Mit Schauspieler Ralf Moeller im Interview

        Ralf Moeller im Interview    

Ajouré: Hallo Ralf, wir sitzen hier im gemütlichen Waldorf Astoria Hotel – bist du öfter hier, wenn du in Berlin bist?

Ralf: Ja, das Hotel ist sehr zentral. Mir ist es wichtig, dass ich im Hotel trainieren kann – und das Waldorf Astoria bietet einen tollen Fitnessraum und ein Spa.

Ajouré: Vom Schwimmer zum Bodybuilder und dann zum internationalen Schauspieler – hättest du dir diese Entwicklung und diesen Erfolg jemals erträumen lassen?

Ralf: Als ich meine Schwimmmeisterausbildung gemacht habe, dachte ich noch nicht daran später mal nach Amerika zu gehen. Ich habe während meiner Zeit als Schwimmer bereits mit dem Bodybuilding angefangen, so mit 17 Jahren – und ab dem 18. Lebensjahr habe ich dann meine ersten Wettkämpfe im Bodybuilding gemacht. In den 1980er Jahren bin ich dann nach Amerika gegangen – zunächst aber immer nur wochenweise.

Ajouré: Wie gelang dir dann der Durchbruch in Hollywood?

Ralf: 1988 drehte ich meine erste Rolle im Tatort „Gebrochene Blüten“ mit dem leider kürzlich verstorbenen Götz George. Im Jahr darauf hatte ich dann in Amerika meinen ersten Film mit Jean-Claude Van Damme gedreht und zwei Jahre später dann mit Roland Emmerich den Film „Universal Soldier“. Ich war damals gerade erst ein paar Monate in L.A. und hatte die Chance darin mitzuwirken – das war dann auch mein erster Film, der weltweit erfolgreich war. Ich glaube, er hat damals 100 Millionen eingespielt.

Ajouré: Was war das Verrückteste, was du bei Dreharbeiten am Set erlebt hast?

Ralf: Das war schon bei „Universal Soldier“; ich musste als Roboter rohes Fleisch essen und es gab auch eine Szene, in der ich brennend aus einem Auto komme – das habe ich selber gedreht. Ich bin auch aus einem Helikopter gesprungen und habe später erfahren, dass ich dafür einen Stuntman gehabt hätte. Es war mein erster großer Film und ich dachte, ich müsse alles selber machen. Ich habe erst später gelernt, dass man als Schauspieler schon auf Grund der Verletzungsgefahr nicht alles selber machen kann. Sonst würde man schnell ausfallen – deshalb sind Stuntdouble auch sehr wichtig!

Ajouré: Ist dir während der Dreharbeiten mal etwas passiert?

Ralf: Mit Dwayne Johnson hatte ich bei „Scorpion King“ Kampfszenen auf einem Pferd, von dem ich runtergefallen bin. Bei „Gladiator“ gab es auch mal Hiebe auf die Finger. Bei Actionfilmen gibt es halt immer wieder Blessuren, auch wenn ich Stuntmänner habe, da ich auch vieles selbst drehe, was wohl an meiner Größe liegt.
 

Ralf Moeller
Foto: Paul Partyzimmer

 
Ajouré: Du bist sowohl deutscher als auch amerikanischer Staatsbürger. Was ist an dir denn so typisch deutsch und was mittlerweile sehr amerikanisch?

Ralf: Typisch deutsch ist wohl meine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Das Schöne, was ich in meinen 25 Jahren in Amerika erlebt habe, ist, dass das Glas Wasser immer halb voll ist und nicht halb leer. Hier in Deutschland hat man oft Vorurteile, wenn man Leute nicht kennt. Ich glaube, man sollte Menschen aber erst kennenlernen, bevor man sich über sie äußert. In Amerika gönnt man dir den Erfolg, denn man muss dafür viel arbeiten. Man muss sich für seinen Erfolg auch nicht entschuldigen. Das Gefühl habe ich manchmal bei Stars in Deutschland. Sich auf einen Film vorzubereiten ist sehr anspruchsvoll, deswegen kann man stolz darauf sein, wenn man etwas präsentiert.

