Schauspieler Roman Knizka im Interview

        Roman Knizka    

Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler, sowie Ehemann, Papa und ein Herz aus Gold das ist Roman, wie wir ihn kennen! In einer sehr freundschaftlichen Runde in Portugal, erzählte uns Roman vieles über sein privates Leben, seine Erfahrungen in der Filmwelt und was er anders machen würde, wenn er die Zeit zurückdrehen könnte!

Wir haben den Opelbefürworter Roman Knizka in Porto bei einem Shooting für den Automobilhersteller begleitet und haben diesen Moment genutzt den renommierten Schauspieler genauer kennenzulernen.

 

Ajouré: Du bist seit mehr als 2 Jahrzehnten in der Filmbranche. Bist du ein alter Hase?

Roman: Also manchmal merke ich das in der Tat, besonders wenn ich mit sehr jungen Kollegen zusammenarbeite. Am Anfang von Dreharbeiten versuche ich immer so etwas wie tabula rasa herzustellen – im Sinne davon, dass ich mich sowohl auf das neue Set frisch einlasse, die neuen Menschen, die neue Geschichte und natürlich auch auf die neue Rolle die ich spiele. Ich möchte mich in meinem Schaffen ungern wiederholen, was auch der Grund eben dafür ist. Im Laufe der Arbeit merke ich natürlich, wie die gesammelte Erfahrung aus mir heraus will und muss! Dank ihr weiß ich auch, wie man häufig etwas besser machen kann. Meine Erfahrung gebe ich mittlerweile gerne weiter. Das mache ich aber allerdings eher bei Kollegen, bei denen ich spüre, dass sie das auch wirklich wollen oder brauchen. Bei denen, die nicht begreifen möchten, dass Schauspiel Teamarbeit ist, ist es besser, sie sich selbst zu überlassen. Kollegen, die ich schätze, sage ich auch, dass sie es mich wissen lassen können, wenn sie Verbesserungsvorschläge haben. Schließlich habe ich nur meine Perspektive, sie allerdings können meine Rolle aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Ajouré: Was war der prägnanteste Eindruck in deiner bisherigen Karriere?

Roman: Mir fallen da 24 Stunden ein, die extrem anstrengend waren. Ich drehte eine ganze Nacht für „Anatomie 2“ auf dem eisigen Dach einer Berliner Klinik. Unsere blaugefrorenen Lippen lohnten sich, denn es kam eine großartige Horror-Szene heraus. Wir arbeiteten bis in die Morgenstunden und ich flog im Anschluss sofort nach Luxemburg, um dort am Set von „Twin Sisters“ eine Abschiedsszene an einem Bahnhof zu spielen. Nach dem Abschiedskuss sollte ich auf das Trittbrett des losfahrenden Zuges aufspringen, hatte mich vertan und stolperte. Schon wurde „Cut! Cut!“ geschrien. Es war ein riesiger Aufwand, hunderte Komparsen und die nostalgische Eisenbahn wieder auf Anfang zu bringen – und das alles nur, weil ich so übermüdet war. Sowas prägt und ich überlege seitdem zweimal, ob ich mehrere Projekte parallel übernehme.

 

Roman Knizka

 
Ajouré: Gab es auch einen Punkt, an dem du überlegt hattest, mit der Schauspielerei aufzuhören?

Roman: Ein Regisseur wollte einmal, dass ich dem Drehbuch nach, eine Frau vergewaltige. Er meinte „Lass uns mal nicht proben, leg los und wir halten die Kamera drauf!“ Da habe ich mich mit ihm angelegt und wollte alles hinschmeißen, bevor mir klar wurde, dass es an der respektlosen Arbeitsweise dieses Typen lag. Es war widerlich. Ansonsten kann ich fast behaupten, lebe ich seit 20 Jahren im Glück. Und ich bin froh, dass ich in den 90er-Jahren mit der Schauspielerei begonnen habe, denn die Branche hat sich sehr verändert. Heute wirst du mehr genötigt, so viel wie möglich von dir zu verkaufen, als schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen.

Ajouré: Was ist für dich die interessantere Rolle – der weiche, nette Typ oder der Bösewicht?

Roman: Der Bösewicht! Er ist meist facettenreicher. Der nette Kerl braucht dem Zuschauer gegenüber immer etwas vertrautes, lineares. Ein gewisser Bösewicht schlummert in uns allen – nur dürfen wir ihn nicht ausleben. Vor der Kamera darf ich das. Ich war als Kind schon lieber der Räuber, nicht der Gendarm.

Ajouré: Was war generell die emotionalste Begegnung in deinem Leben?

