Vom Autowäscher zum Millionär

           

Unternehmer Bernd-Dieter Ott im Interview

Bernd-Dieter Ott ist Geschäftsführer des EKON Institutes und ein Mensch, der stets an sich gearbeitet hat. Erfolg kommt nicht angeflogen, man muss sich seine Meriten hart verdienen. Bernd-Dieter Ott hat Ajoure Men im Interview Rede und Antwort zum Thema „erfolgreich sein, erfolgreich bleiben“ gestanden.

 

Hallo Herr Ott. Beschreiben Sie uns doch einmal Ihren beruflichen Werdegang und Ihre Karriere.

Handwerkslehre, kaufmännische Lehre, mit 18 erkannt, dass ich Verkaufsfähigkeiten habe und mir etwas im Vertrieb gesucht. Ich bin also ganz jung in diesen Bereich eingestiegen, damals hieß das „Verkaufsförderer“. Das habe ich 1 Jahr gemacht, aber es war nicht das, was ich mir vorstellte. Ich wollte nicht mit Backwaren von Tante Emma Laden zu Tante Emma Laden laufen. Das war 1964.

Nach diesem Jahr habe ich mich für Vertriebstätigkeiten der etwas „gehobeneren“ Form beworben – dazu fiel mir die Pharmazie ein. Damals wurden sogenannte Apothekenbesucher gesucht. Ich habe mich bei einer sehr namhaften Firma beworben, das hat auch auf Anhieb geklappt. Mit 19,5 Jahren war ich dann Deutschlands jüngster Apothekenbesucher/Außendienstmitarbeiter dieses Unternehmens und wenige Monate später dann auch Ärztebesucher, heute nennt man das Pharmareferent.

Mit 25 Jahren bin ich dann per Zufall auf die Branche gekommen, in der ich heute noch arbeite, nämlich die der Energieberatung. Ich habe relativ schnell feststellen können, dass das ein gutes Geschäft ist.

Dort war ich weitere 3 Jahre für ein Unternehmen als Handelsvertreter und dann auch als Verkaufsleiter tätig und habe festgestellt, dass diese Dienstleistung sehr schmal war in seiner Form, nämlich nur den kaufmännischen Aspekt gesehen hat. Mein damaliger Chef hat mir allerdings mitgeteilt, dass er an dieser erweiterten Dienstleistung nicht interessiert war. Die Konsequenz war, dass ich mich mit einem Unternehmen selbständig machte. Dafür suchte ich mir einen Partner für den technischen Bereich. Diesen habe ich im gleichen Unternehmen gefunden. Unser gemeinsames Unternehmen haben wir dann 1979 gegründet – und es existiert bis zum heutigen Tage. Innerhalb von 5 Jahren brachten wir unsere Firma von 0 auf 40 Mitarbeiter. Die Wege von meinem Partner und mir haben sich dann aber getrennt, da er keine rechte Lust mehr hatte.

Nachdem ich ihn üppig ausbezahlt hatte, habe ich das Unternehmen mit einem neuen Partner weitergeführt und das Auslandsgeschäft entwickelt. 1991 bin ich sogar selbst nach Südamerika gegangen und habe 5 Jahre lang mein eigenes Unternehmen gepusht. Ich wollte unbedingt, dass zu meiner Berufserfahrung und Reputation auch Auslandserfahrung gehört. Ich habe dieses Unternehmen zwischenzeitlich verkauft.

In Deutschland gründete ich ein weiteres Unternehmen in dieser Branche. Dieses führte ich ebenfalls auf eine seriöse Größenordnung. Es hat heute an die 30 Mitarbeiter und ist mittlerweile schon 18 Jahre alt – das ist das EKON Institut mit Sitz in Hockenheim.

 

Wollten Sie schon immer erfolgreich sein? Gab es als Kind oder Jugendlicher schon Anzeichen dafür?

