Jens Koch – Er hatte sie alle! Der Star-Fotograf aus Berlin

        Jens Koch    

Es ist saisontypisch kalt in Berlin, als wir uns mit Jens Koch im Sofitel auf dem Ku’damm treffen. Doch das stört nicht, denn was uns in der Hotel-Lobby erwartet, bringt uns zum Staunen und ist jede Strapaze und Temperatur wert. Jens hat dort eine große Auswahl seiner Fotografien der letzten Jahre ausgestellt. Majestätisch in Kreisform angeordnet hängen dort die schönsten seiner Meisterwerke. Riesen groß und in Hochglanz präsentiert er hier unter anderem Fotos von Willem Dafoe, Pamela Anderson, Bryan Cranston, Jared Leto und vielen mehr. Jens Koch hatte sie alle vor der Kamera. David Hasselhoff, Robert DeNiro, Chester Bennington, Bill Murray, Sly Stallone, Hugh Jackman, Joe Cocker, Mark Wahlberg, Drew Barrymore, Ian Mckellen, Irina Shayk, Samuel L. Jackson und dutzende mehr. Die Elite der internationalen Promiwelt ist bei ihm im Studio, sobald darum geht, fotografiert zu werden. Mehr als Grund genug, ihm einige Fragen zu seiner Arbeit zu stellen.

6 Lebensfragen:

Jens Koch

Ajouré: Wann war für dich klar, dass du Fotograf werden möchtest?

Jens: Also ich bin ja ursprünglich ein Reporterkind vom Kölner Express und habe mich dann von dort aus in diese Promi-Schiene gearbeitet. Aber so richtig klar war mir das im Jahr 2000, denn da habe ich meine Hotelfachausbildung hingeschmissen. Da ich nebenbei schon immer gerne Portraits gemacht habe und versucht habe, auf Veranstaltungen von Leuten, die mich interessieren, auch Portraits zu machen, wurde ich praktisch über Nacht zum Fotoreporter. Da war ich damals 20 Jahre alt und jetzt kann ich sagen, dass ich zum einen etwas Glück gehabt habe, aber auf der anderen Seite hat es eben auch 16 Jahren gedauert, um dort anzukommen, wo ich jetzt bin. Ich war Nächte lang in Redaktionen gesessen und habe versucht Reporterjobs zu ergattern und diese Geduld hat nicht jeder. Aber du wirst nicht von heute auf morgen Star-Fotograf. Das ist ein sehr langer Weg.

Ajouré: Fotografen-Ausbildung: Hast du Fotografie oder Kunst gelernt/studiert?

Jens: Nein, ich habe mir das alles selber beigebracht. Ich war und bin geprägt von den Magazinen aus den Neunzigern, die ich da gelesen habe. Zum Beispiel Vanity Fair. Damals war die Print-Magazinlandschaft einfach auch besser, als sie heute ist. Und ich war von den Bildern beeindruckt und von der Art, wie man Menschen inszenieren kann. Dann habe ich mir die Kamera meiner Mutter geschnappt und einfach losgelegt. Und damals gab es ja noch Filme in der Kamera. Da musste alles sitzen.

Ajouré: Wenn du nicht im Studio stehst oder für ein Shooting irgendwo gebucht bist, läufst du dann trotzdem den ganzen Tag mit dem Fotoapparat oder Smartphone rum und willst jeden und alles um dich herum Freunde fotografieren, oder belässt du es tatsächlich bei Jobs?

Jens: Ich belasse es mittlerweile tatsächlich bei meinen Jobs. Früher war das anders. Da war das Hobby noch kein Beruf, aber sobald sich das ändert, geht einem so ein bisschen das Hobby flöten und man fotografiert weniger privat. Das müssen schon besondere Momente oder Impulse sein, dass ich ein Foto mit einem iPhone oder der Kamera einfach so machen möchte.

Jens Koch

Ajouré: Wenn man so einen Fotografen im Freundeskreis hat, wie oft wird man dann von seinen Freunden und Bekannten gefragt, ob du nicht „mal kurz“ ein Foto von ihnen machen könntest?

Jens: Das kommt vielleicht sogar seltener vor, als man denkt. Aber von Bekannten, oder Leuten, die man kennenlernt, siehst du schon in den Augen, dass sie ein Foto möchten, wenn sie erfahren, was mein Job ist. Alle finden Fotos toll und wir leben in einer digitalen Welt und darum möchten auch alle Fotos von sich selbst haben. Ich bekomme viele Anfragen, aber ich schaffe das zeitlich leider einfach nicht.

Ajouré: Kommen deine Kunden alle zu dir hier her nach Berlin ins Studio, oder fliegst du auch schon mal um die halbe Welt für einen Job?

Jens: Ich schätze, zu 96% gehe ich dort hin, wo die Leute sind. Die Schauspieler sind in irgendeinem Hotel und ich laufe voll-equipt dort auf. Meistens sind sie dann allerdings in Berlin. Es kommt aber auch schon mal vor, dass ich sie im Ausland fotografiere. Wie vor kurzem zum Beispiel, als ich mit meinen Eltern in Las Vegas Urlaub gemacht habe. Ich hatte gepostet, dass ich in Vegas bin und bekam dann über eine Fotoagentur einen Termin mit Bryan Cranston vorgeschlagen. Dann bin ich zu ihm nach Los Angeles gefahren und habe das noch eben kurz dazwischengeschoben. Ich war also acht Stunden im Auto unterwegs, habe zwei Minuten fotografiert und bin dann wieder zurückgefahren. Da ich allerdings ja privat im Urlaub war, hatte ich mein Equipment nicht dabei und musste mir das vor Ort dann mieten.

