Rick Astley meets Berlin

        Rick Astley    

Ein Hitgarant über sein neues Album „Beautiful Life“

Es ist Montagmorgen und kein Geringerer als Rick Astley ist gerade in Berlin angekommen, um hier sein neues Album „Beautiful Life“ zu promoten, welches am 13. Juli 2018 veröffentlicht wird. Wir durften im Vorfeld bereits in das neue Album hineinhören und waren erstaunt, dass Rick Astley, der seit Jahrzehnten zu den ganz Großen gehört, auch heute noch den Nabel der Zeit trifft. Bereits damals verkaufte er mehr als 40 Millionen seiner Platten und war in 25 Ländern in den Charts auf Platz eins. In seinem neuen und gleichzeitig gefühlvollsten Album bekommen wir abwechselnd Gänsehaut und Lust zu feiern. Es ist ein Album, welches dir gute Laune aufzwängt und du teilweise keine Chance hast, dich dagegen zu wehren. Wir haben uns zum Interview mit ihm verabredet, um herauszufinden, wie ein Hitsingle-Schreiber wie er, so vielfältig sein kann und woher er seine Ideen für die Tracks bezieht. „And by the way, Rick, how do you like Berlin so far? – Berlin is so cosmopolitan and an iconic city, I love it!“

Was hat sich an der Musik deiner Meinung nach seit 1987, als „Never gonna give you up“ veröffentlicht wurde, vom Musikverständnis und dem Gefühl, was durch Musik transportiert wird, verändert?

Ich glaube tatsächlich, dass sich nicht viel verändert hat. Menschen hören heute überall Musik, weil sie es können. Es ist nicht wie damals, als man immer CDs oder Platten kaufen musste und diese dann ausschließlich zuhause hören konnte. Heute, und das hat sich definitiv verändert, kannst du Musik hören, wo und wie du möchtest. Über dein Handy, am Computer und wenn du ein Plattensammler bist, dann kannst du sie dir auch bis heute noch in einem Geschäft kaufen. Egal, wie Menschen heute Musik hören, sie werden nach wie vor von ihr berührt. Dies war damals so, ist heute so und wir auch morgen noch so sein. Und diejenigen, die von einem Künstler besonders begeistert sind, werden auf Konzerte gehen, um ihr Idol dort live erleben zu können, denn ein solches Gefühl lässt sich nicht einfach downloaden oder streamen.

Was war der ausschlaggebende Grund, ein so gefühlvolles Album zu produzieren?

Es ist ja so, dass alles, was in „Beautiful Life“ zu hören ist, von mir stammt und sozusagen aus mir herauskam. Ich glaube, die Verbindung zu diesem Album ist echter als jemals zuvor. Du musst dir das so vorstellen: Mein Studio ist bei mir zu Hause gleich hinter der Küche. Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee, dann sitze ich im Studio, singe und spiele Instrumente. Und wenn mich etwas von dem, was ich da erschaffe, bewegt, dann mache ich damit weiter. Ich bin ja kein großer Instrumentenspieler, aber ich spiele alle Instrumente selbst. Ich möchte aber niemals in eine Situation kommen, wo jemand auf mich zukommt und sagt, ich solle doch mal bitte eine Runde Gitarre spielen. Ich über sehr viel, um diese Instrumente spielen zu können, aber ich bekomme auch regelmäßig die Krise, wenn ich mal wieder nicht gut genug spiele. Wenn ich dann aber ganz alleine bin, nur ich und die Gitarre, dann habe ich Zeit, mich voll und ganz damit zu beschäftigen und so lange zu probieren und zu üben, bis es letztendlich sitzt.

Rick Astley
Rick Astley im AJOURE´ Men Interview

Wenn man schon so erfolgreich war wie du und dies nach wie vor ist, ist man dann noch aufgeregt, wenn ein neues Album in den Startlöchern steht? Hast du noch Lampenfieber?