Ja, von klein auf. Ich wuchs in unheimlich bescheidenen Verhältnissen auf und habe festgestellt, dass viele Wünsche mit ein klein wenig mehr Engagement erfüllbar gewesen wären. Ich wollte – aber das ist vielleicht nicht ungewöhnlich – vieles besser machen. Diese Erkenntnis hatte ich schon mit 8/9 Jahren, also habe ich 1959 angefangen, als Kegeljunge selbst Geld zu verdienen. Danach habe ich in dem Ort, in dem ich aufwuchs, Autos gewaschen für die Geschäftsleute. Das machte ich daheim in meinem Elternhaus. Jeden Samstag stand also der kleine Bernd-Dieter Ott draußen auf dem Hof und hat die Autos der Bad Schönborner Geschäftswelt gewaschen. Damit hatte ich damals schon ordentlich Geld verdient.

Danach habe ich mich selbständig gemacht mit einer Band. Ich habe sie gegründet, da mir Musik Spaß machte und ich wusste, dass man auch da sein Geld verdienen kann, wenn man einigermaßen ordentlich spielt. Demzufolge war ich schon mit 10 Jahren unabhängig von meinen Eltern. Da ich auch nie Taschengeld bekommen habe, war das eigentlich auch eine zwangsläufige Notwendigkeit. Daraus erwuchs ganz klar die Erkenntnis, dass ich das besser machen wollte. So gesehen, war da schon unternehmerische Sichtweise vorhanden.

 

In welchem Alter haben Sie erkannt, mit Selbständigkeit erreiche ich viel mehr?

Als ich in der Pharmabranche nach 3 Jahren das erste Mal an der Karrieretür klopfte und man mir sagte, dass ich die Fähigkeit habe, aber einfach noch zu jung sei. Da wuchs in mir der Gedanke, ich mach das jetzt alles selber. Dann hatte ich die Idee, einen Pharmagroßhandel aufzumachen, dazu fehlten mir aber schlicht die Mittel. Die nächste Idee war es, auf Handelsvertreterbasis Arzneimittel zu verkaufen, aber die Produkte waren mir nicht gut genug. Per Zufall kam mir dann die Energiebranche über den Weg gelaufen und die daraus resultierende Chance habe ich genutzt und habe mich dann verselbständigt.

 

Erinnern Sie sich noch, wie viel Geld Sie hatten, um Ihr erstes Unternehmen zu gründen?

Ja: Ich hatte kein Geld, sondern eher Schulden bzw. gar nichts. Hinzu kam, dass ich frisch geheiratet hatte und die Bedürfnisse einer Wohnungseinrichtung im Vordergrund standen. Nachher kamen auch noch die Verbindlichkeiten. Ich bin also nicht nur in das kalte Wasser, sondern ins eiskalte Wasser gesprungen. Da ja die Selbständigkeit eine Dienstleistung war, war der Aufwand aber auch – ein Glück – relativ gering.

 

Sie haben Ihr Vermögen aus eigener Kraft aufgebaut. Würden Sie sagen, dass jeder reich werden kann, der sich nur genug anstrengt?

Nein. Das würde ich so nicht unterzeichnen, weil die Anstrengung alleine heute nicht mehr reicht. Sie brauchen viel spezifisches Knowhow, Sie müssen auch ein Quäntchen Glück haben. Wer die Bereitschaft zeigt, unternehmerisches Risiko einzugehen, aber auch – und das ist wichtig dabei – bereit ist, sich zu verausgaben, der hat durchaus eine berechtigte Chance.

 

War es vor 10 Jahren leichter Millionär zu werden als heute?

Das hängt davon ab, in welcher Branchenform man sich betätigen will. Man hört ja heute, dass in der IT/Software-Branche mehr oder weniger durchaus vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Aber ich warne davor, sich Träumereien unterzuordnen. Dem ist nicht so. So gesehen würde ich sagen, das war vor 10 Jahren so problematisch/schwierig oder leicht wie heute, abgesehen eben von diesen Möglichkeiten.

 

Gab es schwere Zeiten, in denen Sie nicht weiter gewusst haben und alles in Frage gestellt haben, was Sie gemacht haben?

Ja, öfters. Beispielsweise, als ich nach Brasilien ging und mein Geschäftsführer mir dort sagte, das läuft alles nicht, oder wenn ich mir die Frage gestellt habe, riskiere ich das, riskiere ich das nicht. Und auch in Phasen, besonders am Anfang, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse schon mal so schwach waren, dass selbst im Haushalt bereits angefangen wurde zu sparen. Es gab also wochenlang ganz schmalbrüstige Küche, ganz einfach, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr zuließen. Das Auto war 10 Jahre alt und hing schon fast in den Seilen und vieles anderes mehr. So gesehen habe ich das eine wie das andere durchleben müssen.

