Jan Josef Liefers: „Tot ist man für immer. Also muss man Leben, solange man eben nicht tot ist.“

        Jan Josef Liefers    

Wir sitzen heute mit Schauspieler Jan Josef Liefers im Berliner Tiergarten im Café am Neuen See. Direkt am Wasser und mitten im Grünen unterhalten wir uns mit ihm über Zeit, Erfolg, Gesundheit und das Leben. Jan Josef Liefers ist ein Mensch, der schon Vieles erreicht hat. Dazu gehören unzählige Auszeichnungen wie Adolf-Grimme-Preis, Goldene Kamera, den schwedischen Filmpreis, Jupiter Award, Bambi und viele mehr. Auch in puncto Musik ist Jan Josef sehr erfolgreich und aktuell mit seiner Band RADIO DORIA auf Tour. Und nicht nur im Business schwimmt er seit Jahren auf der Erfolgswelle, sondern auch im Privatleben ist er glücklich verheiratet, hat Kids, Hund und Katze und eben alles, was so dazugehört.
 

AJOURE´: Da drängt sich uns natürlich gleich die erste Frage auf: Wie schafft man es, das alles unter einen Hut zu bekommen? Hast du mehr Zeit am Tag als andere Menschen?

Jan Josef Liefers: Leider nicht. Ein 48-Stunden-Tag käme mir aber sehr gelegen. Auf der anderen Seite gibt es ja noch die Pausen, die man im Job definitiv braucht und wo man einfach mal blöd rumsitzen darf und vor sich hingucken kann. Ich habe großes Glück, denn ich liebe meinen Job – Die Schauspielerei, als auch die Musik und die anderen Aufgaben die mir angetragen werden, und diese Tatsache betrachte ich als großes Privileg. Und dass ich damit noch in der Lage bin Geld zu verdienen, ist ebenfalls in meinen Augen ebenfalls ein Privileg. Da nehme ich auch gerne 16-Stunden-Tage in Kauf. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen es bei mir nicht rund lief und ich kurz vor einem Burn-out stand. Das Einzige, was half, war auf die Bremse zu treten. Seit diesem Tag versuche ich, eine vernünftige Balance in meinem Leben zu halten. Hierbei hilft mir mein Hund zum Beispiel sehr, denn er will spazieren gehen und ich muss logischerweise mit.

AJOURE´: Du legst sehr großen Wert darauf, dass es nicht nur deiner Familie gut geht, sondern auch deinen Tieren. Stichwort: „Clean Feeding“. Wie bist du darauf gekommen und was hat dich überzeugt? Gab es gesundheitliche Auslöser, dass du dich dem Thema angenommen hast?

Jan Josef Liefers: Einen gesundheitlichen Aspekt gab es nicht, nein. Ich stand vielmehr vor dem Tierfutterregal und betrachtete die vielen verschiedenen Futtersorten, die dir und deinem Hund alles versprechen. Mir war ein Futter wichtig, welches keine Füll- und Konservierungsstoffe beinhaltet – auch wenn es etwas teurer ist als die ganzen Billigfuttervarianten. Und genau dies ist auch das Konzept von „Nutro“. Sie kamen auf mich zu und fragten mich, ob ich nicht Interesse daran hätte, das Futter zu testen. Da wir zwei Hunde und zwei Katzen haben, waren wir also die idealen Versuchskaninchen. Ich sagte gerne zu und Toni und seine Gang waren bereits nach kurzer Zeit von „Nutro“ überzeugt. Bei uns selbst achten wir ja auch darauf, was wir essen. Und Nahrungsmittel, die ich nicht genau identifizieren kann, lasse ich weg. Stichwort: Streichwurst. Wenn ich mir diese orangefarbene Wurst anschaue, denke ich: „Hallo. Wer bist du und wenn ja, wie viele? Was ist da alles in dir drin?“ Kurz gesagt, man erkennt nichts mehr. Da koche ich lieber selbst etwas Leckeres aus Lebensmitteln, die ich selbst gekauft und geschnippelt habe und weiß dann ganz genau, was in meinem Essen drinsteckt.

Jan Josef Liefers Nutro Feed

AJOURE´: Ernährst du deine Haustiere erst seit neuestem mit Clean Feeding-Produkten? Hast du einen Unterschied in Sachen Gesundheit und Agilität festgestellt?

Jan Josef Liefers: Nun, ich bin kein Wissenschaftler, aber mein Eindruck ist, dass meine Tiere das Futter mögen. Sie nehmen es perfekt an, essen es gerne und verdauen es hervorragend. Das fällt einem auf, wenn man die Hinterlassenschaften mit der Plastiktüre einsammelt (schmunzelt). Mein Hund Toni ist zwar schon etwas älter, aber noch sehr fit. Ob dies am Futter liegt kann ich nicht beschwören.

