sich die Zeit gut einteilt, funktioniert das ganz gut. Aktuell habe ich zweimal im Monat im Kabarett „Die Stachelschweine“ mein eigenes Kabarett-Programm. Es heißt „Berliner Zeitensprünge“ und ist eine Reise durch 104 Jahre Berlin anhand des politischen Witzes und der politischen Kabarettisten, die in den Jahren vom Kaiserreich bis heute zu Frau Merkel aufgetreten sind und sich über die Politik lustig gemacht haben – und das alles natürlich mit dem Berliner Witz, der die Regierenden auf die Schippe nimmt.

Dazu kommen noch Chansons und andere Lieder, die das Lebensgefühl der Berliner beschreiben – aber nicht so typische, wie „Das ist die Berliner Luft“, sondern zum Beispiel „Schwarz zu Blau“ von Peter Fox oder „Ich steh auf Berlin“ von Ideal.
Das Programm mache ich schon seit einiger Zeit und muss dazu aber auch sagen, dass die Produktion sehr hilfreich ist und mir Sachen freischaufelt und ermöglicht.

Ich bin auch sehr gerne bei Hörspiel-Produktionen dabei und habe mal bei einer Reihe mitgemacht, die heißt „Heff, der Chef“, bei der ich die witzige Hauptrolle Heff spreche. Außerdem habe ich unter anderem auch schon bei SOKO 5113 mitgespielt oder im letzten Jahr bei „Kartoffelsalat“ – mit YouTubern zu drehen war übrigens auch eine ganz neue Erfahrung.

Außerdem habe ich gerade ein Buch herausgebracht. Es bleibt also noch genug Zeit für andere Projekte und dafür bin ich auch sehr dankbar.

Ajouré: Um was geht es in deinem Buch?

Wolfgang: Das Buch www.playtron.de habe ich eigentlich schon vor vielen Jahren geschrieben als mein Sohn zehn Jahre alt war. Er war damals ein sehr großer Anhänger von Videospielen und empfand sich als der Größte, weil er die ganzen Bösewichter besiegen konnte. Ich dachte mir immer nur, dass er im Grunde echt Angst bekäme, wenn diese Monster real wären. So kam ich während eines Urlaubes dann auf die Idee, um ihn abzuschrecken, ein Buch genau darüber zu schreiben, was passieren würde, wenn ein Kind in diese Welt hineingezogen wird und sich tatsächlich diesen Aufgaben und Gefahren stellen müsste, weil dann eben diese Figuren real werden.

Tagsüber habe ich es am Strand geschrieben und abends dann einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen vorgelesen. Es kam sehr gut an und war auch irgendwann einmal fertig, lag aber erst einmal eine Weile in der Schublade. Meine Frau meinte dann irgendwann zu mir, ich hätte mit dem Schreiben den Urlaub ruiniert, also solle ich das Buch dann auch wenigstens veröffentlichen. Allerdings kam aber immer irgendetwas dazwischen. Als mein Sohn dann eine Freundin hatte, bot sie sich an, meine handschriftlich verfasste Fassung abzutippen, sodass ich es endlich auch digital hatte. Ich habe es letztendlich selber publiziert und man kann es sich jetzt online über Amazon bestellen.
 

Wolfgang Bahro
Foto: Paul Partyzimmer
 


Ajouré: Wie sieht dein Alltag aus?

Wolfgang: Ich bekomme von Woche zu Woche meinen Drehplan. In der Regel sieht eine Drehwoche bei uns so aus, dass wir montags mit dem Regisseur Proben haben. In der Woche haben wir fünf Bücher – also fünf Folgen – und die Drehzeit des einzelnen Schauspielers richtet sich nach seinem Auftreten an verschiedenen Sets. Wenn ich zum Beispiel viel in „Gerners Townhouse“ drehe, dann wird versucht, alle Szenen aus den fünf Büchern, die an diesem Set spielen, an einem Tag abzudrehen.