Ajouré: Im Berliner Sofitel Ku´damm Hotel hängen zurzeit einige deiner Fotografien aus. Wie kam es dazu und was bedeutet dir das?

Jens: Als Fotograf machst du die Fotos natürlich, um sie zu zeigen und um seine Freude zu teilen. Da ist eine große Leidenschaft drin, Leute zu fotografieren, die ich bewundere, die ich gerne in Serien sehe und wenn ich zum Beispiel Bryan Cranston fotografiere, macht mir das unendlich viel Spaß, da ich ihn in „Breaking Bad“ lieben gelernt habe. Und jemanden wie ihn dann zu zeigen und die Reaktion von Betrachtern zu sehen, die sich dann das Foto anschauen, ist dann schon etwas sehr Besonderes für mich. Denn so nah dran bist du an den Reaktionen von Leuten sonst eigentlich nie.

6 Fotografenfragen:

Jens Koch

Ajouré: Was macht ein perfektes Foto für dich aus?

Jens: Ich beschäftige mich im Vorfeld mit den Prominenten, die ich fotografieren werde. Ich versuche Dinge zu recherchieren, die vielleicht nicht jeder weiß oder kennt und wenn es dann soweit ist und der Promi vor meiner Kamera steht, dann versuche ich mit meinen gewonnen Informationen eine Emotion aus ihnen zu locken, die sie ohne diese Anekdote vielleicht nicht gezeigt hätten. Manchmal muss man das Model dann provozieren und ich provoziere generell sehr gerne und das hilft. Besonders dann, wenn du nur ein oder zwei Minuten Zeit hast. Und die Leute haben eigentlich keine Lust auf Fotos. Das ist einfach so. Sie müssen es machen, um sich weiterhin zu vermarkten, aber Lust hat kaum jemand. Und wenn das Bild dann was geworden ist, innerhalb von so kurzer Zeit, dann ist es für mich ein perfektes Foto.

Ajouré: Dein Lieblingsfotograf?

Jens: Martin Schöller und Art Streiber. Weil das grundsympathische Kerle sind und sie haben eine unglaubliche Frische in ihren Fotos. Sie sind zwar nicht mehr die Allerjüngsten, aber sie machen brandaktuelle Fotos, die auch immer einen gewissen Witz drin haben. Und das ist mir auch wichtig, denn ich würde mich selbst auch als witzigen Typen bezeichnen und auch ich versuche immer Witz in meine Fotos zu kriegen. Und das tun die beiden sehr gut und sind daher eine große Inspiration für mich.

Ajouré: Dein Lieblings-Promi-Foto, welches du selbst geschossen hast?

Jens: Eigentlich gibt es das nicht, denn es ist die Mischung aus den Begegnungen finde ich.

Jens Koch

Ajouré: Lieblingsblende, Zeit und ISO?

Jens: Ich bin ja so überhaupt kein Technik-Freak, was Kameras angeht. Aber in der Kürze der Zeit muss man schon auf Nummer-Sicher gehen, was die Technik angeht und da sage ich immer: Blende Acht – Sonne lacht.

Ajouré: Mit welcher Kamera fotografierst du am liebsten?

Jens: Mit Canon. Wobei die Kamera glaube ich tatsächlich egal ist. Mit Canon habe ich angefangen und habe das irgendwie bis heute so drin. Wenn ich unterwegs bin, kommt es schon mal vor, dass ich mit einer Leica fotografiere, aber im Prinzip alles mit der Canon.

Ajouré: Dein persönlich bester Tipp für angehende Fotografen?

Jens: Der Beruf des Fotografen besteht nur aus 5-10% fotografieren. Der Rest ist Kontakte knüpfen und akquirieren und was man hier braucht, ist definitiv Geduld, den richtigen Riecher und ein kleines bisschen Glück.

Erlebnisfragen bei Shootings

Jens Koch

Ajouré: Welche Persönlichkeit ist dein größter Wunsch vor der Linse zu haben?

Jens: Till Lindemann von Rammstein. Ich bin mit Rammstein aufgewachsen und bis heute ist es ein großer Wunsch von mir, Till einmal zu fotografieren. Mal sehen, ob es sich eines Tages ergibt.

Ajouré: Welches gehört zu deinem lustigsten Erlebnis, das dir während eines Jobs mit einem Promi passiert ist?

Jens: Das ist schwer zu sagen, denn richtig lustige Anekdoten habe ich so nicht. Es gab einige Shootings, die zum Teil den ganzen Tag gingen und da sind immer irgendwelche lustigen Dinge passiert.

Jens Koch

Ajouré: Welches zählt zu den bewegendsten oder ergreifendsten Erlebnissen bei einem deiner Jobs vor der Kamera?

Jens: Also bewegend war tatsächlich der frühe Tod von Chester Bennington, der ganz zauberhaft war und so ganz anders, als viele andere Musiker und Schauspieler. Ich habe ihn 2014 fotografiert und er hat sich sehr viel Zeit genommen und war einfach ein sehr bodenständiger Typ und angenehm. Es war ein herzensguter Typ und es ist sehr schade, dass er so früh von uns ging.

Ajouré: Hast du schon Aufträge für 2018, auf die du dich freust?

Jens: Das ist immer sehr spontan. Also diese Woche fotografiere ich kurz Alicia Vikander, die gerade hier ist. Aber die anderen Jobs kommen noch. Als Fotograf musst du da flexibel sein.

 

Mehr von Jens Koch findest du auf Facebook facebook.com/jenskochphoto/ und Instagram @jenskochphoto

 

Fotos: Jens Koch; Ajoure-Men Redaktion



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