AJOURE´: Man sagt ja, dass gesundes Essen immer etwas kostspieliger sei. Wie ist es mit Clean Feeding-Produkten?

Jan Josef Liefers: Ich finde, man muss das von zwei Seiten sehen. Zum einen ist es so, dass die Tüte Hundefutter bei uns ziemlich lange hält, da die Hunde nicht dreimal täglich futtern. Das wäre auch völlig unnötig, denn in „Nutro“ ist sehr viel Protein enthalten und so reicht es ihnen, einmal am Tag gefüttert zu werden. Dann gibt es natürlich noch die andere Seite. Das Futter ist zwar etwas teurer, aber man bekommt einfach viel mehr für sein Geld. Ich weiß natürlich, dass sich dieses Futter nicht jeder Tierbesitzer leisten möchte oder nicht leisten kann. Aber ich bin der Meinung, dass, sofern man es sich leisten kann, sich auch dafür entscheiden sollte, denn man tut seinem Tier etwas Gutes: Ich möchte, dass Toni gesund ist und lange bei uns bleibt.

AJOURE´: Denkst du, dass es in der heutigen Zeit noch viel wichtiger ist, auf sich und seine Work-Life-Balance zu achten als noch vor 20 Jahren? Stichwort: Internet, Schnelllebigkeit und Co?

Jan Josef Liefers: Absolut ja! Ich interessiere mich für Psychologie und der Psychiater Fritz Perls hat einst gesagt, man könne den Körper und die Seele nicht voneinander trennen, sondern müsse diese immer ganzheitliche betrachten. Das nannte sich damals Holismus. Er erzählt davon, wie er in den 30er und 40er Jahren behandelt hat und wenn man sich das durchliest, könnte man denken, dass sich bis heute nichts geändert hat. Er beschrieb damals bereits, dass Menschen unter der Last ihrer Arbeit zusammenbrechen und somit Störungen aufweisen, da sie nicht mehr in der Gegenwart leben, sondern ständig in der Vergangenheit und Zukunft sind. Damals gab es noch keine Digitalisierung und ich frage mich, wie das heutzutage aussehe.

Der Pace und die Schnelligkeit sind jetzt schon ein Vielfaches unseres menschlichen Tempos. Computer sind heute in der Lage Dinge zu berechnen, für die wir Wochen bräuchten. Ich denke, dass uns all dies irgendwann gewaltig um die Ohren fliegen wird. Mehr noch, glaube ich, haben wir noch gar nicht richtig begriffen, was die Digitalisierung mit uns macht. Wir genießen die Vorteile wie skypen und E-Mails schreiben, aber was dies für unsere Arbeitswelt bedeutet, ist noch gar nicht richtig klar. Wir hören zwar, dass immer mehr Leute mit Überlastungssymptomatiken zum Arzt gehen, aber dass so etwas auf einmal der Dauerbrenner wie früher Schnupfen geworden ist, das haben wir noch gar nicht so richtig begriffen. Und genau deswegen ist Work-Life-Balance eine sehr wichtige Sache.

Schwierig ist es, wenn zwischen Work und Life eigentlich kein richtiger Unterschied besteht. Wenn du zum Beispiel einen Job hast, bei dem du um 16 Uhr Feierabend machst, dann kannst du das vermutlich leichter trennen. Aber beispielsweise in einem Beruf, der dich verführt, nie damit aufzuhören und immer weiterzumachen, hast du am Ende vermutlich eine Bereitschaft, dich selbst auszubeuten, obwohl es gar keiner von dir verlangt. Insofern ist es viel schwieriger, so etwas wie eine Work-Life-Balance hinzukriegen, wenn du einen Job hast, der dich fasziniert und der dich einfach nicht loslässt. Vielleicht denkt sich jetzt jemand: Deshalb hat ein ungeliebter Job, in dem man sagt: „Feierabend, Adios! Ich bin jetzt Privat-Mensch“ etwas für sich. Doch der Job macht dich dann aber wieder auf eine andere Art unglücklich.

Jan Josef Liefers

AJOURE´: Die Unterhaltungsbranche befindet sich im Wandel. Weg vom klassischen TV-Programm, hin zu Streaming-Diensten wie Netflix und Co. Wie nimmst du diesen Wandel wahr?