Wenn ich also Glück habe und in einer Woche nur im Townhouse zu sehen bin, und der Dreh für dieses Set zum Beispiel auf einen Mittwoch fällt, dann muss ich nur am Montag und Mittwoch ins Studio und habe den Rest der Woche frei. Das ist aber leider nicht immer so der Fall, da wir auch verschiedene Dekorationen an den jeweiligen Sets haben und dann wird das auch noch einmal, je nach Dekoration, an unterschiedlichen Tagen gedreht. Hinzu kommen auch noch die Außendrehs der darauffolgenden Woche.

Ein Regisseur hat einen vierwöchigen Rhythmus bei uns. Die erste Woche gilt der Vorbereitung, in der zweiten finden mit dem Außendreh-Team die Außenaufnahmen statt, in Woche drei wird im Studio gedreht und in der vierten Woche findet die Nachbereitung statt. So wechseln sich also die Regisseure bei uns ab – während einer im Studio dreht, ist der andere draußen unterwegs und umgekehrt. Da mittwochs bis freitags Außendreh-Tage sind, kann es mir natürlich auch passieren, dass ich dann auch drehen muss.

Ajouré: Was macht für dich den Reiz nach so viel Jahren bei „GZSZ“ noch aus?

Wolfgang: Worauf ich sehr viel Wert lege ist die Wahrhaftigkeit der Person, dass sich also „Gerner“ treu geblieben ist, ohne sich allzu sehr zu verbiegen. Je älter die Serie wurde, desto mehr hat sie sich auch entwickelt – rein optisch schon alleine. Früher haben die Wände noch gewackelt, wenn wir die Türen zugemacht haben. Heute ist das alles sehr hochwertig und wir haben auch eine 360 Grad-Deko in Gerners Wohnbereich, der auch einzig in Europa in einem zweistöckigen Studio stattfindet. Die Kamera-Technik hat sich über die Jahre natürlich auch verbessert.

Aber auch die Geschichten sind besser geworden, viel durchdachter und die Charaktere haben viel mehr Tiefgang bekommen. Was mich immer gereizt hat, ist, dass die Figuren ihrer Linie folgen, aber von anderen Charakteren und Geschichten immer wieder durchkreuzt werden. Was Gerner in den 24 Jahren erlebt hat, da hätten sich normale Menschen schon längst die Kugel gegeben oder wären in der Irrenanstalt gelandet. Das ist also alles nach wie vor spannend, weil es immer wieder neue Geschichten und Personen gibt und es immer wieder neue Herausforderungen sind. Ich bin in der Rolle natürlich auch älter geworden, was es in Form einer Serie so eher nicht gibt.

Ajouré: Welche Phase deiner Rolle fandst du persönlich am spannendsten?

Wolfgang: Brillant ist Gerner meistens vor Gericht. Wobei mir diese Szenen nicht so gefallen. Die juristischen Texte sind für mich nach wie vor problematisch, weil sie schwierig zu lernen sind, vor allem wenn man nicht in der Materie drinsteckt – denn auch nach 25 Jahren habe ich keine Ahnung von Jura; für mich ist das auch ein sehr trockenes Thema. Was mich immer fasziniert, sind die sehr emotionale Geschichten.

Was mir an die Substanz ging war natürlich der Tod meines Serien-Sohnes Dominik. Was ich da spielen musste, besonders die Szene als Gerner begriffen hat, dass sein Sohn klinisch tot ist und sagen muss, dass die Geräte abgeschaltet werden können und er dann auch noch im Krankenhaus sitzen bleibt, bis die Ärzte mit den Organen seines Kindes vorbeikommen und er einen totalen Zusammenbruch hat, war wirklich sehr emotional und hart, weil ich dabei natürlich auch meinen eigenen Sohn vor Augen hatte. Das geht wie gesagt an die Substanz, ist aber auch eine Herausforderung.

Auf der einen Seite macht es Spaß, den Fiesling rauszulassen, auf der anderen Seite mag ich es, ihn von seiner sehr menschlichen Seite zu zeigen und finde es toll, wenn er sich auch mal witzig zeigt. Da ich vom Kabarett komme, mag ich es sehr, wenn man Gerner ab und an ein wenig Humor unterschiebt.

Ajouré: Gibt es noch andere Momente, die dir aus fast 25 Jahren Serien-Geschichte in unvergesslicher Erinnerung geblieben sind?

