Tom Rider im Interview

        Tom Rider Fotografie    

Hallo Tom, vielen Dank für deine kostbare Zeit. Wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen? Hast du das von der Pike auf gelernt?

Ich habe vor einigen Jahren bei einer Zeitung als Redakteur und Fotograf gearbeitet. Schon früh habe ich mich auf die Konzert- und die anspruchsvolle Fine-Art-Fotografie konzentriert. Letzt-lich bin ich jedoch Autodidakt. Meiner Meinung nach kommt das Wort Kunst von „Können“ und nicht von „gelernt“.

Tom, du hast schon die Rolling Stones, Frank Zappa, Robbie Williams und unzählige andere Stars im Bereich Rock und Pop vor der Linse gehabt. Heute arbeitest du vorwiegend im Fine-Art-Metier. Wie kam der Wandel?

Zufall. Ein Bekannter ist Aktfotograf und wollte mal ganz vorne sein beim Konzert im Olympiastadion, mich hat sein Genre gereizt. Unser Deal war dann ein Rollentausch. Und Konzerte mach’ ich immer noch. So stehe ich beispielsweise am 8. Mai bei AC/DC wieder hautnah vor der Bühne!

Sind das nicht sehr unterschiedliche fotografische Welten, AC/DC und Akt?

Garantiert! Im Fotograben muss alles ganz schnell gehen. “1st 3 songs only“ heißt die Devise. Außerdem bist du als Fotograf passiv, du musst auf Künstler, Licht, Ordner, Bühnenaufbau reagieren. Der richtige Blick, das Einschätzen der Situationen, das Wissen um die Besonderheiten des Künstlers, um Stimmung und Action aufzunehmen. Das ist hierbei die Herausforderung.

In der Aktfotografie liegt das Gros des Ergebnisses in meiner Hand. Ich inszeniere das gesamte Foto und bin für die Location, das Modelcasting, die Requisite, die Bildauswahl, jede einzelne Auslösung und die Atmosphäre am Set verantwortlich. Fühlt sich das Model unwohl, kann ich sofort einpacken. Schlechte Laune siehst du auf jedem Foto.

Und welche Rolle spielt dann das Model?

Ein gutes Model ist wichtig. Gutes Mo-deln ist eine Kunst. Ein „bisschen gut aussehen“ tun viele Mädels. Auch Haut zu zeigen ist heute kaum noch das Problem. Ein gutes Model muss in meinen Augen jedoch mehr bieten: Sie muss eine abwechslungsreiche Mimik und Körpersprache besitzen, experimentierfreudig, belastbar und zuverlässig sein. Und nicht klassisch blond, denn Aktfotografie ist etwas Intimes, Feinfühliges. Wenn ich mehrere Stunden ein Vakuum oder einen Aschenbecher ablichten muss, wird’s bestimmt kein Megashot!

Ich habe mehrere hundert Shootings hinter mir – ein Hammershooting mit einem superklasse 1-A-Model, das mich voll begeistert, gibt es selten. Ganz, ganz wenige Models hatte ich mehrmals am Set. Es ist schon etwas Besonderes, wenn ich ein Mädel ein zweites oder drittes Mal vor die Kamera bitte. Leider kann ich nur rund ein Dutzend uneingeschränkt empfehlen. Und richtig persönlich schwach werden würde ich bei kaum einem Mädchen. Ich bin ein sehr visuell geprägter Mensch – trotzdem ist Aussehen nicht alles für mich.
 

Seltenheitswert: Tom Rider vor der Kamera mit Model Nadine-Yvonne Fotograf: Bernd Passauer
Seltenheitswert: Tom Rider vor der Kamera mit Model Nadine-Yvonne
Fotograf: Bernd Passauer

 

Ernst Prost, der Chef von Liqui Moly, hat dich als einen „Besessenen hinter der Kamera“ bezeichnet. Wie kam es dazu?