Jan Josef Liefers: Es wird insgesamt mehr geschaut. Der Bedarf nach Unterhaltung, nach Musik, nach Filmen steigt eher als er abnimmt, aber er verlagert sich komplett woanders hin. Meine Kinder wissen noch, wie man den Fernseher anschaltet, aber sie schauen überhaupt nicht. Ihre gesamten Informationen beziehen sie komplett aus dem Internet.

AJOURE´: Haben sich auch die Produktionen im Gegensatz zu früher verändert?

Jan Josef Liefers: Ja, absolut, natürlich hat der Druck zugenommen. Wir machen deutsche Filme und unser Markt ist begrenzt, wir sind also auf den deutschsprachigen Markt mehr oder weniger angewiesen.

Dank Serien wie „Dark“ bei Netflix oder „4Blocks“ bei TNT öffnen sich jetzt neue Richtungen, die so vorher nicht zur Verfügung standen. Durch Streamingdienste kann man in anderen europäischen Ländern Serien und Filme im Originalton mit Untertiteln in der jeweiligen Landessprache anschauen. In Deutschland ist dies noch nicht so populär, aber auch schon möglich. Ich habe mir angewöhnt Filme im Original zu schauen, selbst dann, wenn ich die Sprache noch nie zuvor gehört habe. Man gewöhnt sich tatsächlich daran. Vielleicht können deutsche Produktionen in Zukunft dank dieser neuen Möglichkeiten ein bisschen größere Kreise ziehen.

AJOURE´: Wenn heute junge Leute auf dich zukommen und fragen: „Hallo Herr Liefers, ich möchte Schauspieler werden. Soll ich den Weg gehen?“ Was würdest du sagen?

Jan Josef Liefers: Jemand der unbedingt Schauspieler werden will, wird den Weg so oder so gehen, unabhängig davon, was ich dazu sage. Ich rate diesem Menschen nur, sich darüber im Klaren zu sein, dass es nur eine einzige Art gibt, wie man die Schauspielerei angehen kann. Und zwar ohne Plan B. Man muss sich voll und ganz und mit voller Kraft darauf einlassen und darf keine anderen Optionen im Kopf haben.

Viele Menschen denken, dass wenn man Schauspieler ist, man plötzlich eine Hauptrolle in einem Film bekommt und somit zum Star wird. Doch diese Menschen haben keine Ahnung davon, wie viel Arbeit auf dem Weg dorthin steckt. Taylor Swift zum Beispiel. Da stand Gitarrenunterricht schon ganz früh auf dem Programm, während ihre Freundinnen noch mit Puppen vor der Haustür gespielt haben.

Und man muss sich im Klaren darüber sein, dass man es nicht nur mit Fans zu tun haben wird, sondern auch haufenweise mit Kritik. Und Kritik kann sehr hart sein. Damit musst du umgehen können und nicht jeder kann über Zurückweisung und Ablehnung hinwegsehen und einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen. Der Job hat viele Seiten. Du solltest aber zwingend sensibel und durchlässig sein und auf der anderen Seite aber auch sehr hart im Nehmen.

Es reicht nicht „ein bisschen halbgut“ zu sein. Du musst ständig an deinen Fähigkeiten arbeiten und dich immer weiterbilden. Die Schauspielerei ist wohl einer der ganz wenigen Berufe, in dem wirklich jeder den Stab über dich brechen und dich im Grunde genommen vernichten kann. Und dann platzt dein ganzer Traum.

AJOURE´: Genauso spiegelt es sich auch bei YouTube-Stars wieder, bei denen man es noch viel einfacher hat, unter den Videos zu kommentieren und ohne Ende draufzuhauen. Was würdest du deiner Tochter sagen, wenn sie kommt und sagt, sie möchte ein YouTube-Star werden?

Jan Josef Liefers: YouTube-Stars haben ein irres Arbeitspensum. Jemand, der nur Unboxing-Videos macht, hat nicht so großen Stress, aber diejenigen, die gute Inhalte möchten und kleine Filmchen produzieren, die haben richtig Arbeit. Nicht umsonst haben einige unter ihnen kleine Teams um sich herum, mit denen sie zusammenarbeiten. Doch viele sehen und wissen das nicht. Die denken sich, der YouTuber schaltet die Kamera an und zack – fertig und erfolgreich. Doch das ist weit gefehlt.

AJOURE´: Ein Zitat aus deinem Film „So viel Zeit“, der am 22.11.18 ins Kino kommt, lautet: „Tot ist man für immer. Also muss an leben, solange man eben nicht tot ist.“ Darfst du uns dazu ein bisschen was verraten?