Roman: Eigentlich fand das zweimal statt. Ganz klar: Als meine Söhne auf die Welt kamen – vor allem beim ersten. Genau ein Jahr vorher starb mein Vater in meinen Armen. Ich kann das so schlecht wiedergeben, aber als ich in seinen Augen erkannte, dass er jetzt sterben würde, sah und empfand ich das Gleiche, was ich in den Augen meines grad geborenen Jungen sah. Da verstand ich, dass ich ein echtes Bindeglied von Generationen bin.

Ajouré: Du siehst immer so frisch und top gestylt aus. Es scheint, als wuppst du alles im Leben, was so auf dich zukommt. Was ist dein Schlüssel zum Erfolg, den andere vielleicht nachmachen könnten?

Roman: Das klingt vielleicht abgedroschen, aber ich suche nach Wahrheit, vor allem in einem selbst. Ich mag das Sprichwort: Liebe die Kunst in dir, nicht dich in der Kunst. Du musst deine Talente erkennen, dich darauf besinnen, sie verfertigen und erst dann kannst du kreativ arbeiten und sogar loslassen. Sowas ist ein Prozess. Ich glaube viele verbeißen sich im Job, sehen sogar die Quantität von Arbeit im Vordergrund. So schwindet dann auch das Talent, der Flow, das richtige Gefühl im Bauch. Vor allem glaube ich an dieses Ying-Yang-Ding! Es braucht in allem auch das Gegenteilige. Ich kann emsig sein, muss aber auch mal abschalten können. Ich bin ein sehr sinnlicher Mensch, nehme mir Auszeiten und brauche auch andere solche Menschen um mich herum.

Ajouré: Gibt es einen Künstler, mit dem du gerne mal spielen wollen würdest?

Roman: Ich hatte mal als Kind so einen – den lange verstorbenen Charles Laughton. Er spielte damals den englischen König Henry, seine Performance hatte mich lange fasziniert. Vielleicht bin ich durch ihn sogar zu dem Entschluss gekommen, selber zu spielen. Ich hätte ihn gerne als Mentor gehabt. Wenn ihr mich so fragt, würde ich auch gerne mit Anthony Hopkins spielen – er fasziniert mich. Er spielt wahnsinnig intelligent und souverän, die Reife aus seinem Leben schwingt da permanent mit.

 

Roman Knizka

 

Ajouré: Heutzutage wird der YouTuber zum Schauspieler. Was hältst du davon?

Roman: Es läuft tatsächlich darauf hinaus, was der Medienwissenschaftler McLuhan sagte: 15 Minuten Ruhm! Eines Tages wird jeder für einen Moment berühmt sein. Das zeigt, wie egozentrisch die westliche Welt geworden ist. Jeder will sich bestmöglich verkaufen. Überspitzt gesagt, versucht sich fast jeder einmal für einen Moment in die Mitte der Welt zu stellen. Da es die Mittel dafür gibt, so wie das Smartphone, schafft er es vielleicht sogar. Es ist ein richtiger Wettbewerb geworden. Früher hat man sich geistig oder im Sport gemessen, heute nutzt man die multimedialen Mittel. Und das bringen sich die Kids heute zum Großteil gegenseitig bei.

Ajouré: Seit Jahren stehst du in der Öffentlichkeit, du trägst aber nie das Gleiche und bist immer top gestylt. Woher nimmst du deine Inspirationen? Hast du einen Stylisten?

Roman: Ich beobachte Leute, die sich nichts aus Mode machen, will es ihnen dann nicht gleich tun, sondern eben meinen eigenen Weg finden. Ich mag es zu kombinieren. Heutzutage muss ja glücklicherweise nicht mehr alles Ton in Ton sein und man kann Styles vermischen. Ich arbeite sehr gerne mit Stilbrüchen. Ich frage selten jemanden, wie etwas an mir aussieht – das mache ich mit mir selbst aus.

Ajouré: Wenn du die Zeit zurück drehen könntest, was würdest du, wenn überhaupt, anders machen?

Roman: Ich hätte gerne noch früher die DDR verlassen. Ich hätte gerne meine Teenager-Zeit liberal und in Demokratie erleben wollen. Sicher hätte ich mich dann anders entwickelt. So bin ich erst mit 19 abgehauen. Als Kind ist es dir egal wo du groß wirst, solange es in deiner Familie stimmt – ich habe da keinerlei Mankos verspürt. Es war mir auch egal, ob ich eine einzige Banane in der Woche bekommen habe oder 20.
Die 80er hätte ich dann gern in Westberlin verbracht, vielleicht als Nachbar von David Bowie.

 

Fotos: Harald Dawo



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