Ich habe 2010 den renommierten Liqui-Moly-Kalender in seinem privaten Schloss fotografiert – zum Höhenpunkt der Fußball-WM in Südafrika. Zwölf Models, 14 Stunden an zehn Tagen, Public Viewing draußen – das alles hat Tom Rider nicht gestört. Für mich gab’s nur ein Shooting-Dauer-Feuerwerk. Das war sicher eines meiner fotografischen Highlights. „Für ein gutes Foto tut er alles“, sagt meine Frau über mich. Zumindest fahre ich 400 km für drei gute Bob-Dylan-Pics, shoote nachts in einem Weltkulturerbe oder 500 Meter unter Tage bei Kühlschranktemperaturen.

Hinter der Kamera werde ich ein wenig zum Tier und bin kaum zu stoppen. Wenn ich ein gutes Model vor der Kamera habe, gehen mir die Ideen nicht aus.

Was macht deiner Meinung nach ein gutes und interssantes Foto aus?

Ob meine Fotos gut sind, liegt im Auge des Betrachters. Ein Bild soll Stimmungen transportieren, Raum für Fantasie lassen und das Beste aus dem Model herausholen. Ein erotisches Kribbeln sollte bei meinen Aktfotos natürlich auch spürbar sein. Jedoch immer mit Niveau und nicht billig. Jeder Körper hat Licht- und Schattenseiten. Das gilt es herauszuarbeiten. Ich versuche immer eine tolle, außergewöhnliche Location für mein Model zu erschließen, die sich vom Normalen abhebt. Jede Frau fühlt sich doch geschmeichelt, wenn sie in einem Schloss abgelichtet wird und nicht auf einem Schrottplatz. Ein tolles Mädchen verlangt meines Erachtens auch nach einem spannenden Ambiente: Sei es Galerie, Museum oder Gourmet-Lokal, alles mit einem Hauch Luxus.

Klingt seltsam, aber für mich ist es mittlerweile schwieriger, eine tolle Location als ein tolles Model zu finden.
 

Fotograf Tom Rider
 

Bei deinen zahlreichen Shootings mit so vielen nackten Frauen: Hattest du schon Momente, in denen du peinlich berührt warst?

Ich bin zuweilen erstaunt, wie cool manche Mädchen sind. Da können Handwerker durchs Set laufen oder Eishockeymannschaften johlen, das stört die nicht im Geringsten. Manche fühlen sich sogar deshalb motiviert. Auch wenn mir das die wenigsten abnehmen: Ein Shooting ist für mich Anspannung, Stress und körperliche Arbeit. Ich bin acht Stunden nonstop in Bewegung und stehe unter Strom. Wenn das Model und ich am Folgetag keinen Muskelkater spüren, dann haben wir nicht unser Maximum gegeben. Von Erotik und knisternder Atmosphäre am Set, wie allgemein vermutet, ist da wenig zu merken. Von mir wird erwartet, dass ich erstklassige Fotos mache: Vom Model, vom Kunden und natürlich von mir selbst. Klar gibt es schlimmeres Arbeiten als ein Akt-Fotoshooting, und etwas Kribbeln ist bestimmt dabei. Aber richtig happy und entspannt bin ich erst nach Sichtung meiner Pics am Rechner.

Bei deinen Jobs bist du umgeben von leicht bekleideten hübschen Frauen. Kam da schon einmal ein unmoralisches Angebot von einem Model?

Ja ein Angebot, aber nicht mehr. Meine Frau würde sich wahrscheinlich freuen, wenn ich eher Blumen, Loks oder Elefanten schießen würde. Aber sie vertraut mir. Mein Motto lautet: „Don’t touch the model“. Ich glaube, dass statistisch wahrscheinlich mehr Lehrer fremdgehen, als Aktfotografen. Da machen sich die meisten einfach eine falsche Vorstellung. Ich vermute, das sind eher heimliche Fantasien von Männern, die nicht fotografieren. Apropos Loks und Elefanten: Akt ist bestimmt das umstrittenste Foto-Genre, das man sich aussuchen kann.

Spürst du das in deiner täglichen Arbeit?

Ja, immer dann, wenn ich Locations anfrage. In unserer Gesellschaft herrscht eine große Doppelmoral. Im TV gibt’s Blut, Mord und Totschlag, in Museen erfreut man sich an Statuen und Gemälden als Kunst, no problem. Wer aber Personen im 21. Jahrhundert nackt fotografiert, wird kritisch beäugt. Klar ist die Gefahr groß, in der Schmuddelecke zu landen. Es gibt leider zu viele Knipser, denen es nur um das eine geht. Die anspruchsvolle Aktfotografie ist daher eine ständige Gratwanderung zwischen Kunst und Porno!
 