Ich bin sehr aufgeragt, dass das Album erscheint. Ich erzähle dir mal, was in der UK (United Kingdom) passiert, im Gegensatz zum Rest der Welt. Natürlich haben wir auch in Deutschland und überall sonst einige Platten verkauft, aber in der UK ist das nochmal etwas Anderes, denn dort laufen aktuell fünf Titel meines letzten Albums „50“ im Radio. Wir gehen dort auf kleine und große Auftritte, wo ich ausschließlich meine eigenen Lieder spiele und jeder dort singt sie mit. Das ist ein großer Unterschied zu überall sonst auf der Welt. Und das Gefühl, das du bekommst, wenn so viele Menschen deine Texte können und diese mit dir singen, ist einfach unbeschreiblich. Hätte mir das damals jemand gesagt, hätte ich kein Wort davon geglaubt.

Was das Lampenfieber angeht, so glaube ich, dass ich das nicht habe. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Aber auch ich werde natürlich manchmal nervös. Zum Beispiel, wenn es um die Bühnentechnik geht. Früher war hier vieles anders und heute ist so vieles neu und von dieser Technik verstehe ich nicht so viel. Da gehe ich schon mal jedem der Kollegen dort auf den Keks und frage ständig „What is it? What´s going on?“ Ich spiele hin und wieder noch in einer kleinen Band für gute Zwecke. Wir sind dann nur drei Personen und ich spiele das Schlagzeug. Und hier ist es einfach pure Musik und keine Technik. Ich setze mich an die Drums, stecke das eine Mikrofonkabel ein, dann das andere und dann geht es los.

Viele deiner Song-Ideen kommen durch dein Privatleben. Besonders deine Frau scheint hier eine große Rolle zu spielen. Wie können wir uns eine typische Entstehung eines Songs wie „Beautiful Life“ vorstellen?

Ganz ehrlich. Ich fange in meinem kleinen Studio an zu spielen und merke erst einmal gar nicht, dass da vielleicht ein Song entsteht. Ich mag es, einfach vor mich hin zu spielen. Ich fange normalerweise auch immer mit einem Instrument an, bevor ich die Lyrics dazu schreibe. Manchmal sitze ich aber auch einfach im Auto und singe während der Fahrt vor mich hin und ab und zu passiert es, dass ich mir denke: „Wow, das klingt gut. Das muss ich mir schnell notieren.“ Aber in der Regel sitze ich einfach daheim und spiele erst einmal mit der Gitarre oder dem Piano. Ich glaube, dass manchmal etwas in deinem Unterbewusstsein ist, was dann einfach aus dir herauskommt. Keith Richards sagte einmal, dass alles bereits geschrieben steht und du musst nur bereit sein, es zu packen und niederzuschreiben. Das ist, aus meiner Sicht, irgendwie sogar ein wenig romantisch.

1988 errang dein wohl bekanntester Song „Never gonna give you up“ den Titel „Best British Single 1988“. Welcher deiner Songs auf dem neuen Album würdest du sagen, hat ein ähnliches Potential?

Keiner von ihnen, noch nicht einmal annähernd. Nicht, weil ich denke, dass es keine guten Songs sind, im Gegenteil. Aber wenn wir einmal ganz ehrlich darüber sprechen, dann schaffe ich es hier nicht ins Radio. Gute Pop-Radiosender werden mich hier wohl nicht spielen, denn es gibt in Deutschland, wie überall auf der Welt, gute neue Künstler, die sehr modern sind und vom Publikum gut angenommen werden und wieso sollten die Radiosender dann die Musik der alten Künstler spielen. In der UK natürlich schon, aber in anderen Ländern ist das etwas ganz Anderes. Ich denke, wenn Calvin Harris einen Song mit mir zusammen machen würde, in dem er mich als Sänger möchte, dann hätte ich wohl durchaus die Chance, hier im Radio zu kommen, aber ob das passiert, steht natürlich in den Sternen. Ich kenne seine Mutter und sie mag mich. Vielleicht hilft das ja dabei (lacht). Aber für mich ist das alles völlig in Ordnung. „It´s the way it is.“ An dieser Stelle können wir Künstler froh sein, dass es das Internet gibt und dass hier jeder Künstler zu jeder Zeit gehört werden kann.

Nebenbei, was war es denn für ein Gefühl, als du 1987 morgens aufgewacht bist und wusstest, dass du in 25 Ländern die Charts auf Platz 1 anführst?