Jan Josef Liefers: Ja, es ist ein liebevoller, warmherziger Film. Die junge Band „Bochums Steine“ war kurz vor dem Durchbruch, doch Rainer hat dies auf offener Bühne ruiniert. Seine Bandkollegen haben ihm das nie verziehen und seit damals nicht mehr mit ihm gesprochen. Rainers Leben ist nicht so gelaufen, wie er es sich erträumt hat und dann erhält er die tragische Diagnose: Er hat Krebs und ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. Er beschließt noch mal alles zu geben und versucht endlich auch noch mal was richtig zu machen. Zu verlieren hat er ja nichts… Es hat so viel Spaß gemacht mit den tollen Bandkollegen Armin Rohde, Jürgen Vogel, Richi Müller, Matthias Buntschuh und den wunderbaren Schauspielerinnen Laura Tonke, Jeanette Hain und Alwara Höfels zu spielen.

AJOURE´: Man merkt so ein bisschen die Parallele zum Film „Knocking on Heavens Door“ von früher, was die Besetzung, Geschichte etc. angeht. Ist das richtig?

Jan Josef Liefers: Ja, denn es geht darum, zu schauen, was wir mit unserer Zeit machen und was eigentlich wichtig ist.

Philipp Kadelbach ist ein ganz großartiger Regisseur, der sich gemeinsam mit uns auf diesen Film eingelassen hat. Ich bin unglaublich froh, dabei gewesen zu sein und ich freue mich sehr, dass es ein so schöner Film geworden ist. Also schaut euch den Film im November an, ich bin auf euer Feedback nämlich sehr gespannt.

So viel Zeit
So viel Zeit

AJOURE´: Auf welche Projekte dürfen wir uns in nächster Zeit noch von dir freuen?

Jan Josef Liefers: „Arthurs Gesetz“ – eine Serie für TNT Comedy. Ausgestrahlt wird es zuerst auf Telekom Entertain, später bei TNT und vielleicht kommt das ZDF nächstes Jahr auch noch dran. Arthur ist ein freundlicher Mensch, der immer das Beste will, aber meistens das denkbar Schlechteste anrichtet – und je mehr er sich bemüht, desto mehr Menschen müssen leider aus dem Leben scheiden. Aber immerhin auf originelle Art und Weise. Arthurs Gesetz ist so etwas wie Murphys Law, demnach ein fallendes Butterbrot immer mit der Butterseite im Dreck landet. Der Beginn von Arthurs Misere heißt Martha und ist seine Ehefrau (gespielt von der wunderbaren Martina Gedeck). Ein klarer Fall von Etikettenschwindel. Warum, das erfahren wir zusammen mit Arthur im Verlauf der sechs Folgen. Auch das von ihr verlangte Opfer seiner rechten Hand ging nach hinten los und so steckt er nicht nur in Klein Biddenbach, sondern auch im falschen Leben fest. Arthur ist eine gequälte Kreatur, seine Frau macht ihm das Leben zur Hölle. Die Dame vom Amt ist auch nicht viel besser. Die Angebetete, eine Prostituiere, die er befreien möchte – egal, was er anstellt, er macht die Sache immer schlimmer.

Arthurs Gesetz
Arthurs Gesetz

Am 10. September lief im ZDF der Film „Gefangen – Der Fall K.“, der in der ZDF-Mediathek zu finden sein wird, falls man ihn verpasst haben sollte. Ein großartiger Film es Regisseurs Hans Steinbichler. Angelehnt an die Geschichte von Gustl Mollath, geht es in unserem Film um einen Mann, dessen Frau Schwarzgeld für eine große bayerische Bank in die Schweiz schafft und mit ihrem Mann deshalb in einen Konflikt gerät. Dies eskaliert so sehr, dass sie ihn mit Hilfe eines Richters, eines Gutachters und eines Arztes für unzurechnungsfähig erklären lässt und er somit neun Jahre in einer geschlossenen Psychiatrie verbringt. Im Fall Mollath kam heraus, dass er unschuldig war und stets die Wahrheit sagte. Ein sehr unschmeichelhafter Skandal für die bayerische Justiz. Es ist unvorstellbar, dass so etwas wirklich passiert ist.

AJOURE´: Vielen Dank Jan für das tolle Interview.

Jan Josef Liefers: Sehr gerne.
 

Jan Josef Liefers und Tobias Bojko im Interview
 

Fotos: Jens Koch, Mathias Kniepeiss, Universum Film, Turner Broadcasting System Europe Limited & Goodfriends / Hendrik Heiden / TNT Serie, AJOURE´ Redaktion

Keine Kommentare

Dein Kommentar dazu Abbrechen

Deine E-mail Adresse wird nicht veröffentlicht.