Tom Rider
 

Fotografierst du auch Privatpersonen?

Es kommt immer wieder einmal vor, dass eine Frau ihren Partner mit ungewöhnlichen Fotos überraschen möchte, oder dass der Ehemann mich beauftragt, Bilder seiner Angetrauten zu machen. Nur nackte Männer fotografiere ich generell nicht – obwohl ich auch da regelmäßig Angebote bekomme. „Herren der Schöpfung“ kommen bei mir nur als Deko-Element mit aufs Bild. Erotische Frauenfotos machen mir einfach mehr Spaß …

Nach so vielen Jahren Akt-Fotografie, kannst du da Trends erkennen?

Vor 15 Jahren gab es zumindest einen kleinen Skandal im Umfeld oder in der Presse, wenn sich ein Mädel nackig machte. Und vom Playboy gab es dafür angemessenes Honorar. Quasi Schmerzensgeld für den gesellschaftlichen Aufschrei. Heute dagegen ist Textilfreiheit kaum noch etwas Besonderes. Die Online-Omnipräsenz von Nacktheit und der allgegenwärtige „FB-Exhibitionismus“ lassen Preise und Niveau verfallen. Mädels machen Selfies, nennen sich dann Top-Model und werden in Pseudo-Casting-Shows a la GNTM verheizt. Außerdem wird immer mehr optisch getunt.

Was verstehst du denn in diesem Zusammenhang unter „optisch getunt?”

Jedes Foto ist auch ein wenig Betrug am Betrachter, schon seit den Anfängen in der Dunkelkammer. Was niemand auf dem Foto sieht: Kein Model steht und biegt sich so im Alltag, ein Fotograf verrenkt sich für gewagte Einstellungen, um ein super Pic zu zaubern.

Auch gibt es kaum noch ein Mädchen, das „original natur“ ist. Ein Model ohne Implantate, Piercings, Tattoos, Extension, künstlichen Nägel, Zähne, Wimpern, und vielleicht ein paar Härchen im Schritt ist rar, wie die Stecknadel im Heuhaufen. Wenn sie dann auch noch Ausstrahlung, Weiblichkeit, Reife und Rasse hat … Diese Mädchen mögen sich bitte sofort bei mir melden! info@tomrider.eu

Gleichzeitig gehört Beautyretusche zum selbstverständlichen Fotografen-Handwerk. Und die Arbeit einer guten Visagistin ist auch nicht zu unterschätzen. Für die Optik und die Wohlfühlstimmung …
 

Tom Rider
 

Du fotografierst seit über 20 Jahren und hast schon unzählige Frauen vor deiner Kamera gehabt. Was macht für dich ein perfektes Shooting aus?

Perfekt gibt es für mich nie. Nach jedem Shot finde ich immer etwas, das ich im Nachhinein hätte besser machen können. Wichtig ist für mich, dass Fotograf und Model sich gemeinsam für das Triple-A Foto aufopfern, am fotografischen Ergebnis interessiert sind und nicht an der Kohle. Diesen Unterschied sieht man. Da muss die Chemie zwischen dem Model und mir stimmen. Ein Bild soll den Fotografen, das Model und den Betrachter begeistern und ein stilles „Wow“ hervorrufen.

Wenn dann Ajouré anruft, dann bin ich auf dem richtigen Weg!

Wer jetzt auf den Geschmack an deinen Arbeiten gekommen ist: Was empfiehlst du diesen Lesern?

Einfach auf meiner Seite www.tomrider.eu vorbeischauen. Auch gibt es von mir diverse Women- und Girls-Kalender im Handel. Wer selbst fotografiert, den interessieren vielleicht meine Akt-Workshops, die ich zwei Mal jährlich anbiete.
 


Women – Broschur Kalender 2017 – Korsch-Verlag – Tom Rider – offen 30 cm x 60 cm

 

Tom Rider

 

Fotos: Tom Rider

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