Ich erinnere mich an zwei Dinge. Ich war auf dem Weg nach Schweden und war in dieser Zeit unfassbar beschäftigt. Die Arbeit hat sozusagen mein Leben bestimmt. Ich stieg dort also aus dem Flugzeug aus und ein Typ vom Record-Label, den ich nie zuvor getroffen habe, kam zu mir und ich fragte ihn, wie gut der Song angenommen wird. Und er fragte: „Was?!!?“ Und ich wiederholte meine Frage. Er schaute mich an und sagte, du bist auf eins seit acht Wochen. Und ich lachte und staunte. Das ist gar nicht böse gegen Schweden gemeint gewesen, aber ich war zum damaligen Zeitpunkt noch nie dort gewesen und wusste es einfach nicht. Das war, wie auch Australien zum Beispiel, so weit weg, das hätte für mich gefühlt auch der Mond sein können. Wir kannten natürlich alle Crocodile Dundee und er war für mich „Australien“. Aber sonst wusste man vielleicht nicht so viel von diesen schönen Ländern.

Und so war es auch mit Schweden. Ich hatte es nicht auf dem Radar, beziehungsweise habe es dort einfach nicht verfolgt. Der zweite Moment, an dem ich selbst dachte „Was zur Hölle…“ war, als ich in Spanien war. Ich hatte kurz zuvor eine Promotion in den USA am Laufen und es dauerte damals eine Ewigkeit, um in so einem großen Land bekannt zu werden. Jedenfalls klingelte in meinem spanischen Hotelzimmer das Telefon und mein Manager sagte mir, dass der Song „Never Gonna Give You Up“ gerade auf Platz eins ginge. Ich war sehr stolz darauf, aber es war so verrückt, davon zu erfahren, während ich in Spanien saß, ganz alleine. An dem Ort in Spanien war es nicht so, als wäre ich in New York gewesen, wo man nachts um elf Uhr in eine Bar hätte gehen können, um dort zu feiern. Nein, ich war im Hilton in Spanien und alles was ich sagen konnte war: „Great.“ Als ich dann, etwa zwei Monate nach dem Anruf, wieder in den USA war, war es ein packendes und berauschendes Gefühl, denn jetzt war ich hier und auch mein zweiter Track stieg direkt auf Platz eins ein. Es war großartig.

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Du hast dein neues Album „Beautiful Life“ im Alleingang geschrieben und produziert. Du hast einfach alles selbst gemacht. Hattest du an irgendeiner Stelle während der Entstehung Angst, dass du dir zu viel zugemutet hast?

Ja, manchmal schon. Aber eher deshalb, weil meine Tagesabläufe hin und wieder darunter leiden mussten. Auf der anderen Seite ist Musikmachen mein Hobby, so wie für andere Leute Videogames. Ich setze mich hin und spiele. Ich schalte alles um mich herum aus und versinke voll und ganz in die Töne, die meine Akustik-Gitarre von sich gibt. Ich denke, es gibt nicht viele Dinge im Leben, die dich für sieben oder mehr Stunden in einem Raum einsperren können und dich die Zeit vergessen lassen. Und ich schreibe und produziere alle Songs selbst, ohne jemanden an meiner Seite, der mir sagt, ich könne dies oder das besser. Ich muss hierfür ganz für mich alleine sein und spielen. Mal sanfter, mal härter. Und auch, wenn jemand denkt, man könne an dieser oder jener Stelle etwas besser machen, dann denke ich mir: „Egal, ich mag es so, wie es ist.“ Und am Ende entsteht dann ein Lied und noch eins und so weiter.

Ich stelle dir noch schnell drei offene, kurze Fragen, die nur mir spontan beantworten sollst:

„Beautiful Life“ trifft die Gefühle der heutigen Zeit auf den Punkt, weil…
Wir ein schönes Leben haben.

Träume und Mut gehören zusammen, weil…
Du brauchst Mut, um deine Träume zu verwirklichen.

Never gonna give…
You Up natürlich (lacht).

 

Im September kommt Rick für einige Konzerte nach Deutschland:

13.09. München, Tonhalle
14.09. Frankfurt, Batschkapp
16.09. Köln, E-Werk
17.09. Hamburg, Große Freiheit
18.09. Berlin, Admiralspalast

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Fotos: Rick Astley PR / Rankin

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