Wolfgang: Ich fand es sehr traurig, als die Altvorderen, Frank-Thomas Mende, Hans Christiani und Lisa Riecken, die von Anfang an dabei waren und die Serie mitprägten, gingen. Ich habe sie sehr gemocht, von daher war es sehr schade – genauso, dass mein Serien-Sohn Raul Richter ausgestiegen ist. Ich habe mit ihm sehr gerne zusammengespielt, vor allem, da ich selber einen Sohn in dem Alter habe und daher vieles nachvollziehen konnte. Da wäre noch viel mehr Potential für die Vater-Sohn-Geschichte gewesen. Aber das gehört zu der Serie einfach dazu – es kommen und gehen immer wieder Schauspieler. Bei manchen denkt man sich, Gott sei Dank (lacht) und bei anderen empfindet man es als sehr schade.

Ajouré: Schafft man es eigentlich mal mit allen Charakteren gemeinsam eine Szene zu haben?

Wolfgang: Es gab Hauptcast-Charaktere, mit denen ich tatsächlich nie zusammen gedreht habe. Ich werde aber auch nie mit allen irgendwelche Geschichten mal haben. Mit Felix van Deventer, der den Jonas spielt, habe ich zum Beispiel so gut wie gar nichts zu tun, mal ist er im Hintergrund im Bild zu sehen – im Mauerwerk zum Beispiel. Das ist schade.

Ajouré: Gibt es Parallelen zwischen dir und deiner Rolle „Jo Gerner“?

Wolfgang: Außer, dass er auch ein großer Familienmensch ist, eigentlich nicht. Er wäre mir im Privatleben auch viel zu anstrengend, da er zu rachsüchtig ist. Man muss aber auch sagen, er ist kein schlechter Mensch, nur muss man sich warm anziehen, wenn man ihm an den Karren fährt, denn dann schlägt er ordentlich zurück.

Ajouré: Kann man als Darsteller selber Ideen für die Handlung mit einbringen?

Wolfgang: Ja, ich habe schon des Öfteren Sachen miteingebracht, die dann auch umgesetzt wurden. Die Produktion möchte das auch – besonders unsere Produzentin Petra Kolle. Sie prüft dann aber natürlich genau, wie realistisch die Idee tatsächlich ist. Wir haben auch regelmäßige Autoren-Schauspieler-Treffen, wo wir uns gemeinsam Möglichkeiten überlegen. Es findet also ein reger Austausch statt.

Ajouré: Inwieweit haben sich die Arbeit und der Fan-Kontakt hinsichtlich der Social-Media-Kanäle verändert?

Wolfgang: Ich merke das an meinen Kollegen, aber auch an mir selber, dass man mittlerweile sehr viel mehr die sozialen Netzwerke nutzt. Wir hatten letztens erst die Diskussion darüber. Bisher war es uns nämlich nicht gestattet, vom Drehort bzw. während der Dreharbeiten Fotos zu machen. Das war alles top secret, da durfte nichts an die Öffentlichkeit dringen. Inzwischen ist das etwas gelockert worden und RTL ist da auch etwas offener geworden, weil sie gemerkt haben, wie wichtig Social Media heutzutage sind. Viele meiner Kollegen machen ständig Selfies oder sind bei Snapchat aktiv.

Es gibt ja auch bei uns schon YouTube-Stars wie Janina Uhse, die mit ihrem Lifestyle-Channel sehr erfolgreich ist. Außerdem ist sie jetzt auch das Gesicht von L’Oréal, was sie mehr oder weniger dadurch erreicht hat. Wir nutzen also schon Social Media, auch ich, wenn ich im Theater spiele oder andere Projekte habe, wie mein Buch, dass ich darüber promote, weil man so einfach viel schneller viel mehr Leute erreicht.

Das alles hat sowohl seine Vorteile als auch seine Nachteile, weil man sich ständig unter Druck fühlt, wieder was posten zu müssen, weil einem sonst die Fans abspringen.

Ajouré: Was ist eigentlich aus den guten alten Autogrammstunden geworden?