Ajouré: Gibt es etwas, dass dir in Amerika fehlt?

Ralf: Ich bin sehr oft in Europa, schon als Markenbotschafter für zum Beispiel Porsche. Ich reise auch durch meine Arbeit als Schauspieler viel und bin mindestens drei bis vier mal im Jahr wieder hier, deshalb kommt kein Heimweh auf.

Ajouré: Lernt man seine Heimat mehr zu schätzen, wenn man eine Weile im Ausland ist?

Ralf: Man sieht seine Heimat aus einem anderen Blickwinkel. Ich bin gerne hier in Deutschland, meine Eltern leben auch noch und sind immer mein erster Stopp wenn ich wieder hier bin.

Ajouré: Dein Lebensmittelpunkt ist in Amerika – aber du engagierst dich auch hier für Projekte mit Jugendlichen wie „Starke Typen“. Erzähl uns etwas darüber!

Ralf: Vor zehn Jahren habe ich mit „Starke Typen“ angefangen und hatte dabei Unterstützung von Ursula von der Leyen. Mir ging es darum, an Hauptschulen zu gehen, um Unternehmer an die Schule zu bringen, damit die Jugendlichen zeigen können, was in ihnen steckt. Mit dem Hintergrund, dass man sich persönlich kennenlernt. Viele, die Probleme hatten Praktika oder Ausbildungsplätze zu bekommen, haben danach einen erhalten.

Ajouré: Wie eben schon kurz erwähnt bist du Markenbotschafter für Porsche. Wann hast du denn deinen ersten Porsche gekauft und was war es für einer?

Ralf: Mein erstes Auto war mit 18 Jahren ein VW, den ich gebraucht von meinem Vater bekommen habe. Meinen ersten Porsche habe ich mir 1984 gekauft, das war ein neuer 44er Porsche. Ein Jahr später habe ich mir dann einen Porsche Carrera Cabrio gekauft. Wir haben übrigens gerade die Vorstellung des neuen Panameras.

Ajouré: Gab es einen Schlüsselmoment in deinem Leben, der dir in Erinnerung geblieben ist und dich geprägt hat?

Ralf: Ich glaube, jeder hat eine Menge solcher Schlüsselerlebnisse. Ich engagiere mich häufig sozial, wie bei „Starke Typen“, habe aber auch beispielsweise Fitnessgeräte nach Afghanistan gebracht – nicht um den Krieg sondern um die Soldaten zu unterstützen. Im sozialen Bereich gibt es viele Erlebnisse, die einen prägen können, wenn man z.B. kranke Kinder sieht. So etwas erinnert einen daran das eigene Leben sinnvoll zu nutzen und seine Ziele zu verfolgen. Wenn man die Augen aufmacht, sieht man sehr viel Leid und dass alles nicht selbstverständlich ist. Wobei ich generell Sachen nie als selbstverständlich betrachte.

Ajouré: Wie sieht dein Alltag aus, wenn du mal nicht drehst?

Ralf: Ich fange in L.A. gegen sieben Uhr mit dem Training an, überwiegend mit meinem Freund Arnold. Dann laufen wir acht bis zehn Kilometer zum Gold’s Gym und wärmen uns so auf. Dann wird trainiert. Darauf folgt das Frühstück und danach hat man Zeit für seine Termine. Wie z.B. Produzenten oder Regisseure zu treffen, an Drehbüchern zu arbeiten oder als Marketingbotschafter zu arbeiten. Für mich sind die Tage oft nicht lang genug.

Ajouré: Auf welches Rollenangebot wartest du noch?

Ralf: Es muss ja nicht immer die harte Action sein. Komödien gefallen mir auch sehr gut. Es gab gerade grünes Licht für eine Komödie mit Hanna Schygulla, der deutschen Meryl Streep. Das Projekt heißt „Mama Universe“ und es kann gut sein, dass wir im nächsten Jahr anfangen zu drehen. Darauf würde ich mich sehr freuen!

Ajouré: Danke, Ralf.
 

 

Fotos: Paul Partyzimmer



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