 

Kommt man aus einer so schweren Phase selbst wieder heraus oder gab es Leute, die Ihnen in schweren Zeiten beistanden?

Nein, es gab niemanden. Es gab natürlich Fürsprecher, aber mein Stolz hat es mir schlichtweg verboten, klassische Hilfe anzunehmen. Gleichwohl, wenn ich es hätte wissen wollen, weiß ich nicht, in wie weit ich Erfolg gehabt hätte. Wahrscheinlich schon, denn ich bin nicht von bösen Menschen umgeben.

 

Sind Ihres Erachtens Mentoren wichtig? Haben oder hatten Sie selbst Mentoren?

Ja, ich habe Vorbilder gehabt und habe sie im Grunde meines Wesens auch heute noch. Menschen, die erfolgreich waren in allen Lebenslagen, die kann man immer als Vorbild nehmen. So gesehen hatte ich Mentoren. Klassische Väter des Erfolges an meiner Seite weniger, sehe ich mal davon ab, dass ich natürlich gerade im Besonderen, was die Branche anbelangt, mir einige Fachdisziplinen schlicht abgeschaut habe.

 

Was war die größte Herausforderung, die sie je gemeistert haben?

Jetzt könnte man ein bisschen schmunzeln, eine große Herausforderung, war die Eroberung meiner Frau, die mir mit mindestens 10 Körben gezeigt hat, dass sie an mir überhaupt nicht interessiert ist. Mir ist es trotzdem gelungen, eine bildhübsche Frau an meine Seite zu bringen, die mich immer als kleiner Mann angesehen hat, weil sie versehentlich 3 cm größer war. Aber ich war sehr kampflustig.

Aus der beruflichen Ecke gibt es tatsächlich ein paar Herausforderungen, die erwähnenswert sind, das ist a) die außerordentlich komplizierte Trennung von meinem Partner, das ging mit sehr viel Geld einher, das ging in die Millionen. Das war für mich keine einfache Angelegenheit.

Kurz danach das Wollen, die unternehmerische Tätigkeit mit ins Ausland zu verlegen. Das war ein sehr schwieriges Unterfangen. Oftmals musste ich von Montag bis Samstag irgendwo im Ausland verbringen, das war zuhause gar nicht lustig und darüber hinaus – auch das darf man durchaus sagen – nicht immer erfolgreich.

Und natürlich war die ein oder andere Krise in der Unternehmensumsatzart, die nicht immer so war, wie ich mir das vorgestellt habe, eine Herausforderung, die gemeistert werden musste.

 

Was sollte ein Mensch für Charaktereigenschaften und Stärken mitbringen, wenn er so erfolgreich werden will wie Sie?

Er muss den unbedingten Willen haben, erfolgreich sein zu wollen. Und er muss auch bereit sein, Konsequenzen zu ziehen oder zumindest mal Rücksicht zu nehmen. Das geschäftliche kommt dann oftmals vor dem privaten.

 

Welches Buch würden Sie jemandem empfehlen, der im Leben vorankommen will?

Das eigene, das geschrieben werden sollte. Und wenn das, was man selbst gemacht hat, ein bisschen von Erfolg gekrönt ist, dann ist das eine sehr anhimmelnde Story, vielleicht die geeignetste ist, sich selbst auch mal loben zu dürfen – wenn auch im stillen Kämmerlein.

 

Beenden Sie diesen Satz: Das Wichtigste im Leben ist…

…immer an dem Ball zu bleiben, bei dem man sich wünscht, dass er gespielt wird, und darauf zu achten, dass man nicht saublöd am Kopf getroffen wird.

bernd-dieter-ott-ekon-institut

 

Foto: Bernd-Dieter Ott



Anzeige

Dieser Artikel kann Werbelinks enthalten.
Keine Kommentare

Dein Kommentar dazu Abbrechen

Deine E-mail Adresse wird nicht veröffentlicht.