Wolfgang: Die wurden durch die Selfies abgelöst. Ich finde das sehr faszinierend, wenn ich Leute treffe, wollen die jungen immer ein Selfie mit mir machen und fragen dann häufig aber auch nach einem Autogramm für ihre Mütter.
 

Wolfgang Bahro
Foto: Paul Partyzimmer
 

Ajouré: Was wäre dein Plan B im Leben gewesen? Immerhin hast du mal Psychologie studiert.

Wolfgang: Obwohl mich Psychologie sehr fasziniert hat und ich auch im Rahmen des Studiums eine Hypnotherapie-Ausbildung gemacht habe, wäre das glaube ich als Beruf nichts für mich gewesen. Ich bin ein leidenschaftlicher Taucher und könnte mir jetzt rückblickend vorstellen, dass ich auch Meeresbiologe hätte werden können oder Tauchlehrer – obwohl ich nicht weiß, ob mir das dann auch noch Spaß gemacht hätte, wenn ich das täglich dreimal machen müsste. Schauspielerei war aber schon immer meine erste Wahl.

Ajouré: Du bist Freimaurer. Erzähl uns doch bitte etwas darüber.

Wolfgang: Manche nennen es christliche Lehre – „Liebe deinen Nächsten“. Im Prinzip ist das nichts anderes, nur dass die Freimaurer nicht mit einer Religion verbunden sind. Es geht darum, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und man versuchen will als rauer Stein, der man selber ist, in den Tempel der Humanität zu kommen – und dafür muss man an sich selber arbeiten und sich immer wieder hinterfragen. Das macht man zum Beispiel auch gemeinsam mit seinen Freimaurer-Brüdern. Eine zentrale Frage ist: Wie gehe ich mit Menschen um?

Es gibt zwei Anschauungen, die man gegenüber Menschen haben kann, zum einen: Ich kenne dich nicht, würde dich aber sehr gerne kennenlernen, um mehr von dir zu erfahren oder zum anderen: Ich kenne dich ganz genau, ich weiß was du für einer bist und möchte mit dir nichts zu tun haben. Letztere Einstellung produziert Intoleranz, Angst, Gewalt und Terror. Die erste hingegen könnte ein menschliches Zusammenleben schaffen – mit Toleranz und Akzeptanz. Darauf arbeite ich hin. Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir Toleranz gegenüber anderen Religionen und Menschen. Es gibt unter jedem Volk und in jeder Religion sowohl gute Menschen als auch schwarze Schafe – aber man kann Menschen generell nicht alle in einen Topf werfen, sondern man sollte allen eine Chance geben.

Ajouré: Besonders als gebürtiger Berliner wirst du die Vielfalt der hier lebenden Menschen spüren. Macht das Berlin vielleicht auch gerade so besonders für dich?

Wolfgang: Ja, Berlin ist eine wundervolle, verrückte Stadt voller liebenswerter Bekloppter. Hier in Berlin kann dir einfach alles passieren. Man trifft hier auch die unterschiedlichsten Menschen, aus allen Ländern dieser Welt mit verschiedenen Glaubensrichtungen. Ich liebe auch den sehr trockenen, stieseligen Berliner Humor. Diese Stadt birgt eine faszinierende Geschichte in sich. Wenn man so durch Berlin läuft, stolpert man hinter jeder Ecke über ein Stück Berliner Geschichte.

Ajouré: 2017 steht in den Startlöchern. Hast du Vorsätze für das neue Jahr und gibt es neue Projekte?

Wolfgang: Vorsätze habe ich generell nie, sonst muss man immer wieder erklären, weshalb man sie nicht einhält. Ich würde einfach so weitermachen wie bisher. Neue Projekte habe ich auch schon. Ich würde gerne in Eigenregie einen Film drehen, der Verständnis für die verschiedenen Religionen wecken soll, um klar zu machen, dass hinter jeder Religion auch ein Mensch steht, und dass es nicht wichtig ist, was diese Doktrinen von ihm verlangen sondern wie der Mensch als Individuum ist.

Ajouré: Vielen Dank, Wolfgang Bahro.

 

 

Fotos: Paul Partyzimmer

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